Sonntag, 27. November 2016

Meine ersten Schritte gen Zero Waste und To Do-Liste

Menschen, die sich schon mal mit ihrem ökologischen Fußabdruck beschäftigt haben, dürften vielleicht auch von Zero Waste gehört haben. Einer Bewegung, bei der versucht wird, die eigene private Müllproduktion so gut wie möglich einzuschränken. Eigentlich ja, gar keinen Müll mehr zu fabrizieren, aber das zero halte ich für utopisch und kann mir auch vorstellen, dass das viele abschreckt. Ich finde es bei solchen Themen generell wichtiger, mehr Leute zu animieren, kleine Schritte zu machen. Es muss nicht immer alles oder gar nichts sein. Kleine Schritte können in diesem Fall so viel dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und die Umwelt weniger zu belasten. Die Anregung, in Bezug auf Zero Waste selbst aktiv zu werden, kam von der diesjährigen Minimal Kon. Dort hielt Olga Kroll vom Projekt Zero Waste Lifestyle einen sehr inspirierenden Vortrag mit vielen einfachen Beispielen, wie man weniger Müll verursachen kann. Das motivierte mich ungemein, einige Sachen zu überdenken und zu ändern. Selbst habe ich den Eindruck, dass viele Leute bei Zero Waste zunächst bei ihrer Lebensmittelbeschaffung anfangen. Da ich jedoch in einer WG wohne, habe ich darauf nicht immer Einfluss und wollte erst mit meinem eigenen Müll loslegen.



Stofftaschentücher
Ich muss zugeben, ich bin eine Schniefnase. Selbst wenn ich keinen Schnupfen habe, verbrauche ich täglich um die drei bis sechs Papiertaschentücher. Da es dagegen eine so simple Lösung gibt, war das mein erstes Vorhaben Richtung Zero Waste. Ich erzählte meinem Freund davon und prompt schenkte er mir Winnie Puuh-Stofftaschentücher. Interessanterweise kennt solche das von Hause aus gar nicht anders und hat sie schon immer verwendet. Anstatt die Tücher wegzuschmeißen, kommen sie nach Benutzung einfach in die Waschmaschine und sind somit wiederverwendbar. Natürlich kann man sich auch andere Motive und schlichte Varianten holen, aber als großer Disney-Freund sind diese perfekt für mich. Auch wenn man sich die Geschenkübergabe ein wenig wie den Gilmore Girls-Dialog vorstellen kann, in dem Lorelai und Rory Lollipop-Ringe von Max bekommen.

MAX: One for you and one for you.
RORY: What are these?
MAX: Those are rings. And the diamond is actually candy so you can eat it.
LORELAI: Max, that's very sweet, but we're not eight.
(Lorelai and Rory excitedly switch rings behind Max's back)
LORELAI: What do you got?
RORY: Grape. Yours?
LORELAI: Red
RORY: Trade you!
LORELAI: Yes!

Jedenfalls ist es schon eine kleine Überwindung, plötzlich in Stoff zu schnauben, aber ich habe mich relativ schnell daran gewöhnt. Nur unterwegs habe ich ab und zu mein Stofftaschentuch vergessen, sodass ich doch noch auf die Papiervariante zurückgreifen musst. Aber das kriege ich auch noch in den Griff. Sechs Tücher waren der Anfang und bald werde ich mir sicherlich noch mehr mit hübschen Motiven zulegen, um seltener waschen zu müssen. Diese halten bei mir ungefähr drei bis vier Wochen, weil sich auch pro "Durchgang" länger benutzbar sind als Papiertücher. Ich bin sehr froh über diesen Schritt und habe seitdem tatsächlich viel weniger Müll in meinem Papierkorb.


Ohrlöffel
Kommen wir zu einem etwas schwierigeren Thema für mich. Trotzdem ich weiß, dass man sie nicht für die Ohrreinigung verwenden soll, benutze ich gern Wattestäbchen. Vor einigen Jahren stieg ich bereits auf die Stäbchen mit Papierstiel um, damit ich nicht so viel Plastik mit meinem Konsum zu verbrauchen. Aber auch hier kann man den Abfall weiter einschränken. So bestellte ich mir einen Ohrlöffel. Ein gruselig aussehendes Ding aus Metall mit einer kleinen Schlaufe am Ende des Griffs. Medizinisch angeblich empfohlen, doch ich habe leider Schwierigkeiten, mein Ohr damit zu reinigen. Er ist mir zu unhandlich und holt nichts wirklich raus, auch wenn da was ist, wie mir ein Wattestäbchen später bestätigte. Sorry, falls TMI. Häufiger komme ich damit auch zu tief ins Ohr rein, was ziemlich weh tut. Zufrieden bin ich damit also überhaupt nicht. Leider keine Erfolgsstory. Vielleicht muss ich bloß besser üben, aber momentan kann ich mir leider nicht vorstellen, komplett auf Wattestäbchen zu verzichten.

Zu Verschenken-Kiste
Minimalismus sei dank bin ich immer mal wieder am Aussortieren. Doch vor allem mit dem eigentlichen Loswerden hat es in der Vergangenheit immer wieder gehapert. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, an dem ich keine Kiste mit Büchern, CDs oder Ähnlichem in meinem Zimmer zu stehen hatte. Ich war gegenüber Kisten, die man einfach mit einem fetten Schriftzug Zu verschenken versieht, immer skeptisch. Aber letztendlich probierte ich es aus und es hat einwandfrei geklappt. Innerhalb von drei Tagen war bis auf zwei Sachen alles weg. Das ist auf jeden Fall wiederholenswert. Obwohl auch Oxfam noch auf meiner Liste steht, was das Weggeben mancher Dinge angeht. Was für eine gekonnte Überleitung zu meinem nächsten Punkt.


To Do-Liste
Wie gesagt, waren dies erst die initialen Schritte. Es gibt noch Einiges, das ich mir für die Zukunft vorgenommen habe. Zu den Punkten wäre ich um Erfahrungswerte und Tipps übrigens unendlich dankbar.

  • Seit Jahren legt mir Apfelkernchen bereits eine Menstruationstasse ans Herz. Aus irgendeinem Grund war ich dafür lange nicht bereit. Hiermit steht die Anschaffung jedoch auf der Liste. Neben der Müllvermeidung haben Menstruationstassen auch verschiedene andere Vorteile. Ich kann die beiden Blogbeiträge zu dem Thema auf Apfelkerne und Blanc et Noir empfehlen.
  • Bleiben wir bei der Hygiene untenrum. Statt Einweg-Slipeinlagen möchte ich mich definitiv nach waschbaren Stoffalternativen umschauen. Vielleicht lassen die sich sogar selbst nähen, wäre wohl preiswerter und einen Schönheitswettbewerb müssen die ja auch nicht gewinnen. Sieht schließlich niemand.
  • Ich würde zwar behaupten, dass ich nicht so viel Duschgel und Shampoo verbrauche wie andere, trotzdem kommen die bei mir immer noch in Plastikflaschen daher. Stattdessen möchte ich es mit Haarseife versuchen. Ich hatte schon einmal eine Haarseife, war aber sowohl von Konsistenz als auch von Geruch absolut nicht überzeugt. Außerdem fühlten sich meine Haare danach furchtbar an. Da muss es doch Besseres da draußen geben, oder?


Dinge, die ich sowieso schon mache
Beim Grübeln über meinen Weg Richtung Zero Waste sind mir auch durchaus Dinge eingefallen, die ich schon seit Jahren "vorbildlich" mache. Vielleicht ist davon ja etwas für jemanden dabei, da es ebenfalls Punkte sind, die sich einfach umsetzen lassen.

  • Eigene Stoffbeutel zum Einkaufen mitbringen, statt jedes Mal eine neue Plastiktüte zu kaufen.
  • Selfmade-Notizzettel aus alten einseitig bedruckten Blättern oder leeren Restseiten aus Heften machen. Ehrlich, ich glaube, ich werde die Dinge nie wieder kaufen müssen.
  • Zum Trinken für unterwegs eine Glasflasche immer wieder auffüllen und benutzen. Ich sehe es überhaupt nicht ein, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen. Leitungswasser in Deutschland hat sowieso eine einwandfreie Qualität, da ist die notwendige Getränkebeschaffung also fast kostenfrei.
  • Beim Essen für unterwegs eine Brotdose statt Alufolie verwenden.
  • Kleidung immer erst probieren zu nähen oder reparieren, bevor man sie ersetzt. Ich trage manche Stücke vielleicht lächerlich lang, muss mir jedoch auch nur einige wenige Male im Jahr etwas Neues zulegen.
  • Strohhalme weglassen. Einfach. So. Unnötig. Warum?
  • Waschlappen statt Wattepads verwenden. Ich benutze mein Gesichtwasser nicht allzu oft und so reicht eine Packung Wattepads um die zwei Jahre. Auch wenn es natürlich auch in diesem Bereich Stoffalternativen gibt.
  • Unterwegs keine Flyer oder kostenlose Heftchen annehmen, wenn sie sowieso nicht interessieren.


Mein Fazit soweit: Es ist definitiv interessant, sich mal wieder in eine neue Richtung auszuprobieren. Ich muss seltener den Müll herunterbringen und werde auch endlich andere Dinge müllfrei los. Es gibt noch viel zu tun, aber das wird schon Stück für Stück.

Habt ihr euch schon mal mit dem Thema Zero Waste beschäftigt? Kennt ihr vielleicht weitere und einfach umzusetzende Tipps?