Montag, 6. Juli 2015

Mein Leben als introvertierter Mensch

Dass es so, wie ich bin, nicht falsch oder schlimm ist, habe ich erst vor einigen Jahren herausgefunden. Bis dahin fühlte ich mich oft fehl am Platze und überfordert mit der Welt. Nun, das ist heute manchmal immer noch so, aber ich weiß zumindest mittlerweile, ich bin ein introvertierter Mensch und damit überhaupt nicht allein. Inwiefern ist mein Leben also anders als das eines extrovertierten Menschen?


1. Sozialer Kontakt laugt mich extrem aus. Egal, wie sehr ich die Person mag, mit der ich etwas unternehme, und ganz gleich, wie viel Spaß ich dabei habe, meine Batterien kann ich nur dann aufladen, wenn ich allein bin und meine Ruhe habe.

2. Wenn ich neue Menschen kennenlerne, bin ich sehr schüchtern. Fremde Situationen sind immer eine Herausforderung für mich. Oft wirke ich ruhig, rede nur, wenn ich wirklich das Gefühl habe, etwas beitragen zu können. Ich mag keinen Small Talk und stehe nicht gern im Mittelpunkt. Je besser ich Personen jedoch kenne, desto mehr komme ich aus mir heraus, bin mitunter ziemlich aufgedreht und laut, singe gern und mache Quatsch. Generell halte ich mich jedoch lieber in kleinen als in großen Gruppen auf.

3. Vor vielen Menschen zu sprechen, zum Beispiel bei Präsentationen, fällt mir unglaublich schwer. Meist bin ich am Tag davor schon aufgeregt und kann kaum an etwas anderes denken.

4. Ich bin nicht wirklich spontan, sondern plane die Dinge lieber schon einige Zeit im Voraus, damit ich mich ausreichend darauf vorbereiten kann. Auch Ungewissheit macht mich wahnsinnig, deshalb plane ich nur früh, sondern auch genau.

5. Ich schreibe lieber als zu reden. Ich kann mich schriftlich einfach besser ausdrücken, länger an meinen Worten feilen und sie mir besser zurechtlegen. Damit zusammenhängend schreibe ich auch lieber E-Mails und Nachrichten als zu telefonieren. Besonders mit fremden Menschen ist letzteres ein Horror für mich.

6. Wenn die Ruhephase zwischen einzelnen sozialen Interaktionen zu kurz ist, dieser trotzdem unvermeidlich, werde ich todmüde, bekomme Kopfschmerzen und reagiere in aller Regel sehr gereizt auf all die Sinneseindrücke von außen.

7. Ich kann mich ziemlich gut allein beschäftigen und mir ist selten langweilig. Dadurch haben sich schon so einige Hobbys angesammelt. Auch brauche ich nicht viele Freunde, mir reichen dafür wenige gute. Mir würde schlussendlich auch die Energie fehlen, viele Freundschaften regelmäßig zu pflegen.

Das waren spontan einige Punkte, die mir eingefallen sind und die ich einfach mal niedertippen wollte. Vielleicht könnt ihr das nachvollziehen, vielleicht dient es wenigstens als Einblick in ein anderes Leben. Es ist definitiv nicht immer einfach, introvertiert zu sein. Besonders in einer Gesellschaft, die nicht darauf ausgelegt ist, in der man besser voran kommt, wenn man sein Maul aufreißt und sich gut präsentieren kann. Ich habe jedenfalls aufgehört, dagegen anzukämpfen, weil es sowieso unmöglich ist. Ich bin, wie ich bin. Also muss ich das Beste daraus machen, zumal es nicht nur negative Dinge mit sich bringt.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr eher introvertiert oder extrovertiert? Habt ihr auch das Gefühl, das legt euch manchmal Steine in den Weg oder sind das alles Probleme, mit denen ihr euch noch nie auseinandersetzen musstet?