Sonntag, 21. Juli 2019

Die 7 besten Songs von Joss Stone

Seit 2014 ist die britische Musikerin Joss Stone im Auftrag ihrer eigenen Mission einer Total World Tour unterwegs - eine Tour, auf der sie ihre Musik in wirklich jedes Land bringen möchte (nicht so wie andere Künstler, die auf zwei Kontinenten Live-Auftritte geben und das dann schon Welt-Tour nennen). Die Videos ihrer Reisen könnt ihr auf ihrem YouTube-Kanal anschauen.

Im Juli 2019 stand nach fünf Jahren mit dem Iran das letzte Land auf ihrer Liste, doch so kurz vor dem Ziel erhielt sie prompt ein Einreiseverbot. Denn dort ist es für Frauen verboten, ein öffentliches Konzert zu geben. An die Regeln hätte sie sich gehalten, erzählte sie in einem Instagram-Post. Stattdessen hätte sie ihre gute Stimmung mitbringen und zeigen wollen, was unsere Erde zu bieten hat. An anderer Stelle möchte sie es erneut probieren, ihre Welttour zu vervollständigen. Dabei wünsche ich ihr viel Glück.

Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass das barfüßige Sommerkind Joss Stone es bereits erfolgreich geschafft hat, wertvolle Botschaften in die Welt zu singen und Menschen Freude zu bringen. Mit einem kleinen Rückblick auf ihre Karriere zelebriere ich deshalb ihre Musik und stelle euch die, meiner Meinung nach, sieben besten Songs aus ihrer Diskografie vor.

Foto: Venni

1. Victim Of A Foolish Heart

Stone ist mittlerweile so lange im Musikgeschäft, dass man schon fast wieder vergessen könnte, wie es eigentlich bei ihr angefangen hat. Als im Jahr 2003 nämlich ihr erstes Album The Soul Sessions veröffentlicht wurde, bestehend aus einer Reihe von Cover-Songs im klassischen Soul-Stil, war sie erst 16 Jahre alt. Gerade deshalb war ihre Reife und die Ausgeprägtheit ihrer Stimme phänomenal. Die Ballade Victim of a Foolish Heart berührt mich bis heute sehr stark. Bettye Swanns fast schon unbekümmert klingende Ursprungsversion wurde plötzlich zum herzzerreißenden Musikstück. Darin bittet die Erzählerin ihren Geliebten flehentlich, auf keinen Fall wieder auf seine Ex hineinzufallen, da diese ihn sowieso wieder nur verletzen würde.

don't be a victim of a foolish heart
don't let her lies get next to you
she's just trying to tear us apart
and she's trying to make, to make me her victim, too


2. Spoiled

Mit ihrem zweiten Album Mind Body & Soul (2004) kamen zum ersten Mal Songs heraus, an denen die englische Sängerin selbst als Komponistin beteiligt war. Nach Veröffentlichung ging Joss Stones Popularität durch die Decke, das Album verkauft sich millionenfach und sie erhielt die Chancen mit vielen anderen Legenden zu singen - James Brown, Stevie Wonder und Melissa Etheridge stellen nur einen winzigen Bruchteil dar. Es dürfte außerdem der Zeitpunkt gekommen sein, an dem Klein-Karo die Lieblingssängerin ihrer Teenager-Jahre entdecken sollte.

Obwohl ihre bis dato erfolgreichste Single You Had Me natürlich einen maßgeblichen Part in ihrer Karriere spielte, entscheide ich mich an dieser Stelle trotzdem für Spoiled. Vielleicht mag es an meiner persönlichen emotionalen Verfassung liegen, dass mich diese Ballade so anspricht. Sie handelt davon, einfach nicht über jemanden hinweg kommen zu können.

I tried to tell myself that I'd be over you in a week or two
but baby that was 'bout a year ago
I've never seen the word love so personified as I do with you
and that is why I, I just can't let go, oh no


3. Tell Me 'Bout It

Ihr drittes Album setzte für Joss Stone 2007 den Beginn einer neuen Ära in ihrer Musikkarriere. Die Haare sind plötzlich rot, die Klamotten bunt: der Albumname Introducing Joss Stone wirkt wie ein Befreiungsschlag. Zum ersten Mal bestimmt sie selbst die Produzenten ihrer Musik, wobei sie jedoch den Hauptteil der Produktion selbst übernimmt und dabei die Kontrolle über die Songs hat.

Mit der neu gefundenen Macht widmet sie sich neben Texten über die Liebe, das Leben und der Musik auch ihrer Sexualität. Dabei bietet das Album so viel Pepp und Groove, dass man ihr zum ersten Mal wirklich die Freude an ihrer eigenen Musik anmerkt. Tell Me 'Bout It war dabei die erste Single der Platte, mit der sie sich selbst der Welt vorstellt und zeigt, dass sie nun erwachsen geworden ist.

what you think about me and you being together
could you brink to share my cold and stormy weather?
have you got this under control
show me you know about a woman's soul


4. Big 'Ol Game

Auch wenn die Geschichte bisher gut klingt: Es verlief nicht immer alles reibungslos für Joss Stone. In ihrem Heimatland Großbritannien wurde sie häufig als zu "amerikanisiert" verschrien, Introducing Joss Stone war ihrem Label EMI kein kommerziell ausreichender Erfolg und sie hatte im Gegenzug das Gefühl, künstlerisch zu eingeengt zu werden. Dies alles kam mit ihrem Album Colour Me Free (2009) an die Oberfläche. So singt sie bereits im ersten Lied Free Me versteckt am Ende "free me EMI" - lass mich frei, EMI. Auch in Interviews erzählt sie ehrlich davon, wie sie um ihr buntes Albumcover kämpfen musste, auf dem Sie hinter einem Gitter eingesperrt ist. Es sei laut der Plattenfirma beleidigend, sodass in Amerika letztendlich einfacher Text auf lila Hintergrund als Cover verwendet wurde.

Trotz dieser Komplikationen sehe ich Colour Me Free als ihr bislang bestes musikalisches Werk an. Jeder einzelner Song wirkt wie ein zeitloser Klassiker, den man noch in Jahrzehnten genauso gut anhören kann. Nach den Pop-Nummern kehrt sie wieder zum Soul zurück, würzt ihn hier und dort jedoch mit Funk und Jazz, lässt Bläser und Streicher zur Untermalung erklingen. Zwar geht es auch immer noch um Liebe und Herzschmerz, doch wird sie mit Governmentalist auch politisch. Wenn ihr euch nur ein Album von Joss Stone geben möchtet, wählt dieses.
Als absoluten Top Song habe ich Big 'Ol Game gewählt, der propagiert, dass man das Leben trotz großer und kleiner Probleme nicht zu ernst nehmen sollte und auch ein bisschen Spaß haben muss.

the birds and bees, they do their thing in trees
while we're hustlin', bustlin', playing the game of life
we're lookin' in a dark cloud for the answer of all the questions, why
life is just a big ol' game to me



5. Karma

Im Jahre 2010 schafft es Joss Stone endlich, aus ihrem Plattenvertrag auszusteigen. Daraufhin gründet sie ihr eigenes Label mit dem Namen Stone'd Records, unter dem sie seither ihre Alben veröffentlicht. Das erste macht mit dem Titel LP1 (2011) ganz klar die Ansage, dass dies einen Neuanfang für sie bedeutet.

Aufgenommen wurden die 10 Songs in lediglich sechs Tagen in Nashville, Tennessee. Das macht sich durch die Einflüsse von Country und Blues-Rock deutlich bemerkbar. Denn auch wenn man darauf immer noch reichlich modernen Soul findet, gibt es ebenfalls den einen oder anderen Rock-Song. Dazu gehört die zweite Single-Auskopplung Karma, in der sie ihre Abrechnung mit ihrem Gegenüber macht. Was mich an dieser Platte besonders fasziniert, ist, wie roh und harsch sie ihre raue Stimme einsetzt, wie sehr sie fast schon faucht und keift.

I am what I am, you did what you did
I'm glad I'm not a sinner baby, cause here's a twist
you are what you are, I saw what I saw
karma's your master, and you're the bitch



6. Drive All Night

Mir fallen spontan kaum Lieder ein, die die Emotion behandeln gerührt zu sein. Deshalb ist dieses, ebenfalls von LP1, derart besonders. Es beschreibt herrlich, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch etwas so außergewöhnlich Liebevolles für einen macht, dass man es kaum fassen kann; den Moment, in dem man realisiert, wie wichtig man dieser Person sein muss. Drive All Night gibt das so fantastisch wieder, dass mein Herz schon beim Anhören anschwillt und sich gleichzeitig zusammenzieht, weil es irgendwie zu viel auf einmal ist.
Der Twist: Joss Stone erzählte einmal auf einem Konzert: "Dieser Song handelt von einem Mann, der komplett irre war. Also er war wirklich übergeschnappt. Aber irgendwie habe ich es geschafft, daraus eine Liebesgeschichte zu spinnen." Das ist ihr auf erschreckende Weise wundervoll gelungen und genau aus dem Grund ist dieser rührende Song einer der besten von ihr.

no one's ever done anything like this for me before
no one's ever drove for miles to make me smile before
you might be tired but the fact of the matter is
you're standing right in front of my face



7. The Answer

Mit dem nächsten Album besann sich Stone auf den Beginn ihrer Karriere zurück und nahm erneut eigene Interpretationen von Soul-Klassikern auf, die sie auf The Soul Sessions, Vol. 2 (2012) vereinte. Insgesamt stellt das Ganze eine wunderbare Ergänzung für ihre Live-Sets dar und man kann die Lieder wirklich gut anhören - für mich ist schlussendlich jedoch keines dabei, das mich zutiefst beeindruckt und mich in den vergangenen Jahren stark begleitet hätte.

Deshalb springen wir gleich zu der zuletzt veröffentlichten Platte weiter: Water For Your Soul (2015). Musikalisch wagt sie sich damit in neue Gefilde, genauer gesagt in die Welt des Reggaes in Mischung mit allerlei Elementen aus Weltmusik, Flamenco und Gospel. Dafür erhielt die britische Musikerin sehr gemischte Kritiken und auch ich war nicht allzu begeistert von dem nicht ganz ausgereiften Musikexperiment. Die meisten Lieder sind irgendwie mittelschnell und es fehlt an eingängigen Melodien.

Der einzige Lichtblick befindet sich am Ende der Tracklist mit The Answer, aber der strahlt dafür umso heller. Endlich kommt Schwung in die Sache. Wie es bei Hippiekind kaum anders sein könnte, geht es hier um das Finden von Sorglosigkeit und Freiheit. Mit gut tanzbaren Trommeln, einer irischen Fiddle und einem ermutigenden Text bin ich wieder ganz dabei.

if we could just connect the heart with the head
we'd be just fine, no judgment call of any kind


Was steht als Nächstes auf dem Plan? Das letzte Update auf ihrer Website rief einen Wettbewerb aus, bei dem Fans ihre eigenen Coverbilder für eine neue Remix-Version von Water For Your Soul erstellen konnten - das Kunstwerk des Gewinners wird am Ende verwendet. Na gut, so lange gewartet, nur damit sie diese Senke in ihrer Karriere noch einmal aufwärmt. Hoffen wir, dass es darüber hinaus bald komplett neue Musik gibt, mit der sie uns wieder beglücken kann. Bis dahin lausche ich einfach weiter den 7 besten Songs von Joss Stone.

1 Kommentar:

  1. Den Beginn ihrer Karriere habe ich mit Interesse verfolgt. Aber nach dem 'Introducing...' Album gingen meine und Joss Stones Wege etwas auseinander. Vielleicht sollte ich wenigstens ihre alten Sachen mal wieder raus kramen. Stimmlich ist sie ja immer noch ein Phänomen. Ziemlich kraftvoll und rau.

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