Dienstag, 25. Juni 2019

Musiktipps #20: I DON'T PLAY, I SLAY [Pride Month Edition]

HAPPY PRIDE MONTH! 
Es gibt endlich wieder eine Ausgabe meiner Musiktipps an euch und diesmal zu einem besonderen Anlass. Selbst bin ich nicht direkt Teil der LGBTQIA+-Community und ich habe mit mir gehadert, ob ich mir das Recht herausnehmen darf, das Thema trotzdem aufzugreifen. Aber letztendlich sehe ich mich durchaus als Verbündete dieser Gemeinschaft. Ich finde es  nicht nur wichtig, sondern auch hochinteressant, mir die Geschichten von queeren Personen anzuhören, zu lernen, was sie teilweise Tag für Tag durchmachen, wofür sie kämpfen müssen - und natürlich einfach mitzukriegen, was für großartige und offene Persönlichkeiten sie sind.

Ihre Probleme kann ich nicht aus erster Hand nachvollziehen. Aber ich kann mir ihre Lektionen über Schwierigkeiten, Hindernisse - und wie sie diese überkommen - anhören und sie auf mein Leben, meine mentalen Gesundheitsprobleme, mein Weg zur Selbstliebe anwenden. Das ist unglaublich bereichernd und hilfreich.

Generell bin ich der Meinung, jeder sollte sich so gut wie möglich mit den Lebensumständen, Subkulturen und Geschichten von Minderheiten-Gruppen beschäftigen. Schmeißt doch mal ein paar weiße, reiche Männer aus euren Timelines und fügt stattdessen Queer Folk, Transfrauen und -männer oder ein paar Drag Queens hinzu!

Wenn das mehr Leute tun würden, könnten sie schnell begreifen, dass es sich dabei um ganz normale Menschen mit den gleichen Bedürfnissen handelt, denen man nicht mit Hass oder Angst zu begegnen hat. Dass Gleichberechtigung und Akzeptanz überhaupt immer noch ein Streitthema sein müssen, ist für mich unfassbar. Aber um mein Geschwafel zu beenden, übergebe ich nun an Stimmen, die auch dieses Jahr im Juni wieder Pride zelebrieren:


Haus Party, Pt.1 von Todrick Hall
Wieder einmal kam, sah und slayte der viel beschäftigte US-amerikanische Sänger, Tänzer und Musikvideo-Visionär mit seinem neuesten Album Haus Party. Wie der Name schon andeutet, lässt er Pop und Co. hinter sich und widmet sich ganz der House-Musik. Vorläufig gibt es den ersten Teil auf die Ohren, der mit Songs wie I Like Boys und Glitter tanzbare Tunes abliefert.

Großes Augenmerk liegt jedoch natürlich auf der Single Nails, Hair, Hips, Heels. Zu der gibt es bereits ein kesses Musikvideo, in dem an die 70 Männer auf High Heels tanzen. Es fügt sich perfekt in die Reihe von Todrick Halls Club-Hymnen ein (nach Low und Dem Beats) - diesmal sogar ohne Hilfe von Drag-Ikone RuPaul. Meiner Meinung nach hat er sein Vorhaben perfekt umgesetzt, einen Song zu schreiben, bei dem man sich als Zuhörer selbstbewusst und unbesiegbar fühlt.
girl, what did that girl just say, girl?
ooh girl, I don't dance, I work
I don't play, I slay
I don't walk, I strut


1950 von King Princess
Dieses Lied von King Princess, leider nicht ihr richtiger Name, kam zwar schon im Jahre 2018 heraus, doch ich entdeckte es erst kürzlich. Der Musikerin aus Brooklyn wird schon seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle vorausgesagt, bald ganz groß herauszukommen. Es kann also wirklich jeden Moment losgehen und ihr habt bei mir zuerst davon erfahren, nech?

In dem Text der Pop-Nummer über unerwiderte Liebe bezieht sie sich auf Zeiten der Queer-Geschichte, in der alles außer heterosexuellen Beziehungen nur heimlich und in versteckten Botschaften vor sich gehen durfte. In der Öffentlichkeit tut man kalt und distanziert, im Privaten kann man sein Liebe endlich ausleben. Zugegeben: Ohne Erklärung wäre diese Interpretation wahrscheinlich nur für die wenigsten offensichtlich gewesen, trotzdem wurde es zum Hit außer- und innerhalb der LGBTQ-Bewegung.
I love it when we play 1950
it's so cold that your stare's 'bout to kill me
I'm surprised when you kiss me


Transgender Dysphoria Blues von Against Me!
Das Lied sowie das ganze gleichnamige Album (2014) der Punk-Rock-Band Against Me! behandelt das Coming Out und die Geschlechtsanpassung der Gründerin, Sängerin und Gitarristin Laura Jane Grace. Es ist ein komplett unerwarteter Schlagabtausch zwischen dem harten Musikgenre und den Texten über Geschlechtsidentitätsstörung, über ein Leben voller Angst, Scham und Hass, das Grace an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, ein Leben, mit dem sie hier abrechnet - und meine Fresse, ist es genial!
you want them to see you
like they see every other girl
they just see a faggot
they'll hold their breath not to catch the sick


Gay Man von Manila Luzon
Manila Luzon - ein Urgestein aus RuPaul's Drag Race, wo er sich in der dritten Staffel den zweiten Platz verdient hat. Bei mir besonders im Kopf geblieben durch ausgefallene Kostüme, wie dem todschicken Ananas-Kleid. Zum ersten Mal zeigt sich Luzon in diesem Musikvideo zur Single Gay Man als Künstler nicht in seiner gewohnten Drag-Erscheinung, sondern als Mann - so, wie er hinter den Kulissen und im Alltag ist.

Auf dumme Sprüche und vermeintlich beleidigend gemeinte Fragen von Macho-Typen wie "Dude, are you gay, man?" gibt er die selbstbejahende, stolze Antwort "Yas, I'm a gay man" - und darüber hinaus ist er natürlich so vieles mehr. Das Video ist bunt und schrill, bedient manche Klischees, während es mit anderen aufräumt. Gay Man ist bei mir definitiv der Ohrwurm des Sommers.
you do you and I'll do me
flamboyant as I can be
I'm not tryna dance up on you
not unless you want me to?
- no homo

i wanna be your girlfriend von girl in red
In dieser Indie-Nummer singt die norwegische Musikerin unter ihrem Künstlernamen girl in red von ihrer Liebe zu einer anderen Frau namens Hannah. Auch bevor sie ihr Pseudonym annahm, postete Marie Ulven bereits Musik auf der Plattform Souncloud, wo sie viele Zuhörer erreichen konnte. Der Song i wanna be your girlfriend von ihrer ersten EP wurde bei der Liste der besten Lieder des Jahres 2018 von der New York Times mit dem neunten Platz gekürt.

Eigentlich ist die Melodie musikalisch wohl nicht allzu ausgefallen, doch blieb dieser Song vor ein paar Monaten einfach bei mir hängen. Es ist vielleicht der Nachdruck, mit dem sie ihre Botschaft wiederholt, vielleicht die bezaubernden Textzeilen. Wie dem auch sei, es ist ein wunderschönes Liebeslied.
I don't want to be your friend 
I wanna kiss your lips 
I wanna kiss you until I lose my breath


I Am Her von Shea Diamond
Man sagt, der am meisten benachteiligte Mensch in den USA ist die schwarze Frau. Die schwarze Transfrau setzt wohl leider noch einmal eins obendrauf. In ihrer Soul-Hymne klagt Shea Diamond eine Welt an, in der sie und ihresgleichen keinen Platz zu haben scheinen.
Ihre Geschichte ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Nach großem Druck durch die eigene Familie, darauffolgenden Jahren in verschiedenen Pflegeunterbringungen wuchs ihre Verzweiflung mit Anfang zwanzig darüber, im falschen Körper zu existieren, ins Unermessliche. So sah sie einen bewaffneten Überfall als einzige Lösung, um das nötige Geld für die Geschlechtsanpassung zusammenzukriegen. Die Konsequenz: 10 Jahre im Männergefängnis, in dem sie aufgrund ihrer frauenhaften Züge herumgeschubst wurde. Dort entstand auch dieses Lied, das sie nach ihrer Entlassung aufnahm und welches sie schließlich bekannt machen sollte.

Es ist nicht so, dass ihre Straftat kein riesiger Fehler war. Aber unsere Gesellschaft kann einfach nicht leugnen, dass es oft die sozialen Umstände sind, die Menschen in solche Situationen kommen lässt. Die ihnen keine andere Chance gibt, als es mit Gewalt zu probieren. Shea Diamond gehört wahrscheinlich zu den wenigen, die es da glimpflich heraus geschafft haben, davon erzählen können und bei anderen Hoffnung entfachen können.
your ignorance leave the head of the stench 
the aroma lingers on generations have known 
ain't it ironic the smarter we get 
the less we understand about the simplest shit
I am shame she is me

1 Kommentar:

  1. Against me! gehen aber ziemlich ab. Da muss ich mal weiter recherchieren...

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