Freitag, 4. Januar 2019

2018

2018 war für mich das Jahr mit der steilsten Abwärtskurve meines gesamten Lebens. Während der Jahreswechsel mit einem Kuss meines damals Liebsten begann, ging spätestens seit Mitte des Jahres alles so richtig den Bach herunter. Ich fühle mich so erleichtert, dass dieses Kapitel hinter mir liegt. Auch wenn es sich natürlich nicht vermeiden lässt, emotionalen und mentalen Ballast mit ins neue Jahr zu nehmen, sehe ich es doch als kleinen Neuanfang. Als Chance.

Studium & Arbeit
Es war zum Ende hin ein echter Kampf, aber Ende März habe ich endlich mein Bachelor-Studium in Anglistik an der Universität Leipzig erfolgreich abgeschlossen. Glücklicherweise hielt die nächste schwierige Phase, die Bewerbungsphase, nicht lange an.
Seit Mitte April absolviere ich ein Volontariat in einer Online-Redaktion für ein Vergleichsportal. Sicherlich nicht mein ultimativer Traumjob, aber ich bin noch immer erleichtert, gleich beruflichen Anschluss nach dem Studium gefunden zu haben. Die Aufgaben dort sind insgesamt abwechslungsreich und interessant genug, um an dieser Situation vorerst nichts ändern zu wollen. Jeden Tag morgens aufstehen zu müssen, hat mir 2018 zudem viel Halt und Ablenkung verschafft. Im Arbeitsleben fühle ich mich so viel wohler und angekommener als im Studium.

Umzüge
In den vergangenen zehn Monaten habe ich gleich zwei Umzüge hinter mich gebracht. Ende März ging es von Leipzig wieder an den Rande Berlins in mein altes Kinder- bzw. Jugendzimmer bei meiner Mutter in Bernau. Die Anfahrt zur Arbeit war mit knapp eineinhalb Stunden viel zu lang für mich, weshalb natürlich ein Umzug nach Berlin allein deswegen wünschenswert war. Lange hat es gebraucht - nicht nur ist der Wohnungsmarkt in der deutschen Hauptstadt anstrengend, auch wollte und konnte ich mich lange nicht mit dem Gedanken anfreunden, mich längerfristig niederzulassen. Berlin war immer eine Zwischenlösung, etwas Vorübergehendes. Nach Berlin zu ziehen, würde bedeuten, dass ich mich einrichte, länger niederlasse. Und der Plan war schließlich, etwas mit meinem Freund, dem Belgier, aufzubauen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Mittlerweile lebe ich der ehemaligen Wohnung meines Großvaters in einer ruhigen Ecke Treptows, die ich mir mit einer Freundin und ihrem Hund teile. Die Spree ist nicht weit entfernt, es gibt viele kleine Geschäfte, mein Arbeitsweg hat sich auf weniger als die Hälfte reduziert und nach Abendveranstaltungen in Kreuzberg bringen mich Bahn und Bus in weniger als dreißig Minuten nach Hause. Langsam lebe ich mich ein und sehe diesen Wohnort als längerfristige Perspektive, nicht nur als Notlösung.


Trennung
Eine Woche vor meinem Geburtstag bei einem Besuch des Belgiers in Deutschland passierte dann das wohl Schlimmste, das mir je widerfahren ist. Wir haben uns getrennt. Wie aus dem nichts; ein Schock für uns beide. Der Grund war dabei nicht, dass die Liebe fehlen oder verblassen würde, eher der Schmerz durch die Distanz und dem ständigen Vermissen. Ich will es nicht alles weiter ausbreiten. Es hat mir den Boden unter Füßen gerissen, all meine Hoffnung geraubt. Wir hatten seither nur spärlich Kontakt, trotzdem kann ich bis heute nicht loslassen. Nun kenne ich die Kehrseite einer tollen Beziehung und ich weiß momentan nicht so recht, ob es das wert ist.

Gesundheit
Nach der Trennung fiel ich in ein tiefes Loch, in dem ich von Traurigkeit und Herzschmerz überschwemmt wurde. Wie sollte es nur weitergehen? Was fange ich so bitte mit meinem Leben an? An die Oberfläche sprudelten Suizidgedanken und so beschloss ich, mir in Form einer Psychotherapie professionelle Hilfe zu holen. Bis heute gibt es immer noch Momente, Stunden, sogar Tage, in denen ich das Gefühl habe, im falschen Paralleluniversum gelandet zu sein. Doch die überwältigende Verzweiflung ist abgeflaut.

Körperlich hatte ich zumindest 2018 kaum Beschwerden. Schlimm krank war ich nur für ein paar Wochen über das Jahr verteilt. Immerhin etwas. Und das obwohl meine Fürsorge für meinen Körper eingegangen ist. Er war nur noch da, um mich von A nach B zu bringen, meinem Gehirn zu dienen und Aufgaben für mich zu erledigen. Ich gebe ihm dafür nichts zurück. Ich ernähre mich seit einem halben Jahr ziemlich ungesund, bewege mich nicht genug, pflege mich nicht mehr als nötig (weil who even cares about my fucking hairy armpits anymore?). Irgendwann werde ich daran sicher wieder etwas ändern oder es wird früher oder später eine Rechnung dafür geben.

Familie & Freunde
Seitdem mich nicht mehr 200 Kilometer von meiner Familie und meinen in Berlin ansässigen Freunden trennen, sehen wir uns wieder häufiger als in den Jahren davor. Eine positive Entwicklung, da sie mir viel Halt und Mut zum Weitermachen geben. Auch auf der Arbeit habe ich einige Kollegen sehr ins Herz geschlossen und würde sie schon Freude nennen. Es ist verdammt schön, sich jeden Tag mit Gleichgesinnten auszutauschen, herumzublödeln oder einfach füreinander da zu sein.

Leider kann auch dieser Abschnitt nicht gänzlich positiv stehenbleiben. Denn nach langen Monaten der Qual ist mein Opa im August verstorben. Es ist irgendwie bis heute teilweise surreal, dass er nicht mehr da ist. Unser ohnehin fast schon winziger, enger Familienkreis hat sich um einen wichtigen Bestandteil verkleinert. Wir probieren, eher die schönen Momente sowie sein Leben wertzuschätzen und zu ehren - trotzdem bleibt es natürlich unendlich traurig.


Reisen
Im Vergleich zu den letzten fünf Jahren bin ich 2018 ziemlich selten verreist. Bis zum Volontariatsbeginn im April war ich zweimal in Belgien zu Besuch und einmal in dem kleinen Städtchen Wilhelmshaven bei meiner ersten Mitbewohnerin. In der neuen Stelle fehlen mir seitdem einfach die Urlaubstage, um großartig Trips zu unternehmen. Im September gönnte ich mir zumindest eine einwöchige Reise nach Schottland, das wirklich unglaublich beeindruckte Landschaften bietet und dessen Einwohner einfach nur charmant sind. Sehr zu empfehlen!

Blog
Mit guten Vorsätzen startete ich im Januar und Februar durch und nutzte die Motivation, einige meiner eigentlich immer zuhauf existierenden Ideen umzusetzen. Mit dem langen Anfahrtsweg zur Arbeit und der stressigen Anfangsphase bei der Eingewöhnung in die Firma fehlte oft Zeit und Nerv für weitere Blogposts. Danach kann man sich an dieser Stelle wohl denken, warum nichts mehr kam.

Aber ich durfte im Mai meinen ersten Picture-My-Day-Day ausrichten, dessen Organisation mir viel Freude bereitet hat. Vielen Dank erneut an dieser Stelle an alle fürs Mitmachen. Ein echtes Highlight in meiner sonst eher kümmrigen Blogger-Karriere. Wie es hier ansonsten im kommenden Jahr weitergehen wird, kann ich nicht beschwören. Es kommt, wie es kommt.

Kultur & Konzerte
Auch dieses Jahr habe ich einige Kulturveranstaltungen und Konzerte mitgenommen. So war ich bei einer Wollausstellung, bei man neben dem Lesen von Fakten auch selbst spinnen und weben durfte. Im März besuchte ich die Leipziger Buchmesse mit meiner Mutter und meinem Bruder, von der besonders die Lesung vom talentierten und unheimlich sympathischen Tommy Krappweis in guter Erinnerung blieb.

Zweimal zog es mich ins Kino, für mich ein guter Jahresdurchschnitt: einmal zu Ready Player One mit dem Belgier und später zu Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen mit zwei Kolleginnen/Freundinnen, die auch Caro heißen (bloß mit C).

Die Konzerte werde ich eher auflisten, als sie genau zu beschreiben. Jedes hatte großartige Momente und bei jedem Künstler würde ich den Besuch von Live-Auftritten ausnahmslos empfehlen.

  • 2 x Alice Merton
  • First Aid Kit
  • Todrick Hall
  • The Tiger Lillies
  • Nick Cave & The Bad Seeds
  • Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra
  • Sons of an Illustrious Father


Songs des Jahres
Meine Herzenslieder des Jahres habe ich in einer Spotify-Playlist zusammengefasst. Denn eine bloße Aufzählung würde dem nicht gerecht werden, würde auch der Wichtigkeit von Musik in meinem Leben nicht gerecht werden. Es war manchmal schwer zu sehen, dass selbst diese Passion in dunklen Zeiten nichts in mir auszulösen vermochte. Doch über Musik dieses Gefühl einer Verbindung zu einem größeren Ganzen zu verspüren, spült die Leere wieder hinfort.


Bonaparte - Das Lied vom Tod
The Regrettes - Come Through
Ezra Furman - Driving Down To L.A
Charles Aznavour - Hier Encore
First Aid Kit - Fireworks
Jonathan Jeremiah - Yes In A Heartbeat
Lady Gaga - Joanne
Christina Aguilera & Demi Lovato - Fall In Line
Tessa Violet - Haze
Nick Cave & The Bad Seeds - Distant Sky
James Vincent McMorrow - Wicked Game
Sons of an Illustrious Father - Extraordinary Rendition
Todrick Hall - Changed My Mind
Nothing But Thieves - If I Get High
Jinkx Monsoon - This Town
Dodie - Human
Ariana Grande - thank u, next
Macy Gray - White Man

Alben des Jahres
First Aid Kit - Ruins
Ezra Furman - Transangelic Exodus
Jinkx Monsoon - The Ginger Snapped

Filme des Jahres
Before I Go To Sleep
Birthmarked
Gerald's Game

Serien des Jahres
You
Nailed It
Mord mit Aussicht
Good Girls

Bücher des Jahres
Marc-Uwe Kling - QualityLand
Caitlin Doughty - Smoke Gets In Your Eyes