Sonntag, 21. Juli 2019

Die 7 besten Songs von Joss Stone

Seit 2014 ist die britische Musikerin Joss Stone im Auftrag ihrer eigenen Mission einer Total World Tour unterwegs - eine Tour, auf der sie ihre Musik in wirklich jedes Land bringen möchte (nicht so wie andere Künstler, die auf zwei Kontinenten Live-Auftritte geben und das dann schon Welt-Tour nennen). Die Videos ihrer Reisen könnt ihr auf ihrem YouTube-Kanal anschauen.

Im Juli 2019 stand nach fünf Jahren mit dem Iran das letzte Land auf ihrer Liste, doch so kurz vor dem Ziel erhielt sie prompt ein Einreiseverbot. Denn dort ist es für Frauen verboten, ein öffentliches Konzert zu geben. An die Regeln hätte sie sich gehalten, erzählte sie in einem Instagram-Post. Stattdessen hätte sie ihre gute Stimmung mitbringen und zeigen wollen, was unsere Erde zu bieten hat. An anderer Stelle möchte sie es erneut probieren, ihre Welttour zu vervollständigen. Dabei wünsche ich ihr viel Glück.

Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass das barfüßige Sommerkind Joss Stone es bereits erfolgreich geschafft hat, wertvolle Botschaften in die Welt zu singen und Menschen Freude zu bringen. Mit einem kleinen Rückblick auf ihre Karriere zelebriere ich deshalb ihre Musik und stelle euch die, meiner Meinung nach, sieben besten Songs aus ihrer Diskografie vor.

Foto: Venni

1. Victim Of A Foolish Heart

Stone ist mittlerweile so lange im Musikgeschäft, dass man schon fast wieder vergessen könnte, wie es eigentlich bei ihr angefangen hat. Als im Jahr 2003 nämlich ihr erstes Album The Soul Sessions veröffentlicht wurde, bestehend aus einer Reihe von Cover-Songs im klassischen Soul-Stil, war sie erst 16 Jahre alt. Gerade deshalb war ihre Reife und die Ausgeprägtheit ihrer Stimme phänomenal. Die Ballade Victim of a Foolish Heart berührt mich bis heute sehr stark. Bettye Swanns fast schon unbekümmert klingende Ursprungsversion wurde plötzlich zum herzzerreißenden Musikstück. Darin bittet die Erzählerin ihren Geliebten flehentlich, auf keinen Fall wieder auf seine Ex hineinzufallen, da diese ihn sowieso wieder nur verletzen würde.

don't be a victim of a foolish heart
don't let her lies get next to you
she's just trying to tear us apart
and she's trying to make, to make me her victim, too


2. Spoiled

Mit ihrem zweiten Album Mind Body & Soul (2004) kamen zum ersten Mal Songs heraus, an denen die englische Sängerin selbst als Komponistin beteiligt war. Nach Veröffentlichung ging Joss Stones Popularität durch die Decke, das Album verkauft sich millionenfach und sie erhielt die Chancen mit vielen anderen Legenden zu singen - James Brown, Stevie Wonder und Melissa Etheridge stellen nur einen winzigen Bruchteil dar. Es dürfte außerdem der Zeitpunkt gekommen sein, an dem Klein-Karo die Lieblingssängerin ihrer Teenager-Jahre entdecken sollte.

Obwohl ihre bis dato erfolgreichste Single You Had Me natürlich einen maßgeblichen Part in ihrer Karriere spielte, entscheide ich mich an dieser Stelle trotzdem für Spoiled. Vielleicht mag es an meiner persönlichen emotionalen Verfassung liegen, dass mich diese Ballade so anspricht. Sie handelt davon, einfach nicht über jemanden hinweg kommen zu können.

I tried to tell myself that I'd be over you in a week or two
but baby that was 'bout a year ago
I've never seen the word love so personified as I do with you
and that is why I, I just can't let go, oh no


3. Tell Me 'Bout It

Ihr drittes Album setzte für Joss Stone 2007 den Beginn einer neuen Ära in ihrer Musikkarriere. Die Haare sind plötzlich rot, die Klamotten bunt: der Albumname Introducing Joss Stone wirkt wie ein Befreiungsschlag. Zum ersten Mal bestimmt sie selbst die Produzenten ihrer Musik, wobei sie jedoch den Hauptteil der Produktion selbst übernimmt und dabei die Kontrolle über die Songs hat.

Mit der neu gefundenen Macht widmet sie sich neben Texten über die Liebe, das Leben und der Musik auch ihrer Sexualität. Dabei bietet das Album so viel Pepp und Groove, dass man ihr zum ersten Mal wirklich die Freude an ihrer eigenen Musik anmerkt. Tell Me 'Bout It war dabei die erste Single der Platte, mit der sie sich selbst der Welt vorstellt und zeigt, dass sie nun erwachsen geworden ist.

what you think about me and you being together
could you brink to share my cold and stormy weather?
have you got this under control
show me you know about a woman's soul


4. Big 'Ol Game

Auch wenn die Geschichte bisher gut klingt: Es verlief nicht immer alles reibungslos für Joss Stone. In ihrem Heimatland Großbritannien wurde sie häufig als zu "amerikanisiert" verschrien, Introducing Joss Stone war ihrem Label EMI kein kommerziell ausreichender Erfolg und sie hatte im Gegenzug das Gefühl, künstlerisch zu eingeengt zu werden. Dies alles kam mit ihrem Album Colour Me Free (2009) an die Oberfläche. So singt sie bereits im ersten Lied Free Me versteckt am Ende "free me EMI" - lass mich frei, EMI. Auch in Interviews erzählt sie ehrlich davon, wie sie um ihr buntes Albumcover kämpfen musste, auf dem Sie hinter einem Gitter eingesperrt ist. Es sei laut der Plattenfirma beleidigend, sodass in Amerika letztendlich einfacher Text auf lila Hintergrund als Cover verwendet wurde.

Trotz dieser Komplikationen sehe ich Colour Me Free als ihr bislang bestes musikalisches Werk an. Jeder einzelner Song wirkt wie ein zeitloser Klassiker, den man noch in Jahrzehnten genauso gut anhören kann. Nach den Pop-Nummern kehrt sie wieder zum Soul zurück, würzt ihn hier und dort jedoch mit Funk und Jazz, lässt Bläser und Streicher zur Untermalung erklingen. Zwar geht es auch immer noch um Liebe und Herzschmerz, doch wird sie mit Governmentalist auch politisch. Wenn ihr euch nur ein Album von Joss Stone geben möchtet, wählt dieses.
Als absoluten Top Song habe ich Big 'Ol Game gewählt, der propagiert, dass man das Leben trotz großer und kleiner Probleme nicht zu ernst nehmen sollte und auch ein bisschen Spaß haben muss.

the birds and bees, they do their thing in trees
while we're hustlin', bustlin', playing the game of life
we're lookin' in a dark cloud for the answer of all the questions, why
life is just a big ol' game to me



5. Karma

Im Jahre 2010 schafft es Joss Stone endlich, aus ihrem Plattenvertrag auszusteigen. Daraufhin gründet sie ihr eigenes Label mit dem Namen Stone'd Records, unter dem sie seither ihre Alben veröffentlicht. Das erste macht mit dem Titel LP1 (2011) ganz klar die Ansage, dass dies einen Neuanfang für sie bedeutet.

Aufgenommen wurden die 10 Songs in lediglich sechs Tagen in Nashville, Tennessee. Das macht sich durch die Einflüsse von Country und Blues-Rock deutlich bemerkbar. Denn auch wenn man darauf immer noch reichlich modernen Soul findet, gibt es ebenfalls den einen oder anderen Rock-Song. Dazu gehört die zweite Single-Auskopplung Karma, in der sie ihre Abrechnung mit ihrem Gegenüber macht. Was mich an dieser Platte besonders fasziniert, ist, wie roh und harsch sie ihre raue Stimme einsetzt, wie sehr sie fast schon faucht und keift.

I am what I am, you did what you did
I'm glad I'm not a sinner baby, cause here's a twist
you are what you are, I saw what I saw
karma's your master, and you're the bitch



6. Drive All Night

Mir fallen spontan kaum Lieder ein, die die Emotion behandeln gerührt zu sein. Deshalb ist dieses, ebenfalls von LP1, derart besonders. Es beschreibt herrlich, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch etwas so außergewöhnlich Liebevolles für einen macht, dass man es kaum fassen kann; den Moment, in dem man realisiert, wie wichtig man dieser Person sein muss. Drive All Night gibt das so fantastisch wieder, dass mein Herz schon beim Anhören anschwillt und sich gleichzeitig zusammenzieht, weil es irgendwie zu viel auf einmal ist.
Der Twist: Joss Stone erzählte einmal auf einem Konzert: "Dieser Song handelt von einem Mann, der komplett irre war. Also er war wirklich übergeschnappt. Aber irgendwie habe ich es geschafft, daraus eine Liebesgeschichte zu spinnen." Das ist ihr auf erschreckende Weise wundervoll gelungen und genau aus dem Grund ist dieser rührende Song einer der besten von ihr.

no one's ever done anything like this for me before
no one's ever drove for miles to make me smile before
you might be tired but the fact of the matter is
you're standing right in front of my face



7. The Answer

Mit dem nächsten Album besann sich Stone auf den Beginn ihrer Karriere zurück und nahm erneut eigene Interpretationen von Soul-Klassikern auf, die sie auf The Soul Sessions, Vol. 2 (2012) vereinte. Insgesamt stellt das Ganze eine wunderbare Ergänzung für ihre Live-Sets dar und man kann die Lieder wirklich gut anhören - für mich ist schlussendlich jedoch keines dabei, das mich zutiefst beeindruckt und mich in den vergangenen Jahren stark begleitet hätte.

Deshalb springen wir gleich zu der zuletzt veröffentlichten Platte weiter: Water For Your Soul (2015). Musikalisch wagt sie sich damit in neue Gefilde, genauer gesagt in die Welt des Reggaes in Mischung mit allerlei Elementen aus Weltmusik, Flamenco und Gospel. Dafür erhielt die britische Musikerin sehr gemischte Kritiken und auch ich war nicht allzu begeistert von dem nicht ganz ausgereiften Musikexperiment. Die meisten Lieder sind irgendwie mittelschnell und es fehlt an eingängigen Melodien.

Der einzige Lichtblick befindet sich am Ende der Tracklist mit The Answer, aber der strahlt dafür umso heller. Endlich kommt Schwung in die Sache. Wie es bei Hippiekind kaum anders sein könnte, geht es hier um das Finden von Sorglosigkeit und Freiheit. Mit gut tanzbaren Trommeln, einer irischen Fiddle und einem ermutigenden Text bin ich wieder ganz dabei.

if we could just connect the heart with the head
we'd be just fine, no judgment call of any kind


Was steht als Nächstes auf dem Plan? Das letzte Update auf ihrer Website rief einen Wettbewerb aus, bei dem Fans ihre eigenen Coverbilder für eine neue Remix-Version von Water For Your Soul erstellen konnten - das Kunstwerk des Gewinners wird am Ende verwendet. Na gut, so lange gewartet, nur damit sie diese Senke in ihrer Karriere noch einmal aufwärmt. Hoffen wir, dass es darüber hinaus bald komplett neue Musik gibt, mit der sie uns wieder beglücken kann. Bis dahin lausche ich einfach weiter den 7 besten Songs von Joss Stone.

Sonntag, 7. Juli 2019

Konzert- & Tourtipps fürs 2. Halbjahr 2019: Kurz und knackig

Diesmal gibt es aufgrund mangelnder Zeit - und ich bin sowieso schon spät dran - die Konzerttipps in Listenform. Wie beim letzten Mal sind wieder hauptsächlich Künstler dabei, deren Shows hier im deutschsprachigen Raum nicht unnötig überteuert ist, sondern für viele erschwinglich sein dürften. Ich selbst habe bereits Tickets für sechs der aufgelisteten Musiker und Bands und es kommen wahrscheinlich noch mehr hinzu. 2019 scheint ein wirklich gutes Konzertjahr zu sein.


  • MACY GRAY: 23.07. @ Carlswerk Victoria Köln // 24.07. @ Gibson Frankfurt ~ Tickets ca. 40 €

  • MITSKI: 13.08. @ Flex Wien // 15.08. @ Heimathafen Neukölln Berlin ~ Tickets zwischen 22 und 30 €

  • HATARI: 28.08. @ Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 19 €

  • AMANDA PALMER: 06.09. @ Admiralspalast Berlin // 11.09. @ Alte Kongresshalle München // 13.09. @ Capitol Offenbach // 14.09 @ Wiener Konzerthaus Wien // 15.09. @ Congress Graz Stefaniensaal // 18.09. Theaterhaus Stuttgart // 19.09. @ Colosseum Theater Essen // 24.09. @ Laeiszhalle Hamburg // 25.09. @ Haus Auensee Leipzig ~ Tickets zwischen 42 und 50 €

  • HOLY MOLY & THE CRACKERS: 10.09. @ Musik & Frieden Berlin ~ Tickets ca. 16 €

  • KATE NASH: 24.09. @ Bürgerhaus Stollwerck Köln // 25.09. @ Kulturhaus Karlstorbahnhof Heidelberg // 27.09. @ Astra Kulturhaus Berlin // 28.09. @ Täubchenthal Leipzig // 29.09. @ Strom München ~ Tickets ca. 26 €

  • NOUVELLE VAGUE: 01.10. @ Mojo Club Hamburg // 02.10. @ Columbia Theater Berlin // 03.10. @ beatpol Dresden // 05.10. @ Gloria-Theater Köln // 06.10. @ Muffathalle München // 07.10. @ KUZ Kulturzentrum Mainz ~ Tickets zwischen 30 und 36 €

  • EMMA RUTH RUNDLE: 05.10. @ Die Trompete Bochum // 07.10. @ Nachtleben Frankfurt // 08.10. @ Gleis 22 Münster // 10.10. @ Neue Kantine Augsburg // 14.10. @ Arena Wien // 20.10. @ Die Stadtmitte Karlsruhe ~ Tickets ca. 20 €

  • THE SLOW SHOW: 17.10. @ Gloria-Theater Köln // 18.10. @ Zeche Carl Essen // 20.10. @ Uebel & Gefährlich Hamburg // 21.10. Columbia Theater Berlin // 22.10. @ Freiheiz München // 26.10. franz.K Reutlingen // 27.10. @ KUZ Kulturzentrum Mainz ~ Tickets ca. 28 €

  • GIRL IN RED: 03.11. @ Luxor Köln // 13.11. @ Musik & Frieden Berlin ~ Tickets ca. 22 €

  • ELBOW: 10.11. @ Kulturzentrum Schlachthof e. V. Wiesbaden // 12.11. @TonHalle München // 13.11. @ Live Music Hall Köln // 14.11. Huxley's Neue Welt Berlin ~ Tickets zwischen 37 und 40 €

  • EZRA FURMAN: 16.11. @ Luxor Köln // 17.11. @ Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 24 €

  • THE REGRETTES: 18.11. @ Blue Shell Köln // 19.11. @ Molotow SkyBar Hamburg // 22.11. @ Musik & Frieden Berlin // 26.11. @ Flex Wien // 27.11. @ Strom München ~ Tickets ca. 20 €

  • BONAPARTE: 19.11. @ Täubchenthal Leipzig // 20.11. @ beatpol Dresden // 21.11. Batschkapp Frankfurt // 23.11. @ Flex Wien // 25.11. @ E-Werk Erlangen // 28.11. @ Gloria-Theater Köln // 29.11. Uebel & Gefährlich Hamburg // 30.11. Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 28 €

  • COPPELIUS: 07.11. @ Hirsch Nürnberg // 08.11. @ Das Bett Frankfurt // 09.11. @ clubCANN Stuttgart // 22.11. @ Knust Hamburg // 23.11. @ Musikzentrum Hamburg // 29.11. @ Backstage Halle München // 30.11. @ Szene Wien // 27.12. @ Columbia Theater Berlin // 28.12. @ Alte Brauerei Annaberg-Buchholz // 16.01.2020 @ Kulttempel Oberhausen // 18.01.2020 @ Kammgarn Kaiserlautern ~ Tickets zwischen 20 und 29 €

Dienstag, 25. Juni 2019

Musiktipps #20: I DON'T PLAY, I SLAY [Pride Month Edition]

HAPPY PRIDE MONTH! 
Es gibt endlich wieder eine Ausgabe meiner Musiktipps an euch und diesmal zu einem besonderen Anlass. Selbst bin ich nicht direkt Teil der LGBTQIA+-Community und ich habe mit mir gehadert, ob ich mir das Recht herausnehmen darf, das Thema trotzdem aufzugreifen. Aber letztendlich sehe ich mich durchaus als Verbündete dieser Gemeinschaft. Ich finde es  nicht nur wichtig, sondern auch hochinteressant, mir die Geschichten von queeren Personen anzuhören, zu lernen, was sie teilweise Tag für Tag durchmachen, wofür sie kämpfen müssen - und natürlich einfach mitzukriegen, was für großartige und offene Persönlichkeiten sie sind.

Ihre Probleme kann ich nicht aus erster Hand nachvollziehen. Aber ich kann mir ihre Lektionen über Schwierigkeiten, Hindernisse - und wie sie diese überkommen - anhören und sie auf mein Leben, meine mentalen Gesundheitsprobleme, mein Weg zur Selbstliebe anwenden. Das ist unglaublich bereichernd und hilfreich.

Generell bin ich der Meinung, jeder sollte sich so gut wie möglich mit den Lebensumständen, Subkulturen und Geschichten von Minderheiten-Gruppen beschäftigen. Schmeißt doch mal ein paar weiße, reiche Männer aus euren Timelines und fügt stattdessen Queer Folk, Transfrauen und -männer oder ein paar Drag Queens hinzu!

Wenn das mehr Leute tun würden, könnten sie schnell begreifen, dass es sich dabei um ganz normale Menschen mit den gleichen Bedürfnissen handelt, denen man nicht mit Hass oder Angst zu begegnen hat. Dass Gleichberechtigung und Akzeptanz überhaupt immer noch ein Streitthema sein müssen, ist für mich unfassbar. Aber um mein Geschwafel zu beenden, übergebe ich nun an Stimmen, die auch dieses Jahr im Juni wieder Pride zelebrieren:


Haus Party, Pt.1 von Todrick Hall
Wieder einmal kam, sah und slayte der viel beschäftigte US-amerikanische Sänger, Tänzer und Musikvideo-Visionär mit seinem neuesten Album Haus Party. Wie der Name schon andeutet, lässt er Pop und Co. hinter sich und widmet sich ganz der House-Musik. Vorläufig gibt es den ersten Teil auf die Ohren, der mit Songs wie I Like Boys und Glitter tanzbare Tunes abliefert.

Großes Augenmerk liegt jedoch natürlich auf der Single Nails, Hair, Hips, Heels. Zu der gibt es bereits ein kesses Musikvideo, in dem an die 70 Männer auf High Heels tanzen. Es fügt sich perfekt in die Reihe von Todrick Halls Club-Hymnen ein (nach Low und Dem Beats) - diesmal sogar ohne Hilfe von Drag-Ikone RuPaul. Meiner Meinung nach hat er sein Vorhaben perfekt umgesetzt, einen Song zu schreiben, bei dem man sich als Zuhörer selbstbewusst und unbesiegbar fühlt.
girl, what did that girl just say, girl?
ooh girl, I don't dance, I work
I don't play, I slay
I don't walk, I strut


1950 von King Princess
Dieses Lied von King Princess, leider nicht ihr richtiger Name, kam zwar schon im Jahre 2018 heraus, doch ich entdeckte es erst kürzlich. Der Musikerin aus Brooklyn wird schon seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle vorausgesagt, bald ganz groß herauszukommen. Es kann also wirklich jeden Moment losgehen und ihr habt bei mir zuerst davon erfahren, nech?

In dem Text der Pop-Nummer über unerwiderte Liebe bezieht sie sich auf Zeiten der Queer-Geschichte, in der alles außer heterosexuellen Beziehungen nur heimlich und in versteckten Botschaften vor sich gehen durfte. In der Öffentlichkeit tut man kalt und distanziert, im Privaten kann man sein Liebe endlich ausleben. Zugegeben: Ohne Erklärung wäre diese Interpretation wahrscheinlich nur für die wenigsten offensichtlich gewesen, trotzdem wurde es zum Hit außer- und innerhalb der LGBTQ-Bewegung.
I love it when we play 1950
it's so cold that your stare's 'bout to kill me
I'm surprised when you kiss me


Transgender Dysphoria Blues von Against Me!
Das Lied sowie das ganze gleichnamige Album (2014) der Punk-Rock-Band Against Me! behandelt das Coming Out und die Geschlechtsanpassung der Gründerin, Sängerin und Gitarristin Laura Jane Grace. Es ist ein komplett unerwarteter Schlagabtausch zwischen dem harten Musikgenre und den Texten über Geschlechtsidentitätsstörung, über ein Leben voller Angst, Scham und Hass, das Grace an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, ein Leben, mit dem sie hier abrechnet - und meine Fresse, ist es genial!
you want them to see you
like they see every other girl
they just see a faggot
they'll hold their breath not to catch the sick


Gay Man von Manila Luzon
Manila Luzon - ein Urgestein aus RuPaul's Drag Race, wo er sich in der dritten Staffel den zweiten Platz verdient hat. Bei mir besonders im Kopf geblieben durch ausgefallene Kostüme, wie dem todschicken Ananas-Kleid. Zum ersten Mal zeigt sich Luzon in diesem Musikvideo zur Single Gay Man als Künstler nicht in seiner gewohnten Drag-Erscheinung, sondern als Mann - so, wie er hinter den Kulissen und im Alltag ist.

Auf dumme Sprüche und vermeintlich beleidigend gemeinte Fragen von Macho-Typen wie "Dude, are you gay, man?" gibt er die selbstbejahende, stolze Antwort "Yas, I'm a gay man" - und darüber hinaus ist er natürlich so vieles mehr. Das Video ist bunt und schrill, bedient manche Klischees, während es mit anderen aufräumt. Gay Man ist bei mir definitiv der Ohrwurm des Sommers.
you do you and I'll do me
flamboyant as I can be
I'm not tryna dance up on you
not unless you want me to?
- no homo

i wanna be your girlfriend von girl in red
In dieser Indie-Nummer singt die norwegische Musikerin unter ihrem Künstlernamen girl in red von ihrer Liebe zu einer anderen Frau namens Hannah. Auch bevor sie ihr Pseudonym annahm, postete Marie Ulven bereits Musik auf der Plattform Souncloud, wo sie viele Zuhörer erreichen konnte. Der Song i wanna be your girlfriend von ihrer ersten EP wurde bei der Liste der besten Lieder des Jahres 2018 von der New York Times mit dem neunten Platz gekürt.

Eigentlich ist die Melodie musikalisch wohl nicht allzu ausgefallen, doch blieb dieser Song vor ein paar Monaten einfach bei mir hängen. Es ist vielleicht der Nachdruck, mit dem sie ihre Botschaft wiederholt, vielleicht die bezaubernden Textzeilen. Wie dem auch sei, es ist ein wunderschönes Liebeslied.
I don't want to be your friend 
I wanna kiss your lips 
I wanna kiss you until I lose my breath


I Am Her von Shea Diamond
Man sagt, der am meisten benachteiligte Mensch in den USA ist die farbige Frau. Die schwarze Transfrau setzt wohl leider noch einmal eins obendrauf. In ihrer Soul-Hymne klagt Shea Diamond eine Welt an, in der sie und ihresgleichen keinen Platz zu haben scheinen.
Ihre Geschichte ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Nach großem Druck durch die eigene Familie, darauffolgenden Jahren in verschiedenen Pflegeunterbringungen wuchs ihre Verzweiflung mit Anfang zwanzig darüber, im falschen Körper zu existieren, ins Unermessliche. So sah sie einen bewaffneten Überfall als einzige Lösung, um das nötige Geld für die Geschlechtsanpassung zusammenzukriegen. Die Konsequenz: 10 Jahre im Männergefängnis, in dem sie aufgrund ihrer frauenhaften Züge herumgeschubst wurde. Dort entstand auch dieses Lied, das sie nach ihrer Entlassung aufnahm und welches sie schließlich bekannt machen sollte.

Es ist nicht so, dass ihre Straftat kein riesiger Fehler war. Aber unsere Gesellschaft kann einfach nicht leugnen, dass es oft die sozialen Umstände sind, die Menschen in solche Situationen kommen lässt. Die ihnen keine andere Chance gibt, als es mit Gewalt zu probieren. Shea Diamond gehört wahrscheinlich zu den wenigen, die es da glimpflich heraus geschafft haben, davon erzählen können und bei anderen Hoffnung entfachen können.
your ignorance leave the head of the stench 
the aroma lingers on generations have known 
ain't it ironic the smarter we get 
the less we understand about the simplest shit
I am shame she is me

Dienstag, 14. Mai 2019

Meine Top 5 der Beiträge zum ESC 2019

ESC is coming! Auch wenn ich mich aufgrund der außerordentlich hohen Spoiler-Gefahr bezüglich der letzten Game-of-Thrones-Staffel momentan eher aus dem Internet heraushalte (bin erst in Staffel 6 angekommen), kann ich nicht von der jährlichen Tradition lassen, meine persönlichen Favoriten des Eurovision Song Contests zu präsentieren.

Während mich die beiden Halbfinale unter der Woche eher weniger reizen (keine Zeit, Kinners, keine Zeit), steigt am Samstagabend natürlich wieder die Sause. Was für manche ihre WM ist, ist für mich der ESC!

Dieses Jahr feiern wir in Tel Aviv bereits die 64. Ausgabe der Veranstaltung. 2019 steht sie unter dem Stern Dare to Dream. Ich wage es somit zu träumen, dass meine Lieblingslieder ins Finale kommen und eines von ihnen sogar gewinnt. Also legen wir los!


Island: Hatrið mun sigra von Hatari
Zwar scheinen sich die meisten Länder die ewigen Balladen 2019 zu klemmen, dafür sind viele von ihnen zum 0815-Feel-Good-Pop umgestiegen. Der skandinavische Inselstaat schickt mit Hataris „Hass wird siegen“ hingegen einen sehr heftigen Song ins Rennen. Meiner Meinung nach ist dies der ausgefallenste, individuellste Beitrag dieses Jahr, der trotzdem gleichzeitig gut ist. Was sag ich? Extrem geil!
Während der eine Sänger aggressiv durch die Gegend schreit, singt der andere engelsgleich mit einer hohen Stimme über den elektronischen Industrial-Rock-Beat. Ich drücke die Daumen, dass sich Himmel und Hölle nicht nur im Halbfinale, sondern auch am Samstagabend auf der Bühne auftun können.
Italien: Soldi von Mahmood
Auch Italien bringt ein Lied in Landessprache. Wie man es von einem Eros Ramazzotti kennen mag, weist die Stimme von Mahmood dieselbe Eigenschaft auf, bei der der Klang besonders aus dem Rachenraum zu kommen scheint. Im Text selbst geht es um die schwierigen Verhältnisse des 26-jährigen Musikers zu seinem Vater, deren Ursprung er im Finanziellen sieht (soldi bedeutet im Italienischen „Geld“). Darüber zu singen, braucht sicherlich ganz schön (Mah)Mut. Der Beat ist eingängig und trotzdem außergewöhnlich genug, um nicht langweilig zu sein.
Polen: Fire of Love (Pali się) von Tulia
Schon wieder ein Lied in Landessprache. Natürlich ist dies keine Grundvoraussetzung für einen Favoriten-Beitrag, aber immer ein schöner Touch. Der Trend ging zum diesjährigen ESC wieder in jene Richtung, nicht immer nur auf Englisch zu singen. Tulia bedienen sich dabei einem traditionellen Gesang, der im Prinzip lautes, göriges Geschrei darstellt. Das Ganze wird über eine rockige Instrumentalisierung gelegt und schon hat man eine ziemlich coole Nummer. Obwohl die Strophen extrem gut und rotzig sind, dabei ein schöner Kontrast zu den vier jungen Frauen in blumigen Trachten entsteht, wird das Potenzial eines grandiosen Songs mit einem etwas zu langweiligen Refrain verschenkt. Trotzdem sticht es definitiv aus der Masse heraus und schafft es hoffentlich, ins Finale zu kommen.
Nordmazedonien: Proud von Tamara Todevska
Für manche sicherlich ein etwas zu kitschiger Beitrag, zugegeben. Trotzdem kann ich mich der Kombination aus einer starken Botschaft, sich als Frau in der von Männern dominierten Welt stolz durchzusetzen, und den Streichern im Hintergrund nicht verwehren. Für mich mutet es fast schon an, als könnte es ebenfalls gut eine Disney-Hymne sein. Dass es dabei vielleicht etwas generisch daherkommt, stört mich weniger. Beim ersten Anhören musste ich trotzdem ein Tränchen vor Rührung verdrücken. Toi toi toi!

Tschechische Republik: Friend of a Friend von Lake Malawi
Während die ersten vierzig Sekunden des Songs noch einigermaßen interessant beginnen, entwickelt sich Friend of a Friend leider leicht zur austauschbaren Indie-Nummer. Warum ist er trotzdem hier vertreten? Weil es meiner Meinung nach leider zahlreiche seichte Pop-Songs dieses Jahr gibt und er aufgrund seines Genres wenigstens ein bisschen aus diesem Schema herausfällt. Außerdem gibt es einen Pluspunkt für den schicken Akzent, mit dem er das Wort „neighbour“ ausspricht.


Honorable Mentions: Es gibt noch drei Kandidaten, bei denen ich mir ebenfalls vorstellen könnte, dass sie gut abschneiden werden.

Bei Frankreich habe ich mit mir gerungen, ihn doch in die Top 5 zu nehmen, doch die anderen Lieder haben mir letztendlich minimal besser gefallen. Roi von Bilal Hassani wird dabei als „Conchita-Wurst-Abklatsch“ gehandelt, weil der Künstler eine blonde, mittellange Perücke trägt. In was für einer straighten, weißgewaschenen Welt muss man leben, dass man zwei Männer nur aufgrund ihrer langen Perücken sofort in einen Topf schmeißen muss? Das beweist doch wieder nur, wie wichtig Hassanis Wunsch nach Akzeptanz und Gleichberechtigung ist und dass wir lange noch nicht damit fertig sein werden dafür einzustehen. Abgesehen davon amüsiert es mich, dass das französische Wort beim Zeitstempel 00:43 im Lied so klingt, als würde er niesen.

Portugal hat ebenfalls einen sehr ungewöhnlichen Beitrag am Start, der mich stimmlich zwar nicht ganz überzeugt, aber hoffentlich trotzdem durch die arabischen musikalischen Einflüsse und die abgefahrene Choreografie der beiden Performer punkten kann.

Zu guter Letzt: Australien hat wirklich verstanden, wie der ESC funktioniert. Ein Techno-Schlager-Pop-Song mit Operngesang im Refrain? Scheint seltsam - ist es auch. Gepaart mit einem bestimmt zwei Meter hohen Kleid, an dessen Ende die Sängerin Kate Miller-Heidke herausguckt, ist Zero Gravity am Ende vielleicht nicht ganz hundertprozentig meins, trotzdem allemal ein echter Showstopper.

Sonntag, 24. März 2019

#pmdd30

Einmal Mäuschen spielen und bei anderen schauen, was sie tagsüber unternommen haben: Dies ermöglicht das Online-Event Picture my Day-Day! Gestern war es wieder so weit, mittlerweile zählen wir schon die Nummer 30.

Veranstaltet wurde er diesmal von Fraeulein Nebel, vielen Dank dafür. Die Teilnehmerliste findet ihr unter diesem Link
Leider waren diesmal nicht so viel dabei. Zum Teil mag es daran liegen, dass wieder nicht alle davon mitbekommen haben, obwohl mehr als ausreichend auf allen Kanälen angekündigt wurde, also keine Kritik an die Ausrichtende. Zum Teil haben es viele an dem Tag selbst einfach wieder vergessen. 

Folgt also am besten den offiziellen Picture-my-Day-Day-Accounts auf Twitter, Instagram sowie bei Facebook, um das nächste Mal nicht zu verpassen.

Aber am Ende vermute ich auch, dass immer mehr Blogger aufhören und sich Leute verstärkt von Social Media zurückziehen (oder scheint das nur in meiner Bubble momentan der Fall zu sein?). 

Trotz alledem freue ich mich, meine Bilder auf ein Neues mit euch teilen zu dürfen und nachher bei euren Posts vorbeizuschauen. Without further ado:

Gegen halb 1 Uhr morgens erinnerte mich eine Freundin an den Picture my Day-Day. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich beim äußerst amüsanten Spieleabend mit ein paar Kollegenkumpels.

Heimfahrt. Gegen 2 Uhr morgens war ich dann endlich im Bett.

Nachdem ich eine halbe Stunde wach lag und nicht wieder einschlafen konnte, stand ich kurz vor 10 Uhr schließlich auf.

Musike an und hopps unter die Dusche, um munter zu werden.

Gesicht anmalen.

Frühstück! Mit einem Pizza-Rest vom Abend zuvor. Nomnomnom.

Abwasch.

Ah yeah, me so selfie. Me and me and me and my selfie! - Wer kennt den Song?

Und schon wieder bin ich unterwegs. Auf nach Potsdam!

In der Bahn habe ich die Zeit genutzt, um mir durchzulesen, was man beim Kauf einer E-Gitarre beachten sollte. Diese Anschaffung möchte ich mir nämlich bald gönnen. Wie wunderhübsch sind bitte diese bubblegum-blauen?

In Potsdam angekommen, um mit Vaddern ein wenig zu schlendern.

Die Stadt hat sich um den Hauptbahnhof in den letzten Jahren ganz schön verändert.

Museum Barberini von außen.

Kuchenpause.

Innenstadt.

Im Süßigkeitenladen habe ich diese wirklich sauren Bonbons gefunden. Die ziehen einem den Speichel im Mund zusammen, absolut fantastisch.

Bild vom Supermarkt vergessen, aber noch ein paar Lebensmittel fürs Wochenende geholt.

Heimfahrt mit ein paar Podcasts auf den Ohren, aktueller Favorit "Why Won't You Date Me?" von und mit Nicole Byer.

Home sweet home.

Zeit für Tee.

Food Haul.

Zum Abendbrot gab es dann gleich den Rahm-Porree mit gefüllten Kartoffel-Teilchen-Dingens.

Erneuter Abwasch und gleich den Mini-Backofen gesäubert.

Zeit für mich, um YouTube-Videos anzuschauen.

Nebenher Nägel gestutzt. Die langen Krallen haben mich schon halb wahnsinnig gemacht.

Zum Abschluss des Abend eine Folge RuPaul's Drag Race.

Nebenher am aktuellen Sockenpaar weitergestrickt. 

Dann bin ich aber doch hundemüde und mach mich fertig fürs Bett.

Gute Nacht, Welt.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Konzert- & Tourtipps fürs 1. Halbjahr 2019: Damit am Ende keiner heult, ich hätte nicht Bescheid gesagt

Große Showacts wie Cher, Bob Dylan oder Phil Collins werden allerorts mit viel Trara angekündigt. Doch muss man schon Hardcore-Fan sein, um wirklich Hunderte Euro für ein Ticket hinlegen zu wollen. Bei (noch) unbekannteren Künstlern müssen Konzertmomente jedoch nicht weniger schön sein.

Also Weiterführung meiner Konzert-Wunschliste aus dem vergangenen Jahr möchte ich euch für die erste Jahreshälfte 2019 ein paar Tourtipps mit an die Hand geben. Der Fokus liegt von nun an jedoch auf bezahlbare und "kleinere" Acts, die vielleicht sonst nicht so häufig empfohlen würden.

Da ich in Berlin ansässig bin, habe ich die Stadt als Ausgangspunkt für die Liste genommen. Doch erwähne ich auch andere Termine der jeweiligen Tour, sodass hoffentlich etwas in eurer Nähe dabei sein sollte. Und selbst wenn nicht: Die Liste kann gern auch als generelle Musikempfehlung genutzt werden!

Dodie
Die Engländerin Dodie Clark teilt schon seit sieben Jahren ihre Covers und eigenen Songs auf ihrem YouTube-Kanal doddleoddle. Weiter reichende Bekanntheit erlangt sie stetig seit 2016 mit ihren seitdem veröffentlichten drei EPs. Im Januar 2019 kam so erst die jüngste mit dem Titel "Human", die Anlass für die aktuelle Tour ist.

Ich selbst schaue seit ungefähr vier Jahren immer mal wieder in ihre Videos hinein und mag besonders ihre Songtexte über Herzschmerz und Selbstfindung, in denen sie oft so schöne, fast schon poetische Ausdrucksweisen für das ganze Gefühlschaos findet. Indie-Pop vom Feinsten! Deshalb habe ich meine Karte für den Berlin-Termin schon seit Monaten und freue mich riesig auf das Konzert.

Wann? 21. Februar
Wo? Columbia Theater Berlin
Ticketpreis: 21 €
Weitere Termine: 23. Februar @ Arena Wien // 25. Februar @ Ampere / Muffatwerk München // 26. Februar @ Plaza Klub Zürich

Parov Stelar
Ein paar Instrumentenspuren und Gesangsausschnitte von alten Swing-Liedern nehmen, mit Beats neu zusammenbasteln und schon haben wir erstklassigen Electroswing von Parov Stelar. Zu Hause höre ich mir Alben des österreichischen DJs, vor allem The Burning Spider von 2017, sehr gern an.
Meine Begeisterung von DJ-Live-Auftritten hält sich eigentlich bislang in Grenzen, weil ich es einfach langweilig finde, ihnen dabei zuzuschauen, wie sie hinterm Pult stehen und an Knöpfen herumdrehen. Parov Stelar hat jedoch häufig echte Blasmusiker und eine Sängerin mit auf der Bühne, sodass es wirklich schon wieder gut werden könnte. Fürs Tanzen bis zum Umfallen sollte das Konzert auf jeden Fall die perfekte Gelegenheit bieten.

Wann? 9. März Konzert verschoben auf den 6. Dezember
Wo? Max-Schmeling-Halle Berlin
Ticketpreis: ~ 50 €
Weitere Termine: 8. März Konzert verschoben auf den 12. Dezember @ Jahrhunderthalle Frankfurt

Foto: Universal Music

Skinny Lister
Den Folk-Punk der englischen Band Skinny Lister kann man immer gut bei Zusammentreffen und Spieleabenden mit Freunden auflegen. Live würde ich mir erhoffen, dass dieses Pub-Feeling wieder ein wenig auflebt, das ich während meines Auslandssemesters in England genießen durfte.
Im vergangenen Jahr habe ich die Band übrigens ebenfalls in meinen Konzerttipps empfohlen, konnte letztendlich aber doch nicht hingehen. Ich schließe daraus immerhin, dass die Band viel herumtourt, scheinbar also live auch gut ankommt und ich dieses Jahr wirklich dabei sein sollte. Mein Ticket ist bestellt.

Wann? 13. März
Wo? SO 36 Berlin
Ticketpreis: ~ 22 €
Weitere Termine: 14. März @ Orange Club Kiel // 15. März @ Kalif Storch Erfurt // 17. März @ Hirsch Nürnberg // 19. März @ Batschkapp Frankfurt // 20. März @ Arena Wien // 21. März @ Strom München // 29. März @ Bürgerhaus Stollwerk Köln

Nick Waterhouse
Obwohl man Nick Waterhouse seit dem Hit Katchi in Zusammenarbeit mit Ofenbach wohl nicht mehr anpreisen muss, tue ich es doch. Denn ich muss zugeben, der Song ist komplett an mir vorbeigegangen und meiner Meinung nach nicht annähernd das Beste, das der Jazz-Soul-Musiker sonst zu bieten hat. Bei einem Konzert von ihm würde ich mir vorstellen, dass man 60er-Jahre-Sommer-Vibes verspürt und einfach richtig unbeschwerte, gute Laune hat.

Wann? 27. März
Wo? Columbia Theater Berlin
Ticketpreis: ~ 35 €
Weitere Termine: 26. März @ Mojo Club Hamburg

Beirut
Auch von der Folkband um Zach Condon gibt es wieder neue Musik auf die Ohren. Ihr mittlerweile fünftes Album Gallipoli haben sie bei der gleichnamigen Tour auch im Gepäck, benannt nach der süditalienischen Stadt, in der sich Condon niedergelassen hat und von der er sich für die Lieder inspirieren ließ.

Wann? 30. & 31. März
Wo? Funkhaus Berlin
Ticketpreis: ~ 40 bis 50 €
Weitere Termine: 6. April @ Palladium Köln // 15. April @ Zenith, die Kulturhalle München // 9. August @ Stadtpark Freilichtbühne Hamburg // 11. August @ Zitadelle Spandau Berlin // 12. August @ Marktplatz Lörrach // 13. August @ Volkspark Mainz

Foto: Beggars Group

Cherry Glazerr
Obwohl ich die Garage-Rock-Songs Teenage Girl und Sweaty Faces vor ein paar Jahren noch in Dauerschleife gehört habe, muss ich zugeben, dass ich nie tiefer in die Diskografie der US-amerikanischen Band Cherry Glazerr eingetaucht bin. Das heißt natürlich nicht, dass ich das nicht noch bis April nachholen kann. Allein schon, weil ihr vorletztes Album den fabulösen Namen Apocalipstick trägt.

Wann? 15. April
Wo? Musik & Frieden Berlin
Ticketpreis: ~ 18 €
Weitere Termine: 10. April @ Molotow SkyBar Hamburg // 16. April @ Blue Shell Köln

Ewert and The Two Dragons
Wer meinem Blog schon etliche Jahre folgt, weiß vielleicht von der besonderen Bindung, die ich mit dieser Band habe - obwohl ich noch nie auf einem Konzert war. Ein anderer Blogger, dessen Seite heute leider nicht mehr existiert, veranstaltete im Jahr 2012 einen eigenen Song Contest, bei dem zahlreiche Blogger teilnahmen und für ein zugewiesenes Land ein Lied ihrer Wahl einreichten. Nach der Abstimmung gewann...ich! Mit dem Song Good Man Down der estnischen Musikgruppe Ewert and The Two Dragons. Und auch wenn es cringy sein mag, bin ich da bis heute stolz drauf. Deshalb würde es mich durchaus reizen, das Lied nach dieser Historie auch einmal live zu erleben.

Wann? 25. April
Wo? Musik & Frieden Berlin
Ticketpreis: ~ 20 €
Weitere Termine: 24. April @ Nochtspeicher Hamburg

Foto: Mart Vares

Salvador Sobral
Kann sich jemand noch an den sympathischen Gewinner des 2017er Eurovision Song Contests erinnern? Mir kommt es vor, als hätte ich mich erst gestern in die zuckersüße Ballade Amar Pelos Dois des Portugiesen Salvador Sobral verliebt. Sonst widmet er sich vorrangig dem Jazz, von dem ich mich am 27. April persönlich überzeugen werde.

Wann? 27. April
Wo? Heimathafen Neukölln Berlin
Ticketpreis: ~ 40 bis 50 €
Weitere Termine: 23. April @ Lichtburg Essen // 24. April @ Batschkapp Frankfurt // 25. April @ Elbphilharmonie Hamburg // 28. April @ Kleine Meistersingerhalle Nürnberg // 30. April @ Liederhalle Mozartsaal Stuttgart

Russkaja
Die Wiener Gypsy-Polka-Rock-Band Russkaja steht seit über einem Jahrzehnt für E-NER-GI-A, die sie hoffentlich auch zu ihren Live-Gigs mitbringt. Anlass für die ausufernde Tour ist das neueste Album No One Is Illegal, bei dessen Ansage sich schon jeder eingeladen fühlen sollte. Also geht! Geht und nehmt die Konzertsäle kräftig auseinander!

Wann? 3. Mai
Wo? Kesselhaus in der Kulturbrauerei Berlin
Ticketpreis: ~ 27 €
Weitere Termine: 28. März @ Hirsch Nürnberg // 30. März @ ppc Graz // 9. April @ WUK Wien // 27. April @ Musikzentrum Hannover // 2. Mai @ Werk 2 Leipzig // 16 weitere Termine in Deutschland und Österreich

LP
LP ist das Künstlerkürzel der US-amerikanischen Musikerin Laura Pergolizzi, die nach der Veröffentlichung ihres Albums Heart to Mouth nun auf Tour geht. Obwohl sie bereits seit vielen Jahren musiziert und für andere Popsternchen den einen oder anderen Hit schrieb, feierte sie ihren großen Durchbruch erst im Jahr 2016 mit ihrem Song Lost on You. Wer auf guten Rock-Pop steht, sollte sich diese androgyne Erscheinung mit einer markanten Stimme nicht entgehen lassen.

Wann? 9. Mai
Wo? Astra Kulturhaus Berlin
Ticketpreis: ~ 34 €
Weitere Termine: 8. Mai @ Carlswerk Victoria Köln

Foto: Warner Music Group

The Tallest Man On Earth
Der Schwede mit dem Größenkomplex - denn in Wahrheit ist der Künstlername des Folk-Musikers leicht irreführend - ist zurück! Vor sechs Jahren durfte ich bereits bei einem seiner Konzerte dabei sein und habe meine wunderbar verwackelten Fotos auch hier mit der Welt geteilt. Fazit war: würde ich wieder machen! Dies wäre die Gelegenheit dafür.

Wann? 5. Juni
Wo? Tempodrom
Ticketpreis: ~ 32 - 42 €
Weitere Termine: 4. Juni @ Laeiszhalle Hamburg // 7. Juni @ E-Werk Köln // 8. Juni @ Circus-Krone-Bau München


Kleine Aussicht aufs 2. Halbjahr 2019
Einige Termine sind natürlich auch schon fürs zweite Halbjahr bekannt. Obwohl ich darauf in einem späteren Beitrag näher eingehen werde, liste ich einige Tourdaten bereits auf. So habt ihr auch wirklich die Möglichkeit, bereits jetzt Tickets zu ergattern.


  • Amanda Palmer: 6. September @ Admiralspalast Berlin // 8 weitere Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Wilco: 12. September @ Tempodrom Berlin // & 3 weitere Termine in Deutschland und der Schweiz
  • The Sisters of Mercy: 4. Oktober @ Columbiahalle Berlin // 5 weitere Termine in Deutschland
  • Knorkator: 6. & 7. Dezember @ Columbiahalle Berlin // 28 weitere Termine in Deutschland und Österreich
  • Coppelius: 27. Dezember @ Columbia Theater Berlin // 10 weitere Termin Deutschland und Österreich

Sonntag, 20. Januar 2019

I GOT ONE MORE WISH BEFORE I DIE: Anna Calvi im Astra Kulturhaus Berlin, Jan 2019

"Ich mag ihre männliche 'Cool-Pose', aber die Gitarre war mir zu viel Geschrammel", belauschte ich beim Hinausgehen aus dem Konzertsaal eine Frau in den Dreißigern. Durch mein Kopf ging nur ein lautes What the fuck?! Waren wir gerade bei der gleichen Show? Auf meinem Post-Konzert-High begann ich während des Heimwegs für mich selbst die Gründe aufzuzählen, warum mein Eindruck nicht gegenteiliger sein könnte. Doch beginnen wir vorn.


Anlässlich ihres dritten Studioalbums Hunter schaute die britische Musikerin Anna Calvi während ihrer Tour auch in Berlin vorbei. Ich spielte schon seit Monaten mit dem Gedanken, zu diesem Konzert zu gehen. Ihr zweites Album höre ich immer wieder gern, aber bis dato eher gelegentlich. Auch das dritte Album war beim ersten Hineinhören gut. Doch den Entschluss fasste ich erst plötzlich vor einigen Wochen, als mir die Live-Version des Songs Ghost Rider von Spotify zugeshufflet wurde. Den Song, wusste ich auf einmal, den musste ich live erleben!

So stiefelte ich also am vergangenen Freitag gemütlich nach der Arbeit ins ausverkaufte Astra Kulturhaus. Mein erster Besuch dieses Veranstaltungsorts übrigens. Der Eindruck davon war in Ordnung. Es ist ein bisschen zu groß für meinen Geschmack, da ich eher kleinere Clubs bevorzuge. Was mich letztendlich an der Location gestört hat, war der lange Bühnensteg, der ins Publikum hineinragte. Sobald der Künstler darauf nach vorn läuft und performt, sehen ihn die ersten zwanzig Reihen von hinten. Etwas ungünstig, aber da kann Calvi schlecht etwas dafür. Sie hat es zum Glück auch nicht allzu häufig getan.


Überrascht war ich angesichts des Durchschnittsalters des Publikums, das ich auf um die fünfzig Jahre schätzen würde. Also auch durchaus noch ältere Menschen, von denen ich nicht erwartet hätte, dass sie ein Rockkonzert besuchen würden, bei dem nicht eine mindestens vierzig Jahre alte Classic-Rock-Band auftritt. Im Laufe der Vor"band" (weiter will ich mich nicht zur DJane äußern, von deren Auftritt ich nicht so angetan war) bekam ich mit, dass das Konzert von Radio Eins präsentiert wurde. Wahrscheinlich liegt darin die Erklärung dafür.

Immerhin muss man so auf nicht viele Smartphone-Bildschirme starren, wie das bei jüngeren Konzertgängern der Fall ist. Mehr habe ich vom Publikum nicht wirklich mitbekommen, denn sobald Anna Calvi ihre Songs anstimmte, war ich komplett davon eingenommen und regelrecht berauscht.


Den Auftakt bildete das Lied Hunter, gefolgt von Swimming Pool. Bei letzterem tauchte der ganze Saal in blaues Licht und Calvi zupfte an ihrer E-Gitarre wie an einer Harfe. Ich fühlte mich tatsächlich wie in einem verdammten Swimming Pool! Alles wirkte ruhiger, umspült von Musik.

Für den Rest der Show variierte die Stimmung immer wieder; mal dunkel und mystisch, mal erotisch, mal badassig (ja, das ist jetzt ein Wort), mal leichtgängiger. Überhaupt war es ein Gesamtkunstwerk, wie das Licht die Dramaturgie der Instrumente und des Gesangs widerspiegelte. Ein ausgefallener Schlagzeug-Moment wurde zum Beispiel unterlegt durch das Aufzucken grellen Lichts. Häufig war der Saal in tiefes Rot getaucht, pochend wie ein Herz.

Anna Calvi weiß mit einem Spannungsbogen zu spielen: Ruhige Momente gehen fließend über in langsam anschwellende Musik, die schließlich zur völligen Ekstase gelangt, Calvi die längsten, höchsten Töne herausschmettert oder auf ihre E-Gitarre bis zur Verzerrung eindrescht, zwischenzeitlich sogar das Mikro zum Spielen in der linken Hand benutzt, der Bass im ganzen Körper zu spüren ist und der Klang allumhüllend wird. Der absolute Wahnsinn! Dabei stimme ich trotzdem nicht der Frau aus der Einleitung zu. Das war kein Geschrammel. Das war Kunst!


Meinen Blick konnte ich dabei gar nicht von dieser talentierten Frau abwenden. Ihr Gesang ist live absolut beeindruckend, wirkt mitunter schon opernhaft, und ihre E-Gitarre spielt die Britin, als ob sie bloß eine Verlängerung ihrer Arme wäre.

Viel gesagt hat Anna Calvi abgesehen von Danksagungen übrigens zwischendurch nicht, sondern eher durch ihre Lieder gesprochen. Kontakt zum Publikum gab es trotzdem durch Berührungen von Zuschauerhänden und langen, intensiven Blicken (direkt in all unsere Seelen, so wie es sich zumindest anfühlte). Sie hat dabei eine unglaublich selbstbewusste und geheimnisvolle Ausstrahlung. Ich konnte gar nicht aufhören, sie fasziniert anzustarren. Wenn ich groß bin, möchte ich bitte Anna Calvi werden. Danke!


Die meisten Songs stammten natürlich, wie zu erwarten, vom letzten Album, mit einigen bekannteren Auskopplungen der Vergangenheit hier und da. Auch Ghost Rider hat sie als zweiten Teil der Zugabe gespielt - das Lied, wegen dem ich überhaupt gekommen war. Bis dahin war ich aber bereits so hin und weg, dass es mir fast egal gewesen wäre, hätte sie es nicht verlauten lassen.

Setlist
1. Hunter
2. Swimming Pool
3. Wish
4. As a Man
5. Indies or Paradies
6. Rider to the Sea
7. Suzanne and I
8. I'll Be Your Man
9. Don't Beat the Girl out of My Boy
10. Alpha
11. Desire
12. Ghost Rider

An dieser Stelle komme ich zum Ende meines Schwärmens. Insgesamt war das Konzert sogar noch besser als erwartet. Wer alternativen Rock, Frauenpower und eine intensive Stimmung mag, wer bei Live-Veranstaltungen komplett mitgerissen werden möchte und nichts gegen Lautstärke hat, sollte Anna Calvi das nächste Mal definitiv nicht verpassen. Aber nicht vergessen, Konzertohrstöpsel zu benutzen!

Samstag, 12. Januar 2019

Last.fm-Musikjahr 2018: Meine Statistiken

Die Musikseite last.fm hat für jeden Benutzer wieder ein Statistik für das vergangene Musikjahr ausgespuckt. Da ich ja ein Sucker für Statistiken bin, hatte ich mich bereits den ganzen Dezember darauf gefreut.

So wühlte ich mich durch die verschiedenen Fakten meines Musikjahres, als mir auffiel, dass die früheren Übersichten nicht mehr für mich einsichtig sind. So blühte die Idee auf, schnell einige Screenshots zu knipsen und sie einfach hier auf dem Blog zu archivieren.

Natürlich wurden nicht alle von mir gehörten Lieder gescrobbelt (also von der Plattform erkannt / ausgewertet), deshalb kann mein eigentliches Hörverhalten etwas abweichen. Aber insgesamt bekommt man trotzdem einen guten Eindruck von dem, was bei mir viel im Jahr 2018 lief. Hier ist übrigens ein Link zu meinem Profil, falls es jemanden interessiert.

PS: Die "Perzentil"-Angaben im zweiten Bild bedeuten übrigens Folgendes:
Du hast mehr Künstler gehört als 95% der anderen Last.fm-Benutzer.
Du hast mehr Alben gehört als 96% der anderen Last.fm-Benutzer.
Du hast mehr Titel gehört als 95% der anderen Last.fm-Benutzer. 

PPS: Nachdem ich die ganzen Screenshots händisch erstellt, sie in Collagen zusammengefügt und mich darüber geärgert habe, wie schlecht die Bildqualität am Ende ist, sehe ich nun, dass last.fm einem für jede Statistik auch ein scharfes Bild zum Herunterladen zur Verfügung gestellt hätte. Nun, jetzt ist es zu spät. Nächstes Jahr dann.






Freitag, 4. Januar 2019

2018

2018 war für mich das Jahr mit der steilsten Abwärtskurve meines gesamten Lebens. Während der Jahreswechsel mit einem Kuss meines damals Liebsten begann, ging spätestens seit Mitte des Jahres alles so richtig den Bach herunter. Ich fühle mich so erleichtert, dass dieses Kapitel hinter mir liegt. Auch wenn es sich natürlich nicht vermeiden lässt, emotionalen und mentalen Ballast mit ins neue Jahr zu nehmen, sehe ich es doch als kleinen Neuanfang. Als Chance.

Studium & Arbeit
Es war zum Ende hin ein echter Kampf, aber Ende März habe ich endlich mein Bachelor-Studium in Anglistik an der Universität Leipzig erfolgreich abgeschlossen. Glücklicherweise hielt die nächste schwierige Phase, die Bewerbungsphase, nicht lange an.
Seit Mitte April absolviere ich ein Volontariat in einer Online-Redaktion für ein Vergleichsportal. Sicherlich nicht mein ultimativer Traumjob, aber ich bin noch immer erleichtert, gleich beruflichen Anschluss nach dem Studium gefunden zu haben. Die Aufgaben dort sind insgesamt abwechslungsreich und interessant genug, um an dieser Situation vorerst nichts ändern zu wollen. Jeden Tag morgens aufstehen zu müssen, hat mir 2018 zudem viel Halt und Ablenkung verschafft. Im Arbeitsleben fühle ich mich so viel wohler und angekommener als im Studium.

Umzüge
In den vergangenen zehn Monaten habe ich gleich zwei Umzüge hinter mich gebracht. Ende März ging es von Leipzig wieder an den Rande Berlins in mein altes Kinder- bzw. Jugendzimmer bei meiner Mutter in Bernau. Die Anfahrt zur Arbeit war mit knapp eineinhalb Stunden viel zu lang für mich, weshalb natürlich ein Umzug nach Berlin allein deswegen wünschenswert war. Lange hat es gebraucht - nicht nur ist der Wohnungsmarkt in der deutschen Hauptstadt anstrengend, auch wollte und konnte ich mich lange nicht mit dem Gedanken anfreunden, mich längerfristig niederzulassen. Berlin war immer eine Zwischenlösung, etwas Vorübergehendes. Nach Berlin zu ziehen, würde bedeuten, dass ich mich einrichte, länger niederlasse. Und der Plan war schließlich, etwas mit meinem Freund, dem Belgier, aufzubauen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Mittlerweile lebe ich der ehemaligen Wohnung meines Großvaters in einer ruhigen Ecke Treptows, die ich mir mit einer Freundin und ihrem Hund teile. Die Spree ist nicht weit entfernt, es gibt viele kleine Geschäfte, mein Arbeitsweg hat sich auf weniger als die Hälfte reduziert und nach Abendveranstaltungen in Kreuzberg bringen mich Bahn und Bus in weniger als dreißig Minuten nach Hause. Langsam lebe ich mich ein und sehe diesen Wohnort als längerfristige Perspektive, nicht nur als Notlösung.


Trennung
Eine Woche vor meinem Geburtstag bei einem Besuch des Belgiers in Deutschland passierte dann das wohl Schlimmste, das mir je widerfahren ist. Wir haben uns getrennt. Wie aus dem nichts; ein Schock für uns beide. Der Grund war dabei nicht, dass die Liebe fehlen oder verblassen würde, eher der Schmerz durch die Distanz und dem ständigen Vermissen. Ich will es nicht alles weiter ausbreiten. Es hat mir den Boden unter Füßen gerissen, all meine Hoffnung geraubt. Wir hatten seither nur spärlich Kontakt, trotzdem kann ich bis heute nicht loslassen. Nun kenne ich die Kehrseite einer tollen Beziehung und ich weiß momentan nicht so recht, ob es das wert ist.

Gesundheit
Nach der Trennung fiel ich in ein tiefes Loch, in dem ich von Traurigkeit und Herzschmerz überschwemmt wurde. Wie sollte es nur weitergehen? Was fange ich so bitte mit meinem Leben an? An die Oberfläche sprudelten Suizidgedanken und so beschloss ich, mir in Form einer Psychotherapie professionelle Hilfe zu holen. Bis heute gibt es immer noch Momente, Stunden, sogar Tage, in denen ich das Gefühl habe, im falschen Paralleluniversum gelandet zu sein. Doch die überwältigende Verzweiflung ist abgeflaut.

Körperlich hatte ich zumindest 2018 kaum Beschwerden. Schlimm krank war ich nur für ein paar Wochen über das Jahr verteilt. Immerhin etwas. Und das obwohl meine Fürsorge für meinen Körper eingegangen ist. Er war nur noch da, um mich von A nach B zu bringen, meinem Gehirn zu dienen und Aufgaben für mich zu erledigen. Ich gebe ihm dafür nichts zurück. Ich ernähre mich seit einem halben Jahr ziemlich ungesund, bewege mich nicht genug, pflege mich nicht mehr als nötig (weil who even cares about my fucking hairy armpits anymore?). Irgendwann werde ich daran sicher wieder etwas ändern oder es wird früher oder später eine Rechnung dafür geben.

Familie & Freunde
Seitdem mich nicht mehr 200 Kilometer von meiner Familie und meinen in Berlin ansässigen Freunden trennen, sehen wir uns wieder häufiger als in den Jahren davor. Eine positive Entwicklung, da sie mir viel Halt und Mut zum Weitermachen geben. Auch auf der Arbeit habe ich einige Kollegen sehr ins Herz geschlossen und würde sie schon Freude nennen. Es ist verdammt schön, sich jeden Tag mit Gleichgesinnten auszutauschen, herumzublödeln oder einfach füreinander da zu sein.

Leider kann auch dieser Abschnitt nicht gänzlich positiv stehenbleiben. Denn nach langen Monaten der Qual ist mein Opa im August verstorben. Es ist irgendwie bis heute teilweise surreal, dass er nicht mehr da ist. Unser ohnehin fast schon winziger, enger Familienkreis hat sich um einen wichtigen Bestandteil verkleinert. Wir probieren, eher die schönen Momente sowie sein Leben wertzuschätzen und zu ehren - trotzdem bleibt es natürlich unendlich traurig.


Reisen
Im Vergleich zu den letzten fünf Jahren bin ich 2018 ziemlich selten verreist. Bis zum Volontariatsbeginn im April war ich zweimal in Belgien zu Besuch und einmal in dem kleinen Städtchen Wilhelmshaven bei meiner ersten Mitbewohnerin. In der neuen Stelle fehlen mir seitdem einfach die Urlaubstage, um großartig Trips zu unternehmen. Im September gönnte ich mir zumindest eine einwöchige Reise nach Schottland, das wirklich unglaublich beeindruckte Landschaften bietet und dessen Einwohner einfach nur charmant sind. Sehr zu empfehlen!

Blog
Mit guten Vorsätzen startete ich im Januar und Februar durch und nutzte die Motivation, einige meiner eigentlich immer zuhauf existierenden Ideen umzusetzen. Mit dem langen Anfahrtsweg zur Arbeit und der stressigen Anfangsphase bei der Eingewöhnung in die Firma fehlte oft Zeit und Nerv für weitere Blogposts. Danach kann man sich an dieser Stelle wohl denken, warum nichts mehr kam.

Aber ich durfte im Mai meinen ersten Picture-My-Day-Day ausrichten, dessen Organisation mir viel Freude bereitet hat. Vielen Dank erneut an dieser Stelle an alle fürs Mitmachen. Ein echtes Highlight in meiner sonst eher kümmrigen Blogger-Karriere. Wie es hier ansonsten im kommenden Jahr weitergehen wird, kann ich nicht beschwören. Es kommt, wie es kommt.

Kultur & Konzerte
Auch dieses Jahr habe ich einige Kulturveranstaltungen und Konzerte mitgenommen. So war ich bei einer Wollausstellung, bei man neben dem Lesen von Fakten auch selbst spinnen und weben durfte. Im März besuchte ich die Leipziger Buchmesse mit meiner Mutter und meinem Bruder, von der besonders die Lesung vom talentierten und unheimlich sympathischen Tommy Krappweis in guter Erinnerung blieb.

Zweimal zog es mich ins Kino, für mich ein guter Jahresdurchschnitt: einmal zu Ready Player One mit dem Belgier und später zu Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen mit zwei Kolleginnen/Freundinnen, die auch Caro heißen (bloß mit C).

Die Konzerte werde ich eher auflisten, als sie genau zu beschreiben. Jedes hatte großartige Momente und bei jedem Künstler würde ich den Besuch von Live-Auftritten ausnahmslos empfehlen.

  • 2 x Alice Merton
  • First Aid Kit
  • Todrick Hall
  • The Tiger Lillies
  • Nick Cave & The Bad Seeds
  • Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra
  • Sons of an Illustrious Father


Songs des Jahres
Meine Herzenslieder des Jahres habe ich in einer Spotify-Playlist zusammengefasst. Denn eine bloße Aufzählung würde dem nicht gerecht werden, würde auch der Wichtigkeit von Musik in meinem Leben nicht gerecht werden. Es war manchmal schwer zu sehen, dass selbst diese Passion in dunklen Zeiten nichts in mir auszulösen vermochte. Doch über Musik dieses Gefühl einer Verbindung zu einem größeren Ganzen zu verspüren, spült die Leere wieder hinfort.


Bonaparte - Das Lied vom Tod
The Regrettes - Come Through
Ezra Furman - Driving Down To L.A
Charles Aznavour - Hier Encore
First Aid Kit - Fireworks
Jonathan Jeremiah - Yes In A Heartbeat
Lady Gaga - Joanne
Christina Aguilera & Demi Lovato - Fall In Line
Tessa Violet - Haze
Nick Cave & The Bad Seeds - Distant Sky
James Vincent McMorrow - Wicked Game
Sons of an Illustrious Father - Extraordinary Rendition
Todrick Hall - Changed My Mind
Nothing But Thieves - If I Get High
Jinkx Monsoon - This Town
Dodie - Human
Ariana Grande - thank u, next
Macy Gray - White Man

Alben des Jahres
First Aid Kit - Ruins
Ezra Furman - Transangelic Exodus
Jinkx Monsoon - The Ginger Snapped

Filme des Jahres
Before I Go To Sleep
Birthmarked
Gerald's Game

Serien des Jahres
You
Nailed It
Mord mit Aussicht
Good Girls

Bücher des Jahres
Marc-Uwe Kling - QualityLand
Caitlin Doughty - Smoke Gets In Your Eyes