Mittwoch, 7. März 2018

Warum ich 10 Monate auf Twitter inaktiv war und nun doch zurückkehre

Im April des letzten Jahres wachte ich eines Morgens auf und griff, wie üblich, nach meinem Handy. Üblicherweise das Erste, das ich damals machte, war durch Twitter zu scrollen. Selbst als es mich schon anfing zu nerven. Es war wie ein Zwang für mich, ständig mein Handy in die Hand zu nehmen und zehn bis dreißig Minuten in meiner Timeline zu lesen. Wie eine Bekloppte, obwohl ich am Ende keine Freude mehr dabei hatte. Irgendwie hatte die Plattform ihren Reiz für mich verloren. Es war keine erfreuende Aktivität, sondern eher eine lästige Angewohnheit. Kurzerhand fasste ich an jenem Morgen den Entschluss, die App zu löschen und es war eine Befreiung. Doch warum nervte mich Twitter so sehr und wieso bin ich nun doch zurück?



Zeit
Wie gesagt, verbrachte ich viel Zeit damit. Neben Twitter war es auch Instagram, dem ich von diesem Tag an den Rücken kehrte. Zusammengerechnet verlor ich mehrere Stunden täglich an diese Apps. Wenn man bedenkt, dass ich irgendwann keine Freude mehr daran hat, ließe sich diese Zeit doch anderweitig um einiges besser investieren.

Vergleich
Besonders wenn es mir schlecht ging oder ich mit meinem Leben unzufrieden war, halfen die sozialen Netzwerke nicht. Sich dauernd tolle Partys und Reisen anzusehen, verbesserte meine Laune nicht gerade und machte mich nur noch unzufriedener. Natürlich ist mir bekannt, dass sich jeder bloß gut darstellen will und Leute nicht jeden Tag die Zeit ihres Leben haben. Doch macht es das besser? Irgendwie vergleichte ich mich trotzdem mit dem Lifestyle anderer und verlor aus den Augen, meinen zu genießen. Sicher bin ich nicht ständig in Paris oder New York unterwegs, trotzdem ist es wichtig, sich an den kleinen Dingen erfreuen zu können - meine Hobbys auszuüben, eine gutes Gespräch oder ein Stück Kuchen. Bei den Vergleichen nach oben fiel es mir manchmal schwer, mich nicht minderwertig zu fühlen.

Sozial
Obwohl Twitter und Instagram soziale Plattformen sind, machten sie mich nicht unbedingt sozialer. Ich bin introvertiert und jede soziale Interaktion kostet mich Energie, die wieder aufgefüllt werden kann, wenn ich allein bin. Das gilt in meinem Fall auch für Interaktion auf Twitter mit anderen Usern. Da ich vielen privaten Accounts folgte, die über Geschehnisse in ihrem Alltag schreiben, tauschte ich mich häufiger darüber aus. Und am Ende des Tages fühlte ich mich sozial, denn die Energie war ja verschwunden. Bloß dass ich die meisten Leute hinter den Profilen eigentlich gar nicht richtig kenne und sie wahrscheinlich auch nie treffen werde. Anstatt mich bei meinen Freunden und meiner Familie zu melden oder auf ihre Nachrichten zu antworten, redete ich mit Fremden. Als mir das auffiel, war ich ziemlich schockiert. Es sind schließlich die Leute in meinem realen Leben, die für mich da sind, wenn es mir schlecht geht oder ich Hilfe brauche. Ich sollte den Großteil meiner Aufmerksamkeit ihnen widmen und nicht Twitter.

Aufgabe
In den letzten Monaten, bevor ich aufhörte, wurde Twitter schon zur Aufgabe für mich. Ich hörte langsam auf, mich mit anderen auszutauschen, auf Tweets zu antworten oder selbst zu posten. Ich hatte keine richtige Lust mehr. Doch da ich schon so lange dabei war und es einfach das war, was man machte, kam mir nicht der Gedanke, damit aufzuhören. So wurde es ein regelmäßiger Punkt auf meinen To Do-Listen, etwas auf Twitter zu schreiben. Dass so die Tweets nicht wirklich inspirierend wurden, kann man sich denken.

Blog
Zurückblickend ärgert mich außerdem, dass ich mit Twitter-Beiträgen oft Blogthemen nichtig machte. Wenn ich zum Beispiel auf ein Konzert ging und eigentlich einen Blogbeitrag darüber schreiben wollte, sprudelte ich direkt danach schon über und schrieb meine Meinung auf Twitter. Das gleiche erneut im Blogformat niederzuschreiben, war damit nicht nur überflüssig, sondern irgendwie auch lästig geworden. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf Konzerte, sondern jegliche Themen.

Privatsphäre
Der letzte Grund war, dass es mich anfing zu stören, mein Privatleben regelmäßig ins Internet zu stellen. Vor allem wenn ich auf alte Tweets zurückblickte, war es mir im Nachhinein unglaublich peinlich, was für wehleidige, dramatische oder persönliche Sachen ich da veröffentlicht haben. Deshalb löschte ich tausende Tweets, bevor ich wieder zurückkehrte. Das war nicht nur für einen Neuanfang, sondern um von nun an sorgfältiger auszuwählen, was wirklich von mir für die ganze Welt zugängig sein soll.

Die Monate danach
Als ich die Apps löschte, war mein Gedanke eigentlich nicht, so lange wegzubleiben. In diesem Moment hatte ich bloß einfach genug und zog die Reißleine. Es hätte doch genauso kommen können, dass ich lediglich eine kleine Auszeit von ein paar Tagen oder einer Woche brauche. Aber irgendwie war die Erleichterung dafür zu groß. Es bereitete mir Freude, Sachen einfach nur zu machen, weil ich sie machen wolle - ohne den ewigen Hintergedanken, das irgendwie für Social Media zu verwursten. Ich habe in der Zwischenzeit meine Leidenschaft für den Blog wiedergefunden. Auch bin ich in meinem Real Life sozialer geworden. Ich melde mich häufiger von mir aus und antworte im Regelfall schneller, als ich es früher tat. Kurz: Ich habe eigentlich nichts vermisst.

Warum bin ich zurück?
Momentan taste ich mich wieder langsam an Twitter heran. Vorerst soll es nur eine Plattform sein, Instagram lasse ich weiterhin links liegen. Vielleicht kommt das später hinzu, vielleicht reicht mir Twitter allein auch aus. Ich möchte nicht wieder so viel Zeit daran verlieren und es als mein soziales Umfeld ersetzen. Es soll eher im Einklang mit meinem Blog sein. Statt Persönliches preiszugeben, für das ich mich später schämen muss, soll es auch da vermehrt Musik geben, ob Neuigkeiten oder Empfehlungen. Twitter ist eine gute Möglichkeit, diesem Blog zu folgen. Deshalb werde ich die neuen Blogbeiträge jedes Mal vorstellen und ab und zu verlinke ich auch zu Beiträgen aus dem Archiv. Vielleicht mag es viele mit der Veränderung nicht mehr interessieren. Doch anders lässt sich das soziale Netzwerk momentan nicht mit meinem Leben vereinbaren. Wer sich jedoch dafür interessiert, findet meinen Account unter @karokafka.

Kommentare:

  1. Salut, Karo.
    "Wie leben nie in den geschäumten Träumen anderer; zuviele Seifenblasen, die uns die Sicht auf das Selbst nehmen."
    (Myrelle Minotier)
    Ich denke, sich zu verzetteln ist in allerlei Lebensbereichen kein sonderlich anstrebenswerter Zustand. Worte zu twittern, nur um Worte in eine endlose Kette zu reihen, erfährt schnell seinen schalen Beigeschmack.
    Du beschreibst oben ja dann all die Negativa, die Deinem Selbstverständnis zusetzten. Und Du hattest Recht die Reissleine zu ziehen.
    Ein Blogg oder ein Channel ist für mich ein wesentlicher Ort für die Kommunikation im Sinne von geben & bekommen. Fast ein wenig wie analoger Briefwechsel in früheren Tagen ablief. Nicht schnell & immer neu in den Inhalten, aber fundiert.
    Bei ein paar Twitter blicke ich dennoch gerne vorbei (wenn sowieso auf Blog oder Channel), weil ich deren Qualitäten kenne.

    bonté

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  2. Mir geht das momentan sehr ähnlich mit Facebook. Ich überlege auch alle paar Tage, den Kram einfach zu löschen, aber die Infos zu Spielen beim Roller Derby laufen (momentan noch) hauptsächlich über Facebook. Also habe ich einen Großteil der Leute einfach gemutet.

    Ich drücke die Daumen, dass du wieder mehr Spaß auf twitter hast in der Zukunft!

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