Sonntag, 25. Februar 2018

Meine Top 5 Tiny Desk Concerts

Nachdem ich diese Woche einen Bericht zu dem Alice Merton-Auftritt in Leipzig tippte, bleiben wir doch gleich bei dem Thema Konzerte. Ich möchte über die Videoreihe Tiny Desk Concerts des US-amerikanischen Radiosenders NPR sprechen, die es seit 2008 gibt. Das Prinzip: Bands werden mit ihren Instrumenten und Gerätschaften in eine winzige Büroecke des Senders gestopft und geben ein Konzert von ungefähr drei Liedern. Sowohl große Künstler als auch Newcomer sind am Start und auch verschiedenste Genres sind vertreten, von Pop über Klassik und Jazz bis hin zu Weltmusik, Hip Hop und Country. Über 500 Konzerte sind bislang entstanden. Ich liebe die Videoreihe, denn ich entdecke ständig neue Künstler für mich. In diesem Beitrag präsentiere ich natürlich nur meine Crème de la Crème, die Krim de la Krim, das Chrom de la Chrom.



Edward Sharpe & The Magnetic Zeros
Im Falle der Folk-Hippie-Band musste wirklich gequetscht werden, damit alle anwesenden zehn Mitglieder mit ihren Instrumenten in die Ecke passten. Dieses Video wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Nicht nur entdeckte ich dadurch vor knapp sieben Jahren die Tiny Desk Concert-Reihe, auch lernte ich Edward Sharpe & The Magnetic Zeros kennen. Die haben sich nämlich in den Monaten danach zu einer meiner Lieblingsgruppen entwickelt, ich war bei Live-Auftritten und verbinde so viele wunderschöne Erinnerungen mit ihren Liedern. Mich beeindruckte in dem Mini-Konzert vor allem das Gefühl von Zusammengehörigkeit sowie die Ausgelassenheit, mit der die Musiker spielen und singen. Besonders bei Sängerin Jade kommt schon die Frage auf, ob das Lebensfreude oder ein Aufputschmittel ist, das sie so tanzen lassen. Mittlerweile ist es leider etwas ruhiger um Edward Sharpe geworden - Mitglieder sind ausgestiegen, andere widmeten sich Solo-Projekten. Umso schöner, mit diesem Video ein wenig zu schwelgen und sich der alten Zeiten zu erinnern.



The Music Tapes
Es kommt selten vor, dass ich nicht nebenbei etwas mache, wenn Musik oder ein Video läuft. Der magische Auftritt von The Music Tapes schaffte es hingegen schon nach einer knappen Minute, mich zu fesseln, sodass ich das Strickzeug zur Seite legen musste. Sänger Julian Koster, manchen vielleicht bekannt aus der Gruppe Neutral Milk Hotel, ist herrlich verschroben. Banjos, singende Sägen, Gesang vom Bandgerät und hier und da ein Schwank aus seinem Leben, machen dies zum wohl ungewöhnlichsten Weihnachtskonzert überhaupt. Schräg und gleichzeitig herzerwärmend. Der Satz von NPR passt perfekt: "Somewhere inside Julian Koster lives a 13-year-old boy filled with wonder and imagination."
Dieser Auftritt ist für mich das, was ein Süßigkeitenladen für Kinder (und auch mich) ist, und es wird eine fabelhafte Tradition sein, ihn immer an den Feiertagen zu schauen. Frohe Weihnachten allerseits!



Monika
Das Konzert von Monika beginnt mit einem langsamen Chanson, das mich durch ihre besondere, fast schon altmodische, Gesangsweise begeisterte. Besonders mit ihrer Präsenz, mit Mimiken und Gestiken weiß die Sängerin den Zuschauer einzunehmen. Und plötzlich ist die Ballade vorbei und man kriegt gut gelaunte Funk-Nummern aufs Ohr. Der Auftritt zeichnet damit auch die Musikentwicklung ihrer Karriere nach. Zunächst widmete sich die Griechin traurigen Liedern. Doch nachdem sie fast bei einem Bootsunglück ums Leben kam und acht Stunden im Dunklen zu ihrer Rettung schwimmen musste, beschloss sie, von nun an mit ihrer Musik das Leben zu zelebrieren. Wer trotz meiner Schwärmerei verpasst, wie Monika auf dem Tisch tanzt, ist selbst Schuld.



Perfume Genius
Perfume Genius entdeckte ich im vergangenen Jahr dank seiner Single Slip Away, von der er eine wunderschöne Version in diesem Tiny Desk Concert parat hat. Sein Konzert ist sehr ruhig und zurückhaltend. Selbst ein eigentlich kraftvolles Lied wird auf das Wesentliche zurückgeschraubt. Genau damit schafft der Künstler es, zu berühren. Wenn man manchmal seine gequälten Gesichtsausdrücke sieht und hört, wie seine Stimme bei emotionalen Parts zu zittern anfängt, will man ihn am liebsten in den Arm nehmen. Es muss unglaublich schwer sein, in einem derart kleinen Rahmen so persönlich zu werden. Man kann jeden Gesichtsausdruck der Zuschauer ablesen, sie stehen auf gleicher Höhe - deshalb Chapeau und danke für diesen ergreifenden Moment!



Genevieve
Fröhlich und bunt - so ist der erste Eindruck der amerikanischen Popsängerin. Ihre ausgeflippten Haare tragen dazu bei und auch dass der lebensbejahende Song vom Anfang der Setlist Colors heißt. Man bekommt direkt gute Laune, tanzt sogar mit und ertappt sich vielleicht bei dem Gedanken, dass ihre Stimme manchmal an die von Alanis Morissette erinnert. Dann plötzlich wird das Schreibtisch-Konzert überraschend nachdenklich und still. Genevieve kann nicht nur beweisen, wie einzigartig ihre Stimme dann doch ist, zudem gibt sie einige tolle Botschaften mit auf den Weg. Aus dem Grund hat sie sich definitiv einen Platz auf dieser Liste verdient, die damit leider schon am Ende angekommen ist.



Kanntet ihr die Videoreihe bereits? Wenn ja, was sind eure Favoriten? Wenn nicht, wie ist euer spontaner Eindruck davon?