Mittwoch, 17. Januar 2018

Meine Top 5 Dragqueens

Dank einer bekannten Streaming-Plattform konnte ich kürzlich die neunte Staffel von RuPaul's Drag Race schauen. Diese Wettbewerbssendung, bei der der nächste Dragqueen-Star gesucht wird, entdeckte ich vor zwei Jahren für mich. Vorher hatte ich mich kaum mit der Szene beschäftigt. Nicht nur ist mir deshalb viel Freude entgangen, die man beim Zuschauen hat. Auch wusste ich nie, was für eine Kunstform Drag sein kann. Es steckt unglaublich viel Arbeit und Talent dahinter. Die Queens müssen teilweise selbst Kostüme entwerfen, nähen, schauspielern, tanzen, singen, witzig sein und dabei noch gut aussehen. Das scheint harter Tobak zu sein! Und doch bekommen es so viele von den Teilnehmerinnen grazil hin. Weil mir die Sendung und Drag generell zu sprechen, möchte ich meine fünf liebsten Dragqueens vorstellen.

Gentlemen, start your engines and may the best dragqueens be mentioned here!


RuPaul
Duuuuh! Diese Erwähnung ist offensichtlich, denn RuPaul selbst veranstaltet das Drag Race und ist quasi die Mutter-Queen. Trotzdem hätte ich ihn beinahe vergessen, weil ich ihn eigentlich nur in der Sendung selbst in Drag sehe. Sonst kommt mir das Multitalent ohne Drag-Aufmachung unter. Übrigens werde ich nur RuPaul mit er betiteln, weil es diese Seite von ihm ist, die mir persönlich häufiger unterkommt. Nach eigener Aussage ist es ihm sowieso gleich, welches Pronomen man verwendet. Alle anderen auf der Liste spreche ich mit sie an. Ich sehe ihn als Schauspieler in Serien, als Jury-Mitglied bei SkinWars und höre seinen Podcast What's The Tee, in dem er mir immer wieder Themen, Weisheiten und Perspektiven zum Nachdenken mitgibt. Seine Popsongs sind so kitschig und überproduziert, dass sie schon wieder gut sind. Zumindest kann man schnell mitsingen bei den vielen Wiederholungen der Liedzeilen. RuPaul weiß ganz genau, wie man sich vermarktet und hat das Showbusiness genau durchschaut. Nicht umsonst dürfte er die erfolgreichste Dragqueen unserer Zeit sein.

Now sissy that walk!




Jinkx Monsoon
It's monsoon season! Würde man mich ganz spontan nach meiner liebsten Dragqueen fragen, käme immer Jinkxi, wie ich sie liebevoll nenne, wie aus der Pistole geschossen als Antwort. Ich mochte sie schon relativ früh in der Staffel, als sie viele noch unterschätzt hatten, unter anderem wegen ihrer Narkolepsie, wegen der sie manchmal während der Vorbereitungen für die Aufgaben einschlief. Erst der Moment, in dem sie auf geniale Art und Weise Mambo No. 1 lipsyncte, hat viele auf sie aufmerksam gemacht. Umso glücklicher war ich am Ende über ihren Triumph. Jinkx Monsoon hat einen klassischen Stil à la Alt-Hollywood, oft mit roten gewellten Haaren und Glitzerkleid. Genau wegen dieser eleganten Erscheinung kommen ihre sarkastischen bis dreckigen Witze überraschend. Jinkx scheint eine so liebe Persönlichkeit zu sein und hat einfach Humor und Charme. Genug geschwärmt. Hach....!

Water off a duck's back!




Kim Chi
Kim Chi kann kaum auf hochhackigen Schuhen laufen, sie kann weder tanzen noch singen und sie lispelt. Trotzdem nahm sie alle Aufgaben und Herausforderungen in der Sendung immer so, wie sie gekommen sind. Sie war sich nie zu fein, ihr Bestes zu geben oder sich über sich selbst lustig zu machen. Typisch für ihr Aussehen sind große Anime-Augen. Ihre Klamotten-Designs und ihr Make Up sind das, was sie herausstechen lässt. Es ist atemberaubend, was sie schafft zu kreieren und wie elegant und anmutig sie in solchen Momenten wirken kann. Zudem ist Kim Chi sauwitzig. Nur wenn sie manchmal ein wenig zu hart mit sich selbst ins Gericht geht, möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen. Insgesamt einfach eine einzigartige Mischung!

Donut come for me, because I will destroy you!




Sasha Velour
Mein Favorit der neunten Staffel ist Sasha Velour. Und juchee, sie gewann auch. Besonders bei dem letzten Lipsync in der Live-Show, bei der es um die Wurst ging, war ich mir nicht sicher, ob sie den Titel einheimsen kann. Doch sie konnte und sie tat! Ihr besonderes Merkmal ist ihre Glatze, mit der sie häufig auftritt. Sie stellt die Verbundenheit zu ihrer Mutter da, die an Krebs verstorben ist. Nicht nur ist das ein gutes Alleinstellungsmerkmal unter Dragqueens, Sasha Velour setzt ihre Nicht-Haarpracht fantastisch und elegant in Szene. Ansonsten ist sie als intellektuelle Queen verschrien, weshalb sie mir sehr sympathisch war. Vor allem, wenn einige Witze nicht zündeten, wie sie sollten, weil sie selbst zu sehr in ihrem Kopf war. Doch man kann nicht leugnen, das sie bewundernswert, schlau und eloquent ist.

Con-drag-ulations! You are the reigning dragqueen...for now!




Raja
Raja war meine erste Favoritin überhaupt innerhalb von RuPaul's Drag Race. Sie gewann die dritte Staffel. Nun klingt es so, als ob die Gewinnerinnen immer meine Favoriten waren. Während der neun Staffeln war das jedoch nur drei Mal der Fall. Und diese drei finden sich eben auf dieser Liste wieder. Es waren Rajas selbst entworfenen und genähten Kostüme und ihre Laufstegmode, die mich total vom Hocker gehauen haben. Da merkte ich zum ersten Mal, wie viel Arbeit dahintersteckt. Dafür blieb sie mir am meisten im Gedächtnis. Obwohl man nicht vergessen darf, dass sie verdammt lustig sein kann. Ihre Imitation von Tyra Banks, bei der sie sich die Augen blutiger und blutiger blinzelte, ist legendär.

Shantay, you stay!




Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass nicht der größte Freunde von Dragqueens bin, die "einfach nur schön" sind. Es muss schon mehr Talent dahinterstecken. Daher bevorzuge ich Comedy Queens und Dragqueens, die mich mit ihren Kleidern komplett aus den Stricksocken hauen können.

Welche ist eure liebste Dragqueen? Schaut ihr die Sendung ebenfalls?

Kommentare:

  1. Jinkx ist auch eine meiner absoluten Lieblinge aus allen Staffeln (ihre Staffel war aber auch die erste, die ich gesehen habe).

    Ich bin auch kein allzu großer Fan von puren Lookqueens, meine Favoriten waren auch immer die Leute, die eher mit Talent geglänzt haben (oder auch mit beidem).

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  2. Bore da, Katie.
    Konservativ gestriegelte Kreise bemühen ja gernst bei allem, abseits der engen, eigenen "Norm", den Untergang von wahlweise "christlichem Abendland", der Welt per se oder beidem zusammen. Anmerkenswert insofern, als dass die Marginalisierung der Frau in der Kultur einst dazu führte, dass Männer/Knaben die Rollen von Frauen (!) auszufüllen hatten. Kirche & Adel hatte also damals nichts dagegen einzuwenden, von feminisierten Männern unterhalten zu werden - der heutige Konservatismus allerdings schon (wieder). Die Inkonsequenz spricht Bände.
    Drag ist hohe Kunst; nicht nur der Unterhaltung wegen. Auch weil die Performance uns vorführt wie leicht gemachte Vorstellungen - von Männlichkeit & Weiblichkeit - ineinander verschwimmen, aufgehen können.

    Stimmt, Jinkx birgt eine tiefgehende Emotionalität in sich, die sie offen zu tragen bereit ist & in Ihre Kunst einströmen lässt. Gefallen kann auch Sasha in der Stärke einer Androgynität, die keine Seite vernachlässigt. Lässt mich doch an Queen Elizabeth denken (womit der Kreis zu Shakespeares Theater-Epoche wieder geschlossen wäre).

    Nope, mit "Find-the-next"-Shows per se kann man/frau mich jetzt nicht so sehr locken, allerdings reflektiert sich das Thema Dragqueen doch immer wieder im Kino. 'Priscilla' dürfte wohl der erste Film gewesen sein, den ich hierzu sehen konnte.
    Hier der Trailer zu...

    https://www.youtube.com/watch?v=nKm2r2zUT7w

    for your consideration

    Deine Themenvielfalt erfreut mich immer wieder!

    bonté

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    Antworten
    1. Hallo RoM,

      konservative gestriegelte Kreise, die sich über Drag aufregen oder es sogar als gefährlich erachten, können mir den Buckel herunterrutschen. Was die Inkonsequenz angeht, muss ich dir sehr zustimmen. Frustrierend! Ich finde, es ist einfach ein Form von Schauspiel und persönlichem Ausdruck. Wer es nicht mag, muss es sich ja nicht ansehen. Aber ich verbiete anderen auch nicht Fußball, obwohl ich kaum Sinn darin sehe, anderen beim Sporteln zuzuschauen und mich dann so zu freuen, als ob es mein eigener Verdienst wäre. Doch ich schweife vom Thema ab. Trotzdem, dann bin ich doch lieber für weniger Patriotismus und Konservatismus und für mehr Glitzer und Perückenpuder (oder eben nicht, wenn Drag-Queens wie Sasha ohne Haare auftreten wollen). :)

      Das Einzige, das mich an dem Trailer zum Priscilla-Film ein wenig stört, ist die Abba-Musik. Da ich den Liedern gefühlt ständig und schon so gut wie seit meiner Geburt ausgesetzt bin, kann ich's einfach nicht mehr hören und habe in die Richtung irgendwie eine Sperre entwickelt. Sonst schaut er echt super aus. Noch ein Film, den ich mir mal merken muss, sobald er irgendwo zum Schauen angeboten wird. Über die Abba-Stellen kann ich ja zur Not andere Lieder drüber singen. :D

      Vielen Dank für einen wieder einmal bereichernden Kommentar!

      Liebe Grüße
      Karo

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    2. ...damit dürftest Du dann für 'Mamma Mia 2' ja "Feuer & Flamme" sein. ;-)

      Nope - ABBAs Ceuvre hat mich noch nie sonderlich tangiert; in 'Priscilla' passen sich die Songs allerdings gut ein.
      Kommt mir gelegentlich unter, daß mich Musik, die mir nicht wirklich zusagt, innnerhalb genialer Filme begeistern kann. Der Soul in 'Commitments' als mein Paradebeispiel.
      Oder der Jazz in Jim Jarmushs 'Mystery Train'.
      Musik & Film werden dadurch für mich eins.

      Gibt übrigens auch die anmerkenswerten Themen beim Fußball, wie die Doku 'Equal Playing Fild' zeigt. Hier der Trailer

      https://vimeo.com/228762880/43403b44f1

      for your consideration

      bonté

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