Freitag, 15. August 2014

Mörderische Dinnerparty: Die Stimme aus dem Jenseits

Für meine diesjährige Geburtstagsfeier wollte ich etwas Außergewöhnlicheres ausprobieren. So fiel meine Wahl letztendlich auf eine Mörderische Dinnerparty, nachdem ich schon sehr oft davon auf diversen Blogs gelesen habe und meine Neugier darauf ins Unermessliche gestiegen war.


Spieltitel l Die Stimme aus dem Jenseits
Alter l Empfohlen ab 16 Jahren
Personenanzahl l 6 bis 8
Preis l 34,90 Euro (+ Versand) 
Im Spiel enthalten l 1 Party-Planer (Spielablauf, Tipps für die Gestaltung des Abends, Menü- und Musikvorschläge), 8 Rollenbücher (Charaktergeheimnis, Dialoge, Indizien), 8 Einladungen, 8 geheime Hinweise, 8 Tischkarten, 1 Hörspiel-CD (Hinweise für die Mörderjagd, Lösung des Mordfalls)
Spieldauer l Ungefähr 4 Stunden
Internetseite l www.moerderische-dinnerparty.de

Geschichte l Wir befinden uns im London des Jahres 1951. Vor einer Woche verstarb Edward, 13. Lord von Facelift, unter mysteriösen Umständen im Alter von 52 Jahren. Seine Lordschaft stammte aus einer verarmten Adelsfamilie, hatte jedoch zu Lebzeiten mit Schönheitsoperationen ein Vermögen verdient. Vor allem sein Ruf, äußerst diskret zu sein, hat ihm viele reiche Kunden der britischen Upper Class beschert.

Derzeit steht die Familie Facelift offenbar unter keinem guten Stern. Denn wie der Lord, so haben auch seine Erben einiges zu verbergen. Zur Testamentseröffnung geladen sind Verwandte, Bedienstete und Bekannte des Lords. Sie alle befanden sich auf Castle Facelift, als der Lord ums Leben kam...

Vorbereitungen

Schritt eins, um eine Mörderische Dinnerparty zu veranstalten, ist natürlich das Besorgen des Spieles. Sicherlich könnte man sich auch selbst eine Geschichte ausdenken, doch fehlt uns dafür ein Raj im Freundeskreis doch mit dem bestellten Spiel verläuft die Planung um einiges leichter und zusätzlich bleibt so selbst für den Gastgeber die Spannung erhalten. Es stehen insgesamt sechs Geschichten auf der Seite Mörderische Dinnerparty zur Auswahl, unsere Wahl fiel jedenfalls auf "Die Stimme aus dem Jenseits". In diesem Fall übernahm ich die Kosten, sollte man solch ein Krimidinner jedoch gemeinsam veranstalten, kann man sie selbstverständlich auf die sechs bis acht Personen aufteilen und dann ist das preislich wirklich ein guter Deal.

Schritt zwei: Einladungen verschicken. Die waren praktischerweise auch gleich im Spiel enthalten, sodass ich sie nur noch ausfüllen, in einen Umschlag stecken und abschicken musste.


Schritt drei ist die Vorbereitung des Abends. Wie soll die Dekoration aussehen, welche Musik soll gespielt werden, was werden wir essen und trinken, wie gestalte ich das eigene Kostüm und wie zum Teufel bekomme ich das alles Richtung alte Heimat? Zur Musik komme ich später noch. Beim Essen hielten wir uns nicht an den Menüvorschlag des Spiels. Unglaublich dankbar bin ich Apfelkernchen, die mich tatkräftig dabei unterstützte. Allein hätte ich das mit meinen spärlichen Kochkünsten nicht stemmen können. Zunächst gab es eine Runde Teatime mit schwarzem Tee, kleinen Küchlein und Powerriegeln. Zum Hauptgang verspeisten wir eine Lasagne und zum Nachtisch tischten wir mit selbstgemachte Kokospralinen auf, nur um den Abend mit Nachos ausklingen zu lassen, zu denen Kidneybohnen, Dips und Guacamole gereicht wurden. Wie es das Gesetz scheinbar möchte, war es selbstverständlich wieder viel zu viel. Aber alles vegan und alles schmackhaft!

Bezüglich der Dekoration könnt ihr auf den Fotos Eindrücke erhaschen. Ich habe probiert, es möglichst authentisch aussehen zu lassen, immerhin befanden wir uns im Jahre 1951. Moderne technische Geräte wurden entfernt und dafür alte Kerzenständer, Bücher und Gemälde hinzugefügt. In einer Ecke drapierte ich altmodische Fotoapparate und im Fernseher lief ein behagliches Kaminfeuer. Zum Glück waren bei meiner Mutter viele dieser Gegenstände vorhanden, sodass ich sie nicht extra kaufen musste.
Der gute Edward Facelift bekam sogar noch einen kleinen Schrein mit seiner Urne, einem Bild von ihm (das eigentlich irgendeinen britischen Politiker von vor Jahrzehnten zeigt), seiner Lieblingskrawatte und einem Testament.

Besonders gut kamen ansonsten Bilder an, die ich an die vier Wände klebte. Im Voraus hatte ich alte Schwarzweiß- oder Werbebilder aus dem Internet herausgesucht und unserer aller Köpfe hineinmoniert. Am Ende durften dann natürlich die Fotos mitgenommen werden, auf denen man selbst zu sehen war. Zwar eine Heidenarbeit, aber eine schöne Überraschung für die Gäste. Da ich deren Gesichter hier nicht unerlaubt zeigen werde, nur Ausschnitte als Beispiel, auf denen ich zu sehen bin.


Der Abend

Meine Gäste waren zu 16 Uhr geladen, da ich mich vor dem Spiel während des Nachmittagstee erst ein wenig mit ihnen austauschen wollte. Schließlich hatten wir uns schon so lange nicht gesehen, da kann ich nicht gleich mit dem fiktiven Fall loslegen, ohne auf den neuesten Stand gebracht worden zu sein. Sehr überrascht war ich davon, wie viel Mühe sich alle mit ihren Kostümen gegeben haben. So richtig hatte ich nicht damit gerechnet, war daher positiv überrascht und äußerst angetan.

Nun zum Spiel. Am Anfang weiß noch niemand, wer verantwortlich für den Tod des Opfers ist, auch der Mörder selbst nicht. Das macht es für alle Beteiligten natürlich besonders spannend. Jeder bekommt zunächst sein Rollenheft, indem das das persönliche Charaktergeheimnis steht. Denn zusätzlich ist niemand wirklich derjenige, der er zu sein scheint. Der Gastgeber, in diesem Fall ich, nimmt den Spielplan an sich, in dem angegeben ist, in welcher Reihenfolge alles abläuft. Aufgeteilt ist das Spiel insgesamt in eine Vorstellungsrunde und drei Akte, denen sich die Auflösung anschließt. Jeder Charakter bekam in seinem Rollenbuch pro Runde eine Aufgabe, der er sich widmen soll. Eingestreut in die Handlung und die Ermittlungen sind vorgegebene Dialoge, aufzudeckende Hinweise und Kommentare der Audio-CD, auf der Verstorbene selbst zu Wort kommt.


Mit all diesem Material war das Spiel einerseits sehr abwechslungsreich und wurde nicht langweilig, andererseits habe ich im Nachhinein das Gefühl, dass es manchmal sogar ein bisschen zu viel auf einmal war. Vor allem kam dies zum Tragen, als später fast alle das Detail überhört hatten, welches schließlich den Hinweis auf den Täter gab. Nur eine von uns sollte schließlich die richtige Person verdächtigen. Ansonsten war ich besonders als Moderatorin häufiger vom Geschehen abgelenkt, um nachzuschauen, was als nächstes auf dem Spielplan steht. Aber die ermittelnden Gespräche zwischen den einzelnen Punkten länger zu halten, ist ebenfalls ungünstig, da sie sich so schon oft im Kreis drehten. Im Endeffekt benötigten wir gute drei Stunden statt der angegebenen vier. Ich kann gar nicht sagen, woran das lag. Möglich ist, dass wir einfach nicht so ausufernde, fantasievolle Schauspieler sind, um dem Abend noch mehr Tiefe zu geben und stellenweise einfach zu improvisieren.

Es amüsierte schon ziemlich, versteht mich nicht falsch. Doch wenn ich solch eine Mörderische Dinnerparty wieder veranstaltete, würde ich einiges anders machen. Zum einen versuchen, am Anfang besser in die richtige Stimmung zu kommen und alle Teilnehmer besser aufzulockern angesichts der bevorstehenden, doch ungewohnten Schauspielerei. Dafür könnte man beispielsweise bereits eine Weile in den Rollen stecken, bevor es richtig losgeht oder die Vorstellungsrunde länger halten. Probieren sich nicht zu strikt an den Plan zu klammern, sondern vermehrt improvisieren, könnte ebenfalls von Vorteil sein. Zum anderen würde ich definitiv auf jede klitzekleine Einzelheit achten und jedes Wort dreimal herumdrehen und nachprüfen. Hätte ich vorher gewusst, dass am Ende ein so nebenbei erwähntes Detail ausschlaggebend ist, hätte ich meine Ohren mehr gespitzt.

Hier ist sie, die Bande. Wie gesagt, zeige ich keine Gesichter ohne Erlaubnis, deshalb ist es ein bisschen gruselig, aber die Kostüme sind immerhin zu sehen.

Kritik am Fall selbst kann ich nicht wirklich äußern. Das war, wie gesagt, mein erstes Krimidinner und mir fehlt einfach der Vergleich. Verwirrend war zu Beginn nur, dass in der Beschreibung zwei Todesfälle erwähnt wurden und wir zunächst nicht wussten, welcher eigentlich aufzudecken war. Zwar wurden im Verlauf beide aufgelöst, doch der Fokus lag auf dem Todesfall von Edward Facelift, wie wir jetzt zumindest wissen.
Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen (auch wenn ich nicht unbedingt mochte, in welche Richtung sich meiner entwickelte, doch das nur nebenbei). Sechs sind obligatorisch und müssen besetzt werden, zwei weitere optional. Wir waren sieben Personen und ließen kurzerhand den Butler James Gardener weg. Was mich freute, war, dass sich die Rollen relativ leicht zu meinen Freundinnen zuordnen ließen, weil es immer bestimmte Übereinstimmungen gab. So war jeder zufrieden mit seiner Rolle - besser geht's nicht.


Fazit

Die Mörderische Dinnerparty war auf jeden Fall für eine Erfahrung gut, erheiternd und definitiv wiederholenswert. Wenn ich auch beim nächsten Mal, wie gesagt, manche Dinge ein bisschen anders gestalten würde, um möglichst mehr aus dem vorgegebenen Fall herauszuholen.


Zum Abschluss ein Mixtape mit einer Auswahl an Musik, die ich an diesem Abend auflegte.




Benny Goodman - Sing, Sing, Sing
Jack Cooper - I Can Wiggle My Ears
The Andrews Sisters - Boogie Woogie Bugle Boy
Flanagan & Allen - Underneath The Arches
Elsie Carlisle - You've Got Me Crying Again
Ray Noble & His Orchestra - Blue Moon
Cab Calloway - The Scat Song
Hal Swain - Singing In The Bathtub
Bing Crosby & The Andrews Sisters - Pistol Packin' Mama
Fred Astaire - Puttin' On The Ritz