Donnerstag, 12. Juni 2014

Chromosom XX ungelöst - Nachträgliche Gedanken

Vor einer Weile schrieb ich bereits den Beitrag "Chromosom XX ungelöst", in dem ich - angeregt durch Christoph Kochs Buch "Chromosom XY ungelöst" - angestrengt nach typisch fraulichen Aktivitäten suchte. Diese sollten mich mehr mit meiner eigenen Weiblichkeit auseinandersetzen lassen, trotzdem gleichzeitig herausfordernd und spannend sind. Viel Erfolg hatte ich damals nicht.

Nun habe ich vor kurzem das sehr unterhaltsame, witzig-eloquente Buch "How To Be a Woman" von Caitlin Moran gelesen. Darin berichtet sie sowohl von ihrer persönlichen Reise zum Frausein, als auch von ihren Meinungen zu allgemeinen feministischen Themen. Das brachte meine Grübeleien zu diesem Thema wieder ins Rattern. Ich werde im folgenden einige Dinge auflisten, die, nach Morans Meinung, jede Frau tun sollte.

  •  Schambehaarung: Für sich selbst herausfinden, warum man sich untenrum rasiert - wenn man es denn tut - und ob es wirklich eigener Wille und persönliches Wohlfühlen ist oder doch eher von außen aufgedrückt wurde. Bei letzterem (probeweise) mit der Haarentfernung aufhören. Moran differenziert dabei übrigens zur restlichen Körperbehaarung, weil es dort mehr um Ästhetik, nicht um Sexualität ginge.
  • Der eigenen Vagina einen Namen geben: Caitlin Moran und ihre Schwester Caz haben sich ihrer Pubertät schon auf Namenssuche begeben, um in Gesprächen mit einem "Codewort" nicht zu sehr aufzufallen. Auch sei das Wort "vagina" zu klinisch und schlecht behaftet. Trotz einer Twitterumfrage, bei der kreative Beispiele wie "your flower", "minny", "cupcake" oder "Yorkshire Pudding" herauskamen, hat sich die Autorin dann übrigens für "cunt" entschieden. 
  • Das eigene Menstruationsblut probieren: Laut Moran soll man alles einmal versucht haben und jede Frau sollte wissen, wie ihres schmeckt.
  • Gemütliche Unterwäsche tragen: Sich nicht in viel zu kleine Unterhosen und BHs quetschen, nur weil diese schön aussehen. Man fühle sich in passender Unterwäsche viel wohler. Und dazu gehört auch, einmal nachzumessen, welche BH-Größe man eigentlich wirklich hat. 
  • Nein zu High Heels: Moran zufolge können die meisten Frauen ohnehin nicht gut darin laufen. Zudem seien hochhackige Schuhe so ungemütlich und schmerzhaft, dass man sie bereits nach dreißig Sekunden wieder ausziehen möchte. Also am besten gleich zu gemütlichen Halbschuhen und Stiefeln wechseln, bevor man Unmengen an Geld dafür ausgibt.

Ich gebe zu, manche Sachen sind ein bisschen fragwürdig, da andere Frauen andere Erfahrungen haben und selbst entscheiden können, was für sie am besten ist und was sie machen sollten. Natürlich beschäftigt sich Moran in dem Buch auch mit ernsteren Themen, zum Beispiel Abtreibung, warum man Kinder bekommen sollte oder auch nicht und was für weibliche Vorbilder uns die Medien vorsetzen.

In einer Sache hat mich Caitlin Moran jedoch wirklich überzeugt. Im letzten Beitrag zu diesem Thema habe ich den Punkt noch nicht kursiv markiert, dieses Mal für ich es anderes machen. Und mittlerweile weiß ich gar nicht, wie ich mich davor überhaupt davon abgegrenzt habe.

  • Feministin sein: Für Frauen solle das, so sagt Caitlin Moran, eigentlich eine Grundvoraussetzung sein. Schließlich leben immer noch Millionen Frauen weltweit in unterdrückten Verhältnissen. Und selbst wir privilegierteren Frauen der westlichen Welt leben von den Erfolgen der Feministinnen früherer Generationen. Wenn wir dann nicht einmal selbst feministisch sein und für unsere Rechte einstehen wollen, wer dann? Natürlich hört man viele abschreckende Beispiele von übereifrigen, männerhassenden Feministinnen, doch Arschlöcher gibt es schließlich in jedem Bereich. Beim Feminismus geht es nicht um die Weltherrschaft des weiblichen Geschlechts, sondern um Gleichberechtigung. Man muss sich nicht sein T-Shirt vom Körper reißen und fremde Männer auf der Straße anschreien. Einfach nur für sich selbst festlegen "Ja, ich bin eine Feministin!" Denn du kannst schließlich die Feministin sein, die du sein möchtest.

Das war wirklich sehr erhellend für mich und ich möchte mich von nun an auch mehr mit dem Thema beschäftigen. Angefangen mit dem Buch "Stand Up" von Julia Korbik, welches vor kurzem erschienen ist und auf das ich ziemlich gespannt bin.
Ansonsten habe ich mir noch selbst Gedanken gemacht, was eigentlich typisch Frau ist. Dabei bin ich auf zwei Punkte gestoßen, die ich persönlich in naher oder ferner Zukunft machen möchte.

  • Ein Korsett tragen: Einfach einmal für einen Tag oder ein paar Stunden ein enggeschnürtes Korsett tragen und herausfinden, wie sich das für Frauen über hunderte Jahre hinweg angefühlt hat. Natürlich war es eigentlich dafür da, ein bestimmtes Schönheitsideal zu erfüllen, doch häufig wurden Frauen genau deshalb bewusstlos, weil sie aufgrund der Enge keine Luft mehr bekamen. Selbst der Knochenbau konnte von den "steifen Miedern" verformt werden und nicht selten kam es zu Organverlagerungen . Ich weiß nicht, ob ich die Ausnahme bin, aber ich zumindest hatte noch nie eines an und würde das gern irgendwann ausprobieren. Übrigens habe ich herausgefunden, dass es einen Unterschied zwischen Korsett und Corsage gibt. Schon gewusst?
  •  Menstruationstasse: Ich weiß, ich weiß, Menstruationstassen sind der heiße Shit momentan und überall findet man schwärmende Internetbeiträge zu den kleinen Silikondingern. Ich kann übrigens den hier stark empfehlen. Selbst eine Freundin stupst mich deshalb immer wieder an und sagt: "Wie kann das eigentlich sein, dass ausgerechnet du noch keine Menstruationstasse verwendest?" Ja, ich weiß. Es steht auf der Liste und in den nächsten Monaten werde ich mir eine zulegen. So!

Was würdet ihr auf die Liste setzen, was eine Frau unbedingt tun oder getan haben sollte? Was ist, eurer Meinung nach, eine typisch weibliche Aktivität?