Samstag, 16. Juli 2011

WHEN YOU HAVE MORE THAN YOU THINK YOU NEED MORE SPACE

Dieser sehr lesenswerte Beitrag Der Müll in unserem Leben von Raine hat mich gerade wieder zu einem Thema nachdenken und -lesen lassen, das mir schon seit geraumer Zeit immer mal wieder im Kopf herumspukt. Konsumgesellschaft und Minimalismus. Letzteres bezeichnet die Kunst mit so wenig Dingen wie möglich zu leben und sich von dem ganzen unnützen Zeug, das durch den Haushalt fliegt, befreit zu haben. Der Durchschnittsdeutsche besitzt ungefähr 8000 Dinge und sicherlich über die Hälfte davon ist absolut unnötig. Die meisten von uns sind von Kindesbeinen an schon so erzogen worden, dass Konsum gleich Luxus sei. Sich etwas zu leisten sei etwas Schönes, sodass vielen nach dem Kauf des siebzigsten Paar Schuhe oder des dreihundertsten Buches ein leichter Schauer der Seligkeit durchfährt. Für den Moment freut man sich vielleicht noch unglaublich über seinen ergatterten Schatz, jedoch schon drei Wochen später liegt er dann unbeachtet im Schrank und verstaubt, weil wieder neue Dinge eingezogen sind.
Es gibt verschiedene Projekte, bei denen Menschen versuchen, sich insoweit von dem Plunder zu trennen bis sie nur noch 100 essentielle Dinge ihr Eigen nennen. Das heißt, im Durchschnitt müssten wir uns von 7900 Dingen nennen, um uns Hardcore-Minimalisten zu nennen. 'Ne ganze Menge, oder?

Ich hab das mal auf mich bezogen und ich denke schon, dass ich sehr viel Zeugs habe, das eigentlich absoluter Schrott ist oder das einfach nie benutzt wird. Musste unwillkürlich an die Aussage des "Into The Wild"-Protagonisten denken, als seine Eltern ihm ein neues Auto kaufen wollten: "Ein neues Auto? Und warum brauch' ich ein neues Auto? [...] Ich will kein neues Auto. Ich brauch' kein neues Auto. Ich will nicht noch 'ne Sache. Diese Sachen, Sachen, Sachen, Sachen! [...] Ich möchte einfach nichts."

Auch bin ich auf den Blog von Karin Friedli gestoßen, die das Projekt angegangen ist, jeden Tag für ein Jahr lang, eben eine dieser Sachen zu entsorgen, zu verkaufen oder zu verschenken. Die Idee gefällt mir. Sie gefällt mir sogar so gut, dass ich beschlossen habe, das auch anzugehen.
Jeden Tag etwas loswerden, das ich nicht mehr brauche. Ich kann im Moment natürlich nicht garantieren, dass ich das wirklich ein Jahr lang durchhalte, denn irgendwo in mir schlägt schließlich auch noch ein, wenn auch ein sehr kritisches, Konsumherz.
Selbstverständlich soll auch das Kaufen von sinnlosem Zeugs eingeschränkt werden, obwohl ich eigentlich glaube, dass ich das ganz gut im Griff habe. Läppert sich trotzdem irgendwie alles.
Ich will versuchen, alle eins bis zwei Wochen einen Beitrag zusammen zustellen, in dem ich die Dinge zeige, die wegkommen.
Wegen dieses kleinen Projekts bin ich im Moment einerseits sehr motiviert, da ich mir erhoffe, mich von vielem Kram entledigen zu können und die Dinge, die übrig bleiben, mehr wertzuschätzen. Andererseits weiß ich auch, dass ich an vielen Dingen einfach hänge und ich hoffe, dass ich später nichts bereue. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.


Was denkt ihr zu dem Thema? Könntet ihr euch vorstellen, mit nur einhundert Dingen zu leben oder seid ihr gar Sammlerfreaks, deren Herz bei jedem erworbenen Gegenstand höher schlägt?