Sonntag, 21. Juli 2019

Die 7 besten Songs von Joss Stone

Seit 2014 ist die britische Musikerin Joss Stone im Auftrag ihrer eigenen Mission einer Total World Tour unterwegs - eine Tour, auf der sie ihre Musik in wirklich jedes Land bringen möchte (nicht so wie andere Künstler, die auf zwei Kontinenten Live-Auftritte geben und das dann schon Welt-Tour nennen). Die Videos ihrer Reisen könnt ihr auf ihrem YouTube-Kanal anschauen.

Im Juli 2019 stand nach fünf Jahren mit dem Iran das letzte Land auf ihrer Liste, doch so kurz vor dem Ziel erhielt sie prompt ein Einreiseverbot. Denn dort ist es für Frauen verboten, ein öffentliches Konzert zu geben. An die Regeln hätte sie sich gehalten, erzählte sie in einem Instagram-Post. Stattdessen hätte sie ihre gute Stimmung mitbringen und zeigen wollen, was unsere Erde zu bieten hat. An anderer Stelle möchte sie es erneut probieren, ihre Welttour zu vervollständigen. Dabei wünsche ich ihr viel Glück.

Man darf dabei jedoch nicht vergessen, dass das barfüßige Sommerkind Joss Stone es bereits erfolgreich geschafft hat, wertvolle Botschaften in die Welt zu singen und Menschen Freude zu bringen. Mit einem kleinen Rückblick auf ihre Karriere zelebriere ich deshalb ihre Musik und stelle euch die, meiner Meinung nach, sieben besten Songs aus ihrer Diskografie vor.

Foto: Venni

1. Victim Of A Foolish Heart

Stone ist mittlerweile so lange im Musikgeschäft, dass man schon fast wieder vergessen könnte, wie es eigentlich bei ihr angefangen hat. Als im Jahr 2003 nämlich ihr erstes Album The Soul Sessions veröffentlicht wurde, bestehend aus einer Reihe von Cover-Songs im klassischen Soul-Stil, war sie erst 16 Jahre alt. Gerade deshalb war ihre Reife und die Ausgeprägtheit ihrer Stimme phänomenal. Die Ballade Victim of a Foolish Heart berührt mich bis heute sehr stark. Bettye Swanns fast schon unbekümmert klingende Ursprungsversion wurde plötzlich zum herzzerreißenden Musikstück. Darin bittet die Erzählerin ihren Geliebten flehentlich, auf keinen Fall wieder auf seine Ex hineinzufallen, da diese ihn sowieso wieder nur verletzen würde.

don't be a victim of a foolish heart
don't let her lies get next to you
she's just trying to tear us apart
and she's trying to make, to make me her victim, too


2. Spoiled

Mit ihrem zweiten Album Mind Body & Soul (2004) kamen zum ersten Mal Songs heraus, an denen die englische Sängerin selbst als Komponistin beteiligt war. Nach Veröffentlichung ging Joss Stones Popularität durch die Decke, das Album verkauft sich millionenfach und sie erhielt die Chancen mit vielen anderen Legenden zu singen - James Brown, Stevie Wonder und Melissa Etheridge stellen nur einen winzigen Bruchteil dar. Es dürfte außerdem der Zeitpunkt gekommen sein, an dem Klein-Karo die Lieblingssängerin ihrer Teenager-Jahre entdecken sollte.

Obwohl ihre bis dato erfolgreichste Single You Had Me natürlich einen maßgeblichen Part in ihrer Karriere spielte, entscheide ich mich an dieser Stelle trotzdem für Spoiled. Vielleicht mag es an meiner persönlichen emotionalen Verfassung liegen, dass mich diese Ballade so anspricht. Sie handelt davon, einfach nicht über jemanden hinweg kommen zu können.

I tried to tell myself that I'd be over you in a week or two
but baby that was 'bout a year ago
I've never seen the word love so personified as I do with you
and that is why I, I just can't let go, oh no


3. Tell Me 'Bout It

Ihr drittes Album setzte für Joss Stone 2007 den Beginn einer neuen Ära in ihrer Musikkarriere. Die Haare sind plötzlich rot, die Klamotten bunt: der Albumname Introducing Joss Stone wirkt wie ein Befreiungsschlag. Zum ersten Mal bestimmt sie selbst die Produzenten ihrer Musik, wobei sie jedoch den Hauptteil der Produktion selbst übernimmt und dabei die Kontrolle über die Songs hat.

Mit der neu gefundenen Macht widmet sie sich neben Texten über die Liebe, das Leben und der Musik auch ihrer Sexualität. Dabei bietet das Album so viel Pepp und Groove, dass man ihr zum ersten Mal wirklich die Freude an ihrer eigenen Musik anmerkt. Tell Me 'Bout It war dabei die erste Single der Platte, mit der sie sich selbst der Welt vorstellt und zeigt, dass sie nun erwachsen geworden ist.

what you think about me and you being together
could you brink to share my cold and stormy weather?
have you got this under control
show me you know about a woman's soul


4. Big 'Ol Game

Auch wenn die Geschichte bisher gut klingt: Es verlief nicht immer alles reibungslos für Joss Stone. In ihrem Heimatland Großbritannien wurde sie häufig als zu "amerikanisiert" verschrien, Introducing Joss Stone war ihrem Label EMI kein kommerziell ausreichender Erfolg und sie hatte im Gegenzug das Gefühl, künstlerisch zu eingeengt zu werden. Dies alles kam mit ihrem Album Colour Me Free (2009) an die Oberfläche. So singt sie bereits im ersten Lied Free Me versteckt am Ende "free me EMI" - lass mich frei, EMI. Auch in Interviews erzählt sie ehrlich davon, wie sie um ihr buntes Albumcover kämpfen musste, auf dem Sie hinter einem Gitter eingesperrt ist. Es sei laut der Plattenfirma beleidigend, sodass in Amerika letztendlich einfacher Text auf lila Hintergrund als Cover verwendet wurde.

Trotz dieser Komplikationen sehe ich Colour Me Free als ihr bislang bestes musikalisches Werk an. Jeder einzelner Song wirkt wie ein zeitloser Klassiker, den man noch in Jahrzehnten genauso gut anhören kann. Nach den Pop-Nummern kehrt sie wieder zum Soul zurück, würzt ihn hier und dort jedoch mit Funk und Jazz, lässt Bläser und Streicher zur Untermalung erklingen. Zwar geht es auch immer noch um Liebe und Herzschmerz, doch wird sie mit Governmentalist auch politisch. Wenn ihr euch nur ein Album von Joss Stone geben möchtet, wählt dieses.
Als absoluten Top Song habe ich Big 'Ol Game gewählt, der propagiert, dass man das Leben trotz großer und kleiner Probleme nicht zu ernst nehmen sollte und auch ein bisschen Spaß haben muss.

the birds and bees, they do their thing in trees
while we're hustlin', bustlin', playing the game of life
we're lookin' in a dark cloud for the answer of all the questions, why
life is just a big ol' game to me



5. Karma

Im Jahre 2010 schafft es Joss Stone endlich, aus ihrem Plattenvertrag auszusteigen. Daraufhin gründet sie ihr eigenes Label mit dem Namen Stone'd Records, unter dem sie seither ihre Alben veröffentlicht. Das erste macht mit dem Titel LP1 (2011) ganz klar die Ansage, dass dies einen Neuanfang für sie bedeutet.

Aufgenommen wurden die 10 Songs in lediglich sechs Tagen in Nashville, Tennessee. Das macht sich durch die Einflüsse von Country und Blues-Rock deutlich bemerkbar. Denn auch wenn man darauf immer noch reichlich modernen Soul findet, gibt es ebenfalls den einen oder anderen Rock-Song. Dazu gehört die zweite Single-Auskopplung Karma, in der sie ihre Abrechnung mit ihrem Gegenüber macht. Was mich an dieser Platte besonders fasziniert, ist, wie roh und harsch sie ihre raue Stimme einsetzt, wie sehr sie fast schon faucht und keift.

I am what I am, you did what you did
I'm glad I'm not a sinner baby, cause here's a twist
you are what you are, I saw what I saw
karma's your master, and you're the bitch



6. Drive All Night

Mir fallen spontan kaum Lieder ein, die die Emotion behandeln gerührt zu sein. Deshalb ist dieses, ebenfalls von LP1, derart besonders. Es beschreibt herrlich, wie es sich anfühlt, wenn ein Mensch etwas so außergewöhnlich Liebevolles für einen macht, dass man es kaum fassen kann; den Moment, in dem man realisiert, wie wichtig man dieser Person sein muss. Drive All Night gibt das so fantastisch wieder, dass mein Herz schon beim Anhören anschwillt und sich gleichzeitig zusammenzieht, weil es irgendwie zu viel auf einmal ist.
Der Twist: Joss Stone erzählte einmal auf einem Konzert: "Dieser Song handelt von einem Mann, der komplett irre war. Also er war wirklich übergeschnappt. Aber irgendwie habe ich es geschafft, daraus eine Liebesgeschichte zu spinnen." Das ist ihr auf erschreckende Weise wundervoll gelungen und genau aus dem Grund ist dieser rührende Song einer der besten von ihr.

no one's ever done anything like this for me before
no one's ever drove for miles to make me smile before
you might be tired but the fact of the matter is
you're standing right in front of my face



7. The Answer

Mit dem nächsten Album besann sich Stone auf den Beginn ihrer Karriere zurück und nahm erneut eigene Interpretationen von Soul-Klassikern auf, die sie auf The Soul Sessions, Vol. 2 (2012) vereinte. Insgesamt stellt das Ganze eine wunderbare Ergänzung für ihre Live-Sets dar und man kann die Lieder wirklich gut anhören - für mich ist schlussendlich jedoch keines dabei, das mich zutiefst beeindruckt und mich in den vergangenen Jahren stark begleitet hätte.

Deshalb springen wir gleich zu der zuletzt veröffentlichten Platte weiter: Water For Your Soul (2015). Musikalisch wagt sie sich damit in neue Gefilde, genauer gesagt in die Welt des Reggaes in Mischung mit allerlei Elementen aus Weltmusik, Flamenco und Gospel. Dafür erhielt die britische Musikerin sehr gemischte Kritiken und auch ich war nicht allzu begeistert von dem nicht ganz ausgereiften Musikexperiment. Die meisten Lieder sind irgendwie mittelschnell und es fehlt an eingängigen Melodien.

Der einzige Lichtblick befindet sich am Ende der Tracklist mit The Answer, aber der strahlt dafür umso heller. Endlich kommt Schwung in die Sache. Wie es bei Hippiekind kaum anders sein könnte, geht es hier um das Finden von Sorglosigkeit und Freiheit. Mit gut tanzbaren Trommeln, einer irischen Fiddle und einem ermutigenden Text bin ich wieder ganz dabei.

if we could just connect the heart with the head
we'd be just fine, no judgment call of any kind


Was steht als Nächstes auf dem Plan? Das letzte Update auf ihrer Website rief einen Wettbewerb aus, bei dem Fans ihre eigenen Coverbilder für eine neue Remix-Version von Water For Your Soul erstellen konnten - das Kunstwerk des Gewinners wird am Ende verwendet. Na gut, so lange gewartet, nur damit sie diese Senke in ihrer Karriere noch einmal aufwärmt. Hoffen wir, dass es darüber hinaus bald komplett neue Musik gibt, mit der sie uns wieder beglücken kann. Bis dahin lausche ich einfach weiter den 7 besten Songs von Joss Stone.

Sonntag, 7. Juli 2019

Konzert- & Tourtipps fürs 2. Halbjahr 2019: Kurz und knackig

Diesmal gibt es aufgrund mangelnder Zeit - und ich bin sowieso schon spät dran - die Konzerttipps in Listenform. Wie beim letzten Mal sind wieder hauptsächlich Künstler dabei, deren Shows hier im deutschsprachigen Raum nicht unnötig überteuert ist, sondern für viele erschwinglich sein dürften. Ich selbst habe bereits Tickets für sechs der aufgelisteten Musiker und Bands und es kommen wahrscheinlich noch mehr hinzu. 2019 scheint ein wirklich gutes Konzertjahr zu sein.


  • MACY GRAY: 23.07. @ Carlswerk Victoria Köln // 24.07. @ Gibson Frankfurt ~ Tickets ca. 40 €

  • MITSKI: 13.08. @ Flex Wien // 15.08. @ Heimathafen Neukölln Berlin ~ Tickets zwischen 22 und 30 €

  • HATARI: 28.08. @ Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 19 €

  • AMANDA PALMER: 06.09. @ Admiralspalast Berlin // 11.09. @ Alte Kongresshalle München // 13.09. @ Capitol Offenbach // 14.09 @ Wiener Konzerthaus Wien // 15.09. @ Congress Graz Stefaniensaal // 18.09. Theaterhaus Stuttgart // 19.09. @ Colosseum Theater Essen // 24.09. @ Laeiszhalle Hamburg // 25.09. @ Haus Auensee Leipzig ~ Tickets zwischen 42 und 50 €

  • HOLY MOLY & THE CRACKERS: 10.09. @ Musik & Frieden Berlin ~ Tickets ca. 16 €

  • KATE NASH: 24.09. @ Bürgerhaus Stollwerck Köln // 25.09. @ Kulturhaus Karlstorbahnhof Heidelberg // 27.09. @ Astra Kulturhaus Berlin // 28.09. @ Täubchenthal Leipzig // 29.09. @ Strom München ~ Tickets ca. 26 €

  • NOUVELLE VAGUE: 01.10. @ Mojo Club Hamburg // 02.10. @ Columbia Theater Berlin // 03.10. @ beatpol Dresden // 05.10. @ Gloria-Theater Köln // 06.10. @ Muffathalle München // 07.10. @ KUZ Kulturzentrum Mainz ~ Tickets zwischen 30 und 36 €

  • EMMA RUTH RUNDLE: 05.10. @ Die Trompete Bochum // 07.10. @ Nachtleben Frankfurt // 08.10. @ Gleis 22 Münster // 10.10. @ Neue Kantine Augsburg // 14.10. @ Arena Wien // 20.10. @ Die Stadtmitte Karlsruhe ~ Tickets ca. 20 €

  • THE SLOW SHOW: 17.10. @ Gloria-Theater Köln // 18.10. @ Zeche Carl Essen // 20.10. @ Uebel & Gefährlich Hamburg // 21.10. Columbia Theater Berlin // 22.10. @ Freiheiz München // 26.10. franz.K Reutlingen // 27.10. @ KUZ Kulturzentrum Mainz ~ Tickets ca. 28 €

  • GIRL IN RED: 03.11. @ Luxor Köln // 13.11. @ Musik & Frieden Berlin ~ Tickets ca. 22 €

  • ELBOW: 10.11. @ Kulturzentrum Schlachthof e. V. Wiesbaden // 12.11. @TonHalle München // 13.11. @ Live Music Hall Köln // 14.11. Huxley's Neue Welt Berlin ~ Tickets zwischen 37 und 40 €

  • EZRA FURMAN: 16.11. @ Luxor Köln // 17.11. @ Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 24 €

  • THE REGRETTES: 18.11. @ Blue Shell Köln // 19.11. @ Molotow SkyBar Hamburg // 22.11. @ Musik & Frieden Berlin // 26.11. @ Flex Wien // 27.11. @ Strom München ~ Tickets ca. 20 €

  • BONAPARTE: 19.11. @ Täubchenthal Leipzig // 20.11. @ beatpol Dresden // 21.11. Batschkapp Frankfurt // 23.11. @ Flex Wien // 25.11. @ E-Werk Erlangen // 28.11. @ Gloria-Theater Köln // 29.11. Uebel & Gefährlich Hamburg // 30.11. Festsaal Kreuzberg Berlin ~ Tickets ca. 28 €

  • COPPELIUS: 07.11. @ Hirsch Nürnberg // 08.11. @ Das Bett Frankfurt // 09.11. @ clubCANN Stuttgart // 22.11. @ Knust Hamburg // 23.11. @ Musikzentrum Hamburg // 29.11. @ Backstage Halle München // 30.11. @ Szene Wien // 27.12. @ Columbia Theater Berlin // 28.12. @ Alte Brauerei Annaberg-Buchholz // 16.01.2020 @ Kulttempel Oberhausen // 18.01.2020 @ Kammgarn Kaiserlautern ~ Tickets zwischen 20 und 29 €

Dienstag, 25. Juni 2019

Musiktipps #20: I DON'T PLAY, I SLAY [Pride Month Edition]

HAPPY PRIDE MONTH! 
Es gibt endlich wieder eine Ausgabe meiner Musiktipps an euch und diesmal zu einem besonderen Anlass. Selbst bin ich nicht direkt Teil der LGBTQIA+-Community und ich habe mit mir gehadert, ob ich mir das Recht herausnehmen darf, das Thema trotzdem aufzugreifen. Aber letztendlich sehe ich mich durchaus als Verbündete dieser Gemeinschaft. Ich finde es  nicht nur wichtig, sondern auch hochinteressant, mir die Geschichten von queeren Personen anzuhören, zu lernen, was sie teilweise Tag für Tag durchmachen, wofür sie kämpfen müssen - und natürlich einfach mitzukriegen, was für großartige und offene Persönlichkeiten sie sind.

Ihre Probleme kann ich nicht aus erster Hand nachvollziehen. Aber ich kann mir ihre Lektionen über Schwierigkeiten, Hindernisse - und wie sie diese überkommen - anhören und sie auf mein Leben, meine mentalen Gesundheitsprobleme, mein Weg zur Selbstliebe anwenden. Das ist unglaublich bereichernd und hilfreich.

Generell bin ich der Meinung, jeder sollte sich so gut wie möglich mit den Lebensumständen, Subkulturen und Geschichten von Minderheiten-Gruppen beschäftigen. Schmeißt doch mal ein paar weiße, reiche Männer aus euren Timelines und fügt stattdessen Queer Folk, Transfrauen und -männer oder ein paar Drag Queens hinzu!

Wenn das mehr Leute tun würden, könnten sie schnell begreifen, dass es sich dabei um ganz normale Menschen mit den gleichen Bedürfnissen handelt, denen man nicht mit Hass oder Angst zu begegnen hat. Dass Gleichberechtigung und Akzeptanz überhaupt immer noch ein Streitthema sein müssen, ist für mich unfassbar. Aber um mein Geschwafel zu beenden, übergebe ich nun an Stimmen, die auch dieses Jahr im Juni wieder Pride zelebrieren:


Haus Party, Pt.1 von Todrick Hall
Wieder einmal kam, sah und slayte der viel beschäftigte US-amerikanische Sänger, Tänzer und Musikvideo-Visionär mit seinem neuesten Album Haus Party. Wie der Name schon andeutet, lässt er Pop und Co. hinter sich und widmet sich ganz der House-Musik. Vorläufig gibt es den ersten Teil auf die Ohren, der mit Songs wie I Like Boys und Glitter tanzbare Tunes abliefert.

Großes Augenmerk liegt jedoch natürlich auf der Single Nails, Hair, Hips, Heels. Zu der gibt es bereits ein kesses Musikvideo, in dem an die 70 Männer auf High Heels tanzen. Es fügt sich perfekt in die Reihe von Todrick Halls Club-Hymnen ein (nach Low und Dem Beats) - diesmal sogar ohne Hilfe von Drag-Ikone RuPaul. Meiner Meinung nach hat er sein Vorhaben perfekt umgesetzt, einen Song zu schreiben, bei dem man sich als Zuhörer selbstbewusst und unbesiegbar fühlt.
girl, what did that girl just say, girl?
ooh girl, I don't dance, I work
I don't play, I slay
I don't walk, I strut


1950 von King Princess
Dieses Lied von King Princess, leider nicht ihr richtiger Name, kam zwar schon im Jahre 2018 heraus, doch ich entdeckte es erst kürzlich. Der Musikerin aus Brooklyn wird schon seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle vorausgesagt, bald ganz groß herauszukommen. Es kann also wirklich jeden Moment losgehen und ihr habt bei mir zuerst davon erfahren, nech?

In dem Text der Pop-Nummer über unerwiderte Liebe bezieht sie sich auf Zeiten der Queer-Geschichte, in der alles außer heterosexuellen Beziehungen nur heimlich und in versteckten Botschaften vor sich gehen durfte. In der Öffentlichkeit tut man kalt und distanziert, im Privaten kann man sein Liebe endlich ausleben. Zugegeben: Ohne Erklärung wäre diese Interpretation wahrscheinlich nur für die wenigsten offensichtlich gewesen, trotzdem wurde es zum Hit außer- und innerhalb der LGBTQ-Bewegung.
I love it when we play 1950
it's so cold that your stare's 'bout to kill me
I'm surprised when you kiss me


Transgender Dysphoria Blues von Against Me!
Das Lied sowie das ganze gleichnamige Album (2014) der Punk-Rock-Band Against Me! behandelt das Coming Out und die Geschlechtsanpassung der Gründerin, Sängerin und Gitarristin Laura Jane Grace. Es ist ein komplett unerwarteter Schlagabtausch zwischen dem harten Musikgenre und den Texten über Geschlechtsidentitätsstörung, über ein Leben voller Angst, Scham und Hass, das Grace an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, ein Leben, mit dem sie hier abrechnet - und meine Fresse, ist es genial!
you want them to see you
like they see every other girl
they just see a faggot
they'll hold their breath not to catch the sick


Gay Man von Manila Luzon
Manila Luzon - ein Urgestein aus RuPaul's Drag Race, wo er sich in der dritten Staffel den zweiten Platz verdient hat. Bei mir besonders im Kopf geblieben durch ausgefallene Kostüme, wie dem todschicken Ananas-Kleid. Zum ersten Mal zeigt sich Luzon in diesem Musikvideo zur Single Gay Man als Künstler nicht in seiner gewohnten Drag-Erscheinung, sondern als Mann - so, wie er hinter den Kulissen und im Alltag ist.

Auf dumme Sprüche und vermeintlich beleidigend gemeinte Fragen von Macho-Typen wie "Dude, are you gay, man?" gibt er die selbstbejahende, stolze Antwort "Yas, I'm a gay man" - und darüber hinaus ist er natürlich so vieles mehr. Das Video ist bunt und schrill, bedient manche Klischees, während es mit anderen aufräumt. Gay Man ist bei mir definitiv der Ohrwurm des Sommers.
you do you and I'll do me
flamboyant as I can be
I'm not tryna dance up on you
not unless you want me to?
- no homo

i wanna be your girlfriend von girl in red
In dieser Indie-Nummer singt die norwegische Musikerin unter ihrem Künstlernamen girl in red von ihrer Liebe zu einer anderen Frau namens Hannah. Auch bevor sie ihr Pseudonym annahm, postete Marie Ulven bereits Musik auf der Plattform Souncloud, wo sie viele Zuhörer erreichen konnte. Der Song i wanna be your girlfriend von ihrer ersten EP wurde bei der Liste der besten Lieder des Jahres 2018 von der New York Times mit dem neunten Platz gekürt.

Eigentlich ist die Melodie musikalisch wohl nicht allzu ausgefallen, doch blieb dieser Song vor ein paar Monaten einfach bei mir hängen. Es ist vielleicht der Nachdruck, mit dem sie ihre Botschaft wiederholt, vielleicht die bezaubernden Textzeilen. Wie dem auch sei, es ist ein wunderschönes Liebeslied.
I don't want to be your friend 
I wanna kiss your lips 
I wanna kiss you until I lose my breath


I Am Her von Shea Diamond
Man sagt, der am meisten benachteiligte Mensch in den USA ist die farbige Frau. Die schwarze Transfrau setzt wohl leider noch einmal eins obendrauf. In ihrer Soul-Hymne klagt Shea Diamond eine Welt an, in der sie und ihresgleichen keinen Platz zu haben scheinen.
Ihre Geschichte ist erschreckend und beeindruckend zugleich. Nach großem Druck durch die eigene Familie, darauffolgenden Jahren in verschiedenen Pflegeunterbringungen wuchs ihre Verzweiflung mit Anfang zwanzig darüber, im falschen Körper zu existieren, ins Unermessliche. So sah sie einen bewaffneten Überfall als einzige Lösung, um das nötige Geld für die Geschlechtsanpassung zusammenzukriegen. Die Konsequenz: 10 Jahre im Männergefängnis, in dem sie aufgrund ihrer frauenhaften Züge herumgeschubst wurde. Dort entstand auch dieses Lied, das sie nach ihrer Entlassung aufnahm und welches sie schließlich bekannt machen sollte.

Es ist nicht so, dass ihre Straftat kein riesiger Fehler war. Aber unsere Gesellschaft kann einfach nicht leugnen, dass es oft die sozialen Umstände sind, die Menschen in solche Situationen kommen lässt. Die ihnen keine andere Chance gibt, als es mit Gewalt zu probieren. Shea Diamond gehört wahrscheinlich zu den wenigen, die es da glimpflich heraus geschafft haben, davon erzählen können und bei anderen Hoffnung entfachen können.
your ignorance leave the head of the stench 
the aroma lingers on generations have known 
ain't it ironic the smarter we get 
the less we understand about the simplest shit
I am shame she is me