Freitag, 6. Oktober 2017

Musiktipps #16: I've got no roots, but my home was never on the ground

Endlich wieder Herbst. Nasse Blätter, auf denen man ausrutscht. Kastanien, die einen auf den Kopf fallen. Ständig kalte Füße. Die Wasserkosten steigen, weil man sich nicht mehr aus der warmen Dusche auf die kalten Badfliesen traut (kommt mir jetzt nicht mit Bodenheizung). Die Beine sind wieder haarig, weil sieht doch sowieso keiner. Nur die Heizung mache ich nicht an. Soweit kriegst du mich nicht, du graues, verregnetes Herbstwetter! Zu Hause halte ich mich mit Decken, dicken Stricksocken und Sportübungen warm. So schnell gebe ich nicht nach! Noch nicht.



No Roots von Alice Merton
In den letzten Musiktipps habe ich Alice Merton bereits in der Einleitung genannt, als es um das Lollapalooza-Festival Berlin ging. Ich finde, die Gute verdient außerdem eine einzelne Erwähnung. Besonders, weil ihr Song No Roots in den vergangenen Wochen zu einem Lieblingslied geworden ist, das es schon in mein Jahresfavoriten-Mixtape geschafft. Merton wurde zwar in Deutschland geboren, wuchs jedoch in Kanada auf. Mittlerweile lebt sie in Berlin und England und ist geographisch überall und nirgendwo. Das spricht sie in eben dieser Single an, durch die sie 2017 größere Bekanntheit erlangte. Die Nummer ist eingängig, poppig und hat Groove! Mein Freund hat sich übrigens angewöhnt, aus Gründen der Zeitersparnis YouTube-Video in anderthalbfacher Geschwindigkeit anzuschauen. Genau das empfiehlt er für diesen Song. Ich finde, es klingt einfach wie ein zu schnell abgespieltes Lied, doch davon kann sich jeder sein eigenes Bild machen.



Langhorne Slim & The Law
Zahlreiche Soundtracks wurden schon mit den einfühlsamen Liedern des US-amerikanischen Sängers Langhorne Slim bestückt, trotzdem ist es im Mainstream noch immer nicht bekannt. Meiner Meinung nach ist er im Americana-Genre neben Mumford & Sons und The Lumineers total unterbewertet. Das kann doch nicht die Möglichkeit sein. Ich habe Langhorne Slim und seine Band The Law entdeckt, als sie 2012 ihr Album The Way We Move herausbrachten. Kürzlich kündete sich also eine dieser Phasen an, in der ich die Musik herauskrame und ich kann nicht umhin, erneut verliebt zu sein. Letzte Woche kam sogar eine neue EP heraus, die den Namen Life Is Confusing trägt. Oh, wie wahr! Wieder einmal die perfekte Mischung aus gefühlvollen Texten, einem vielfältigen Einsatz von Instrumenten und einer tiefen Stimme.

Lieblingslieder: The Way We Move // Changes // Salvation // Life Is Confusing



Gaga: Five Foot Two
Eine Premiere, stelle ich in meinen Musiktipps zum ersten Mal einen Film vor. Aber hey, warum nicht einfach alles empfehlen, was irgendwie mit Musik zu tun hat? Bei Five Foot Two handelt es sich um eine Netflix-Dokumentation über Lady Gaga. Momentan freunde ich mich wieder mit ihrer Musik an, nachdem sie ich nach ihrem Durchbruch mit ihrem Album The Fame schon gern hörte. Ich besuchte damals sogar ein Konzert. Über die Jahre bin ich ein bisschen abgeschweift, weil mir einige Veröffentlichungen nicht gefielen.
Die Doku begleitet Gaga in der Zeit, in der sie ihr neuestes Album Joanne aufnahm und sich auf den Halbzeitauftritt beim Superbowl vorbereitete. Sie geht dabei drauf, was in den Jahren vor Joanne passierte, was der Gedanke hinter dem Album ist und wie Lady Gaga an diese Neuerfindung ihrer selbst herangegangen ist. Zudem quälen sie Schmerzen seit sie sich die Hüfte vor einigen Jahren gebrochen hat und auch die Auflösung ihrer Verlobung kommt ins Gespräch. Der Film wird wahrscheinlich vorrangig Leute ansprechen, die bereits Berührungspunkte mit Lady Gaga haben. Ich fand es irgendwie berührend zu sehen, dass eben doch nicht alles einfach ist, nur weil man erfolgreich und reich ist. Denn Gesundheit und ehrliche Liebe lässt sich nicht kaufen. Selbst Popstars sind am Ende nur Menschen und ich glaube, das ist genau das, was man bei einer solchen Dokumentation sehen will.

I just want to make music, and people happy, and go on tour, and have a family. I just can never get it all right at the same time.
I can't help but realise that when I sold ten million records, I lost Matt. I sell 30 million, I lose Luc. I get the movie, I lose Taylor. It's like a turnover.

Kommentare:

  1. Den Song hört man ja dauernd, aber ich wußte nicht, von wem der ist. So ist es mir dann auch völlig entgangen, dass sie auch auf dem Lollapalooza gespielt hatte.

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    1. Ach, tut man das? Siehste, davon kriege ich nichts mit, weil ich kaum Radio höre. Dann hätte ich mir den Tipp vielleicht sparen können, obwohl ich den Song trotzdem unglaublich mag. :D

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  2. Salut, Karo.
    Wetter-Kühle, saisonbedingt, & pulsbringende Musik vermag einen ja auch zu wärmen. Bis in die Füsse... ;-)
    Schelmisch könnte ich jetzt auch einen Badezimmerläufer erwähnen (anstatt der Fussbodenheizung), der die Behaglichkeiten des Ortes weiterführt. Aber stimmt, die Kälte geht uns alle irgendwann an. Genehme Wärme - unsere Oase.

    Die Stimme von Alice Merton hat Soul, parkend in der Nähe von Amy Winehouse. Die Melodie ist eingängig, was bei mir mehr dazu führt, daß ich solche Songs "überhöre". Beim Reinhören kam mir, mit dem Refrain, allerdings die Erinnerung, daß mir Ihr Titel im Deutschlandfunk schon einige Male offeriert worden ist.

    Es ist ein privater Schatz, wenn man/frau die Musik hervorholen kann, die einem just in die Stimmung fließt; vermutlich halte ich auch deswegen absolut nichts von Algorythmen, die vorgeblich den individuellen Geschmack umfänglich abdecken helfen sollen. Vermutlich würde jeder Algorythmus bei mir beginnen hohl zu drehen. Ich wähle nach wie vor gernst selber die Musik zu meiner Stimmung aus.

    In puncto Musik-Dokus gibt es für jeden ordentlich viel Dinge zu entdecken. Einblicke in Strömungen & Zeitgeist, Portraits komplexer Persönlichkeiten, Geschichten über Geschichten. arte ist hier doch sehr umtriebig. Nicht zu vergessen, daß einem die Musik, via Potrait, noch um einiges näher kommen kann.
    Umso enttäuschender fallen dann Dokus aus, die zu einer Art Selbstbeweihräucherung ausarten.

    Merci für Deine Einblicke.

    bonté

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    1. Hellu RoM,

      naja, richtig kuschlig warm ist eine Badmatte wohl auch nicht. Bloß etwas angenehmer als kalte Fliesen.

      Ich muss dir zustimmen, ich wähle meine Musik auch gern selbst aus. Algorithmen können bei manchmal ganz richtig liegen. Was mich jedoch stört, ist, dass vorgeschlagene Künstler oft musikalisch bei dem liegen, was ich bereits kenne. Und zwei Bands, die fast gleiche Musik machen, brauche ich nicht in meiner Sammlung. Ich will ein wenig Abwechslung.

      Gibt es denn spontan eine Musikdoku, die dich begeistert oder beeindruckt hat? Obwohl es bei arte vielleicht schwierig sein könnte, sie noch zu sehen. Mediatheken bieten manches ja bloß für eine gewisse Zeit an.

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    2. ...for your consideration:

      https://www.youtube.com/watch?v=DdTHg4SQNGE

      Toughe Doku über Kathleen Hanna - Riot Girrrl/Sängerin/Texterin - & Ihre Songs gegen Sexismus oder Gewalt gegen Frauen.
      Leider stets wie immer aktuell!

      bonté

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