Freitag, 29. September 2017

Wie ich nach langem Stillstand meine Gitarrenskills wieder verbessere // App-Bericht Yousician

Vorgeschichte

Genau kann ich nicht mehr bestimmen, wie lange ich schon Gitarre spiele. Vor ungefähr sechs bis acht Jahren gab mir mein Vater seine alte, jahrelang ungenutzte Gitarre. Mit Büchern und Videos im Internet brachte ich mir Akkorde und Lieder selbst bei. "Richtigen" Face-to-Face-Unterricht hatte ich nie. Einige Jahre reichte es mir aus, locker vor mich hinzuschrammeln. Irgendwann gelangte ich an den Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, wie ich allein weiterkommen sollte. Die Akkorde konnte ich soweit alle, Spielen und dazu Singen fetzt zwar, aber die Erfolgserlebnisse blieben aus. Ich wusste, ich brauche einen Gitarrenlehrer. Letztendlich konnte ich mich nie dazu aufraffen, auch einen zu finden. Zwei Jahre lang habe ich nur selten das Instrument herausgeholt. Vor einigen Monaten hat sich das geändert. Wer hätte gedacht, dass genau das wegen einer App geschieht.


Grundsätzliches zur App

Wie man der Überschrift entnehmen kann, handelt es sich um Yousician. In englischer Sprache gibt die App mit Videoanleitungen, Übungen und Liedern Musikunterricht. Dabei kann man zwischen vier verschiedenen Instrumenten auswählen: Gitarre, Bass, Piano und Ukulele. Die App ist für eine bestimmte Anzahl an Einheiten am Tag kostenlos benutzbar (bei mir ist das immer ungefähr eine halbe Stunde). Wenn man darüber hinaus üben möchte, kann man sich eine Mitgliedschaft für 9,99 € im Monat für ein Instrument oder für 14,99 € monatlich für alle Instrumente holen. Das wird jährlich (mit 119,99 € bzw. 179,99 €) abgerechnet, soweit ich das verstanden habe. Die einzige Werbung, die bei kostenfreien Nutzung manchmal angezeigt wird, ist die für die Mitgliedschaft.


Aufbau des Unterrichts

Ich kann nur Informationen und meine Meinung zu dem Gitarrenteil abgeben. Der Unterricht ist in drei Themengebiete aufgeteilt. Es gibt einen Strang, in dem man das Zupfen lernt, einen, der musiktheoretisches Wissen über Noten, Tonleitern und so weiter vermittelt, und einen Strang, in dem man Akkorde lernt. Welchen Teil man wie oft macht oder auch sein lässt, ist einem selbst überlassen. Beim Akkord-Teil hatte ich einen Skilltest durchgeführt und konnte gleich zu den Powerakkorden springen, die ich bislang ignoriert hatte (da ich auch nie E-, sondern immer Akustikgitarre gespielt habe). Den theoretischen Teile mache ich ab und zu, denn ich finde, es schön ergänzend und interessant. Es ist nur manchmal schade, dass mir dadurch Spielzeit verloren geht. Mein Lieblingsgebiet ist das Zupfen, das ich vor der App noch nie in der Form wirklich geübt, geschweige denn beherrscht, habe.


Was an der App so viel Spaß macht und motiviert, ist, dass es wie ein Spiel aufgebaut wurde. Man erreicht immer höhere Level, bekommt beim Spielen sofort Feedback, ob Ton und Timing gut waren, erhält dementsprechend Punkte, kann Silber- und Goldsterne sammeln und seine Leistung mit anderen Nutzern vergleichen. Eine Lektion beginnt meistens mit einem erklärenden Video, dann geht es zu einer Übung über und schließlich wird das Gelernte in Liedern angewendet. Beim Üben kann man die Geschwindigkeit je nach Fortschritt regulieren, bis man bereit ist, das Lied in Normalgeschwindigkeit zu "performen", worauf man seine Punkte und Sternchen bekommt.

Noten und Akkorde werden auf einer Tabulatur angezeigt. Man kann ebenfalls ein Notensystem wählen. Neben den Lektionen in den drei Themensträngen wird eine große Anzahl an Songs aus verschiedenen Genres in den Leveln 1 bis 10 angeboten, die man zusätzlich spielen kann. Benutzer erhalten außerdem die Möglichkeit, Musik von YouTube oder Soundcloud einzuspielen und selbst Tabulaturen zu erstellen. Diese sind leider häufiger nicht allzu korrekt. Deshalb hangle ich mich lieber bei den Original-Liedern der Macher unter dem Namen The Yousicians entlang. Zu guter Letzt werden wöchentlich neue Challenges hochgeladen. Meistens zwei Lieder in unterschiedlichen Ausführungen, von der vereinfachten bis fortgeschrittenen Melodie, Grundakkorde oder alle Akkorde mit Riff. Die Herausforderungen werden für alle gleichzeitig freigeben und dann kann man eine Woche daran üben und sehen, welchen Rang man am Schluss einnimmt.



Meinung

Ich bin absolut zufrieden mit der App, sonst gäbe es diesen Bericht nicht, ganz einfach. Es gibt so viel Abwechslung, dass es nie langweilig wird. Viele Erfolgserlebnisse motivieren und man kann Woche für Woche merken, wie man sich verbessert. Die angebotenen Lieder gefallen mir zum Großteil und diejenigen, die ich besonders liebe, probiere ich nicht nur perfekt spielen zu können, sondern auch auswendig zu lernen, um mein Repertoire zu erweitern.
Deshalb glaube ich, dass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene mit der App etwas anfangen können. Selbst wenn man den Methodenbereich nicht brauchen sollte, kann man sich trotzdem durch Songs und Challenges spielen. Ich hätte mich im Akkord-Bereich für fortgeschritten gehalten, konnte aber selbst dort noch dazulernen. Was das Zupfen angeht, bin ich heilfroh, endlich eine Anleitung mit der richtigen Technik gefunden zu haben. Wenn ich mir früher selbst Zupfstücke beigebracht habe, machte ich viele Fehler und mir das Leben unnötig schwer, wie ich jetzt weiß.
Und obwohl ich so begeistert bin, habe ich kein Abo. Warum? Weil ich den Zeitraum von einer halben Stunde für perfekt halte. Man hört irgendwie immer auf, wenn es am schönsten ist und freut sich schon am nächsten Tag darauf, weiterzumachen. Es wird nie zur lästigen Aufgabe. Die paar Lieder bekommt man immer in den Alltag gequetscht. Ich weiß genau, hätte ich unbegrenzte Zeit, würde ich mich drei Tage lang darin austoben und dann meine Muße verlieren. 
So hat mir Yousician wieder die Freude an meiner Gitarre zurückgebracht, die mir lange verloren gegangen war. 


Vielleicht lächerlich, es zu erwähnen, aber nein, dieser Beitrag wurde nicht gesponsort und ja, dies ist meine ehrliche Meinung.

Freitag, 22. September 2017

Musiktipps #15: You need someone who's with you, even when you're weird

Wie zehntausende andere Menschen tummelte ich mich vor zwei Wochen auf dem Lollapalooza Festival in Berlin. Erst noch nie auf einem Festival gewesen und dann 2017 gleich zwei besucht. Ha! Manche Probleme wurden schon viel kritisiert, wie etwa die mangelnden Maßnahmen, um die ganzen Menschenmassen abends per ÖPNV gleichzeitig abreisen zu lassen. Essen und Trinken waren überteuert, Schlangen manchmal elendig lang, aber das scheint bei solchen Veranstaltungen gang und gäbe zu sein. Schön, dass es wenigstens eine kostenlose Trinkwasserstation gab, so mussten wir in den zwei Tagen nur vier Euro für eine Flasche Wasser ausgeben und konnten die immer wieder auffüllen. Das Wichtigste bei einem Festival sind (für mich) die Auftritte. Unter meinen Highlights waren Bonaparte, die ich zum vierten Mal live sah, die trotzdem immer wieder gute Laune und Lust zum Tanzen machen. Oder Bomba Estéro, die mit einem fetzigen Mix aus kolumbianischen Einflüssen, Hip Hop, Reggae und Elektro überraschten. Die Beatsteaks wussten die Leute zu unterhalten und Alice Merton macht unglaublich gute Musik, die ich mir noch viel häufiger anhören muss. Insgesamt ein anstrengendes, doch schönes Wochenende.



Es war nicht so gemeint von Prag
Meine aktuell liebste deutsche Band hat wieder ein Album herausgebracht. Erfreulich, dass Erik Lautenschläger und Tom Krimi den Zwei-Jahres-Takt beibehalten haben. Lange habe ich auf Es war nicht so gemeint hingefiebert und dieser Streich ist Prag auf jeden Fall wieder gelungen. Es gibt kaum was Schöneres in kälter werdenden Herbsttagen als melancholische Texte und Orchesterinstrumente in eingängigen Chansons auf den Ohren zu haben. Die Konzertkarten für die Tour sind bereits besorgt. In Interviews hatten Prag verlauten lassen, selbst nach Nora Tschirners Austritt weiterhin Duette machen zu wollen. Das haben sie mit Sängerin Josephin Busch gelöst, deren Stimme der ihrer Vorgängerin stellenweise erstaunlich ähnelt. Sicherlich angenehm, da der gewohnte Sound auf diese Weise bestehen bleibt. Ich hätte mir vielleicht eine etwas andere Stimmfarbe gewünscht, weil es mir zu sehr nach Ersatz statt Neuerung klingt. Trotzdem bin ich außerordentlich begeistert von den Liedern. Mein Prag-Hype wird vorerst nicht abklingen!

Lieblingslieder: Was können die Blumen dafür // Es wird anders sein // Abgemacht




Someone Like Me von KUMMER
KUMMER ist ein deutsches Projekt, bestehend aus vier Künstlerinnen und Künstlern. Someone Like Me ist dabei von der gleichnamigen Debüt-EP, die sie kürzlich veröffentlichen. Die restlichen Lieder können sich ebenfalls hören lassen, aber dieses ist eindeutig mein Favorit. Es erinnert mich ein wenig an die Gruppe Nouvelle Vague. Sowohl die weibliche Stimme, der Chanson-Einschlag als auch der leichte Bossa Nova-Rhythmus (den ich mir vielleicht auch nur einbilde) tragen dazu bei. Und doch ist es etwas ganz Eigenes, denn es ist eben kein Cover eines New Wave-Hits aus den 80er Jahren. Ich höre den Song gerade unglaublich gern und bin gespannt, ob KUMMER irgendwann ihr größtes Ziel erreichen werden: auf einem Soundtrack eines schönen Spielfilms zu sein. Wünschen würde ich es ihnen jedenfalls.

Freitag, 15. September 2017

Meine Top 5 Metal-Neuentdeckungen

Eine meiner größten Leidenschaften ist und bleibt die Musik. Ich kann stundenlang dasitzen, Musik anhören, Artikel über Künstler oder Alben lesen und dabei höchst erquickt sein, wenn ich eine herausragende Neuentdeckung für mich gemacht habe. Ein Grundsatz von mir ist auch, dass es in jedem Genre etwas für jede Person gibt. Man muss sich nur die Zeit nehmen und Mühe machen, es zu finden. Mit dem Metal-Genre habe ich mich nie intensiv auseiandergesetzt. Bis vor einigen Monaten. Mit Rammstein-Liedern aufgewachsen, die konstant aus dem Zimmer meines Bruders nebenan dröhnten, stieß ich später auch auf Künstler wie Marilyn Manson, System of the Down, Sumo Cyco, dank Apfelkernchen auf Knorkator und dank meines Freunds auf Volbeat. Wie man sieht, kam der Einfluss oft von anderen. Warum ich mich also plötzlich mit Metal beschäftige? Ganz einfach. Als die Planung stand, auf das Graspop Metal Meeting zu gehen, wollte ich vorbereitet sein. Dabei habe ich tatsächlich Künstler gefunden, die ich sehr gern höre und die ich nun präsentieren möchte.


Avatar
Dank des auffälligen Make Ups und dem großen Babadook-Grinsen von Sänger Johannes Eckerström ist mir die Band beim Scrollen durch das Graspoper Line-Up sofort aufgefallen. Die Jungs kommen aus Schweden und bezeichnen ihre Musik als Melodic Death Metal. Beim Hineinhören hat mir genau das spontan gefallen, deshalb schaute ich sie mir auf dem Festival an. Es sollte einer meiner Lieblingsauftritte werden. Irgendwie ist das ganze Konzept genau mein Ding. Neben der Musik bin ich auch sehr von den Kostümen und dem visuellen Freakshow-Aspekt angetan. Gleichzeitig merkt man, dass Avatar dieses Image nicht zu ernst nehmen und Spaß damit haben. Auch ohne Bildmaterial läuft bei mir das Album Feathers and Flesh häufig, ein Konzeptalbum mit übergeordneter Geschichte. Obwohl ich die Erzählungen zwischen den Liedern zugegebenermaßen gelöscht habe. Mit Kommentaren mittendrin shufflet es sich so schlecht.



Skindred
Diese Band ist vielleicht keine reine Entdeckung von mir, sondern war zugegebenermaßen eine Empfehlung. Mittlerweile ist es wohl bekannt, dass ich ungewöhnliche Musik liebe, die außerhalb der Norm spielt. So zum Beispiel der Fall bei der walisischen Gruppe Skindred. Die folgt nämlich nicht nur den Regeln des Metals. Stattdessen vereinen sie in ihrer Musik Komponenten aus Reggae, Metal, Punk und Hip Hop. So abgefahren es auch scheinen mag, es klingt großartig. Sie selbst bezeichnen ihren Stil kurz als Reggae Metal. Das verlinkte Lied könnte manchen geläufig sein, da es Teil des Videospiels Need For Speed 2 war. Hoffentlich kann ich Skindred eines Tages live erwischen, denn in diesem Bereich sollen Benji Webbe und Co. punkten und gut Stimmung machen können. Sogar Preise als beste Live-Band haben sie schon erhalten. Darauf bleibe ich also gespannt und höre mir bis dahin noch ein paar Mal die Platten an.



Alestorm
Piraten-Metal ist wahrscheinlich der Schlager unter dem Metal. Dieser Gedanke kam mir gerade spontan und einige würde mich dafür sicher gern schlage(r)n. Haha! Schlechte Witze ahoi! Wobei an der Aussage sicher ein bisschen was dran ist. Die Schotten von Alestorm widmen sich dem besagten Genre. Obwohl ebenfalls der Begriff Power Metal verwendet wird, doch die Texte mit dem Piratenthema (und mit Titeln wie Fucked With An Anchor, Shipwrecked oder Wooden Leg!) machen es letztendlich zum Pirate Metal. Sehr bezeichnend in ihren Liedern ist das Keyboard, das eingängige Melodien spielt und sie damit zu fantastischen Partyhits macht. Leider schaffte ich es auf dem Graspop Festival nicht, ihren Auftritt zu sehen. Doch sollen sie dort nicht zum ersten Mal gewesen sein und daher sicherlich auch nicht zum letzten Mal. Insgesamt also keine Band, die sich tiefgründigen Gefühlen widmet, dafür aber was Spaßiges und Eingängiges für zwischendurch parat hat.



Rob Zombie
Den guten Herren habe ich auch beim Graspop erlebt. Im Vorfeld hatte ich gar nicht in die Musik hineingehört, mit der Live Show hat Rob Zombie mich dafür umso mehr überzeugt. Der hat den Dreh einfach raus, wie man das Publikum unterhält. Als ich später über ihn recherchierte, war ich überrascht, dass er erst 52 Jahre alt. Auf der Bühne habe ich ihn glatt gute zehn bis fünfzehn Jahre älter geschätzt. Upsi! Sorry, Rob, die Zombie-Maskerade hat funktioniert. Macht wohl wirklich das Make Up und die Dreadlocks. Zurück zum Inhalt. Der US-Amerikaner macht Industrial Metal und sollte ein geläufiger Name sein. Selbst ich habe schon von ihm gehört, bloß vorher nie die Musik selbst. Was ihn wie andere Größen in dem Genre interessant macht, sind die visuellen Schockelemente wie Blut, Totenköpfe, Dämonen und Monster. Neben der Musik arbeitet Rob Zombie übrigens als Regisseur und Comicautor, ebenfalls im Horrorbereich.



Gwar
Durch den Original-Netflixfilm Little Sister habe ich diese Band kennengelernt. Der Streifen hat mich nicht umgehauen, aber das Lied Have You Seen Me? von Gwar höre ich seitdem unglaublich gern. Hätte ich vorher gewusst, wie kontrovers sie sind, hätte ich vielleicht eine andere Meinung zu dem Song. Ihr Musik wird als Thrash Metal oder Heavy Metal beschrieben, manche Subgenres sind für mich zugegeben noch bloße Begriffe. In ihren Texten brechen sie so gut wie alle Tabus. Und auch auf Konzerten kann die Erfahrung für manchen Zuschauer überraschend enden. Denn obwohl die Kostüme noch kreativ aus Schaumstoff und Gummi selbst gebastelt werden, spritzen die Amerikaner gerne künstliches Blut, Urin oder Eiter in die Menge. Danke, ich passe. Ich selbst finde sie ein wenig grenzwertig und würde nicht alles grundlos befürworten, was sie machen. Letztlich gilt das wiederum für jeden Künstler. Gwar sind eine absolut abgefahrene Band, deren Texte man eher satirisch verstehen sollte, die mich vor allem musikalisch überzeugen können und deshalb trotzdem Erwähnung finden sollen.



Nun ist des Lesers Chance, mich mit weiteren Empfehlungen des Metal-Genres zu bombardieren!
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