Sonntag, 2. Juli 2017

Mein erstes Festival: Graspop Metal Meeting 2017

Mein erstes Festival? Ich weiß, ich weiß. Ich kann es selbst kaum glauben, dass es mich Musiknerd vierundzwanzig Jahre gebraucht hat, um ein Festival zu besuchen. Bisher kam immer etwas dazwischen. Entweder hatte ich keine Zeit oder nicht das nötige Geld, konnte nicht das richtige Festival oder die geeignete Begleitung finden. Das Graspop Metal Meeting im belgischen Dessel ist eine jährliche Tradition meines Freundes. Um endlich diese Erfahrung zu machen, nötigte ihn quasi dazu, mich dieses Mal mitzunehmen.


Freitag
Abends gegen halb neun Uhr machten wir uns mit großen Reiserucksäcken aufgeschnallt auf den Weg. Zum Festival fuhren wir mit dem Fahrrad, da Freund K. ortsnah wohnt. So erreichten wir nach guten dreißig bis vierzig Minuten das Gelände. Unsere Armbänder hatten wir bereits tagsüber geholt und auch das Zelt hatten Freunde bereits am Vortag für uns aufgeploppt. Deshalb konnten wir bei der Ankunft auf dem Campingplatz gleich alles für die Nacht vorbereiten und danach zum Festivalgelände stiefeln. Erster Eindruck: Verdammt viele Flaschen und Becher auf dem Boden zerstreut (Pfand gibt es in Belgien nicht, damit auch keine Flaschensammler), ein beleuchtetes Riesenrad, das in den Himmel ragt und Musik aus allen Richtungen. Auf ins Getümmel!

Am Freitag waren wir eigentlich nur für Rammstein angereist, wie so viele, denn an dem Tag waren alle Tickets restlos ausverkauft, und platzierten uns eine gute Stunde vor Beginn vor der entsprechenden Bühne. Selbst zu dieser Zeit war es dort schon rappelvoll. Während wir warteten, spielte noch die norwegische Black Metal-Band Emperor. Begeistern konnte sie mich nicht, deshalb zähle ich auch Rammstein als meine erste Festivalband. Ich mache mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt. Es ist schon ein Erlebnis, Rammstein live zu sehen. Viele Lieder konnte ich auch noch mitsingen, nachdem die Musik für einen Großteil meiner Kindheit aus dem Nachbarzimmer meines Bruders schallte. Mehr Flammenwerfer, Funken und Feuerwerk lässt sich in so eine Show kaum packen. Dazu kommen Sänger Till Lindemann, der sich bei ausufernden Bewegungen die Stirn am Mikrofonständer blutig schlug, aber trotzdem unbeirrt weitermachte, und der wunderschöne Glitzeranzug von Keyboarder Christan Lorenz. Ein rundum gelungener Auftritt.


Samstag
Am nächsten Morgen machten wir uns bereits um elf Uhr fertig, um zu einer Band zu gehen, die ich mir im Voraus herausgesucht habe. Avatar heißt diese, ist aus Schweden und gewinnt mich nicht nur mit guter Musik, sondern auch ausgefallener Schminke und Kostümen. Insgesamt soll das eine meiner liebsten Shows des Wochenendes werden. Zurück im Zelt schaute ich auf mein Handy und mich befiel plötzlich Heimweh. Denn es war mein Geburtstag und ich bekam liebe Nachrichten von Freunde und Familie. Für ein paar Stunden hatte ich das Gefühl, vielleicht einen Fehler gemacht zu haben, sitze ich hier in der heißen Pampa Belgiens herum, statt zu Hause zu sein. Zum Glück fing ich mich letztendlich wieder und vermieste mir nicht den ganzen Tag mit dem Gedanken.

Im Laufe des Tages schauten wir uns noch Danko Jones an, von dem mir zwei Lieder gut gefallen haben, sonst waren mir die Lieder zu eintönig, sowie Clutch, zu denen in meinen Notizen ein 'in Ordnung' steht, an deren Auftritt ich mich nicht allzu sehr erinnern kann. Zwischendurch lauschten wir zufällig Alter Bridge, die ich ziemlich angenehm fand. Bei Five Finger Death Punch beeindruckte mich vor allem der Dreadlock-Tentakel-Bart von Bassist Chris Kael. So wurde es Abend und Deep Purple kamen auf die Bühne. Wir schauten uns aus irgendeinem Grund sogar den gesamten Aufritt an, obwohl die Herren einige sehr verwirrende und peinliche Aktionen veranstalteten. Zudem ist die Musik nicht gut gealtert und wohl nur aus nostalgischen Gründen zu ertragen. Als letzten Act des Abends gab es In Flames. Doch auch hier war uns nach einigen Liedern klar, dass es nicht unsere Musik ist. Also ab ins Bett!


Sonntag
Für den Sonntag waren dreißig Grad mit knallendem Sonnenschein angesagt. Das versprach eine Steigerung des Vortags, an dem es bereits unglaublich staubig und trocken war. Unglücklicherweise hatte Freund K. seine Mütze und Sonnenbrille vergessen und es dürstete uns beide nach einer Dusche. So war die Idee geboren, am Sonntag schnell mit dem Fahrrad nach Hause zu huschen. Was für ein Segen, nicht so einen weiten Weg zu haben. Wir sprangen unter die Dusche und in den Pool, cremten uns fett mit Sonnencreme ein (obwohl ich trotzdem einen fetten Sonnenbrand auf dem Rücken kriegen sollte) und fuhren erfrischt mit gehobener Laune zurück zum Festival. Dort gab es zunächst Mittagessen. Da die Gaskartusche spontan abkratzte, mussten wir auf andere Lebensmittel ausweichen und so kam es zu meiner Erfindung des Erdnuss-Sandwiches. Man braucht Brötchen, (ungesalzene) Erdnüsse und nach Belieben Ketchup und Mayonnaise. Zack fertig!

Zurück auf dem Festivalgelände sahen wir uns die Glam-Metal-Band Steel Panther an, die ich rein musikalisch eigentlich schätze. Nur deren sexistische Attitüde war ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr witzig. Aber wir hatten sowieso nicht geplant, bis zum Ende zu bleiben. Ich wollte nämlich zu Graveyard, die Bluesrock vom Feinsten machen. Den Gig genoss ich total und höre das Album seitdem häufig. Auch eine Fahrt mit dem Riesenrad musste drin sein. Wir hatten sogar das Glück, dass die Leute vor uns noch einen Gutschein übrig hatten, den sie uns überreichten. Ha!

Headliner Evanescence war mehr aus nostalgischen Gründen hörenswert, sonst ist die Band in den letzten Jahre nicht mehr weit gekommen. Eine umso größere Überraschung war für mich an dem Abend Rob Zombie, der eine geniale Show lieferte und von dem ich mir in Zukunft vermehrt Musik anhören möchte. Während der Freund Sum 41 auscheckte, die mich null interessierten, holte ich mir aus dem Zelt meine Jacke, weil es doch langsam kühl wurde. Auf dem Rückweg bei meinem gemütlichen Spaziergang vom Campingplatz schallte es von der Hauptbühne gerade Wind of Change von den Scorpions. Ein sehr schöner, kleiner Moment, bei dem viele Menschen unterwegs mitsangen, und dass obwohl ich schon total kaputt und erledigt war. Doch eine Band gab es auf den Wunsch von K. noch anzusehen. Sabaton, deren Texte eine einzige Glorifizierung von Krieg und Töten darstellen, war aus dem Grund das Schlechteste, das ich mir je live ansehen muss. Ich dachte, ich bin im falschen Film, als die Menschen um mich herum eifrig mitgrölten. Yeah, Töten ist cool. Wir sind mutig, wenn wir in den Krieg ziehen und ausgedachte Konzepte wie Nationalität und Grenzen verteidigen und dafür andere Lebewesen massenweise abschlachten! Grauenvoll. Dazu wurde mir auch noch schwindlig, als ich mich gerade vor Erschöpfung hinsetzen wollte. So fuhren wir ein wenig früher nach Hause, wo erneut eine Dusche und ein weiches Bett auf uns wartete.



Abschließende Gedanken

  • Konzertohrstöpsel sind ziemlich toll. Unnötiger Lärm wird ausgeblendet und man hört die Musik aus dem Lärm viel besser heraus. I never knew!
  • Nach einigen Horrorgeschichten von anderen waren die Toiletten überraschend akzeptabel. Ich hätte viel Schlimmeres erwartet. Man konnte spülen, sie wurden regelmäßig gereinigt - besser als auf so manchem Campingplatz.
  • Was ist eigentlich der Sinn dahinter, dass Idioten ihre nicht ganz leeren Bierbecher durch die Menge schmeißen? Ich ging mit nicht einem Kleidungsstück nach Hause, das nicht nach Alkohol stank, obwohl ich keinen Tropfen angerührt habe.
  • Es kann sehr anstrengend werden, stetig zwischen betrunkenen und/oder übermütigen Leuten zu sein und die Eskapaden mitzubekommen. Festivals scheinen teilweise das Schlechteste aus den Menschen herauszubringen.
  • Trotzdem macht es irre Spaß, so viele verschiedene Live-Acts zu sehen. Die Musik war also wieder einmal, die mich nicht hat durchdrehen lassen. Wir haben uns zusammengerechnet 14 Bands teilweise oder ganz angeschaut.
  • Ich möchte definitiv auf weitere Festivals gehen!

1 Kommentar:

  1. Hallöchen,
    Festivals sind eine tolle Sache. Es ist meistens doch was anderes, wie ein normales Konzert einer Band. Bisher war ich nur auf Festivals in meiner Gegend. Da konnte ich auch jeden Abend heim reisen und dort Duschen. Aber ich will auf jeden Fall noch irgendwann auf ein Festival mit Zelten. Mal sehen wann es so weit ist.
    Dein Festival hört sich richtig toll an. Rammstein hätte ich auch gerne gesehen.

    Liebe Grüße,
    Abigail Black

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