Dienstag, 28. Februar 2017

EVERYBODY WONDERS, VERY FEW SHALL KNOW - Foxygen im Columbia Theater Berlin Feb 2017

Foxygens kürzlich veröffentlichtes Album Hang habe ich vor ein paar Wochen in meinen Musiktipps hoch angepriesen. Aus dem Grund konnte und wollte ich mir nicht ihren Berlin-Termin am 23. Februar im Columbia Theater Berlin entgehen lassen. Dabei probierte ich, mir nicht allzu große Hoffnungen zu machen, denn dies sollte mein bereits zweites Konzert bei dem US-amerikanischen Zweiergespann sein. Vor guten zwei Jahren musste ich durchaus Kritik äußern. Trotzdem war ich neugierig, ob sich in der Zwischenzeit live was verändert hat und vor allem, wie die neuen orchestrierten Songs auf der Bühne umgesetzt werden würden. Doch gehen wir chronologisch vor.

Das Columbia Theater finde ich immer angenehm, weil es nicht allzu groß ist. Es ist gerade richtig, um sich nicht eingeengt zu fühlen. Trotzdem kann man alles gut mitbekommen und sehen. Ich selbst verkrümelte mich an diesem Abend ein wenig an die Seite, weil ich einen eher entspannten Abend haben wollte. Pünktlich um 21 Uhr kam die Londoner Vorgruppe The Big Moon auf die Bühne. Die vier Frauen machen eingängigen, tanzbaren Alternative Rock und konnten mich sofort überzeugen. Definitiv einer der besseren Bands, die ich durch ein Konzert entdeckt habe. Seitdem habe ich mir ihre Lieder mehrmals angehört und hoffe, sie irgendwann wieder live erwischen zu können. Im April kommt jedoch erst einmal ihr Debütalbum heraus, auf das ich mich schon freue. Soweit also ein Erfolg.


Eine Stunde später ging es mit der eigentlichen Show los. Nach der anfänglichen Euphorie in den ersten Liedern, musste ich leider einsehen, dass sich seit meinem letzten Besuch nicht viel getan hat. Die Musiker selbst sind wieder super und geben ihr Bestes. Die Band wurde außerdem um zwei Bläser erweitert. Das ist im Angesicht des Orchesters auf dem Studioalbum ausbaufähig, aber insgesamt in Ordnung. Der instrumentelle Part war insgesamt großartig. Sängerin Gabriella Cohen und Bandmitglied Jonathan Rado selbst übernahmen den Hintergrundgesang und retteten, was zu retten war. Denn der Gesang war leider wieder der Punkt, an dem es scheiterte.

Ich verstehe das nicht, denn Leadsänger Sam France kann eigentlich gut singen. Doch wirkte er an dem Abend neben der Spur und absolut verwirrt. Er hampelte und sprang unkontrolliert herum. Statt zu singen, schrie oder sprach er bei 90 Prozent der Lieder bloß ins Mikrofon. Manchmal vergaß er den Songtext oder hörte einfach ganz auf zu singen. Zwischen den Liedern wiederholte er jedes Mal die gleichen Worte. ThankyouforcomingandlisteningtoournewmusicwealwayslovetobeinBerlin.Wenigstens musste ich mir das Chaos nicht erneut aus der Nähe geben, weil ich brav am Rand des Publikums geblieben bin. So probierte ich mich so gut wie möglich auf die Musiker und Sängerin Cohen zu konzentrieren, die sich arg Mühe gaben, eine gute Show abzuliefern. Doch durch Sam Frances Egotrip litt nicht nur die musikalische Qualität, sondern die ganze Stimmung kippte oft von Ausgelassenheit zur allgemeinen Ratlosigkeit ob der Verrücktheit auf der Bühne.


Kommen wir noch zu einem positiven Punkt des Abends: die Setlist. Obwohl mein absolutes Lieblingslied How Can You Really von Foxygen bei diesem Tourtermin leider nicht gespielt wurde (in Paris zum Beispiel schon), hat es die Musikgruppe ja echt nicht schwer bei der Auswahl an guten Liedern. So dürften sie so ziemlich alles vom neuen Album gespielt haben. Aber auch die Hits San Francisco, No Destruction oder Shuggie gab es auf die Ohren. Mein persönlicher Höhepunkt war die Performance von Trauma, einem der neuen Stücke. Hier stimmte der Gesang nämlich mal und ich bekam einen kleinen Einblick, wie gut ein Konzert von ihnen sein könnte. Die Stimmung während dieses dramatischen Songs empfand ich als regelrecht bedrückend und es war sehr ergreifend. Ein wunderschöner Moment.

Nach fünfzig Minuten Spielzeit befanden wir uns auch schon in der ersten und letzten Zugabe des Abends. Nach einer Stunde war das Konzert auch schon wieder vorüber. Autsch! Zu kurz und chaotisch für meinen Geschmack. Wenigstens hat das Ticket nur gute 20 Euro gekostet, sonst würde ich mich sicherlich mehr darüber ärgern. So hat nämlich wieder nicht zu einem Erlebnis gereicht, das ich als großartig bezeichnen kann. Mal sehen, ob ich mich in Zukunft an meinen eigenen Rat halte und die Konzerte meide. Ich liebe die Musik von Foxygen, aber als Live-Band kann ich sie beim besten Willen nicht empfehlen.

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