Mittwoch, 13. April 2016

Bath: Nur echt mit Nussburger und Zeitungsjungenmütze

Nachdem ich von meinem momentanen Studienort Birmingham einige Ausflüge in umliegende englische Städte gemacht hatte, kam ich zum persönlichen Fazit "Kennst du eine, kennst du alle". Im Groben boten sie alle eine Abbey, eine Innenstadt mit vielen Shoppinggelegenheiten, einen Park, ein paar historische Gebäude und die ein oder andere unansehnliche Ecke.
Als ich mich jedoch letztens in Bath wiederfand, revidierte ich meine Meinung wieder. Im Grunde treffen die eben genannte Punkte ebenfalls zu, doch Bath bietet einfach noch mehr. Allein schon die einheitliche, palladianische Architektur aus Kalkstein, die sich durch das gesamte Stadtbild zieht, ist ein Augenschmaus. Es wundert mich nicht, dass Bath mittlerweile zum Weltkulturerbe gehört. Mit der Pulteney Bridge, die nicht nur den Fluss Avon überquert, sondern auch einige Läden beherbergt, biete ich das erste Beispiel für die Schönheit dieser Stadt.


Römische Bäder
Die wohl wichtigste Attraktion vor Ort, trägt Bath schließlich seinen Namen wegen der Römischen Bäder. Knapp zweitausend Jahre alt und trotzdem kann man immer noch bewundern, wo die Römer damals planschten. Gebaut haben sie das Badehaus um die einzige warme Quelle, die man im Vereinigten Königreich findet. Die Ausstellung gibt gute Einblicke in das Leben damals und verteilt die Massen ausreichend, sodass man sich nicht durchdrängeln muss und immer wieder ausreichend Blicke auf die historische Stätte erhaschen kann.
Besonders beeindruckend wird es, wenn man auf dem Balkon steht, hinunter in den Badebereich der Antike schaut, dann aufblickt, die benachbarte Abbey aus einer komplett anderen Epoche sieht und daneben wiederum die Touristeninformation aus der Neuzeit steht. Irgendwie ein surrealer Anblick, so viel Geschichte auf einem derart geballten Raum.


Modemuseum
Mein Tipp für den nach Bath Reisenden wäre es gleich ein Kombiticket für 18 Pfund zu kaufen, das einem Einlass in die Römischen Bäder, das Fashion Museum und die Victoria Art Gallery gewährt. Alle drei Attraktionen sind sehenswert und zusammen in einem Rutsch gekauft, wird es um einiges preiswerter.

Ich hätte es eigentlich nicht erwartet, aber im Nachhinein muss ich schon sagen, dass das Fashion Museum eines der Highlights vor Ort war. Sich die Kleider für Mann und Frau aus verschiedenen Jahrhunderten dank der Ausstellung "A History of  Fashion in 100 Objects" ansehen zu können, war beeindruckend. Natürlich um der Fantasie noch einen Schubs zu geben, wie das Leben damals wirklich ausgesehen haben muss und in welchen Kutten die feinen Leute durch die Straßen flaniert sind. Doch auch die entsprechenden Tafeln bieten gute Hintergrundinformationen zu den jeweiligen Geschehnissen der Zeit und erzählen, inwieweit diese die Kleidung beeinflusst haben und andersherum. Zu meiner angenehmen Überraschung haben sie sogar ein Original-Kleid von Queen Victoria da. Was die Sache noch abrundet: man kann sogar einige Replikate anprobieren, ob ein pompöses Kleid mit Reifrock oder einen schicken Herrenmantel. Wobei ich dann trotzdem finde, dass mir die die Ballonmütze, auch Newsboy Cap genanntam besten steht. Ich sollte mir in der Tat eine zulegen.


World Heritage Tour
Auf der offiziellen Internetseite von Bath kann man sich zwei verschiedene Audio-Touren kostenlos herunterladen. Sowohl die World Heritage Tour als auch die Tour mit dem Namen In the Footsteps of Jane Austen bestehen aus einer Stadtkarte und Audiotracks, die man sich aufs Handy oder den eigenen MP3-Player packen (oder was die freshen Kiddies heutzutage sonst so haben) und damit seine eigene Rundtour durch Bath machen kann. Da wir beide nicht so die größten Jane Austen-Fans sind, entschieden wir uns für die erste Variante. Vorbei geht es damit an der Abbey, der Innenstadt, entlang an niedlichen Shops und Museen, in die man noch einen Abstecher machen kann, bis hoch zum Royal Crescent. Ich freue mich schon darauf, meine Mitbewohnerin und begeisterte Jane Austen-Verfilmung-Schauerin neidisch zu machen, da ich einige der von uns besuchten Orte als Filmset in ihren liebsten Schmonzetten glaube wiedererkannt zu haben.


Futtern
Eins meiner liebsten Dinge auf Reisen ist es, mich durch das lokale Angebot durchzufuttern. Drei Lokale haben es mir in Bath besonders angetan. Da wäre zum einen das Gourmet Scoffs, bei dem es ein Genuss war sich durch die ganzen Pies zu testen. Sogar noch besser, wenn man sie aus dem Lokal mitnimmt und auf dem Vorplatz der Abbey isst. Dann das zuckersüße Café The Mad Hatter's Tea Party, das wohl vor allem wegen seiner bunten, durchgeknallten und natürlich trotzdem zum Thema passenden Einrichtung bezaubert. Von der kleinen roten Tür in der Theke, über Spielkarten-Stühle bis hin zum zusammengewürfelten Geschirr, passte alles gut hinein. Wobei ich natürlich auch betonen muss, dass der Kuchen ebenfalls ausgezeichnet war. Mein Liebling war insgesamt jedoch das Pub Pig & Fiddle. Die Atmosphäre ist wunderbar, die Preise vernünftig und ich verspeiste dort einen großartigen Nussburger, der gleichzeitig einer der besten vegetarischen Burger meines Lebens war. Hach! Am liebsten gleich nochmal.


Prior Park Landscape Garden
Soweit zu meiner Schwärmerei über Bath. Aber ich muss es einfach herauslassen, da sie zu meinen Favoriten der von mir bislang besuchten Städte in England gehört. Was ich an Bath ebenfalls liebe, ist, dass die Stadt so klein und niedlich ist, man kann über all hinlaufen. You ain't need no bus ticket! Selbst zur am meisten von der Innenstadt entferntesten Sehenswürdigkeit, liefen wir bloß eine knappe halbe Stunde. Auch wenn ich den damit gemeinten Prior Park Landscape Garden an dieser Stelle nur unter Vorbehalt empfehlen möchte. Nur als Mitglied des National Trust kommt man kostenfrei in den Park. Das ist eine gemeinnützige Organisation, die sich um viele Gärten, Häuser und Museen in England kümmert und zusieht, dass alles erhalten bleibt. Die einjährige Mitgliedschaft, mit der man zu all diesen Dingen freien Eintritt erhält, hat man im Vergleich mit den Eintrittspreisen fast schon wieder heraus, wenn man neben diesem Garten noch Stonehenge und eine weitere Sache besuchen würde. Vielleicht als kleiner Gedanke für Interessierte. Ansonsten fände ich 7,50 Pfund für den doch relativ kleinen Prior Park Landscape Garden ein wenig happig, so schön die Brücke und der Ausblick auf Bath auch ist. Aber dank meiner Begleitung, die sich die National Trust-Mitgliedschaft zulegte und gute Verhandlungskünste an den Tag legte, durfte ich auch umsonst mit hinein und konnte den Spaziergang vollends genießen. Und schaut doch mal, wie hübsch die Brücke ist und der Ausblick auf Bath erst!


Falls ihr es in nächster Zeit also "Fahrt alle nach Bath, es ist so wundervoll dort. Oder nein, fahrt doch lieber nicht hin, damit ich die Stadt nächstes Mal für mich allein habe und nicht teilen muss" von den Dächern rufen hört, bin ich das wahrscheinlich.

Welches Reiseziel hat euch zuletzt so richtig begeistern können? 
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