Sonntag, 8. November 2015

Konsumauszeit nach einer Woche: Ich bin nicht perfekt

Für den Monat November haben Apfelmädchen und sadfsh eine Konsumauszeit ins Leben gerufen, die auf großen Anklang stößt. Auch ich habe mich letzte Woche eher spontan dazu entschlossen mitzumachen. Eigentlich bloß auf Twitter, aber ich habe gerade doch mehr zu sagen, als es in 140 Zeichen passen würde. Wer von der Aktion noch nichts gehört und mehr darüber wissen will, schaut sich am besten den bereits verlinkten Beitrag an. An dieser Stelle möchte ich lediglich kurz die Vorgaben und meine Anpassungen umreißen, bevor ich zu meinen Erfahrungen und Gedanken nach der ersten Woche komme. Denn wie bei jedem guten Experiment gibt es auch Regeln, die man natürlich auf eigene Lebensumstände abstimmen kann.

  • 30 Tage lang nichts Neues kaufen
  • Ausgenommen sind: Lebensmittel, Drogerie-/Haushaltsartikel (nur wenn vorheriges Produkt aufgebraucht ist), Ausflüge und Aktivitäten
  • Wenn etwas Wichtiges kaputt geht: erst reparieren, ansonsten ersetzen (wenn möglich gebraucht)
  • Leihen und Tauschen sind nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich erwünscht!

Weitere Ausnahmen bei mir sind Geschenke für drei Geburtstagskinder. Absolute Notwendigkeiten für die Uni sind ebenfalls erlaubt, wobei sich das nach momentaner Erwartung nur auf ein Buch bezieht.

Obwohl in der Auflistung Lebensmittel erlaubt sind, rücke ich gerade diese bei mir in den Fokus. Denn ich bin seit Semesterbeginn ein wenig in die Gewohnheit gefallen, mir unterwegs Snacks zu kaufen. Stattdessen möchte ich wieder ausreichend Essen von zu Hause aus mitnehmen.


A Few Inches Later

Eine Woche der Konsumauszeit ist vergangen. Das allgemeine Nicht-Kaufen fällt mir zum Großteil eher leicht. Auch weil meine größte Schwäche wohl Bücher sind und ich mir diese aufgrund des Project 10 Books gerade sowieso nicht zulegen "darf". Wofür habe ich mein Geld also ausgegeben? Lebensmittel. Und ja, ich habe es geschafft, unterwegs keine Snacks zu holen. Strike! Das erste von drei Geburtstagsgeschenken. Sowie ein Monatsabo des Online-Magazins Fernsehkritik TV. Mein kleines Problemchen der vergangenen Woche. Weil ich für ein Referat an der Uni einen Clip aus einer bestimmten Folge brauchte, mein Abonnement gerade ausgelaufen war und man diese nur als Abonnent herunterladen kann, verlängerte ich es kurzerhand. Natürlich hätte ich es anders lösen können, beispielsweise zu der bestimmten Stelle im Stream zu springen statt die Stelle herauszuschneiden. Doch das fiel mir erst danach auf. Also in der Hinsicht schon ein unsinniger Kauf, der sich hätte vermeiden lassen können. Andererseits bereue ich es auch nicht, da ich das Magazin wirklich mag und gerne unterstütze. Insgesamt habe ich in der ersten Woche neben festen Kosten ungefähr zwanzig Euro ausgegeben.


Sind Minimalisten perfekt?

Abgesehen davon, dass niemand perfekt ist selbstverständlich - aber lasst mich erklären. Worauf ich im letzten Abschnitt eingehen möchte, ist angeregt vom Beitrag der lieben materialfehler. Zunächst freut es mich, dass es für sie so gut läuft und die Konsumauszeit keine Herausforderung darstellt. Trotzdem störe ich mich ein wenig an folgender Aussage.

"Es ist eigentlich absurd, wieso brauchen Minimalisten eine Konsumauszeit? [...] Ich brauch die eigentlich nicht und sicher die anderen im Grunde auch nicht wirklich. Aber es ist ein Projekt, das weite Kreise ziehen kann und Nichtminimalisten zum Nachdenken und Experimentieren anregt."

Dazu meine Perspektive, die das Ganze ein wenig überspitzen wird. Das soll nicht gegen materialfehler gehen, im Gegenteil. Die Sätze haben mich zum Nachdenken angeregt, dafür bin ich dankbar und will einfach meinen Senf abgeben. Dass Minimalisten eigentlich über dieser Konsumauszeit stünden und vielmehr glänzende Pioniere für andere Unwissende verkörperten, hielte ich für eine überhebliche Sichtweise. Mag sein, dass es Menschen da draußen gibt, die sich zu jeglicher Zeit hundertprozentig unter Kontrolle haben, all ihren Konsum genauestens abwägen und unter die Lupe nehmen. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Dann wiederum bin vielleicht gar kein Minimalist.

Konsum beginnt für mich nicht erst mit greifbaren Gegenständen. In den letzten Jahren bin ich dazu übergegangen, mein Geld zunehmend nur noch für Dinge auszugeben, die sich aufbrauchen lassen (wie Lebensmittel oder Pflegeartikel), digital sind oder Erlebnisse. Das macht mich persönlich glücklicher als irgendwelcher Krimskrams, um den ich mich den Rest seines Vorhandenseins kümmern muss. Ich muss mich außerdem nicht mit der Entsorgung herumplagen, wenn ich keine Lust mehr darauf habe. Aber wer sagt denn, dass diese Art Konsum kein Konsum ist? Auch innerhalb dieser Grenzen können sich schlechte Gewohnheiten einschleichen, siehe meine Snacksituation zu Beginn des Semesters. Oder fortlaufende Abos im Internet, die man nicht zwingend jeden Monat hinterfragt. Oder Ausgehen am Abend, das zur Tradition geworden ist, seinen Reiz aber schon lange verloren hat. Oder oder oder. Bloß weil wir zum "weißen" Konsum (wie in white lie) übergegangen sind und keine Sammlungen mehr anhäufen, heißt das nicht, dass wir diese Konsumauszeit nicht nutzen können, um einige unserer Gepflogenheiten in Frage zu stellen. Neben Geld ist ein weiterer wichtiger Faktor in dieser ganzen Angelegenheit nämlich auch Zeit. Um da ich jetzt nicht noch ein weiteres Fass aufmachen möchte, verlinke ich euch den wunderbaren Beitrag von Fieberherz und verkrümel mich.
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