Montag, 6. Juli 2015

Mein Leben als introvertierter Mensch

Dass es so, wie ich bin, nicht falsch oder schlimm ist, habe ich erst vor einigen Jahren herausgefunden. Bis dahin fühlte ich mich oft fehl am Platze und überfordert mit der Welt. Nun, das ist heute manchmal immer noch so, aber ich weiß zumindest mittlerweile, ich bin ein introvertierter Mensch und damit überhaupt nicht allein. Inwiefern ist mein Leben also anders als das eines extrovertierten Menschen?


1. Sozialer Kontakt laugt mich extrem aus. Egal, wie sehr ich die Person mag, mit der ich etwas unternehme, und ganz gleich, wie viel Spaß ich dabei habe, meine Batterien kann ich nur dann aufladen, wenn ich allein bin und meine Ruhe habe.

2. Wenn ich neue Menschen kennenlerne, bin ich sehr schüchtern. Fremde Situationen sind immer eine Herausforderung für mich. Oft wirke ich ruhig, rede nur, wenn ich wirklich das Gefühl habe, etwas beitragen zu können. Ich mag keinen Small Talk und stehe nicht gern im Mittelpunkt. Je besser ich Personen jedoch kenne, desto mehr komme ich aus mir heraus, bin mitunter ziemlich aufgedreht und laut, singe gern und mache Quatsch. Generell halte ich mich jedoch lieber in kleinen als in großen Gruppen auf.

3. Vor vielen Menschen zu sprechen, zum Beispiel bei Präsentationen, fällt mir unglaublich schwer. Meist bin ich am Tag davor schon aufgeregt und kann kaum an etwas anderes denken.

4. Ich bin nicht wirklich spontan, sondern plane die Dinge lieber schon einige Zeit im Voraus, damit ich mich ausreichend darauf vorbereiten kann. Auch Ungewissheit macht mich wahnsinnig, deshalb plane ich nur früh, sondern auch genau.

5. Ich schreibe lieber als zu reden. Ich kann mich schriftlich einfach besser ausdrücken, länger an meinen Worten feilen und sie mir besser zurechtlegen. Damit zusammenhängend schreibe ich auch lieber E-Mails und Nachrichten als zu telefonieren. Besonders mit fremden Menschen ist letzteres ein Horror für mich.

6. Wenn die Ruhephase zwischen einzelnen sozialen Interaktionen zu kurz ist, dieser trotzdem unvermeidlich, werde ich todmüde, bekomme Kopfschmerzen und reagiere in aller Regel sehr gereizt auf all die Sinneseindrücke von außen.

7. Ich kann mich ziemlich gut allein beschäftigen und mir ist selten langweilig. Dadurch haben sich schon so einige Hobbys angesammelt. Auch brauche ich nicht viele Freunde, mir reichen dafür wenige gute. Mir würde schlussendlich auch die Energie fehlen, viele Freundschaften regelmäßig zu pflegen.

Das waren spontan einige Punkte, die mir eingefallen sind und die ich einfach mal niedertippen wollte. Vielleicht könnt ihr das nachvollziehen, vielleicht dient es wenigstens als Einblick in ein anderes Leben. Es ist definitiv nicht immer einfach, introvertiert zu sein. Besonders in einer Gesellschaft, die nicht darauf ausgelegt ist, in der man besser voran kommt, wenn man sein Maul aufreißt und sich gut präsentieren kann. Ich habe jedenfalls aufgehört, dagegen anzukämpfen, weil es sowieso unmöglich ist. Ich bin, wie ich bin. Also muss ich das Beste daraus machen, zumal es nicht nur negative Dinge mit sich bringt.

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr eher introvertiert oder extrovertiert? Habt ihr auch das Gefühl, das legt euch manchmal Steine in den Weg oder sind das alles Probleme, mit denen ihr euch noch nie auseinandersetzen musstet?

Kommentare:

  1. Bin eine Mischung. Punkt 1, 3, 5 und 7 treffen 100%ig auf mich zu.
    Punkt 2 in Teilen: Ich bin schnell aufgedreht, bin nicht schüchtern, aber ich rede extrem ungerne über mich(bei vlogs ist das ja unvermeidlich, aber da habe ich auch nicht das gefühl, mit anderen über mich zu sprechen, da mir niemand gegenüber sitzt) und man merkt mir an, wenn ich die Leute nicht mag.
    Prinzipiell rede ich ungerne in langen Sätzen. Ich werfe gerne mal einen Satz ein, aber auch dadurch, dass ich so schnell spreche, stottere und verhaspele ich mich auch manchmal in Gesellschaft und das verunsichert mich. Gerade dann wenn ich will, dass der andere mich respektiert und/oder ich meinen gegenüber nicht leiden kann. Je wohler ich mich fühle desto weniger verhaspel ich mich ;)

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    1. Stimmt, als schüchtern habe ich dich auch überhaupt nicht wahrgenommen. Wobei selbst das ja nicht von außen so richtig zu beurteilen ist. Es ist auch nicht entweder extrovertiert oder introvertiert, sondern es gibt eher ein langes Spektrum mit den Extremen auf beiden Seiten und jeder findet sich irgendwo anders.
      Ob das mit dem schnell sprechen auch damit zu tun hat, weil man so schneller fertig wird und nicht länger im Mittelpunkt stehen will? Ich rede nämlich oft auch ziemlich schnell (wobei ich nicht an dich herankomme, was das angeht :P). Danke für deinen tollen Kommentar! :)

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  2. Da konnte ich bei jedem Punkt nur zustimmend nicken. ;-) Das Wichtigste ist wirklich, dass man lernt sich so zu akzeptieren wie man ist. Ich fand es immer schlimm, wenn man in der Schule dafür kritisiert wurde, weil man im Job später natürlich auch nur als extrovertierter Mensch Erfolg hat... Zusätzlich dann immer noch die Kritik meiner sehr extrovertierten Mutter daheim. Kein Wunder, dass ich mich damals immer schlecht fühlte, weil ich einfach nur ich selbst war. Im Studium und im Job war das irgendwie nie ein Thema. Das Telefonierproblem verliert man irgendwann. Zumindest in einem Bürojob. Ganz sicher! ;-) Wollte ich früher nie glauben, ist aber tatsächlich so.
    Ja, bei Präsentationen usw. wäre ich manchmal gerne extrovertierter, aber sonst ist die Introvertiertheit mittlerweile oder vielleicht auch nur aktuell keine allzu schlimme Sache mehr für mich.

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    1. Während eines Praktikums, bei dem ich auch viel telefonieren musste, wurde es damals auch besser. Man hatte ja keine Wahl und war irgendwann einfach drin.
      In der Schule war es bei mir ebenfalls nicht immer leicht. Und das mit der extrovertierten Mutter hatte ich auch. "Du bist zu ruhig" ist wohl ein Satz, der mir immer und immer wieder gesagt wurde. Konnte sie einfach nicht nachvollziehen, dass mir das alles so schwer fiel.

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  3. Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Vor allem das pflegen der sozialen Kontakte. Ich habe einen eher kleinen (dafür umso feineren!) Freundeskreis, denn genau wie du sagst, hätte ich keine Energie um einen großen Freundeskreis gerecht zu werden. Meine engen Vertrauten kennen mich als aufgeschlossen und hibbelig, aber einfach auf Fremde zugehen und mit ihnen ins Gespräch kommen, liegt mir nicht.
    Allerdings habe ich gelernt mich in den Vordergrund zu zwingen. Vor allem bei beruflichen Angelegenheiten. Da will ich nicht immer im Schatten anderer stehen, vor allem nicht, wenn ich auch was drauf habe. Also kratze ich meinen Mut zusammen und tue so, als ob ich vor Selbstbewusstsein strotze. Und bin dann unendlich erleichtert, wenn ich wieder nach Hause, in meinen Ort der Ruhe, gehen kann.
    Liebe Grüße :)

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    1. Das mit dem in den Vordergrund zwingen muss ich noch üben, beziehungsweise mich manchmal besser überwinden. Gut zu lesen, dass das bei dir gut klappt, dann habe ich noch Hoffnung. :D

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  4. Ich würde sagen, ich bin zu 100% introviertiert. Leider hab ich auch lange gedacht, irgendwas stimmt mit mir nicht, weil einem das Umfeld das immer suggerierte :( Wenn man sich in Gruppen zurückhält und eher ruhig ist, wird man auch gerne falsch eingeschätzt oder abgestempelt. Dabei kann ich mit den richtigen Leuten auch richtig aufgedreht sein. Auch sonst finde ich mich in allen deinen Punkten wieder!

    Für viele Sachen habe ich über die Zeit meine eigenen Strategien entwickelt. Früher bin ich vor Vorträgen vor Aufregung fast gestorben, mittlerweile kann ich das halbwegs souverän über die Bühne bringen, weil ich vor dem Spiegel übe und mir dabei selbst in die Augen sehe. Nur das Telefonieren ist mir immer noch ein ganz großes Grauen :/

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    1. *introvertiert soll das natürlich heißen. Ich sollte müde keine Kommentare mehr schreiben^^°

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    2. Es ist im Rückblick auch echt unverständlich, wie sowas nie erklärt wurde. Extrovertiert, introvertiert - die Wörter habe ich beim Sims-Spiel mal gelesen, sonst ist das scheinbar in den Köpfen damals nicht so drin gewesen.
      Vor Vorträgen gehe ich das Ganze auch immer und immer durch. Letztens bei einem habe ich dann sogar einige völlig unerwartete Lacher abgestaubt, das hat mir jetzt einen ziemlichen Motivationsschub für die nächsten Gelegenheiten gegeben. Also ich glaube nicht mal, dass ich schlecht bin, was Vorträge angeht, bloß sehr unsicher und nervös.

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    3. Mir ging es vor allem in der Pubertät so, dass meine Eltern mir einreden wollten, ich sei nicht normal, weil ich nicht gern unter Menschen bin. Ich bin einfach sehr gern mit mir allein und kann mich sehr gut mit mir selbst beschäftigen. Früher hab ich mich richtig schlecht deshalb gefühlt.

      Telefonieren ist für mich auch jedes mal wieder eine Ünerwindung. Besonders bei beruflichen Telefonaten mit Kunden. D:

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  5. WOW.
    Ich gehöre auch zur Fraktion introvertiert. Manchmal finde ich das auch doof und beneide dann in gewisser Weise auch andere Menschen darum, wenn sie mit Leichtigkeit auf andere zugehen können. Super beim Smalltalken sind oder einfach lockere Gespräche führen. Die Punkte fehlen mir oft bei mir selbst, wobei ich mich insgesamt mittlerweile überwiegend damit arrangiert habe. Vor allem kann ich ja nicht einfach plötzlich mehr reden oder aufgeschlossener sein - Akzeptieren ist wohl der beste Weg um damit klar zu kommen.
    Auch wenn es in so manchen Situationen einfacher wäre nicht introvertiert zu sein.

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    1. Das kann ich genau so unterschreiben. Ich wüsste so spontan auch gar nicht, worüber ich plötzlich reden sollte. Small Talk nervt und ist so unsinnig, tiefgründige Themen bei der ersten Begegnung sind auch unangebracht. Wenn ich die Person wirklich kennenlerne will, probiere ich meist popkulturelle Themen anzusprechen, schaue, ob wir eine Begeisterung teilen. Andererseits will man ja auch nicht mit jeder Person, die man willkürlich trifft, eine Freundschaft aufbauen. Hach, schwierig. :D

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  6. Mutiger Artikel!

    Hi, bin auch von Haus aus Anglist, Blogger und vor allem krankhafter Grübler!

    Meistens kompensiere ich mein überanalysierendes und ständig im Dialog mit sich selbst befindliches „Ich“ allerdings durch extreme Konfrontation meiner Ängste. Das hat im Verlauf der Zeit dazu geführt, dass ich extrem extrovertiert geworden bin. Trotzdem kennen die wenigsten meine "andere Seite" im Innern.

    Punkt 3 kenne ich noch zu gut aus der Unizeit. Wenn bei einem Referat alle Blicke auf einen gerichtet sind, kann schon mal eine Art Panikattacke hochkommen. Ist aber mit der Zeit immer besser geworden. Konnte damals gut als Spielleiter meiner Pen & Paper-Runden das freie Sprechen üben. Wegen mir haben wir teilweise auch auf Englisch gesprochen, was dann für alle anderen auch eine gute Übung war :)

    Punkt 5: Ein bisschen was ist von meiner "Social Anxiety" auch immer noch übrig, wenn ich z.B. jemanden beruflich kontaktieren soll. Dann schreibe ich immer lieber Mails als anzurufen. Aber ich schreibe ja auch ohnehin gerne, insofern passt das :)

    Letztendlich ist "Introvertiertheit" und "Schüchternheit" häufig auch antrainiert. Gerade, wenn man viel grübelt und häufig in negativem „self talk" verhaftet ist, dessen man sich gar nicht so richtig bewusst ist. Es ist natürlich vollkommen ok gut mit sich selbst klar zu kommen und introvertiert zu sein. Aber ich denke, dass Menschen für soziale Interaktion geschaffen sind. Das tut der Seele gut und ist nur ein Skill wie jeder andere, den man verbessern kann.

    Ok, das nur mal so am Rande… meine 50 cent. LG!

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    1. Danke für deinen Kommentar und eine etwas andere Perspektive! Ich weiß nicht, ob das mit dem Artikel so herüberkommt, als ob ich mich jetzt darauf ausruhe, introvertiert zu sein und deshalb sozialen Kontakt für immer vermeide. Es macht natürlich auch Spaß, sich mit Leuten zu treffen und etwas zu unternehmen. Es ist bloß anstrengend und manchmal gibt es eben eine Aufwärmphase bis ich ein bisschen offener werde.

      Für einige Situationen lohnt es sich definitiv, aus seiner Komfortzone zu kommen, denn dabei kommen richtig tolle Dinge bei rum, die ich nicht mehr missen wollen würde. Die Zeit danach will ich dann aber trotzdem allein verbringen und auftanken. :P

      Das mit dem negativen Self Talk ist sicherlich trotzdem so eine Sache bei mir, Grüblerin bin ich nämlich auch und das endet nicht immer gut.

      Liebe Grüße

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    2. Wie ich unten in meinem Kommentar geschrieben hab, sind introversion und Schüchternheit zwei komplett verschiedene Sachen, die ständig verwechselt oder gleichgesetzt werden. Auch extrovertierte Menschen können schüchtern sein. Schüchternheit mag sich abtrainieren lassen, aber Introversion ist angeboren. Ich bin ntrovertiert, aber nicht schüchtern. Introversion bedeutet, dass man seine Energie von innen bezieht, wodurch man sich eben am besten entspannt, wenn man alleine ist. Introvertierte orientieren sich an ihrer inneren Welt und können dadurch von der äußeren Welt schnell überstimuliert werden. Dann müssen sie sich wieder ein bisschen zurückziehen. Extrovertierte beziehen ihre Energie von außen, durch andere Menschen. Das sind die Leute, die nach einem langen Arbeitstag am besten entspannen, wenn sie unter vielen Menschen sind. Intros dagegen bevorzugen dann eine one to one i teraktion oder überhaupt ein Buch. Es gibt Introvertierte in Führungspositionen, es gibt Introvertierte, die das Wochenende durchfeiern (aber dann halt wieder Alleinzeit zum Aufladen brauchen). Introversion und Extroversion ist außerdem eine Skala.
      Beispiel aus Susan Cains "still": Jemand in der Besprechungsrunde sagt sehr wenig. Ohne ihn zu kennen, kann man nicht wissen, ob er einfach nur introvertiert ist und ei fach nicht das bedürfnis hat, viel zu reden, oder ob er schüchtern ist und so gern was sagen möchte, aber sich nicht traut. Da können extrovertierte für Intros gehalten werden, obwohl sie nur schüchtern sind.
      Gewisse Verhaltensweisen kann man ablegen. Man kann sich mehr Mut antrainieren, man muss sich nicht in Unsicherheiten auch noch reinsteigern. Oder in negative Selbstgespräche. Aber Introversion ist angeboren. Und hat auch viele positive Seiten. Introvertierte können sich stundenlang still beschäftigen und haben daher viel Sitzfleisch, sich in Themen einzulesen oder einzuarbeiten. Ohne Introvertierte würden wir hier keine Kommentare schreiben, weil die PCs und das Internet von Introvertierten erfunden und ausgebaut wurde. Wochenlang ohne viel sozialer Interaktion in der Garage verschwinden um an Computern zu basteln? Welcher Extro hält das durch? Bill Gates ist introvertiert, aber bei seinen Vorträgen merkt man, dass er wirklich nicht schüchtern ist.
      Ich hoffe, ich hab den Unterschied jetzt halbwegs gut erklärt, ich empfehle aber auch die Amazonleseprobe von Susan Cains "Still". Dieses Vorurteil, man könne Introversion abtrainieren, tut Introvertierten weh. Wir leben in einer Welt, die Extroverion weit über Introversion stellt. Viele I tros versuchen dann gegen ihre Natur zu leben und davon kann man krank werden. Ich hab auch mal versucht, ein extrovertiertes Leben zu führen. Es geht nicht. Oder man wird krank.

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    3. Da muss ich dir zustimmen, materialfehler! Introversion und Schüchternheit werden im Allgemeinen fast immer gleichgesetzt. Ich bin ein introvertierter Mensch, aber nicht wirklich schüchtern, werde aber immer als schüchtern abgestempelt, weil ich (wie Karo ja auch schrieb) in Konversationen mit Fremden nur etwas sage, wenn ich das auch wirklich für wichtig oder wertvoll erachte. Sehr oft hat man mir schon gesagt, dass ich es beruflich nicht weit bringen kann, wenn ich nicht lerne mich durchzusetzen. Man bekommt immer vermittelt, dass man an diesen vermeintlichen "Schwächen" arbeiten und sich ändern müsste.

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  7. Früher hätte so ziemlich jeder Punkt bei mir ebenfalls zugestimmt. Heute nur noch wenige, daher bin ich auch etwas dazwischen, aber wahrscheinlich sogar mehr extravertiert :)
    Ich habe ganz gerne und viel sozialen Kontakt und bin meistens auch nicht schüchtern, vorausgesetzt ich mag die Leute. Zwischendurch muss ich aber auch meine Reserven aufladen, ich brauch immer mal wieder Zeit für mich :)
    Smalltalk hasse ich aber auch wie die Pest. Mag mich auch nur über konkrete Sachen zu unterhalten.
    Präsentation halten ist mittlerweile kein Problem, aber es war mal wirklich schlimm.
    Ich schreibe ebenfalls lieber als zu telefonieren! Also so normal sprechen klar, aber telefonieren mag ich nicht.
    Und mir ist auch nie langweilig :) ich kann mich immer mit irgendwas beschäftigen ^^
    Schöner Artikel :)

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    1. Interessant, wie sich das bei manchen auch im Laufe der Zeit gewandelt hat. Zieht man sich wahrscheinlich irgendwann so rauf oder hat alle sozialen Situationen "durchgespielt", sodass einem vieles leichter fällt. Also ist jetzt meine Vermutung.
      Danke für deinen Kommentar, liebe Leeri! :*

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  8. Hallo Karo,

    deine Punkte konnte ich mit einem kräftigen Nicken - und einem Lächeln - voll und ganz so unterschreiben. Wieso das Lächeln? Weil es immer wieder schön ist, auf andere Introvertierte zu treffen, die vor allem sich selbst auch als solche bezeichnen und akzeptieren. Bei vielen weiß man ja nicht mal, dass sie eigentlich introvertiert sind, weil sie so angestrengt extrovertieren ...
    Durch Susan Cains Buch "Still" habe ich dann erfahren, dass ich einfach nur anders ticke als andere Menschen und durchaus nicht "gestört" bin. Das war sehr befreiend. Durch diverse Studentenjobs im Verkauf und in der Gastronomie habe ich inzwischen gelernt zu extrovertieren, aber Smalltalk ist mir immer noch ein Graus und Telefonieren mit Fremden ganz besonders (Wieso rufen die Leute einen als Antwort auf eine Email an, bitte schön?!).
    Mein Freund ist in mancherlei Hinsicht ab und an sogar noch introvertierter als ich (Ich bin übrigens der Meinung, dass es so etwas wie 100%ige Introversion nicht gibt) und ist auch in einer Familie von lauter Extrovertierten aufgewachsen, was auch heute noch eine Herausforderung auch für uns beide ist!

    Liebe Grüße,
    Fr. v. Saltkrokan

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    1. Guten Tag Frau von Saltkrokan,

      ja, es ist tatsächlich schön zu lesen, dass es anderen auch geht oder ging. Auf so viel Zuspruch hätte ich mit dem Beitrag auch gar nicht gerechnet, aber es freut mich natürlich unheimlich. Das Buch muss ich mir mal genau anschauen, klingt interessant! :)

      Grüßle

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  9. Ich bin auch inteovertiert, auch wenn mir das viele Menschen nicht glauben, weil ich eben nicht schüchtern bin. Das sind zwei verschiedene Dinge. Introversion heißt, dass man seine Energie aus seinem Inneren bezieht (seine Batterien durch genüßliches Alleinsein auflädt). Schüchternheit ist die Angst vor sozialer Zurückweisung oder Demütigung. Auch extrovertierte Menschen können schüchtern sein.
    Vielleicht interessiert dich ja der MBTI? Das ist ein psychologisches Typensystem, das sich auch mit intro/extroversion beschäftigt. Hab hier drüber geschrieben: http://einfachhaferbrei.blogspot.co.at/2014/11/mit-dem-mbti-menschen-durchschauen-1.html

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    1. Da hast du recht. Nett auch deine ausführliche Erklärung oben. Ich sehe ein, das sind zwei verschiedene Dinge. Vielleicht für mich schwer auseinander zu halten, weil sie einfach beide zu mir gehören. Und das geht, nach den Kommentare bislang zu urteilen, einigen so, dass Introversion und Schüchternheit Hand in Hand gehen. Das mit dem Spektrum, oder der Skala, wie du es nennst, hatte ich auch schon mal irgendwo erwähnt, das sehe ich genauso.

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    2. Ich glaube auch, dass es in der Praxis gewisse Überschneidungen gibt. Ich zum Beispiel hab kein Problem, wenn mich alle anschauen, wenn ich ein Referat halte. Wenn ich was zu sagen hab, will ich auch, dass man mir gefälligst zuhört. Aber ich steh nicht gern im Mittelpunkt und allein der Gedanke, ich müsste mal heiraten... Brrr. Nein. Höchstens heimlich. Ich weiß oft selber nicht, wo exakt man die Grenze zwischen Schüchternheit und Introversion zieht. Fühl ich mich nervös, weil mich die Stimulation von außen überfortert oder hab ich Angst vor Zurückweisung?
      Ich finde es schön, dass das Thema Introversion immer häufiger angesprochen wird. Ich glaub zwar, dass die nordamerikanische Gesellschaft ein viel extrovertierteres Sozialverhalten-Ideal hat, aber auch in Europa gibt es diese Norm. Man muss laut sein, sich verkaufen, networken. Wenn ich networken schon höre.
      Danke dass du dieses Posting geschrieben hast!

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  10. Interessantes Thema. Ich muss sagen dass ich da sehr unsicher bin wie ich mich selbst einordnen würde - Einerseits bin ich zwar auch schüchtern und zurückhaltend bei Kontakten mit neuen Leuten oder in Gruppen (und argh, das Telefonieren...), andererseits bin ich gar nicht so gerne alleine. Nach zu vielen sozialen Aktivitäten fühle ich mich allerdings dann doch öfters ausgelaugt... Da beneid ich die Leute die sich klar wo einordnen und sich selbst einfach so akzeptieren können.

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  11. Hallo Karo,
    sehr schöner Artikel. Ich habe gerne Freunde um mich und treffe mich viel mit anderen. Mit Menschen denen ich vertrauen kann rede ich gerne viel und lang und laut. Wer mich privat kennt meint oft nicht dass ich eher introvertiert bin.
    Beruflich ist es für mich eher schwierig. Rückblickend ist mir aufgefallen, dass ich am liebsten da gearbeitet habe, wo ich allein arbeiten konnte. Je größer das Team, desto unwohler hab ich mich an der Arbeit gefühlt. Vorstellungsgespräche sind für mich ein absoluter Graus. Allein der Gedanke, dass Fragen kommen, auf die ich nicht vorbereitet sein könnte, macht mich fertig. Ich bin bereits Tage vorher nervös und bekomme beim Gespräch regelrecht Schweißausbrüche. Mein Mann sagt immer ich solle mich Sebstständig machen, aber genau da tritt dann das hier bereits vielfach genannte Telefonproblem auf.
    Ich bin durch Zufall auf deinen Artikel gestoßen und finde schön, dass hier so rege darüber gesprochen wird. Hat mich gerade sehr glücklich gemacht. Was mich zu dem Thema auch immer freut: Angela Merkel ist auch ein introvertierter Mensch :-) Das macht Mut!
    Ganz liebe Grüße
    Sandy

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  12. Auch ich kenne das sehr gut… Wobei ich bei mir vermute, eher eine Mixtur aus beidem zu sein.
    Auf der einen Seite bin ich ein sehr introvertierter Mensch. Auch ich kann mich schriftlich deutlich besser ausdrücken, als in einem richtigen Gespräch… Was mir zuletzt ganz besonders in Bewerbungsgesprächen aufgefallen ist und mir sehr negativ vorkommt. Die Worte kommen schneller aus meinem Mund, als ich denken kann und dadurch verhaspele ich mich häufiger mal oder benutze ein Wort, dass evtl. nicht so angebracht ist und plump wirkt. In meinem momentanen Job teile ich mir das Büro mit einer Kollegen und wir haben nur ein einziges Telefon. D. h., wenn einer von uns telefoniert, hört der andere mit, weil er definitiv nicht in die Situation kommt, zeitgleich zu telefonieren. Das ist mir dann immer unangenehm und wenn ich selber Anrufe tätigen muss, schiebe ich die meist so lang vor mich hin, bis sie mal den Raum verlässt. Allerdings hilft mir der Arbeitsalltag schon manchmal dabei, mich sprachlich weiter zu entwickeln, weil ich halt auch viel bei anderen "abgucken" kann. Und es gab einmal Zeiten, da mochte ich überhaupt nicht telefonieren; das hat sich in der Zwischenzeit sehr geändert und ist erträglich geworden.
    Small Talk ist auch nicht so meins… Aber ich habe schon festgestellt, dass mir die Zeit in Irland dabei sehr geholfen hat und ich jetzt leichter etwas finde, worüber ich reden kann. Der Austausch mit Fremden ist mir jetzt nicht mehr so unangenehm wie vorher :)
    Manchmal glaube ich, das alles hängt auch immer noch ein bisschen mit meiner Schulzeit zusammen, da ich damals gemobbt wurde und mein Selbstbewusstsein entsprechend gering war…

    Auf der anderen Seite aber stelle ich mich unglaublich gerne selbst dar. Wenn ich mich "ausgehfein" mache, lege ich gern viel Make-Up auf und style mich aufwendig und ich brauche keinen Alkohol, um mich auf die Tanzfläche zu trauen. An solchen Abenden fällt es mir auch nicht sehr schwer ein Gesprächsthema zu finden. Aber da bin ich auch in "meiner Welt" und unter Menschen, die ähnlich ticken, wie ich. Dann bedeutet auffallen und im Mittelpunkt stehen etwas ganz anderes als vielleicht im Büro.

    Das mit der Ungewissheit plagt mich allerdings nicht :) Kommt etwas anders als geplant oder einfach spontan, dann findet sich schon irgendeine Lösung xD

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