Montag, 27. Juli 2015

Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón

AUTOR l Carlos Ruiz Zafón
TITEL l Der Schatten des Windes
ORIGINALTITEL l La sombra del viento
GENRE l Roman
VERLAG l Suhrkamp Taschenbuch Verlag (2005)
SEITEN l 563
AUSZUG l "Fast eine halbe Stunde spazierte ich durch dieses Labyrinth, das nach altem Papier, Staub und Magie roch. Sachte fuhr ich mit der Hand über die Rücken der ausgestellten Bücher, während ich meine Wahl prüfte. Auf den verwaschenen Bänden las ich Titel in Sprachen, die ich erkannte, und viele andere, die ich nicht einzuordnen vermochte. Ich lief durch gewundene Gänge und Galerien mit Hunderten, Tausenden von Bänden, die mehr über mich zu wissen schienen als ich über sie. Bald befiel mich der Gedanke, hinter dem Einband jedes einzelnen dieser Bücher tue sich ein unendliches, noch zu erforschendes Universum auf und jenseits dieser Mauern verschwendeten die Menschen ihr Leben an Fußballnachmittage und Radioserien, zufrieden damit, kaum über ihren Nabel hinauszusehen."

Hier entlang zu einer LESEPROBE.

INHALT l Barcelona, 1945. Als sein Vater den zehnjährigen Daniel Sempere zum geheimen Friedhof der vergessenen Bücher führt, darf dieser sich ein Buch aussuchen und greift nach einem verstaubten Exemplar von Der Schatten des Windes. Einzige Bedingung ist, er muss gut darauf aufpassen und dafür sorgen, dass es nie verschwindet. Daniel ist fasziniert von dem Buch und macht sich auf die Suche nach seinem geheimnisvollen Autor Julián Carax, von dem keiner zu wissen scheint, ob er noch lebt oder was ihm widerfahren ist. Bei seiner Nachforschung stößt Daniel auf bedrohliche Gestalten und Geheimnisse, die nie an die Oberfläche gelangen sollten.

REZENSION l So viel wurde von diesem Buch schon geschwärmt, so viele Leute bezeichnen es als ihr absolutes Lieblingsbuch. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen. Der Schreibstil ist tatsächlich ein Traum und war für mich immer das Hauptargument weiterzulesen. Nur hin und wieder bin ich über eine Formulierung gestolpert. Doch ich denke, das kann auch der Übersetzung geschuldet sein.

Mein größtes Problem bei der Lektüre war, dass ich sie ständig wegen anderer Werke für die Uni abbrechen musste. Es gibt verschiedene Zeitebenen und unzählige Charaktere und Namen, weshalb ich mich immer wieder neu hineinfinden musste und manches so für mich ein wenig unübersichtlich wurde. Das kreide ich dem Buch jedoch nicht an, da ich trotzdem eine gute Einsicht in die Figuren erhalten habe und ich den wenigsten von ihnen neutral gegenüberstehe. Manche habe ich geliebt, manche gehasst, bei manchen wechselte es im Laufe der Handlung von einem ins andere Extrem.

Was die Geschichte angeht, habe ich gemischte Gefühle. Einerseits fand ich es toll inszeniert, wie man über die Jahre mit Daniel mitwächst und gleichzeitig mit ihm zusammen die Puzzleteile der Vergangenheit nach und nach zusammensetzt. Trotzdem wurde es mir vor allem gen Ende sehr überdramatisch. Teilweise konnte mich das Geschehene gar nicht mehr berühren, weil es so übertrieben wirkte. Überhaupt fehlte mir ein Berührungspunkt, da mich mit nichts wirklich identifizieren konnte und mir die Geschichte zudem nichts mit auf den Weg gibt.

Was mir neben dem Schreibstil hingegen am besten gefallen hat, war definitiv das Setting. Nicht nur die damalige Zeit und die düstere Stimmung unter der Bevölkerung, auch Barcelona als Handlungsort hat mir die Stadt zum ersten Mal schmackhaft gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, wenn man dort bereits gewesen ist, noch mehr Spaß bei der Lektüre zu haben, da viele Orte, Straßen und Plätze genannt werden.
Das Buch hat übrigens mehrere Fortsetzungen. Da ich nicht wirklich der Reihen-Leser bin, bietet jedoch glücklicherweise allein dieses Werk eine in sich abgeschlossene Handlung.

FAZIT l Zafóns Der Schatten des Windes wartet mit einem grandiosen Schreibstil, vielen eindrucksvollen Charakteren und einer wunderbaren Kulisse auf. Ein Hang zu einer etwas realistischeren Handlung und eine tiefer greifende Botschaft hätten dem Buch jedoch gut getan. Nach den Lobeshymnen wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, nichtsdestotrotz eine empfehlenswerte Lektüre.


1 Kommentar:

  1. Habe es vor Ewigkeiten gelesen und geliebt. Steht bei mir im Bücherregal und sollte eigentlich auch ein zweites Mal gelesen werden von mir...

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