Samstag, 2. Mai 2015

Was es heißt, wenn man statt Anker einen eigenen Hafen hat

Prag. Das ist die tschechische Hauptstadt. Das ist auch eine Band aus Berlin. Und zu einem Konzert dieser ging ich Ende März. Auch wenn er verzögert kommt, möchte ich den Bericht dennoch niedertippen, um die Kunde über diese wunderbare Gruppe weiterzutragen und den Abend für mich Revue passieren zu lassen. Wie ich damals auf die Musik gestoßen bin, kann ich gar nicht mehr genau sagen. Nur, dass mich die melancholisch-leichten Chansons mit nostalgischen Texten, zarten Stimmen und der oftmals orchestralen Instrumentalbegleitung sofort in den Bann zogen.


Aus dem Grund war es eine Selbstverständlichkeit, dem Heimspiel in Berlin und gleichzeitigem Abschluss ihrer Kein Abschied-Tour beizuwohnen. Und was soll ich sagen? Prag haben mein Herz gepackt, die ganze Show über fest im Griff gehabt und es erst danach wieder losgelassen, mich mit überschäumender Begeisterung zurückgelassen. Für mich persönlich war die Musik bis dato eher ruhig und ließ einen für eine Weile in sich kehren, nachdenken, sehnen, sinnen. Umso überraschter war ich, als ich sah, wie viel Gas Prag auf der Bühne gaben und zeigten, dass ihre Lieder auch mehr als gut tanzbar sind. Die Stimmung war freundschaftlich, das Publikum gab sich bester Laune, welches die Gruppe gleich herzlich begrüßte. Der nonchalante Austausch zwischen Musikern und Zuhörern war äußerst unterhaltsam. Wo Nora Tschirner auf den Alben eher zurückhaltend wirkt, ist sie bei der Live-Show umso präsenter, scheint mit ihren frechen spontanen Ansagen voll in ihrem Element zu sein.


Zunächst war ich überrascht, wie viele Musiker auf die eher klein aussehende Bühne im eher kleinen und gemütlichen C-Club gepasst haben. Neben den drei festen Bandmitgliedern Erik Lautenschläger, Tom Krimi und die eben bereits erwähnte Nora Tschirner waren zudem Streicher, ein Keyboarder sowie ein Bläser, Bass und Schlagzeug mit von der Partie. Was mich den Abend über besonders faszinierte, waren die Klangflächen, die dank der vielen unterschiedlichen Instrumente und Tonlagen über einen hinwegfegten. Ich bin mir nicht sicher, ob man das musikwissenschaftlich wirklich so nennt. Aber in der Musik verschmolz alles miteinander und komplementierte sich gegenseitig, dass es mir vor allem live eine unglaubliche Gänsehaut verpasste. Für Leute, die sich wirklich mit Musiktheorie auskennen, kam das wahrscheinlich gerade folgendermaßen herüber und das tut mir sehr leid: "Ey, die machen richtig die schönen Töne so. Boah, das klang einfach so geil in meinem Ohr, nä!?" Aber es ist nun einmal so und nicht anders. Musikalisch haben Prag richtig was auf dem Kasten.


Im Vorfeld des Konzerts gab es fünf Lieder meinerseits, die ich unbedingt hören wollte. Solch eine kleine Liste mache ich mir meistens vor Konzerten und ob diese gespielt werden oder nicht, beeinflusst meine Meinung zur Setlist. Prag haben überhaupt sehr viel in ihrer Setlist untergebracht. Erst wurde eine Menge vom neuen Album gespielt, später gesellten sich jedoch auch einige Klassiker vom Debütalbum dazu. Meine Lieblingslieder waren zu meiner Freude allesamt dabei, von "Dieser Himmel" und "Nur die Seele" über "Sophie Marceau" bis hin zu "Einfach (ist gar nichts)" und "Zeit". Das hat mich schon mal zu einem sehr glücklichen Konzertbesucherkind gemacht. Besonders schön waren jedoch ebenfalls die Momente, in denen man Lieder, die man nicht besonders beachtete, auf einem Konzert plötzlich für sich entdeckt. Seither kriege beispielsweise von "Sieh da nicht hin" nicht mehr genug.


Insgesamt war es ein rundum gelungener, berührender und auch witziger Abend. Prag ist definitiv eine charismatische Band, die man live wirklich mal gesehen haben sollte. Ich kann nur hoffen, der neueste Albumtitel "Kein Abschied" ist ein Versprechen und wir kommen noch in den Genuss von massenhaft weiteren Liedern.

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