Freitag, 28. März 2014

Meine Top 5 Poetry Slam-Beiträge

In den letzten Wochen habe ich sehr gerne, und dementsprechend häufig, Poetry Slams auf einschlägigen Videoplattformen angeschaut. Ganze Dichterwettstreit-Veranstaltungen, einzelne Texte, nebenbei beim Aufräumen lauschend oder gebannt vor dem Bildschirm sitzend. Und es sind desöfteren regelrechte Wortgenies und Buchstabenexperten am Werk, die mich hellauf begeistern können, mich berühren und oft zum Lachen bringen. Zugegebenermaßen bin ich in der kurzen Zeit wohl nicht die Expertin überhaupt auf dem Gebiet geworden, doch es haben sich bisher einige Favoriten angesammelt, von denen ich fünf gern mit euch teilen würde.

Falls ihr ebenfalls etwas mit Poetry Slams anfangen könnt und einen oder mehrere Lieblingskünstler habt, dann lasst mir gern Namen und Titel da. Ich könnte ein bisschen Nachschub gebrauchen.


Patrick Salmen - Rostrotkupferbraunfastbronze
Nachdem ich diesen Beitrag entdeckt hatte, musste ich mir sofort weitere Videos des Slampoeten Patrick Salmen ansehen. Die brummige, schlechtgelaunte Art, bei der sich der Wuppertaler herrlich sarkastisch gibt und auch nicht davor zurückschreckt, dem Publikum zwischendurch lautstark ein "Ruhe!" zuzubrüllen, wenn dieses zu klatschen beginnt, ist genau nach meinem Geschmack. Außerdem spricht er in dem Text über ein Thema, das uns alle angeht: Bärte!



Till Reiners - Demografischer Wandel
Auch sarkastisch, ebenfalls bitterböse zeigt sich Till Reiners in seinem folgenden Beitrag. Der Wahlberliner möchte sich neben den Auftritten bei Poetry Slams auch als Kabarettist etablieren und zielt daher eher auf humoristisches Material ab. Zudem wettert Reiners sehr gekonnt und schlüpft während der Vorträge, wie es sich für ein ehemaliges Mitglied eines Theaterensembles schließlich gehört, durchaus mal in verschiedene Rollen.



Franziska Holzheimer - Früchtetee
Die Frauenquote in diesem Blogartikel lässt zu wünschen übrig, aber dafür ist Mademoiselle Holzheimer richtig gut. Diesmal nicht per se lustig, sondern eher berührend und nachdenklich. Die Lyrikerin erzählt davon, wie es ist, mit sich und der Welt überfordert zu sein und Ansprüchen nicht zu genügen. Und genau damit spricht sie wahrscheinlich nicht nur mir, sondern einer ganzen Generation aus der Seele - nur dass sie dabei die schöneren Worte findet als ich.



Laurin Buser - Schallplatte
Er ist nicht nur ein Schweizer Slampoet, sondern auch eine lebende Beatbox und kombiniert diese beiden Elemente perfekt in seinen Darbietungen. Erfrischend, einfallsreich und immer eine Mischung aus Gesellschaftskritik und Klamauk. Allein aus seinen Performances könnte ich schon eine Topliste zusammenstellen.



Sulaiman Masomi - Ich weiß es
Ich bin ein großer Freund von Geschichten und Ideen, die weiterdenken und an deren Anfang immer die Fragen stehen "Wie würde es eigentlich aussehen, wenn man das wirklich täte? Was würde passieren?"
Exakt solch ein Fall haben wir beim folgenden afghanisch-deutschen Interpreten Sulaiman Masomi und ich kann nicht umhin, mir ins Fäustchen zu lachen angesichts dieses genial-lustigen Einfalls.

Sonntag, 23. März 2014

Sich selbst Gitarrespielen beibringen: Meine Tipps für Anfänger

Anmerkung vorweg: Wenn man ein professioneller Gitarrist werden möchte und vielleicht sogar eine Karriere mit diesem Instrument anstrebt, sollte man sich einen Gitarrenlehrer oder geübten Musiker suchen, der einem von Anfang die Techniken richtig beibringt und sogar Tricks zeigen kann. Sind Fehler, beispielsweise in der Haltung, nämlich erst einmal angeeignet, wird es schwer, sie sich wieder abzutrainieren. Außerdem gelangt man auf eigener Faust immer früher oder später an einen Punkt, an dem man ohne Hilfe von einem gekonnten Spieler nicht mehr weiterkommt und damit feststeckt. 

Sich selbst ohne Hilfe das Gitarrespielen beizubringen, ist jedoch durchaus angebracht, wenn man zunächst austesten möchte, ob das überhaupt etwas für einen ist oder wenn man das nur nebenbei als Hobbygeklimper betreiben möchte.


Bücher

Wie wohl viele andere Menschen habe ich mit "Peter Bursch's Gitarrenbuch" mit dem Gitarrenspiel angefangen. In diesem Buch beginnt man ganz von vorn und Schritt für Schritt. Man benötigt also absolut keine Vorkenntnisse oder Wissen zur Musiktheorie. Worauf sollte man beim Gitarrenkauf achten, wie ist eine Gitarre überhaupt aufgebaut, wie wird sie gehalten und wie stimme ich sie richtig? Nach dieser kurzen Einführung geht es auch schon los mit den ersten Akkorden, denn für einen lockeren Einstieg wird hier komplett auf das Spielen nach Noten verzichtet.

Das Schöne: schon nach den ersten drei Akkorden wird das erste Lied gespielt und auch sonst kommen die Liedbeispiele in kurzen Abständen, sodass man schnell Erfolgserlebnisse hat und motiviert ist weiterzumachen. Üben kann man Griffe und gezeigte Anspieltechniken außerdem mit der beigelegten CD. Zwischendurch gibt es immer wieder Seiten, die sich intensiver mit der Musiktheorie beschäftigen. Man hat also die Wahl, sich ein bisschen Hintergrundwissen anzueignen oder auch alles einfach hinzunehmen, wenn es einem eher um das Praktische geht.

Die Lieder sind zumeist Klassiker und reichen von "Sag' mir, wo die Blumen sind" über "Knockin' On Heaven's Door" bis hin zu "Streets of London". Mit diesem Buch kann man für den Anfang absolut nichts falsch machen und ist eine eindeutige Empfehlung meinerseits!

Wer sich danach noch nicht sicher genug fühlt, alleine weiterzumachen, oder wer aus einem anderen Grund noch nicht genug hat, kann sich im Anschluss direkt das "Gitarrenbuch 2" schnappen. Hier wird der Schwierigkeitsgrad angehoben und weitere Anschlag- und Zupftechniken sowie Fingerübungen und Liedbeispiele vorgestellt. Wer damit durch ist, dürfte schon ein ziemlich passabler Spieler sein, doch bis dahin dauert es natürlich Zeit, Arbeit und vor allem Schweiß.


Wer mit der Liedauswahl des eigenen Lehrbuchs nicht viel anfangen kann, schaut am besten nach, ob nicht zufällig einer der eigenen Lieblingskünstler ein Liederbuch herausgebracht hat. So bei mir geschehen mit dem Wir Sind Helden-Liederbuch. Neben Gitarrenakkorden und Liedertexten kommen dabei nämlich im besten Fall noch Noten, Tabulaturen und Schlagzeugnotationen dazu - und das hundertprozentig korrekt niedergeschrieben. Diese sind besonders gut, wenn man auch etwas mit anderen Leuten und weiteren Instrumenten zusammenspielen möchte und dafür geeignetes Material braucht. Dazu muss man nur selbst recherchieren, von welchen Bands es Songbooks gibt. Es existieren auf jeden Fall welche von Musikern wie Die Ärzte, Simon & Garfunkel, Johnny Cash und Cat Stevens. Insgesamt geht es schließlich darum, Lieder zu spielen, die man mag und sich ein Repertoire aufzubauen, das den eigenen Musikgeschmack widerspiegelt. Ansonsten kann die Spielfreude schnell flöten gehen.


Online

Auch im Internet lässt sich einiges an Material für das Gitarrespielen herauskramen. Der Vorteil ist dabei, das man viel mehr Auswahl hat, der einem nach nur einem Klick und oftmals sogar kostenlos zur Verfügung steht. Der Nachteil bleibt, dass jeder alles sagen kann und man gut suchen und selektieren muss, um Brauchbares zu finden.


Auf Youtube gibt es den empfehlenswerten Kanal "Gitarrenlehrer" von Georg Norberg, der, wer hätte es für möglich gehalten, Gitarrenlehrer ist. Wenn man sich die Videos anschaut, wird man feststellen, dass sich darunter ein großes Allerlei aus den verschiedensten Themenbereichen des Gitarrenspiels tummelt. Natürlich kann man sich dort durchklicken und schauen, was einen gerade interessiert und was man gerne lernen möchte. Wer es lieber geordneter angeht, sollte sich bei einem seiner Online-Kurse anmelden.

Beim kostenlos angebotenen Einsteigerkurs bekommt man in regelmäßigen Abständen Lektionen an seine E-Mail-Adresse geschickt, die von Grund auf alles erklären, was man als Anfänger wissen muss. Hier ist der kleine Nachteil, dass man nicht weitermachen kann, wie man lustig ist, sondern natürlich erst immer auf die nächste Lektion warten muss. Doch einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Im folgenden Video erzählt Georg Norberg, was man von dem Kurs erwarten kann.


Als ich mich damals probehalber in den Einsteigerkurs eintrug, war ich schon zu fortgeschritten dafür und habe den nicht mehr allzu sorgfältig mitgemacht. Doch habe ich es diesem Herren zu verdanken, dass ich an den Barré-Griffen nicht komplett verzweifelt bin und endlich die Technik gefunden hatte, mit der ich sie seither spiele. Das war jedoch abseits der Kurses, deshalb lohnt es sich durchaus, auch so im Kanal zu stöbern.


Ein weiterer deutscher Kanal auf Youtube wird von Paul Noack und Dennis Fronczek betrieben und nennt sich "GitarreLernenUSG". Auch hier findet man unter den Videos einen Anfängerkurs. Zudem noch einiges an Gimmicks abseits vom normalen Standardangebot. Beispielsweise: wie kann ich mit meiner Gitarre einen Banjo-Sound produzieren, warum sollte ich mir eine Repertoire-Liste anlegen und wo finde ich im Internet ein anständiges Metronom? Es ist einzig und allein schade, dass der Kanal seit langem scheinbar brachliegt und kein neues Material mehr hochgeladen wird.

Ansonsten bietet es sich an, auch bei Youtube ordentlich Ausschau zu halten. Man wird noch auf hunderte, meist englischsprachige Kanäle stoßen, die einem Tipps, Tricks und Anleitungen zu den verschiedensten Sachen zeigen. Nimm dabei so viel mit, wie du kannst. Es wird dir sicherlich nicht schaden.


Um Songakkorde herauszusuchen, benutze ich ansonsten mehr als regelmäßig die Seite Ultimate Guitar. Ich finde es meistens angenehmer, die Lieder schriftlich zu lernen, als mit einem Video. Denn bei letzterem schreibe ich mir Akkorde und gegebenfalls Anschlagtechnik heraus und dann muss ich jedes Mal, wenn ich den Song wieder spielen möchte, den Liedtext googlen und den besagten Zettel wiederfinden, falls ich ihn denn wiederfinde und das ist mir zu umständlich. So öffne ich einfach die Seite aus meinen Lesezeichen heraus und kann drauflosspielen.


Sonstiges

Mein wichtigster Tipp, den du sicher auch das eine oder andere Mal in Lektionen hören wirst, ist: lege dir eine Repertoire-Liste an. Wie oft wurde mir schon gesagt: "Na, spiel' doch mal was vor!" und mir fiel absolut nichts ein. Das kam natürlich daher, dass ich Lieder meistens beim Üben nur ablas und somit nicht bewusst auswendig lernte. Seit ein paar Wochen habe ich jedoch endlich selbst eine solche Liste angelegt und lerne Lieder wie blöde, sodass mir diese Schmach nicht mehr passieren kann.

Und so geht's: nimm dir einen stinknormalen Zettel, unterteile ihn in drei Spalten, in die du hineinschreibst "Kann ich schon", "Lerne ich gerade" und "Möchte ich noch lernen" (oder so ähnlich). Schreibe in die entsprechenden Spalten, was du bereits kannst, gerade lernst und noch lernen möchtest. Aktualisiere diese Liste regelmäßig und ständig. That's as easy as it gets.
Somit behältst du einwandfrei den Überblick über dein Repertoire, weißt genau, wie dein Stand momentan ist, welche Lieder du noch üben musst und was du noch erreichen möchtest.
 
 
Ansonsten kann ich jedem nur mit auf den Weg geben, dass es viel Selbstdisziplin, Ausdauer und Geduld braucht, wenn man sich selbst das Spielen auf diesem wundervollen Instrument beibringt. Da heißt es: üben, üben und verdammt nochmal üben! Doch mit dem entsprechenden Willen und Leidenschaft sollte es zu schaffen sein, über kurz oder lang ein immer besserer Gitarrist zu werden.
Denn es lohnt sich: man setzt sich mit selbst auseinander, lädt sich tatsächlich tolle Skills drauf, hat die Möglichkeit, seine Gefühle beim Spielen herauslassen, kann vor anderen Leuten angeben (wenn man möchte), mit anderen Menschen musizieren oder ganz im Stillen eigene Melodien und Lieder basteln.
Selbst bei Konzerten erwische ich mich, seit ich selbst Gitarre spiele, dabei, wie ich oft nur noch dem Gitarristen auf die Hände starre. Und man bemerkt, dass die ganz berühmten Lieder oft leichter sind, als man gedacht hätte. Und dass gleichzeitig eine Menge Lieder trotzdem noch ziemlich knifflig sein können. Doch genau diese zu erobern, macht den meisten Reiz aus.

Und damit wünsche ich viel Erfolg und Spaß beim Gitarrespielen!

Dienstag, 18. März 2014

Mein Tag auf der Leipziger Buchmesse 2014

Wie knapp zweihunderttausend andere Menschen zog es mich ebenfalls während der diesjährigen Leipziger Buchmesse in die heiligen Hallen des Messegeländes. Dabei fühlte es sich an wie mein erster Besuch. Obwohl ich genaugenommen und ganz eigentlich zuvor schon auf der Leipziger Buchmesse war. *Übergang zum Flashback*

Das erste Mal im Alter von vierzehn Jahren. Mit Freundinnen und Freundinnen von Freundinnen war ich für einen Tag in einer Cosplay-Gruppe in (nicht von mir) selbstgenähten Sailor Moon-Kostümen unterwegs. Ich bekam die Rolle der Sailor Neptun ab und hatte grüne Haare - aber das ist eine andere Geschichte. Der Punkt ist, dass es einfach nicht mein Ding war. Ich kannte und kenne mich bis heute nicht sonderlich mit Manga-Comics und Anime-Serien aus und bin auch nicht der Typ, der den ganzen Tag für Fotos gerade stehen will.
Erneut fuhr ich schließlich drei Jahre später wieder für die Buchmesse nach Leipzig. Mit meiner Begleitung war ich ziemlich angetan von dem Gedanken, kostenlos Sachen abstauben zu können und so rannten wir den ganzen Tag von einem Stand zum nächsten, um uns allerlei Flyer, Magazine, Gratisbücher, Lesezeichen und Leseproben in die vollen Tüten zu stopfen. Von Lesungen oder Neuheiten im Bücheruniversum habe ich nichts mitbekommen und später warf ich den ganzen eingesammelten Kram in die Mülltonne, da ich ihn mir sowieso nie ansehen würde.

Versteht mich nicht falsch, es waren beides schöne, spaßige Tage, doch aus der heutigen Perspektive betrachtet keine Erfahrung auf einer Buchmesse. Dieses Jahr sollte es also anders ablaufen bei meinem ersten "richtigen" Besuch auf der Leipziger Buchmesse. *Flashback Ende*


Wir, das sind meine Mutter und ich, der ich den Besuch im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt habe, wagten uns am Samstag, dem sicherlich besucherstärksten Tag, in die Höhle des Löwen. Über die ausufernden Menschenmassen, das endlose Gedränge und elende Geschiebe brauche ich keine weiteren Worte verlieren, denn das war schließlich vorhersehbar. Ich hatte schon im Voraus das gesamte Programm durchforstet und Punkte herausgesucht, die uns interessieren könnten, von denen wir uns einen kleinen Anteil herauspickten - und aus Zeitgründen dann einen sogar noch kleineren Anteil tatsächlich besuchen sollten.


Richtig los ging es für mich mit einem Termin, den ich selbst bei meiner Planung komplett übersehen hatte. Wäre ich nicht vor ein paar Wochen noch zu Besuch in der alten Heimat gewesen und hätte mit Muttern die Filme "3 Zimmer/Küche/Bad" und "Renn, wenn du kannst" gesehen und ihr besonders von diesem einem Schauspieler ausufernd erzählt, den ich so gut leiden kann, dann hätte sie mich vielleicht nie darauf hingewiesen, dass genau dieser Schauspieler gleich morgens auf dem blauen Sofa Platz nehmen würde. Hätte, hätte, Fahrradkette, es geschah jedoch alles und so war mein Höhepunkt des Tage gleich morgens um elf Uhr dank Robert Fucking Gwisdek.

Denn der feine Herr hat tatsächlich ein Buch geschrieben, das da den Namen "Der unsichtbare Apfel" trägt. Das halbstündige Gespräch darüber, aber auch über seine anderen Projekte und sonstigen Gedanken, war äußerst spannend und hat mir gleich Stoff zum Nachdenken mit an die Hand gegeben. Wer möchte, kann diesem Link folgen und sich die Aufzeichnung davon anschauen. Gwisdek ist definitiv ein sehr kluger, inspirierender Mensch, von dem man hoffentlich noch viel sehen und hören wird. Zudem bin ich jetzt verdammt gespannt auf seinen Roman. Er hat sich dabei so viele Gedanken gemacht und macht sie sich auch generell über unterschiedlichste Sachen, denen ich noch nie besondere Beachtung schenkte - von Formen wie Kreis und Dreieck über sprechende Tiere bishin zu Zahlenrätsel und allerlei surreale Situationen. Ein bisschen Angst habe ich schon, dass ich das Buch nicht verstehe, doch ob dem so ist, werde ich wohl nur herausfinden können, wenn ich es lese.


Der nächste Tagesordnungspunkt war das Gespräch mit Navid Kermani im ARD-TV-Forum, der seinen neuesten Roman "Große Liebe" vorstellte. Zugegebenermaßen bin ich dort eigentlich nur wegen des Moderators Denis Scheck hingestiefelt, den ich aufgrund der Sendung "Druckfrisch" live sehen wollte. Doch auch Autor und Buch entpuppten sich als sehr interessant. Letzteres wandert nun nicht direkt auf Platz 1 meiner Wunschliste, doch sollte ich in der Stadtbibliothek darüber stolpern, werde ich es mitnehmen.

Das waren dabei auch schon die beiden Programmpunkte, die tatsächlich vollständig mitnahm. Zwischendurch stoppten wir noch beim Poetry Slam der HTWK Leipzig, doch so richtig begeistert haben mich die Teilnehmer nicht, weshalb wir bald das Weite suchten und uns lieber dem Abklappern der Ausstellerstände widmeten, meinen Lieblingsverlagen - Diogenes, Penguin und der Verlagsgruppe Random House - natürlich besonderer Achtung schenkend.

Um der guten, alten Zeiten willen stattete ich ebenfalls Halle 1 aka der Manga-Comic-Convention einen Besuch ab. Der Geruch nach Schweiß kroch einem schon zwanzig Meter vor dem Eingang in die Nase und darin hat sich in den letzten Jahren ganz schön was verändert. Das auffälligste war, dass sich die Convention sich nun ganz allein in einer Halle ausbreiten durfte. Damals musste sie sich diese noch mit anderen Verlagen teilen, und überhaupt war an diesem Tag alles viel weitläufiger und das Angebot reicher. Immernoch kenne ich mich in dem Bereich mehr schlecht als recht aus, sodass ich nur bei den wenigsten Kostümen wusste, was sie darstellen sollten. Es ist einfach nicht meine Welt und ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz. (Außerdem kann ich vermummte/maskierte Gesichter nicht leiden, von denen es dort jedoch wimmelte. Gruselig.)


Bevor sich der Tag auf der Messe langsam dem Ende näherte, verkaufte ich noch schnell meine Seele an den Teufel. Beziehungsweise wurde ich Mitglied bei der Büchergilde. Eigentlich nicht verwerflich, denn das Einstiegsangebot, sich drei Bücher für fünf Euro aussuchen zu dürfen, war verlockend. Zudem finde ich die Ausgaben der Büchergilde richtig schön aufgemacht und ich werde locker fündig, wenn mir nun für mindestens ein Jahr (danach kann man sich wieder abmelden) alle drei Monate einen Artikel, sei es Buch, DVD oder CD, aussuchen muss, der in den meisten Fällen auch noch billiger ist, als die normale Ausgabe. Doch mag ich insgesamt solche Verpflichtungen nicht und weiß in dem einen Moment nicht, was mich da geritten hat, bevor ich im nächsten denke, die Entscheidung war Gold wert. So werde ich einfach sehen, was das Jahr als Büchergildenmitglied bringt und dann entscheiden, ob es sich weiterhin lohnt.


Komme ich zu guter Letzt zu den Büchern, die ich mir an dem Tag kaufte. Zum einen natürlich das bereits erwähnte Buch "Der unsichtbare Apfel" von Robert Gwisdek, zum anderen das neueste Buch von Christoph Koch "Chromosom XY ungelöst", indem er herausfinden möchte, was einen richtigen Mann ausmacht. Nachdem ich seine anderen Bücher schon gelesen und geliebt habe, war es an der Zeit, mir auch dieses zu Gemüte zu führen. Stephen Emmotts "10 Billion" steht schon länger auf meiner Wunschliste und stach mir (nicht zuletzt wegen der grellen Farbe) bei Penguin Books einfach ins Auge.

Bei dem Angebot der Büchergilde, sich drei Bücher aussuchen zu dürfen, entschied ich mich für den Graphic Novel "Persepolis" von Marjane Satrapi, welchen ich schon gelesen und geliebt habe und bei dem ich weiß, dass ich es nie wieder so günstig bekommen werde, "F" von Daniel Kehlmann, von dem ich bereits "Die Vermessung der Welt" las, sowie "Alles, was ist" von James Salter, das zwar meine Mutter bekommen wird, ich aber trotzdem gerne lesen würde.


Insgesamt war es ein erkenntnisreicher, wundervoller Tag, bei dem ich mich eigentlich nur ein bisschen ärgere, nicht noch mehr gesehen und geschafft zu haben. Sich durch die Menschenmassen zu drängeln, dauert nunmal seine Zeit. Ich bin mir aber sicher, nächstes Jahr wieder - und überhaupt mindestens so lange ich in Leipzig lebe - auf die Leipziger Buchmesse zu gehen. Vielleicht muss ich es jedoch nur anders angehen und mich bereits Donnerstag oder Freitag durch die Ausstellerstände wühlen, bevor ich am Samstag höchstens noch einige Programmpunkte wie Lesungen und Autorengespräche besuche.

Mittwoch, 12. März 2014

Mein Zirkuszigeunerkabarett-Mixtape

Wie man an dem seltsamen Gemisch dort oben vielleicht schon erkennen kann, mochte mir für dieses Mixtape einfach kein gescheiter Name einfallen. Es sind alles Lieder, die ich mit der gleichen Stimmung verbinde. Sie haben traditionelle (Balkan/Roma-)Einflüsse, sind dunkel und vielleicht sogar ein bissen unheimlich. Entweder bedienen sie sich vieler Instrumente und sind beschwingt oder sie bleiben im Hintergrund, eher leise und melancholisch.
Mach' den schweren Vorhang auf und dahinter befindet sich ein dunkler Zirkus auf kleinster Bühne, weißgeschminkte Gesichter, mehr Schatten als Licht, tanzende Zigeuner und buntschaurige Kostüme.


Evelyn Evelyn - A Campaign of Shock and Awe
Katzenjammer - Soviet Trumpeter
17 Hippies - Eine Sirba
Gogol Bordello - Start Wearing Purple
Russkaja - Kartuli Vino
Kaizers Orchestra - Rullett
Katzenjammer - Lady Marlene
The Tiger Lillies - Living Hell
The Dresden Dolls - Missed Me
Vagabond Opera - Beard and Moustache

Sonntag, 9. März 2014

Prague-y Extraordinary Experience

Für vier Tage tummelte ich mich mit einer Freundin ab Ende Februar in Prag. Ich hatte mich schon lange nach einer Reise in die tschechische Hauptstadt gesehnt, nicht zuletzt weil man von jedem um die Ohren gehauen bekommt, wie schön es dort sei. Und ich muss sagen, ich wurde glücklicherweise nicht enttäuscht. Wir haben viel gesehen, viel erlebt und dabei eine Menge Spaß gehabt.

Von vornherein wusste ich, dass ich zu unserem Städtetrip ein Video machen möchte. Doch hatte ich keine Lust, nur zu filmen und am Ende ohne Fotos dazustehen. Zu filmen und dazu noch zu fotografieren wäre mir hingegen wieder zu anstrengend gewesen. Also kam mir die Idee, mich an einer Art Stop-Motion-Film zu versuchen. Insgesamt knipsten wir über 1300 Bilder, von denen es jedoch nicht alle ins Video geschafft haben. Hier ist das Ergebnis, an dem ich mich fast zu Tode editiert habe.

Samstag, 8. März 2014

Ich erinnere mich...

Ich erinnere mich an die weiße Spitzentischdecke, die zumindest bei unserer Ankunft noch tadellos rein war, und in deren Löcher ich stundenlang herumpulte.
Ich erinnere mich an etliche Mandalas, die ich zusammen mit dir ausmalte, bis du mir irgendwann zeigtest, wie man selbst Mandalas mit einem Zirkel kreiren kann.
Ich erinnere mich an Quark auf Buttertoast, an Krümeltee und Yes-Törtchen, an Spritzkuchen und Reis mit Hühnerbrühe.
Ich erinnere mich an das Ticken aus deiner Brust, erzeugt von künstlichen Herzklappen.
Ich erinnere mich an die große, rote Haube, die du auf deinen Kopf stülptest, nachdem du dir Lockenwickler ins braungefärbte Haar gedreht hattest. Ich fand es immer unglaublich lustig, dass du mich darunter mich nicht mehr verstehen konntest, es aber erst nach einem langen Monolog meinerseits erwähntest.

Ich erinnere mich an die vielen Miniaturpappschachteln und das Spielzeuggeld, die nur als Grundlage dienten für unsere grenzenlose Fantasie, wenn wir Einkauf im Lebensmittelladen spielten.
Ich erinnere mich an die VHS-Kassetten, auf denen viele Märchen und Kinderserien für uns Enkelkinder aufgenommen waren. Die Geschichten von der kleinen Meerjungfrau, Asterix und Obelix sind wohl für immer in mein Gehirn eingebrannt, so oft habe ich sie gesehen.
Ich erinnere mich an dein einzigartiges, leises Schnarchen, das mich nie aus dem Schlaf wecken sollte. Es klang so, als ob du leise das Wort "Küche" vor dich hinsäuseltest.
Ich erinnere mich an den Tag, an dem du im Herbst auf Laub ausrutschtest und ich nicht wusste, wie ich dich wieder auf die Beine bekommen sollte, sodass ich vor Hilflosigkeit anfing zu lachen. Du warst deshalb sehr böse auf mich.

Ich erinnere mich auch an das eine Mal, als du mir vor Verzweiflung einen feuchten Waschlappen quer über das Gesicht gezogen hast, weil ich keinen Mittagschlaf machen wollte und quengelte.
Ich erinnere mich an die an Sträuchern wachsenden Knallerbsen, die direkt vor deinem Haus gepflanzt waren. Die wir pflückten und dann kräftig drauftraten, um sie laut zerplatzen zu lassen.
Ich erinnere mich an den Weg zum Bahnhof Baumschulenweg, der überflutet war von unzähligen Hundehaufen, die wir immer vorsichtig umtippelten.
Ich erinnere mich an Hörspielkassetten, die mir abends von den Abenteuern von Tabaluga, Benjamin Blümchen und der kleinen Hexe erzählten.
Ich erinnere mich an den großen Strohhut, den du im Sommer aufgesetzt hast. Du warst für mich damit immer die feinste Dame.

Ich erinnere mich nur an Bruchstücke, doch waren es die schönsten Momente meiner Kindheit.
Ich erinnere mich an den Tag, als ein Anruf von Opa kam, der sagte, du seist im Krankenhaus.
Ich erinnere mich daran, dass meine Freundin zu Besuch war, ich sie nicht allein lassen wollte und deshalb nicht mitkam, um dich dort zu besuchen.
Ich erinnere mich daran, wie aufgelöst meine Mutter in der Nacht nach Hause kam, weil du von uns gegangen warst. Ich habe mich nie von dir verabschiedet, mich nie bei dir bedankt.
Ich erinnere mich an deine Beerdigung, bei der niemand aufhören konnte zu weinen und bei der Opa mit dem größten Kummer in den Augen sagte "Ich habe sie immer geliebt". Wir gingen nach der Zeremonie in dein Lieblingsrestaurant, in dem du immer das Gleiche bestellt hattest.
Ich erinnere mich, wie ich monatelang noch dachte, das sei alles nur ein Scherz gewesen und du würdest bei unseren Besuchen jeden Moment hinter der Tür hervorkommen und laut "Hereingelegt!" rufen. Du tatest es nie.

Dienstag, 4. März 2014

Lesemonate Januar & Februar

Bei den Büchern dieser beiden Monate handelt es sich ausschließlich um Geschichten und Schicksalen von Frauen über Frauen. Eigentlich kam es eher ungeplant dazu, denn erst ab dem zweiten Buch im Februar fiel mir dieser Umstand auf. Und weil ich schon einmal dabei war, habe ich mir vorgenommen, ein bisschen damit weiterzumachen. Die kleine Feministin in mir hatte gesprochen, denn insgesamt neige ich dazu, vermehrt Bücher von männlichen Autoren über männliche Protagonisten zu lesen und zu mögen. Ich habe zwar insgesamt nicht so viel geschafft wie erhofft, doch dafür gehören dafür die ersten zwei Bücher im Monat März ebenfalls noch dazu. Die bespreche ich aber erst im nächsten Lesemonat.


Januar

"The Prime of Miss Jean Brodie" von Muriel Spark
Roman; 128 Seiten; Penguin; 2000; Englische Originalausgabe

Das Buch erzählt von der unkonventionellen Lehrerin Jean Brodie, die an der altmodischen, strengen Marcia Blane Schule in Edinburgh, Schottland unterrichtet. Anstatt den gewöhnlichen Stoff zu behandeln, erzählt sie den Mädchen von ihren Liebschaften, Reisen und politischen Ansichten. Einige der Schülerinnen nimmt sie in einen besonderen Kreis, der Brodie-Clique, auf, die sie oft und gern um sich schart und denen sie sogar persönliche Geheimnisse offenbart. Die Rektorin der Schule hält nicht viel von Brodie und möchte ihr deshalb am liebsten kündigen. Doch da ihr ein Kündigungsgrund fehlt, versucht sie aus den Mädchen geeignete Informationen herauszuquetschen, was ihr eines Tages auch gelingen soll.

Durch die vielen Zeitsprünge gestaltet sich das Lesen der Geschichte an manchen Stellen ein wenig kompliziert. Es ist insgesamt gut erzählt, doch zeitweilen ein wenig konfus und unübersichtlich, sodass ich glaube, das Buch trotz der Analyse in der Uni noch einmal lesen zu müssen, um alles in seiner Gesamtheit aufnehmen und seinem richtigen Platz zuordnen zu können. Ansonsten konnte ich mich mit keinem der Charakter wirklich identifizieren, deshalb hat mich die Geschichte leider nicht berührt und ist ein wenig an mir vorbei gegangen.

Gelesene Bücher: 1
Gelesene Seiten: 128
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 4



Februar

"Persepolis Band 2 - Jugendjahre" von Marjane Satrapi
Autobiographie; Graphic Novel; 191 Seiten; Ueberreuter; 2006; "Persepolis"

Über den ersten Band schrieb ich bereits im Lesemonat November. Direkt daran anschließend erzählt Marjane Satrapi in diesem graphischen Roman von ihrer Jugendzeit. Da ihre Eltern die Situation im Iran für ihre Tochter für zu gefährlich halten, beschließen sie, sie nach Europa zu schicken. In Wien sieht sich die Jugendliche mit einer neuen Kultur, einer neuen Sprache, neuen Leuten, der Liebe und vielen Problemen konfrontiert.

Der Fokus liegt hier eindeutig weniger auf den Verhältnissen im Iran, doch die Geschichte über diese starke Frau ist nichtsdestotrotz genauso spannend. Dazu kommen ein großartiger Zeichen- und Erzählstil. "Persepolis" ist definitiv eine ganz besondere Perle im Buchuniversum.

"Someday, Someday, Maybe" von Lauren Graham
Roman; Schauspielerei; 340 Seiten; Ballantine Books; 2013; Englische Originalausgabe

Als sie nach New York kam, hatte sich die leidenschaftliche Schauspielerin Franny Banks eine Dreijahresfrist gegeben, um in eben jenem Metier Fuß zu fassen. Falls sie es nicht schafft, wolle sie ihren Traum von der großen Schauspielerei aufgeben, ihn für immer begraben, ihren Ex-Freund heiraten und ein normales Leben führen. Zu Beginn des Buches bleibt ihr noch ein halbes Jahr übrig und mehr als einen kleinen Werbespot hat sie sich noch nichts geangelt. Die Zeit drängt. Ihr bleibt die Unterstützung ihrer Mitbewohner - ihrer besten Freundin Jane und dem Science-Fiction-Autor Dan - die die eine oder andere Katastrophe verhindern können.

"Someday, Someday, Maybe" wollte ich aus dem Grund schon lesen, weil ich Lauren Graham als Darstellerin aus einer meiner alten Lieblingsserien "Gilmore Girls" sehr mag. Hinter dem Titel erhoffte ich mir eine tiefgründige Geschichte über Selbstverwirklichung und Träume, wurde jedoch ein wenig enttäuscht. Es ist im Prinzip eine locker-leichte (Liebes-)Komödie. Die Protagonistin ist diese tollpatschige, junge Frau, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt, die sich aber gleichzeitig so charismatisch, witzig und spritzig gibt, dass sie einfach jeder lieben muss. Zwar ist das Buch mit zwischen den Kapiteln eingeschobenen Kalenderseiten (wobei sie nicht Kalender, sondern immer explizit "Filofax" sagt - was ist das eigentlich für eine Krankheit?) schön gestaltet, doch insgesamt zu oberflächlich und vorausschaubar. Einzig die Hintergrundinformationen zur Schauspielerei, wie das mit den Castings, den Aufträgen und dem Showbusiness funktioniert, machen es zumindest zu einem Buch, das man gelesen haben kann.

"Das schwere Los der Leichtigkeit" von Portia de Rossi
Biographie; Magersucht; 327 Seiten; mvg Verlag; 2011; "The Unbearable Lightness"

Bis auf 38 Kilogramm hungerte sich Portia de Rossi herunter, bis sie schließlich am Set einer Hollywood-Produktion zusammenbrach. Nach außen hin war sie schlank, schön und erfolgreich. Doch innerlich war sie fast tot. So beschreibt sie in "Das schwere  Los der Leichtigkeit" wie der Druck Hollywoods, dünn zu sein, in Kombination mit ihrer geheim gehaltenen Homosexualität dazu führte, dass sie sich in ihrer Haut nie wohlfühlte, sich selbst regelrecht verachtete und immer tiefer in die Magersucht hineinrutschte.

Es ist schockierend zu lesen, wie Portia de Rossi während ihrer Zeit als aufsteigende Schauspielerin aus dem Gedankenstrudel des Abnehmens nicht mehr herauskam. Ihr gesamter Alltag wurde danach ausgerichtet - wenig und möglichst kalorienfreies Essen zu  genau geplanten Zeiten, keine Sekunde stillstehen, denn sonst würde sie kein Fett verbrennen. Wenn sie in den Spiegel schaute, sah sie nicht die mageren Arme oder die herausstehenden Rippen, sondern nur das Fett an Bauch und Oberschenkeln, das sie um jeden Preis loswerden wollte. Bis es sie fast umbrachte.
Zwischendurch berichtet sie immer wieder von ihren ersten Aufträgen als Model, die sie noch in ihrer Heimat Australien bekommen hat und wie sich seitdem alles nur noch um ihr Gewicht drehen sollte und die ersten Essstörungen einsetzten. Das Buch ist dabei immer fesselnd, ehrlich, eindringlich und vor allem wichtig. Klare Empfehlung meinerseits!

Gelesene Bücher: 3
Gelesene Seiten: 858
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 31
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