Freitag, 17. Januar 2014

Mein Trauermixtape

Enttäuschungen, Schmerzen und Verluste lassen sich nicht vermeiden. Deshalb überkommt jedem, manchen häufiger, anderen seltener, die große Traurigkeit. Die sich in dein Herz frisst, dich gefangen hält, dich nicht loslässt, dich quält, peinigt und dir das Leben schwer macht. Nicht umsonst gibt es genau aus dem Grund so viele niedergeschlagende Lieder von noch niedergeschlagenden Künstlern.
Meine zehn liebsten, die bei der ab und zu nötigen Runde Selbstmitleid nicht fehlen dürfen, habe ich in diesem Mixtape zusammengefasst. Wie immer seid ihr eingeladen, eure Songfavoriten zu dem Thema dazulassen. Ich wünsche deprimiertes Hören!



Nico Vega - Iron Man
Mazzy Star - Fade Into You
Jeff Buckley - Lilac Wine
John Lennon - Oh My Love
Édith Piaf - Ne Me Quitte Pas
Nancy Sinatra - Bang Bang (My Baby Shot Me Down)
The Smiths - Asleep
Amanda Palmer & The Grand Theft Orchestra - The Bed Song
Simon & Garfunkel - Bookends
The Velvet Underground - Oh! Sweet Nuthin'

Samstag, 11. Januar 2014

Lesemonate November & Dezember

November


"Fahrenheit 451" von Ray Bradbury
Dystopie; 176 Seiten; Diogenes; 1981; "Fahrenheit 451"

451 Grad Fahrenheit, das sind 232 Grad Celsius, die Temperatur, bei der Papier verbrennt. Guy Montag ist Feuerwehrmann, dessen Aufgabe es ist, Bücher zu beschlagnahmen und zu verbrennen. Denn laut Regierung sind Bücher die Quelle allen Unglücks. Doch Montag macht eine Überzeugungskrise durch, während seine Frau den ganzen Tag mit ihrem Fernsehgerät verbringt.
Als seine Nachbarin, die junge Frau Clarisse, die von den Ideen in Büchern fasziniert ist, eines Tages auf mysteriöse Weise verschwindet, beginnt Guy Montag, Bücher bei sich zu Hause zu verstecken und bringt sich damit selbst in große Gefahr.

Ich bin Dystopien durchaus zugeneigt, deshalb war es für mich unvermeidbar, früher oder später zu diesem Buch zu greifen. Man findet es in diesem Genre leider nicht oft, ist, dass sich nicht alles um eine Liebesgeschichte dreht. Hier war es jedoch der Fall, was ich erfrischend fand.
Leider war mir die Erzählung insgesamt etwas zu kurz. Nachdem ich mich nicht so richtig in die Geschichte hineinfand, war sie auch schon fast wieder zu Ende. Man bekommt, neben der Bücherverbrennung, nur einen sehr vagen Eindruck von der Welt, in der der Protagonist lebt. Ich denke, das Buch hätte mich mit mehr Hintergrundwissen noch mehr gepackt. Nichtsdestotrotz ein spannendes Schreckenszenario.

"Persepolis Band 1 - Eine Kindheit im Iran" von Marjane Satrapi
Autobiographie; Graphic Novel; 164 Seiten; Ueberreuter; 2007; "Persepolis"

Aus der Perspektive eines kleinen Mädchens erzählt die gebürtige Iranerin Marjane Satrapi von ihrer Kindheit während der islamischen Revolution von 1979 und vom Krieg mit dem Irak. Ihre Familie empfindet das Leben in der neuen Republik, in der die neuen Machthaber ihre vom Islam geprägten gesellschaftlichen Vorstellung in die Praxis umsetzen, immer bedrückender.
Marjane hält die Unterdrückung nur mit der Unterstützung ihrer willensstarken Großmutter aus und startet ihre eigene, kleine Rebellion, indem sie heimlich Hard Rock hört und ihre Punk-Jacke trägt.

Mit markantem, schwarzweißem Zeichenstil illustriert Marjane Satrapi in "Persepolis" ihre Kindheit im Iran. Dabei bot mir der Graphic Novel einen Einblick in die Geschichte, Politik und Kultur eines Land, von dem ich vorher kaum eine Vorstellung hatte. Vor allem die Perspektive eines zunächst aufmüpfigen Kindes, später die einer jungen, starken Frau macht das Buch so besonders faszinierend. Den zweiten Band über die Jugendjahre werde ich mir bald zu Gemüte führen. Wer keine Lust auf's Lesen hat (auch wenn man sich hier nicht durch viel Text "kämpfen" muss), sollte zumindest auf die Verfilmung zurückgreifen, die mich genauso begeistert hat.

"Macbeth" von William Shakespeare
Tragödie; 118 Seiten (ohne Einleitung & Anhang); Oxford University Press; 2008; Englische Originalausgabe

Fürst Macbeth, von seiner Frau dazu überredet, erschlägt König Duncan, um selbst den Thron von Schottland zu besteigen. Durch blutige Tyrannei versucht er, seine Position zu sichern und verfällt dabei nach und nach dem Wahnsinn.

Durch die ältere englische Sprache war es schon eine Herausforderung, dieses Drama zu lesen. Aber die Geschichte, die sehr düster ist und nur so vor Brutalität, Mord und Todschlag strotzt, hat mir im Endeffekt besser gefallen als eigentlich erwartet.

Gelesene Bücher: 3
Gelesene Seiten: 458
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 15



Dezember


"A Midsummer Night's Dream" von William Shakespeare
Komödie; 102 Seiten (ohne Anmerkungen & Nachwort); Reclam; Englische Originalausgabe

Vier unglücklich Verliebte irren in einer Sommernacht kreuz und quer durch einen Wald. Es ist jedoch kein gewöhnlicher Wald, sondern das mächtige Reich des Elfenkönigs Oberon und seiner schönen Königin Titania, ein Tummelplatz für Feen, Elfen und Naturgeister. Doch wer liebt wen? Wer ist verzaubert und wer nicht? Puck, der freche Kobold, führt durch die Geschichte und kommentiert alle abstrusen Geschehnisse im Zauberwald.

Als Komödie betitelt ist dieses Drama von Shakespeare natürlich viel fröhlicher und märchenhafter als das zuvor erwähnte "Macbeth". Mir hat dieses jedenfalls noch einen Tick besser gefallen. Allein schon, weil es sich einfach alles erlaubt und so wunderbar absurd ist.

"Trainspotting" von Irving Welsh
Roman; Drogen; 398 Seiten; Heyne Verlag; 2013; "Trainspotting"

Zu meiner Rezension und Meinung geht es hier entlang.

Gelesene Bücher: 2
Gelesene Seiten: 500
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 16

Freitag, 3. Januar 2014

101 Dinge in 1001 Tagen - Änderungen

Im Projekt "101 Dinge in 1001 Tagen" hatte ich mir von Anfang an das Recht vorbehalten, einige Punkte zu ändern. Nun zum Jahreswechsel muss ich einsehen, dass ich manches einfach nicht mehr schaffen werde und andere Dinge mir mittlerweile nicht mehr wichtig sind. Deshalb werden sie nun ersetzt, damit meine Motivation angesichts unmöglich zu erledigender Aufgaben nicht am Ende noch abhanden kommt.

36. Ein großes Bücherregal besorgen
Wie manch ein Leut eventuell mitbekommen hat, bin ich umgezogen. In eine möblierte Wohnung des Studentenwohnheims, um genau zu sein. Da hier ein großes Bücherregal für mich zur Verfügung steht, brauche ich den Punkt nicht mehr abzuarbeiten, kann ihn aber gleichzeitig auch nicht wirklich durchstreichen. Daher wird er ausgetauscht mit:
36. Einhundert Gegenstände aussortieren
In meiner kleinen Bude merke ich bereits, wie es mit all dem Kram langsam eng wird. Auch mein Vorhaben, nach dem "Bye Bye"-Projekt weiterhin minimalistischer zu werden, hat sich noch nicht so ganz durchgesetzt. Deshalb diese Aufgabe.

19. Offener sein und häufiger mitteilen, was in mir vorgeht
Diese Aufgabe bereitet mir vor allem Sorgen, weil die Erledigung so schwer einzuschätzen ist. Bin ich offener, als ich es sein würde, wenn ich diesen Punkt nicht aufgestellt hätte? Teile ich mit, was in mir vorgeht, weil ich es möchte und es den anderen etwas angeht? Oder weil ich mir unbedingt vorgenommen habe, das so zu machen und ich den Punkt abhaken will? Mir gefällt das so nicht, deshalb rutscht der Punkt hinunter zu "Freizeit & Hobbies" und wird zu:
19. Eine Repertoire-Liste für die Gitarre anlegen
Mir ist aufgefallen, dass ich zwar schon nicht mehr ganz so übel Gitarre spiele, aber trotzdem nur ziemlich wenig Lieder auswendig kann. Mit der Repertoire-Liste möchte ich genau das ein wenig in Gang bringen und den Überblick behalten.

47. Ein Jahr lang jeden Tag ein Foto machen
Mit diesem Punkt hatte ich bereits im letzten Jahr angefangen und habe immerhin 63 Fotos geschafft. Doch wenn man ehrlich ist, ist nicht jeder Tag interessant genug, um dokumentiert zu werden. Und mir irgendwas aus den Rippen zu leiern, soll auch nicht Sinn der Sache sein. Irgendwie hat diese Aufgabe komplett den Reiz für mich verloren und war eigentlich nur anstrengend und nervig. Also setzte ich an ihre Stelle:
47. Endlich folgende Filme schauen: Matrix-Trilogie, From Dusk Till Dawn, Memento, Reservoir Dogs, Donnie Darko, Pans Labyrinth, Melancholia, Das Leben des Brian, Herr der Ringe-Trilogie & die ersten zwei Hobbit-Teile
Schon seit gefühlten Ewigkeiten brenne ich darauf, diese Filme zu sehen. So gute Bewertungen und Schauspieler, außerdem Empfehlungen, wohin man sieht. Trotzdem kommen sie von der Merkliste einfach nicht herunter, obwohl ich mir sicher bin, dass unter den Filmen einige neue Lieblinge auf mich warten. Es wird Zeit.

75. Drei Lieder auf dem Klavier spielen lernen
Problem Nummer eins: Ich habe mein Keyboard in meiner alten Heimat gelassen, weil ich hier keinen Platz dafür habe und wegen Problem Nummer zwei: Klavier spielen zu können, hat komplett den Reiz für mich verloren. Ich habe viel mehr Interesse darin, mein Gitarren- und Ukulelespiel zu verbessern. Nicht so schlimm, denn dieser Punkt wird ersetzt durch:
75. Zwei Stunden im Monat Niederländisch lernen (0/42)
Klingt zugegeben nach sehr wenig, so auf den gesamten Monat verteilt. Doch bevor ich gar nicht lerne, weil ich keine Zeit finde, ist mir diese Lösung lieber. Denn mit Niederländisch möchte ich unbedingt weitermachen!

35. Häufiger einfach ohne Ziel loslaufen und neue Orte entdecken
Besonders der Anfang "ohne Ziel loslaufen" missfiel mir im letzten Jahr ziemlich schnell. Das ist ja wie Spazierengehen! Für neue Orte entdecken bin ich sehr, doch mit Ziel und Planung geht das genauso gut. Daher wird die nicht sehr erfolgreiche Aufgabe gestrichen und an ihre Stelle kommt:
35. An jeder Straßenbahnstation in Leipzig (Zone 110) aussteigen
Ziel ist es einfach, meine neue Heimatstadt besser kennenzulernen. Natürlich will ich dort dann nicht nur kurz aus- oder umsteigen, sondern mich auch ein wenig umsehen und "neue Orte entdecken". Die Einschränkung mit Zone 110 gibt es nur, weil mein Semesterticket nicht darüber hinausreicht und ich keine Lust habe, noch extra etwas dafür zu bezahlen. Aber selbst ohne dürften es immerhin noch 502 Stationen sein, wenn ich richtig gerechnet habe.

77. Viel backen
Ganze fünfzig Mal wollte ich backen, wovon ich bisher nur läppische elf Mal geschafft habe. Mein Hauptproblem ist seit Oktober, dass ich keinen Backofen mehr habe, was die Aufgabe entsprechend schwierig macht. Ist zwar schade, aber leider vorerst nicht zu ändern. Also mutiert dieser Punkt zu:
77. Mir eine ausgewogene Ernährung aneignen
Eine pflanzliche Ernährung ist zwar schön und gut, aber ich bin da mehr oder minder Hals über Kopf hineingestürzt. Vorher und, schlimmer noch, seitdem habe ich mir keine Gedanken darum gemacht, ob ich mich wirklich ausreichend ausgewogen ernähre. Das soll sich ändern. Ich möchte mich daher nun erkundigen, wovon ich wieviel essen und welche Zusatzpräparate ich nehmen sollte, damit sich alles ordentlich weiterdreht.

Das sollen alle Änderungen vorerst sein. Es kann natürlich sein, dass mir in einem halben Jahr oder zum nächsten Jahreswechsel noch etwas ins Auge sticht und ich dann noch eine Wagenladung Änderungen vornehme. Wir werden sehen.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Trainspotting von Irvine Welsh

AUTOR l Irvine Welsh
TITEL l Trainspotting
GENRE l Roman, Drogen
VERLAG l Heyne Verlag (2013)
SEITEN l 398
AUSZUG l "Ich machte mich an meinen Schuß. Es dauerte ewig, bis ich ne gute Ader fand. Meine hocken nich so nah an der Oberfläche wie bei den meisten anderen. Als der Hit einsetzte, genoß ich ihn zutiefst. Ali hatte recht. Nimm deinen besten Orgasmus, nimm das Gefühl mal zwanzig und du bist noch immer meilenweit davon entfernt. Meine trockenen, knirschenden Knochen wurden vom zärtlichen Streicheln meiner wunderschönen Heldin Heroin weich und flüssig. Die Erde drehte sich, und das tut sie heute noch."

Zur LESEPROBE geht es hier entlang.

ANMERKUNG l Das Buch wurde mir im Rahmen der Internetseite "Blogg dein Buch" vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung für den Erhalt ist eine schriftliche Rezension auf meinem Blog.

INHALT l Mietskasernen, Arbeitslosigkeit, miese Pubs, viel Alkohol und jede Menge Drogen: Willkommen in Leith, einer schmuddeligen Vorstadthölle von Edinburgh! Und im Leben der jugendlichen Außenseiter Renton, Spud, Begbie, Sick Boy und Second Prize, deren Alltag aus Suff, Rausch, Entzug, Sex, Frust und Gewalt besteht. Selbst wer noch kein Junkie ist, wird bald einer sein.

REZENSION l In "Trainspotting" findet man keine fortlaufende Geschichte mit rotem Faden. Vielmehr gibt es darin Ausschnitte und Einblicke in den Alltag einer Gruppe junger Erwachsener aus Schottland, die sich zwischen Drogensucht, Sex und Gewalt bewegen. Arbeiten möchten sie nicht, somit beschaffen sie sich ihr Geld durch Klauen oder zwielichtige Geschäfte.

Im Mittelpunkt stehen dabei Renton, Sick Boy, Begbie, Spud und ihre Freunde, Dealer, Bekannte und sonstige Gestalten der Szene. Damit komme ich auch schon zu meinem Problem mit diesem Buch: zu viele Charaktere, mit zu vielen Namen und Spitznamen und Spitznamen für die Spitznamen. So wird der vorgestellte Renton auch Rents, Rent Boy und Mark genannt oder Begbie schmückt sich weiterhin mit den Namen Frank, Franco und Francis und so zieht sich das bei den Charakteren durch das gesamte Buch. Zudem werden die einzelnen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und es gibt zu den Charakteren keine einführenden Hintergrundgeschichten, was die Verwirrung komplett machte. Erst nach knapp der Hälfte konnte ich langsam alle Namen ihren Charakteren zuordnen. Beim Lesen ist also ratsam, einen Notizzettel oder eine Charakterübersicht bereitzuhalten, wenn man sich langes Knobeln und Raten ersparen möchte.

Was mir hingegen gut gefallen hat, ist, dass jeder Charakter einen persönlichen Stil beim Erzählen aufweist, was dem Leser ein besseres Gefühl für Persönlichkeit und Gedankengänge der Person gibt. Umgangssprachlich ist es dabei durchgehend, was jedoch nur zunächst gewöhnungsbedürftigt ist. Im Original stelle ich mir diese Besonderheit noch einen Tick spannender vor, wenn Welsh sogar mit verschiedenen Akzenten arbeitet. Grund genug, die englische Version irgendwann noch zu lesen.

Inhaltlich ist das Buch sehr schonunglos, widerwärtig und mitunter sogar ekelhaft. Der Konsum von Drogen wird in keiner Weise verherrlicht oder gar attraktiv gemacht. Im Gegenteil, mit den krassen Folgen für die Protagonisten schreckt es im besten Fall ab.
Sonst kann ich gar nicht so viel zum Inhalt sagen, da er durch die Sequenzen nur sehr schwer greifbar ist. Zwischenmenschliche Aufeinandertreffen in Pubs und auf Partys, Schwierigkeiten mit dem Gesetz, Sex, Krankheiten wie HIV, Gewalt und Tod spielt alles eine Rolle.

Mit den Charakteren konnte ich mich in dem Sinne nicht identifizieren, doch lösten sie und ihre Schicksalsschläge durchaus Gefühle wie Wut oder Mitleid bei mir aus. Besonders das Ende fand ich gelungen und sehr passend inszeniert.

Wie realistisch die Beschreibungen sind, kann ich natürlich nicht beurteilen, da ich mich nicht in der Szene aufhalte. Eine Daseinsberechtigung und gewisse Wichtigkeit hat das Buch aber allemal. Nicht umsonst wurde das meistgeklaute Buch pünktlich zum zwanzigsten Jubiläum gleichzeitig zu Schottlands Lieblingsbuch gewählt.

FAZIT l Eine heftige, aber doch interessante und gut geschriebene Kultlektüre für Leute, die ein bisschen was abkönnen, was die Heruntergekommenheit der Menschen angeht.

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