Freitag, 5. Dezember 2014

10 Billion von Stephen Emmott

AUTOR l Stephen Emmott
TITEL l 10 Billion
DEUTSCHER TITEL l 10 Milliarden
GENRE l Sachbuch, Überbevökerung
VERLAG l Penguin Books (2013)
SEITEN l 198
AUSZUG l "Earth is home to millions of species. Just one dominates it. Us. Our cleverness, our inventiveness and our activities have modified almost every part of our planet. In fact, we are having a profound impact on it. Indeed, our cleverness, our inventiveness and our activities are now the drivers of every global problem we face. And every one of these problems is accelerating as we continue to grow towards a global population of ten billion.
In fact, I believe we can rightly call the situation we're in right now an emergency - an unprecedented planetary emergency.
This is the reason I have written this book."

Hier gibt es eine LESEPROBE der englischen Ausgabe.

INHALT l Für die Herstellung eines Burgers braucht man 3000 Liter Wasser. Wir produzieren in zwölf Monaten mehr Ruß als im gesamten Mittelalter und fliegen allein in diesem Jahr sechs Billionen Kilometer. Unsere Enkel werden sich die Erde mit zehn Milliarden Menschen teilen müssen. Haben wir überhaupt eine Zukunft?

REZENSION l Über das Thema Überbevölkerung habe ich schon einige Artikel gelesen. Um noch tiefer in die Materie einzudringen, griff ich also zu diesem Buch. Doch auf diese Erwartungshaltung folgt auch schon die meinerseits dringendste Frage: Wieso ist "10 Billion" überhaupt ein Buch? Die Seiten sind meistens nur halb bedruckt (wenn überhaupt), es gibt viele Leerzeilen und Absätze. Sogar Absätze bestehend aus einem Satz. Einfach nur nein! Absätze bestehen nicht aus einem Satz! Hinzu kommen zahlreiche unnötige Bilder - "Oh danke, für das Bild, mir ist ganz entfallen, wie Felder aussehen" - die noch nicht einmal kommentiert werden. Nicht zu vergessen, die endlosen Diagramme, die alle, alle, das Gleiche zeigen: eine Steile Kurve nach oben. Super illustriert! Ich hatte ja keine Ahnung, was das Wort "ansteigen" bedeutet! All diese Dinge geben mir das Gefühl, hier wurde auf Biegen und Brechen aus einem zehnseitigen Essay mit viel Mut zur Lücke und sinnlosen Bildern ein Buch gemacht, für das man auch einen Buchpreis berechnen und dementsprechend schön viel Geld scheffeln kann.

Aber hey, die Aufmachung wäre kein so großes Problem, wenn der Inhalt überzeugen könnte. Doch das tut er nicht. Der Schreibstil ist sehr primitiv, wiederholt sich ständig und wurde scheinbar für eine absolut unterbelichtete Zielgruppe konzipiert. Und wieso konnte sich Emmott nicht einmal bemühen, ein anderes Wort für "increased" zu finden. Ich verstehe, alles steigt an. Probiere doch trotzdem, das zur Abwechslung mal in andere Worte zu packen! Nehmen wir zur Veranschaulichung den Auszug, den ich oben hinschrieb. Schon allein die Wiederholungen in diesem kurzen Ausschnitt verdeutlichen hervorragend, was ich meine. Und haltet euch vor Augen, dass dies der Text von sechs Seiten ist (inklusive einer Doppelseite eines Schwarz-Weiß-Bildes)!

Durch die ganz kurzen Absätze schneidet er die Themen auch nur ziemlich oberflächlich an und schafft nicht, mir mehr Informationen zu bieten, als es die Zeitschriftenartikel vorher taten. Ein Armutszeugnis. Was mich zudem besonders nervt, ist die Panikmache, die er mit dem Buch betreibt. Die Debatte über dieses Thema soll und muss weitergeführt werden, denn es ist von größter Wichtigkeit. Doch einen Fakt zu nehmen und Statistiken hervorzukramen, deren Quellen Emmott nicht einmal benennt, die Hintergründe nicht zu erklären und dann quasi die morgige Apokalypse vorauszusagen, ist doch ein bisschen krass (Achtung: überspitzte Aussage).

Insgesamt frage ich mich ehrlich, wie dieses "Werk" zustande gekommen ist. Der Autor, das muss ich an dieser Stelle betonen, ist von Beruf Wissenschaftler und leitet ein Labor in Cambridge. So einfältig kann er also nicht sein, daher müsste er doch eigentlich wissen, wie man wissenschaftlich schreibt. Wenn ich jedoch dieses Buch morgen in der Universität abgäbe, würden sie mir das Ding um die Ohren hauen. Hat hier also der Verlag Hand angelegt, alles simplifizieren lassen, den Text künstlich aufgeplustert und die ganzen sinnlosen Bilder hingeklatscht, damit das auch jeder Idiot versteht? Oder konnte Emmott das Buch nur an den Mann bringen, wenn er es höchst primitiv und fast schon propagandistisch formuliert?

FAZIT l Insgesamt hat mich "10 Billion" beim Lesen ungemein frustriert. Aufgrund der Länge, oder sollte ich sagen Kürze, fühlte ich mich veräppelt, aufgrund der Schreibweise für dumm verkauft, aufgrund der Oberflächlichkeit vom Informationsgehalt her alles andere als befriedigt und aufgrund der überspitzten Panikmache verdrossen. Ein kompletter Reinfall!

Kommentare:

  1. Dia dhuit, Karo.
    Obiges Pamphlet auf Steroide läßt sich vielleicht trefflich mit dem Drang moderner Wissenschaft zur Publikations-Diarrhö erklären. Der zeitgenössische Lehrstuhlinhaber ist nicht mehr seinem Genius verplichtet, sondern dem Götzen "Marketing". Aufsehen generieren - und wenn dafür eine Blähung bemüht wird - als ultima eatio eines Lehr-/Wissenschaftsbetriebs, der auf modernes Managment getrimmt ist. Zeit für kreatives Denken ist dabei verschwendetes Kapital. Wobei dies nicht verfügbares, sondern mögliches Kapital ist.
    Die Universität als blasenwerfender Thinktank einer vorherrschenden Wirtschaftsdogmatik.

    Also bemüht Stephen Emmott wieder einmal das Beispiel von den Litern Wasser, die für etwas Fleich gebraucht werden (wobei diese Art der Hochrechnung sehr willkürliche Grenzziehungen erlaubt) - als Leser könnten wir ihn ja konkret zurückfragen wieviele Liter an Wasser seine Publikation nun selbst verbraucht haben mag.
    Eine zudem inhaltlich ärmiliche Arbeit, die den Aufwand an Zeit nicht einmal gelohnt haben dürfte, wenn ich mir Dein Fazit besehe.

    Viel angewärmte Atemluft.

    bonté

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    1. Hallo RoM,

      entschuldige die späte Antwort. Ich gelobe Besserung. Dass scheinbar wirklich viele Wissenschaftler provozierende Werke schreiben, um guten Absatz zu machen, ist verdammt schade, aber in der heutige Zeit scheinbar unumgänglich. Mag nur nicht, dass ich darauf hereingefallen bin! Dein Kommentar ist übrigens gar wunderbar formuliert und auf den Punkt gebracht. Habe mich beim Lesen sehr amüsiert. Vielen Dank dafür!

      Grüßle
      Karo

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    2. ...nun, ein "merci" zurück! :-)

      bonté

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  2. Für mich war das Buch auch eher eine Infografik zwischen zwei Buchtiteln. Ich glaube, das Buch stößt vielen sauer auf, die sich mit den Problemen der Welt schon beschäftigt haben, daher habe ich das Konzept eher so verstanden, dass es eher die "Bildzeitungsleser"...äh...ok...das war jetzt nicht so fein...die Wenigleser oder so... anteasern soll.
    Wenn ich dafür Geld bezahlt hätte, wäre ich total stinkig gewesen.

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