Dienstag, 4. November 2014

Wie sich Minimalismus bisher auf mein Leben auswirkte

Als eine Freundin vor einigen Wochen mein Zimmer in der neuen Wohnung betrat, entfuhr ihr der Satz: "Na, besonders minimalistisch sieht es bei dir ja nicht aus." Und sie hat recht. Sobald man sich die Wohnungen von Minimalisten vorstellt, hat man Bilder kahler, weißer Räume im Kopf. Mein Zimmer ist chaotisch wie eh und je. Dass ich mich darüber hinaus nicht als Minimalistin sehe, habe ich damals schon im Beitrag "Was ist Minimalismus? 11 Blogger antworten!" auf Einfach bewusst erwähnt. Ich interessiere mich lediglich für diesen Lebensstil und finde vieles sehr sinnig und erstrebenswert. Stetig arbeite ich daran, mein Leben einfacher und bewusster zu gestalten. Doch schafft man bloß ein paar Baustellen gleichzeitig, weshalb man immer nur Schritt für Schritt vorankommt. Zudem gibt es neben dem Minimalismus auch andere Bereiche im Leben, um die man sich kümmern muss. Nichtsdestotrotz wurde mein Leben in einigen Punkten durch Minimalismus beeinflusst. Ich habe auf meiner Reise viel darüber sowie davon gelernt und für mich mitnehmen können.


1) Ich bin einige hundert Gegenstände losgeworden, habe vieles verkauft und verschenkt und bin noch lange nicht fertig mit dem Aussortieren. Es entpuppt sich im Laufe der Zeit einfach mehr und mehr als überflüssig, bis eines Tages hoffentlich nur noch die essenziellsten Dinge übrig bleiben.

2) Qualität statt Quantität: Besonders was Gebrauchsgegenstände angeht, die mir lange von Nutzen sein sollen, wie Schuhe oder Technik, lege ich mittlerweile sehr viel Wert darauf, keinen Schrott zu kaufen, den ich spätestens in einem Jahr schon wieder ersetzen müsste.

3) Ich brauche Dinge konsequent auf und benutze Gegenstände bis zum bitteren Ende, bevor ich mir Neues hole. Klamotten müssen schon kaputt und regelrecht ausgewaschen sein, Technik nach endlosen Macken endgültig aufgeben. Momentan funktionieren beispielsweise meine Computerboxen, die mindestens zehn Jahre alt sind, nur noch, wenn der Regler an einer bestimmten Stelle steht. Trotzdem werde ich mir erst neue holen, wenn selbst dieser Trick nicht mehr funktioniert.

4) Es gibt bestimmte Sachen, bei denen ich für mich festgelegt habe, dass ich sie nie wieder kaufen werde. Zum Beispiel Lippenstift, Nagellack, Schmuck, DVDs und CDs. Auch diese Liste wird stetig erweitert.

5) Eine Sammlung erlaube ich mir trotzdem. Obwohl ich selbst bei meinen heißgeliebten Büchern nur diejenigen behalte, die ich wirklich mochte und wieder lesen möchte.

6) Minimalistische Reisen haben unglaublich an Reiz für mich gewonnen. Wie Wanderungen, bei denen man alles, was man für diese Tage benötigt, auf dem Rücken trägt.

7) Auch kostenlose Dinge bedeuten Aufwand. Flyer, Zeitschriften, Werbegeschenke? Nein, danke! Ich möchte mich ungern am Ende darum kümmern müssen, wie ich das Zeug wieder loswerde oder mein Zeit damit verschwenden, es zu pflegen. Von vornherein freundlich abzulehnen, ist so viel einfacher.

8) Ein alter Hut, doch trotzdem muss der auf die Liste: Erlebnisse sind wichtiger als Gegenstände. Besonders in Sachen Geschenke bevorzuge ich Gutscheine für eine gemeinsame Zeit statt sinnlosen Kram zu erhalten oder zu verschenken. Ein gemeinsamer Ausflug ist mehr wert als eine Vase. Punkt.

9) Auch wenn ich mich mit diesem Tipp am Anfang nicht anfreunden wollte, mittlerweile ist er sehr wichtig geworden. Dinge, deren einzige Aufgabe es ist, an etwas zu erinnern, werden bildlich festgehalten und dann weggegeben. Die Fotos reichen vollkommen aus, um den Gegenstand zu zeigen, mit dem man etwas verbindet.

10) Digitale Inhalte sind wichtiger geworden denn je. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich Musik und Filme digital zu beschaffen oder zu streamen, ich werde echt nie wieder Platz und Aufwand für CDs und DVDs verschwenden müssen. Der konsumierte Inhalt ist schließlich der gleiche und kann genauso berühren, schwelgen lassen sowie anregen.

11) Bei Anschaffungen reichen gebrauchte Gegenstände aus. Bücher, Klamotten, Möbel - das muss nicht immer alles unbenutzt sein. Gebrauchtes tut es oft genauso gut.

12) Spontaneinkäufe sind böse. Ich tätige nur sehr selten welche, aber wenn das doch vorkommen sollte, geht es schon das ein oder andere Mal in die Hose. Letztens kaufte ich mir zum Beispiel spontan hübsche Knäufe, mit denen ich meinen Kleiderschrank ein wenig aufpeppen wollte. Doch wie sich zu Hause dann herausstellte, kann man sie bei diesem Schrank gar nicht anbringen. Entweder ich bohre und säge, damit das noch was wird oder ich bringe sie zurück. So oder so wäre mir die zusätzliche Arbeit und der Ärger erspart geblieben, hätte ich mich vorher besser informiert.

13) Dekoration oder Gegenstände, die keine nützliche Aufgabe besitzen, sind bei mir nicht mehr willkommen.

14) Auch in Sachen Beziehungen gibt es Minimalismus. Es ist wichtig, sich nur mit den Menschen zu umgeben, die einem gut tun, einen nicht herunterziehen und bei denen sich die investierte Zeit auch lohnt, weil man etwas zurückbekommt. Das musste ich selbst vor kurzem lernen. Es war nicht einfach, doch es ist manchmal einfach besser so.

15) Zu guter Letzt: Auch digitaler Ballast ist Ballast. Ob Newsletter, die einem das Postfach überschwemmen oder Chaos auf der Festplatte - das alles ist ebenfalls überflüssiger Kram, der einem Zeit wegnimmt. Besonders meinem eigenen Desktop werde ich mich demnächst widmen müssen, da hinter vielen Ordnern noch Aufgaben auch mich lauern und ich kaum etwas wiederfinde. Baustelle.


Es gibt sicherlich weitere Punkte darüber, inwiefern Minimalismus einen Einfluss auf mich hatte. Doch die sind dann wahrscheinlich schon so in meinen Alltag übergegangen, dass ich sie gar nicht mehr bewusst wahrnehme. Welche minimalistischen Züge könnt ihr in eurem Leben wahrnehmen? Was hat sich bei euch dadurch verändert?

Kommentare:

  1. Wow! Du bist ja konsequent. Bei den Punkten 8 und besonders 14 bin ich ganz bei Dir!

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Naja, konsequent. Irgendwann geht das einfach in den Alltag über und löst den alten Standard ab. Da denke ich oft ja nicht mehr darüber nach, dass das jetzt so oder so zu sein hat. Jep, zwei sehr wichtige Punkte! :)

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  2. Ich trage meine Klamotten auch bis zum geht nicht mehr. Möglicherweise liegt das aber mitunter auch daran, dass ich nie so richtig viel Geld hatte, um ständig shoppen zu gehen und mir neue Sachen zu kaufen. Ich mag die Sachen, die ich habe, wieso sollte ich sie dann nicht auch bis zum Ende würdigen :)
    2007 z. B. hab ich mir meinen ersten MP3-Player gekauft mit 512 MB oder so xD Der ist natürlich schon seit Jahren voll old school, funktioniert aber immer noch und hat schon einigen Klassenkameraden den Arsch gerettet, weil sie keinen USB-Stick dabei hatten :P Mir ist gerade erst am WE bewusst geworden, wie lang ich das Teil schon hab ^^ Damit schleppe ich zwar immer noch zwei Geräte mit mir rum (Handy und Player), aber was solls.
    Das sind so meine zwei Prioritäten im Moment, die ich so schnell nicht ändern will. Dazu kommt natürlich auch, in welchem Umfang ich Kosmetikprodukte benutze oder Dinge, die man täglich so braucht. Ich versuch schon, das alles irgendwie zu reduzieren und wenn es mir dabei einzig um die die Reduzierung von Müll geht.
    Am Schlimmsten war mein Auszug aus dem Elternhaus... Von allen Ecken kamen sie an und stopften einen mit Krams voll, den sie selbst nicht mehr brauchten und überzeugt davon waren, ich könne es definitiv brauchen. Vieles war bestimmt sinnvoll, aber einiges auch nicht und ich bin dann diejenige, die es entsorgen darf -_-

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    1. Bei mir liegt das auch zum Teil daran, dass ich es HASSE Klamotten einzukaufen. Dieses ganze Prozedere in den überfüllten Läden, den engen Umkleidekabinen, Größen, die zu groß oder klein ausfallen - schlimm. Auch im Internet mit dem ewigen Hin- und Herschicken ist das für mich noch nicht so optimal. :P

      Haha, das mit dem Auszug aus dem Elternhaus kenne ich. Meine Mutter kramte plötzlich auch noch ganz viel hervor, dass ich ja mitnehmen könnte. Manches war wirklich praktisch, anderes eher nicht so. Zum Beispiel eine Personenwaage. Mir geht irgendwie der Sinn von Personenwaagen im Privathaushalt nicht auf. Wieso sollte ich dauernd überprüfen wollen, wie schwer ich bin? Ich sehe doch, wie ich aussehe und wie viel Fett auf den Hüften sitzt, da brauche ich doch keine Waage, um mir zu sagen, ob ich übergewichtig oder im Normalbereich bin. Einfach mal den gesunden Menschenverstand einsetzen. Naja, das ist wieder ein anderes Thema. xD

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  3. Irgendwie kann ich bei allen Punkten etwas finden. Minimalismus geht nicht von jetzt auf gleich, es ist eher ein schleichender Prozess. Mach dir nichts daraus, mir geht es ähnlich. Es wird weniger nur eben nicht so offensichtlich.

    GrußRalph

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    1. Das mit dem schleichenden Prozess stimmt. Vielen Dank für deine netten Worte. Dir auch weiterhin viel Erfolg beim Minimalisieren. :)

      Grüße zurück

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  4. Liebe Karo,

    darf ich dir in einem eigenen Blogspost auf die Fragen antworten?

    Liebe Grüße
    Nanne

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    1. Hey Nanne,

      aber selbstverständlich immer doch. Lass gerne einen Link da, wenn er online ist! :)

      Grüßle
      Karo

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    2. Hier:
      http://www.einfachsoleben.blogspot.de/2014/12/minimalismus-in-meinem-leben.html

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    3. Finde ich super! Schaue ich gleich rein. :)

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  5. Bei mir sieht es auch ziemlich chaotisch aus. Wenn man allerdings bedenkt daß ich von einer 4-Zimmer Wohnung mit Küche und Bad in eine Einzimmerwohnung mit winziger Flurküche umgezogen bin, dann hat sich auf jeden Fall sehr viel bei mir getan.

    Es ist nun mal ein langsamer Prozess, und es bedeutet nicht daß man in einem kahlen Zimmer wohnen sollte ;)
    Ich werde nie in einem leeren Zimmer wohnen, da würde ich mich nicht wohl fühlen. Und von meinen Instrumenten würde ich mich auch nie trennen.
    Geh weiter deinen Weg und achte nicht drauf wenn jemand meint daß es bei dir wenig minimalistisch aussieht. Die wissen nicht was alles dahinter steckt und wieviel sich schon getan hat.

    Liebe Grße,
    Sandra

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    1. Wow, was für ein Unterfangen. Da hast du ja was hinter dir.

      Ach ja, da sagst du was. Mich von meinen Instrumenten, beziehungsweise von einigen meiner Instrumente zu trennen, könnte ich mir auch gar nicht vorstellen. Vielen Dank für deine lieben Worte, Sandra!

      Grüßle

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  6. Hallo Karo! Schönes Thema! Hab auch was geschrieben:

    http://minimamuse.wordpress.com/2014/12/02/es-fuhlt-sich-richtig-an/

    Liebe Grüße - Tanja

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  7. Hallo Karo,
    mir geht's wie dir, meine Wohnung macht auch keinen minimalistischen Eindruck, obwohl ich mich schon seit geraumer Zeit mit dem Thema befasse. Verändert hat sich ähnliches wie bei dir. Bestimmte Sachen werden nicht mehr gekauft, andere nur noch gebraucht, vieles bis zum bitteren Ende genutzt. Punkt 14, mit Freundschaft minimalistisch umgehen, habe ich noch nicht gehört. Es macht sicher Sinn, wenn man herausgefunden hat, dass einem eine Beziehung nur schadet. Aber man sollte doch bloß nicht davor zurückschrecken, neue Leute kennenzulernen. Vielleicht entgeht einem sonst die Freundschaft fürs Leben und jeder Mensch sollte doch erst einmal höflich behandelt werden. Oder?
    Liebe Grüße,
    Marlene

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    1. Hallo Marlene!
      Freunde und Minimalismus haben für mich auch weniger damit zu tun, möglichst wenig Freunde zu haben, sondern eher, möglichst gute. Und wenn eine Freundschaft, so hart es klingt, nun mal doch überflüssig ist, man mehr Zeit verschwendet und Gefühlsballast mit sich herumträgt, als es gut tut, muss man eben auch mal Mut zum Abschluss haben. Finde ich jedenfalls.
      Dass ich weiterhin jedem mit Höflichkeit und Respekt begegne und neue Leute unweigerlich kennenlernen werde und möchte, ist doch selbstverständlich. :)

      Grüßle zurück!

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  8. danke für diese liste!!!
    sehr inspirierend!
    ich beschäfte mcih auch grad mit dem thema, wier ich mir selbst etwas mehr raum verschaffen kann... zu viel ballast und unnötiges.

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