Mittwoch, 19. November 2014

Büchertausch der etwas anderen Art: Öffentliche Bücherschränke

Es ist bereits über ein Jahr her, seit ich einigen öffentlichen Bücherschränken in Berlin einen Besuch abstattete. Trotzdem habe ich es nie auf die Kette gekriegt, darüber auch einen Blogbeitrag zu schreiben. Bis jetzt. Es kann daher sein, dass sich die Bücherschränke, die ich damals besuchte und über die ich nun berichten werde, mittlerweile ein wenig verändert haben. Doch das Grundkonzept bleibt.

Das Motto ist denkbar simpel: "Bring ein Buch - nimm ein Buch - lies ein Buch". Die mittlerweile europaweit aufgestellten Bücherschränke schaffen nicht nur Abhilfe, wenn einem der Lesestoff ausgegangen ist, sondern auch, wenn man zu Hause in einem Berg ungewollter Bücher versinkt. Die etwas andere Art des Büchertauschs ist dabei nicht nur umwelfreundlich, sondern zudem für jeden Nutzer ohne jegliche Kosten verbunden. Einfach hingehen, stöbern, ein, zwei oder auch drei Bücher mitnehmen, eventuell eigens mitgebrachte Bücher zurücklassen und lesen. Ob man die herausgenommenen Bücher nach dem Lesen wieder zurückbringt, behält oder anderweitig weitertauscht, ist jedem selbst überlassen.


Berlin liegt mit über zehn verfügbaren Bücherschränken zahlenmäßig vorn. In Leipzig, wo ich momentan lebe, gibt es leider (noch?) keinen. An welcher Stelle ihr den nächsten in eurer Umgebung findet, könnt ihr dieser Liste öffentlicher Bücherschränke entnehmen. Die Bücherschränke, die ich unter die Lupe nahm, befinden sich in der deutschen Hauptstadt am Mierendorffplatz und in Prenzlauer Berg Ecke Kollwitzstraße/Sredzkistraße. Der dritte im Bürgeramt Spandau scheint in der Zwischenzeit abgeschafft worden zu sein. Gut besucht war keiner von ihnen. Nur bei der ausrangierten Telefonzelle auf dem Mierendorffplatz näherte sich einmal ein Mann, um das Angebot in Augenschein zu nehmen. Obwohl es für den Besucher nur von Vorteil ist, allein vor Ort zu sein, denn zum gemeinsamen Schmökern laden zumindest die engen Telefonzellen eher nicht ein.

An Quantität mangelte es bei allen drei öffentlichen Bücherschränken nicht. Mehrere Regalbretter sind meistens sogar zweireihig mit Büchern vollgestopft. Die Auswahl hängt dabei selbstverständlich von den Besuchern der Tauschbibliotheken ab. Man muss sich darauf einstellen, dass man im Normalfall keine neuen Bücher oder gar Bestseller abstauben wird. Doch mit ein bisschen Glück lassen sich durchaus einige Schätze ergattern. Ich wurde bei meinem Ausflug fünf alte Bücher los und ergatterte eine gut erhaltene, englische Penguin-Ausgabe von Robert Louis Stevensons "Dr Jekyl and Mr Hyde". Zumindest ein kleiner Erfolg.


Auch wenn ich an dem Tag zum ersten Mal dieser Idee des Büchertauschs begegnete, neu ist das Konzept nicht. Bereits Ende der 1990er Jahre wurden in Darmstadt und Hannover sogenannte "kostenlose Freiluft-Bibliotheken" realisiert und regen bis heute über die Landesgrenzen hinaus zum Nachahmen an. Falls man eines schönen Tages sowieso an einem der Bücherschränke vorbeikommen sollte, sind sie auf jeden Fall einen Besuch wert.

Habt ihr schon einmal einen öffentlichen Bücherschrank benutzt? Was haltet ihr von dem Prinzip?

Kommentare:

  1. Eine wirklich tolle Sache! Dank dir habe ich herausgefunden, dass praktisch bei mir um die Ecke so ein Schrank stehen müsste. Ich werde die Tage mal nachschauen, ob er noch existiert :)

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    1. Wie toll! Mist, warum habe ich nur diesen Blogbeitrag geschrieben? Jetzt können alle zu ihren öffentlichen Bücherschränken um die Ecke gehen, nur ich sitze hier ohne herum!? ;)

      Viel Erfolg beim Entdecken - insofern er noch dastehen sollte!

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  2. Ich bin meinem ersten Bücherschrank damals aus Zufall in Münster begegnet und war total begeistert, da mir das Konzept bis dato unbekannt war. Es gab eine große Auswahl, es war auch etwas größer als die Telefonzelle, und ich nahm ein Buch mit, das sich tatsächlich als Glücksgriff erwies. Seitdem bin ich Bücherschränken schon häufiger begegnet, es gibt sogar in meiner Wohnstadt einen (oder mehrere?). Leider ist die Auswahl häufig eher mäßig als gut. Ich bin und bleibe aber Fan von diesem Konzept und finde es toll, dass du darauf aufmerksam machst :)

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    1. Ja, mit der Auswahl ist das immer so eine Sache. Bei vielen Büchern kann man schon nachvollziehen, warum derjenige sie loswerden wollte. Dass du auch schon mal einen Glücksgriff hattest, ist deshalb ja umso erfreulicher. :)

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  3. Ich kannte das Konzept des Bücherschranks vorher überhaupt nicht, finde die Idee aber super, vor allem, weil ich haufenweise Bücher zu Hause rumliegen hab mit denen ich nicht richtig warm werde. Mal schauen, ob es in der Nähe auch einen Bücherschrank gibt. (:

    Liebe Grüße,
    Johanna

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    1. Dann ist das ja ideal. Wenn du sie dort hinbringst, gibt es sicherlich Leute, die sich noch darüber freuen. Gerade bei Büchern ist es immer schwierig, sie loszuwerden, finde ich. Bei Internetseiten wie medimops oder rebuy kriegt man nur noch ein paar Cents, Bibliotheken nehmen sie oft nicht an und wegschmeißen will man sie ja auch nicht, weil es meistens zu schade darum wäre.

      Ich drücke die Daumen, dass es in deiner Nähe einen gibt!

      Grüßle
      Karo

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  4. Den ersten Bücherschrank bei uns in der Stadt hab ich vor Jahren eher per Zufall entdeckt. Ich kommt nicht oft vorbei, aber wenn (so wie heute) schau ich immer mal gern vorbei. Mittlerweile gibt es bei uns auch schon mehrere.
    Ich find das Prinzip toll. Viel zu oft werden Bücher ja auch einfach weggeworfen, weil man keinen Abnehmer findet und man sonst nicht weiß, wohin damit. Das ist eine neue Möglichkeit. Oft findet man da ja auch CDs, DVDs oder anderen netten Krimskrams.

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    1. Das ist natürlich praktisch, wenn man sowieso einen in der Stadt einen hat, an dem man öfter mal vorbeikommt. Für die drei in Berlin musste ich ja schon fast eine kleine Rundreise machen. ;)

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  5. Ja, das Konzept finde ich auch wirklich prima. :-) Ich bin dem ersten Bücherschrank vor einigen Jahren in Hannover begegnet und habe ihn dann auch immer mal wieder genutzt. Ich sollte hier in Bremen auch mal schauen, wo der nächste ist und ihm mal einen Besuch abstatten.
    Ist ja unglaublich, dass es in Leipzig keinen gibt. Stadt mit Buchmesse, aber ohne öffentlichen Bücherschrank. ;-)

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    1. Da sagst du was Wahres. Die Stadt preist sich selbst immer so als Buchstadt an und dann sowas. Müsste man sich echt mal darum kümmern!

      Cool, dass du schon Bücherschränke gesehen und genutzt hast. :)

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  6. Ein wirklich tolles Konzept! War hier bei mir in der Nachbarschaft bei der Umgestaltung auch mal im Gespräch, daraus ist aber offenbar leider nichts geworden.

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    1. Schade Marmelade! Dabei bräuchte man eigentlich nichts weiter als ein (gebrauchtes) Bücherregal. Um den Inhalt würden sich ja dann alle gemeinsam kümmern.

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  7. Von einem Bücherschrank bei uns in Aachen weiß ich ganz sicher. Aber ich habe noch nie was reingestellt oder genommen. Ich nehme mir aber immer vor, Bücher reinzustellen. Aber dafür müsste ich die mit dem Bus in die Stadt schleppen...
    In Bonn gibt es auch mindestens 2.

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  8. Bóju, Karo.
    Ein Buch als Gegenstand zum weiterreichen sehen, statt als Konsumartikel, ist ein ehrenwertes Unterfangen. Solche Bücherschränke sind dann wohl eine Alternative zur Idee, ein gelesenes Buch an einem öffentlichen Ort zurück zu laßen. Wobei es zu beiden Unterfangen sicher idealisierte Vorstellungen gibt. In realo wird es gewiß Leute geben, die einen öffentlichen Bücherschrank mit einem Altpapiercontainer, der eigenen Siffbude oder einem Ziel für anarcho-radikale Polit-Statements verwechseln. Ausgelegte Bücher, die im Mülleimer landen.

    Untergekommen ist mir noch keiner - aber ich lebe ja auch auf dem Lande. Gefallen hat mir von Deinen Fotos der Bücherschrank aus Baumstämmen. Weniger aus ästhetischen Gründen - hier ist eine britische Telefonzelle unschlagbar - als aus dem praktischen Grund direkt Einsicht & Zugriff zu haben; an der frischen Luft. :-)

    Persönlich verschenke ich Bücher wie Filme lieber direkt.

    bonté

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  9. oh, die schränke sehen ja klasse aus! :) da macht es ja richtig spaß hinzugehen.
    ich gehe auch oft zu bücherschränken und spende da meine bücher. aber noch nie in so tollen designs gesehen.

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  10. in leipzig gibt es diese: http://lesekabinettleipzig.com/2015/04/25/einladung-zum-lesen-die-bucherschranke-der-leipziger-volksbank-stehen-fur-alle-offen/

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    1. Danke für den Link! Das Regal ist schon mal toll. Hoffentlich werden die Bücherschränke auch bald realisiert.

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  11. Seit dieser Woche gibt es in Mecklenburg-Vorpommern (Godenswege bei Burg Stargard/Neubrandenburg) eine Büchertausch-Box. Hat mir viel Spaß gemacht, ein kleines Holz-Gerätehaus dafür herzurichten.....
    Bin gespannt, wie es angenommen wird. Dorfbewohner? Fahrradtouristen? Biker?
    https://www.facebook.com/gunter.kettner

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  12. sorry.... fehlerhafter Link. Richtig: https://www.facebook.com/guenter.kettner

    Erste Bücher wurden gestern schon getauscht!

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