Donnerstag, 18. September 2014

Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß von Christoph Wortberg

AUTOR l Christoph Wortberg
TITEL l Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß
GENRE l Roman
VERLAG l Beltz & Gelberg (2014)
SEITEN l 190
AUSZUG l "Eine Krankenschwester führt uns über den Flur der Intensivstation. Drei Angehörige auf dem Weg zu einer Hinrichtung. Wir müssen keine sterile Kleidung anlegen, keine Kittel, keine Hauben, keine Plastiküberzieher für die Schuhe. Es lohnt sich nicht mehr. Ein Toter kann sich nicht mehr anstecken.
Man hält das nicht lange aus, dieses Hin- und Herpendeln zwischen Hoffnung und Verzweiflung, irgendwann sehnt man sich nur noch nach Klarheit. Die Ärzte verweisen auf die gesetzlichen Bestimmungen. Ihre Sätze sind voller Einschränkungen. Jede Prognose wird von einer Gegenprognose begleitet. Zu sagen, man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, ist leicht. In das Nichts hinter der Hoffnung zu starren, ist unerträglich."

Hier gibt es eine LESEPROBE.

ANMERKUNG l Das Buch, welches man hier bei Bedarf käuflich erwerben kann, wurde mir im Rahmen der Internetseite "Blogg dein Buch" von der Verlagsgruppe Beltz zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung für den Erhalt ist eine schriftliche Rezension auf meinem Blog.

INHALT l Jakob ist tot. Nach dem Sturz in den Bergen konnten die Ärzte nichts mehr für ihn tun. Nun ist sein jüngerer Bruder Lenny allein. Allein mit seiner Trauer. Allein mit seiner seit Jahren pillenabhängigen Mutter und seinem Vater, der alles unter Kontrolle zu haben versucht. So beginnt Lenny herauszufinden, wie es zu dem Unfall kommen konnte. War es überhaupt ein Unfall? Wer war sein großer Bruder eigentlich? Wer ist er selbst?

REZENSION l Die Idee, nach einem begangenen Suizid die Hinterbliebenen und wie sie damit fertig werden, zu porträtieren, ist nett. Das hatte wirklich Potenzial mir zu gefallen. Leider quetscht Autor Christoph Wortberg die gesamte Geschichte auf knapp zweihundert Seiten, was ihr nicht gut tut. Die Kapitel sind sehr kurz, lesen sich eher wie Fragmente als richtige Szenen. Was mich besonders nervte, war der versucht poetische oder dramatische Ausklang eines jeden Kapitels. Irgendein Satz, der jetzt gefälligst noch mal tiefgründig oder dramatisch ist, um der Geschichte ein bisschen Schwung zu geben. Dass das hingegen alle paar Seiten geschieht, ist ein bisschen zu viel des Guten. Weniger wäre an dieser Stelle mehr gewesen.

Kritikpunkt zwei ist der Schreibstil. Die Geschichte wird aus der Sicht des 16-jährigen Lenny geschildert. Man merkt bei der Schreibe jedoch, dass sie die eines erfahreneren Menschen sein muss, um nicht zu sagen eines älteren. Schreibstil und Charakter passen somit einfach nicht zusammen. Die schön gewählten Worte sind in einem solchen Übermaß da, sie wirken wie leere Hüllen, um das Buch zu füllen. Es gibt viele Beschreibungen, viele Aufzählungen,viele ausschweifende Gedankengänge des Protagonisten - und ich habe mich insgesamt schwer getan, hineinzufinden.

Aufgrund der Kürze fehlt auch den Charakteren der nötige Tiefgang. Selbst die wichtigsten sind am Ende nicht wirklich greifbar. Immer wird nur an der Oberfläche gekratzt. Und immer werden neue Nebencharaktere eingeführt, die erst recht nicht von Bedeutung oder von Nutzen sind. Ein bisschen enttäuscht bin ich außerdem, dass das Buch als humorvoll angepriesen wurde und es in diesem Buch nicht einen Funken Humor gibt. Es ist alles sehr ernst, sehr tragisch und möchte es auch sein.

Obwohl ich bislang so viele Negativpunkte aufzählte, war "Der Ernst des Lebens macht auch keinen Spaß" trotzdem nicht total schlecht. Durchaus gibt es einige Entwicklungen und Charaktere, die mir gefallen haben. Doch das reicht einfach nicht. Das Buch konnte mich nicht berühren und zog im Endeffekt wie ein laues Sommernachtslüftchen an mir vorbei.

FAZIT l Eine schöne Idee, jedoch an der Umsetzung haperte es. Das Buch ist zu kurz und verspielt damit sein Potenzial, eine tiefgründige Geschichte mit greifbaren Charakteren zu erzählen.

Kommentare:

  1. Danke für Deine unverblümte Rezension. Titel und Inhalt klingen nämlich sehr ansprechend.

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    1. Aber immer doch!

      Fand ich auch, deshalb hatte ich es mir ausgesucht. Man kann seine Zeit jedoch wirklich besser investieren.

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