Freitag, 6. Juni 2014

SHOOT THE MESSENGER BEFORE HE CAN SAY A WORD

Am Donnerstag der vergangenen Woche zog es mich wieder in meine Geburtsstadt Berlin, denn, wie es der Zufall so wollte, stand ein Konzert der von mir äußerst geschätzten Band Bonaparte an.
Schon vorab wunderten sich meine Begleitung und ich, dass dieses Ereignis ausgerechnet in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz stattfinden sollte, da wir uns bei der verrückten, durchgeknallten und energiegeladenen Musikgruppe kaum vorstellen konnten, wie die Leute in ihrer Tanzwut nicht die Stühle aus dem Boden reißen würden. Um die Spannung zu nehmen: dies ist nicht passiert. Trotzdem war der bestuhlte Saal nicht gerade immer von Vorteil, doch dazu später mehr.


Zunächst muss ich loswerden, dass ich schon ein wenig enttäuscht war, wie normal der Hauptteil der Zuschauer gekleidet war. Ich hatte verrückte Tierhüte, Glitzer, nackte Haut erwartet und dann konnte ich nur ungefähr fünf Gestalten ausmachen, die sich wenigstens ein bisschen Mühe in diese Richtung gegeben hatten. Ich selbst hatte mein schwarzes Tüllkleid herausgekramt, fühlte mich zwischen den "Normalos" aber nicht immer ganz wohl. Rouge-Kriegsbemalung musste trotzdem drin sein, auch wenn das für meine Freundin und mich ein bisschen Überwindung gekostet hat.

In den Saal strömend ergatterten wir einen ziemlich perfekten Platz gleich mittig in der dritten Reihe. Als Interpret vorab kam der Künstler Lambert mit einer Antilopen-Gazellen-wasauchimmer-Maske vor dem Gesicht auf die Bühne geschlichen. Mir persönlich war er vorher gänzlich unbekannt und so richtig überzeugen konnte er auch nicht. Die stimmungsvolle, eher ruhige Pianomusik war zwar schön, passte in dem Moment jedoch einfach nicht zur allgemeinen Stimmung, da man stillsitzen und konzentriert zuhören musste, obwohl man doch so viel lieber getanzt, gehüpft und laut gesungen hätte. So redeten viele während des Auftrittes, was mir auch wiederum leid tat. Doch es passte einfach nicht zum Abend.


Dann, ja, dann kamen jedoch endlich Bonaparte auf die Bühne. Beim ersten Lied war die Stimmung zugegeben noch ein wenig merkwürdig. Da das neueste Album erst einen Tag nach dem Konzert veröffentlicht werden würde, kannte niemand den gespielten Song. Alle wollten sich irgendwie von den Sitzen erheben, doch niemand traute sich. So wippte ich im Sitzen hin und her, aber das fühlte sich leicht dämlich an. Glücklicherweise, und zu meiner großen Erleichterung, war die nächste Nummer auf der Setlist das allseits bekannte und gefeierte "Anti Anti", bei dem keiner mehr an sich halten konnte und wir schon nach den ersten Takten aufsprangen und zu tanzen anfingen.

Insgesamt war das also ein sehr seltsamer Anfang für ein ansonsten wunderbares Konzert. Bonaparte spielten eine angenehme Mischung aus den neuen und den bereits vertrauten Liedern. Immerhin drei der neuen Songs kannte ich dank der vorher veröffentlichten Musikvideos zu "Wash Your Thighs", "Two Girls" und "Into The Wild", wobei mich besonders letzteres packte und momentan immer noch mindestens einmal täglich angeschmissen wird. Es hebt sich schon ziemlich von dem ab, was man bisher von Bonaparte gewohnt ist, aber es ist so grandios!


Ansonsten gab es natürlich altbekannte Songs wie "Too Much", Quarantine", "Computer In Love", "Boycott Everything", "Wir Sind Keine Menschen", "WRYGDWYL" oder "3 Minutes In The Life Of Bonaparte" auf die Ohren, die absolut nicht fehlen dürfen. Eigentlich hätte ich mir noch "Ego" gewünscht, da das eines meiner Favoriten ist, doch den Gefallen wollten mir Bonaparte nicht tun.

Die Show war mir insgesamt zu zahm. Bandleader Tobias Jundt als auch die beiden Backgroundtänzerinnen kamen zwar ins Publikum gestürmt, doch stellte sich das in dem, bereits erwähnten, bestuhlten Saal als eher kompliziert heraus. Beim Herauftreten auf den Sitz klappte dieser natürlich herunter, sodass sich jeder mindestens einmal unglücklich hinpackte. Respekt also an Jundt, dass er es mehr als einmal versuchte, auch wenn ihm die Mikrofon- oder Gitarrenkabel immer herausgestöpselt sind und er dann für kurze Zeit nicht mehr zu hören war.


Die vielen Kostüme der beiden Tänzerinnen waren ausgefallen und durchgeknallt und sorgten durchaus für den einen oder anderen verdutzten Moment. Leider probierten sie zum ersten Mal einen Auftritt mit Choreographie aus, was mir manchmal zu einstudiert wirkte.
 
Ansonsten bot die Bühnenshow "nur" Lichteffekte und einmal Konfetti. Ich hätte sie mir viel krasser gewünscht - mit Farbe, mehr Konfetti, Seifenblasen, Nebel, Kunstblut, Kostüme an allen Mitgliedern, IRGENDWAS! Durchaus sollen die Konzerte vergangener Touren auch mit mehr aufgewartet haben. Wenn ich meine Erwartungen jedoch zur Seite schiebe, war es ganz und gar nicht schlimm, falls das hier vielleicht nun so klingen mag.


Ich hatte endlich wieder die Gelegenheit, mich ordentlich auszutoben, alles herauszulassen, den Alltag zu vergessen. Die Liedauswahl war super und der Spaß war mir bei der aufgedrehten Stimmung im Saal garantiert. Ein weiteres Plus geht an die Volksbühne, da die Garderobe kostenlos war.

Fazit: Gerne wieder! Sagt mir wann und wo und ich bin dabei. Jetzt besorge ich mir erstmal das neue Album und freue mich derweil auf's nächste Konzert, wenn es wieder heißt: DO YOU WANT TO PARTY WITH THE BONAPARTEY!?

Kommentare:

  1. haaaach, ich LIEBE Bonaparte und durfte sie dieses Jahr auch schon live erleben - im Rahmen des Augsburger Brecht Festivals haben sie in unserem Theater gespielt, was deswegen komisch war, weil man da ja auch immer die Sitze im Weg hatte und deswegen auch maximal mithoppsen konnte :D
    Ich hatte gar keine großen Ansprüche an die Köstumierung des Publikums, deswegen war ich da auch nicht enttäuscht, die Show war ähnlich wie bei dir beschrieben zwar kein Vergleich zu früher, aber ich liebe deren Musik einfach und das neue Album hat wieder ein paar richtig tolle Sachen drauf :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hätte mir im Vorhinein vielleicht nicht so viele Videos von Live-Auftritten ansehen sollen, dann wären die Erwartungen nicht so hoch gewesen. Obwohl das, wie gesagt, dem ganzen keinen Abbruch tut.

      Immer diese Sitze! Also wirklich. ;)

      Welche sind denn bisher deine Favoriten vom neuen Album?

      Löschen
    2. Ich hab sie vor Jahren... 2012? schon mal in München gesehen, dass war der Wahnsinn von der Show her, aber dass die in unserem Theater nicht so rumwüten können hatte ich mir schon gedacht :D
      Meine Favouriten vom neuen Album sind Two Girls, Into the Wild und Riot in my Head :) die gehen wohl am schnellsten ins Ohr :)

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...