Freitag, 16. Mai 2014

Meine Osterwanderung im Schwarzwald - Teil 2

Hier geht es zum ersten Teil meines Berichts.

Gegen elf Uhr nachts wache ich zitternd aus einem tranceartigen Halbschlaf auf. Trotz mehrerer Lagen Klamotten sowie Mütze, Schal und Handschuhe kann ich vor Kälte nicht schlafen. Durch die Isomatte und den Schlafsack spüre ich den gefrorenen Boden unter mir. Auf dem Zelt hat sich eine Decke aus Schnee gebildet. Aus Verzweiflung über die Schlaflosigkeit, gepaart mit der leisen Angst zu erfrieren, beschließe ich schließlich, in den Aufenthaltsraum auf dem Campingplatz umzuziehen. Obwohl es ihr deutlich besser ergeht und sie es kuschelig warm in ihrem Schlafsack hat, kommt meine Freundin aus Solidarität mit. Für ein paar Stunden sollte ich in dieser Nacht tatsächlich noch ein wenig Schlaf abbekommen, bevor uns gegen sechs Uhr morgens der Putzmann weckt.


Am nächsten Morgen habe ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht. Ich werde nicht warm, bin müde, wie gerädert und meine Füße tun noch immer weh. Langsam kommt in mir der Verdacht auf, dass meine Wanderschuhe, die mir meine Mutter überlassen hat, nicht wirklich die besten sind. Der einzige Trost ist, dass wir an diesem Tag die Rucksäcke im Zelt lassen können, doch auch nur, weil wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz gebucht haben. Diese Aussicht lässt meine Laune wiederum nur noch tiefer sinken.

Nach dem Frühstück im Zelt machen wir uns schließlich auf den Weg. Die heutige Tagesstrecke führt uns einmal um den Schluchsee herum. Nebel hängt über dem Gewässer, der Himmel ist grau und die Strecke um den See ist, im Vergleich zur gestrigen Strecke, ziemlich monoton, sodass uns die 18 Kilometer einiges abverlangen. Kurzum: dieser Wandertag ist für mich oft schrecklich und niederschmetternd. Meine Motivation ist verflogen. Sicher kann der Schluchsee schön sein, im Sommer, wenn die Sonne scheint, das Wasser höher steht und darauf vielleicht sogar noch Boote fahren. An diesem Tag ist er mir total egal. Doch wenigstens geht der irgendwie zu Ende.


Abends wollte ich es noch einmal mit dem Zelten probieren. Nachts sollten es zumindest ein paar Grade über Null werden und der Schnee hat sich bereits in Luft Wasser aufgelöst. Ich ziehe fast alle Anziehsachen an, die ich für den Trip im Gepäck habe. Vier Paar Socken, eine Strumpfhose, eine Jogginghose, meine Jeans, ein T-Shirt, zwei langärmlige, dünne Pullover, meine Fleece- und Regenjacke sowie wieder Schal, Mütze und Handschuhe. Außerdem drehe ich den Schlafsack um, damit das Stück, in dem sonst der Kopf gebettet ist, auf meinem Gesicht liegt und ich in den Schlafsack atme. Die eine Strickjacke, die noch übrig ist, wickele ich zudem um meine Füße und befestige sie mit dem Regenschutz meines Rucksacks, damit sie nicht abfällt, wenn ich mich umdrehe. Es klingt vielleicht durchgeknallt, doch es wirkt. In dieser Nacht bekomme ich ein Auge zu. Sogar beide.

Für den nächsten Tag sah unser Plan ursprünglich vor, auf einen Hochfirst - elf Kilometer steil bergauf - zu wandern. Doch angesichts meiner kaputten Füße und weil meine Begleitung wegen des schweren Rucksacks bereits mit Rückenschmerzen zu kämpfen hat, werfen wir den Plan kurzerhand über Bord. Für diese Einlenkung bin ich meiner Freundin unendlich dankbar. So stiefeln wir nur wieder zurück zum Bahnhof und fahren zu unserem nächsten Etappenziel Titisee-Neustadt. Vor Ort kommt auch endlich die so lang herbeigesehnte Sonne hinter den Wolken hervor und unsere Laune hebt sich merklich. Wie das Wetter doch unsere Stimmung beeinflussen kann.


So laufen wir ein bisschen durch den Ort bis wir den bezaubernden Titisee erreichen und machen uns dort einen schönen Tag, der den perfekten Abschluss im Schwarzwald bildet. Wir leihen uns ein Tretboot aus, mit dem wir eine Stunde über den See fahren, essen zu Mittag, eine Kugel Eis und setzen uns für ein Weilchen einfach nur in die Sonne, während wir den Ausblick genießen. Irgendwann ist es jedoch wieder an der Zeit, unser Lager für Nacht aufzuschlagen, sodass wir uns doch noch aufraffen, die zwei Kilometer bis zum Zeltplatz zu laufen.

Mit dem folgenden Morgen steht der Tag der Abreise bevor. Es geht zurück nach Freiburg im Breisgau, eine Stadt, die wir eigentlich erkunden wollten. Doch mehr als kurz durch die Innenstadt zu watscheln, lässt unsere Erschöpfung nicht zu. Bis wir zu unseren Zügen müssen, die uns in die wohlige Heimat bringen, setzen wir uns in ein nettes kleines Café, schlürfen Tee und essen Kuchen. Geschafft, fertig mit der Welt und trotzdem erleichtert und froh, die Herausforderung, so gut es ging, gemeistert zu haben.


Fazit: Trotzdem vieles in dem Bericht wohl sehr negativ klingt, und vieles auch wirklich an den Nerven zerrte und schmerzte, würde ich solch eine Wanderung wieder machen. Ich habe meine Grenzen ausgetestet und weiß nun, wie weit ich gehen kann - im wortwörtlichen und metaphorischen Sinne. Diese Art zu reisen bringt einen sowohl näher zur Natur, als auch zu sich selbst und das genieße ich zutiefst. Und so sehr ich auch ein Internetkind bin, die Tage ohne waren ziemlich angenehm.

Es gibt für folgende Wandertouren nur zwei Voraussetzungen. Zum einen brauche ich anständige Wanderschuhe, in denen ich wirklich Halt habe und mir meine Füße nicht zu Matsch laufe. Zum anderen sollten es nachts schon mindestens fünf bis zehn Grad Celsius sein, wenn wir im Zelt schlafen. Ansonsten bin ich wieder mit dabei!


Zum Abschluss
  • Drei Wandertage (plus jeweils ein Tag für An- und Abreise)
  • Ungefähr 40 gelaufene Kilometer
  • Höhepunkt: Wutachschlucht & Tretbootfahrt auf dem Titisee
  • Tiefpunkt: Matschfüße
  • Zum Glück eingepackt: Ein dickes Paar Socken und meine Fleecejacke
  • Unnötigerweise eingepackt: Sonnencreme und Regenschirm

Kommentare:

  1. Das klingt echt nach harter Arbeit! Wenn ich das Zelt im Schnee sehe, fröstelt es mich direkt

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  2. Hallo Karo,
    Wandertouren hier bei uns im Schwarzwald solltest du eher zu einer späteren Jahreszeit machen. Aber schön wenn du hier in unsere Gegend etwas Zeit Verbracht hast.
    LG Nadine

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