Donnerstag, 15. Mai 2014

Meine Osterwanderung im Schwarzwald - Teil 1

Schritt. Und Schritt. Und Schritt. Und Schritt. Mit meinen behandschuhten Händen streife ich abwechselnd den Saumen meiner Regenjacke. Das reibende Geräusch, und der damit verbundene gleichmäßige Takt, ist das einzige, das mich gerade noch einen Fuß vor den anderen setzen lässt. Meine Füße und Beine schmerzen höllisch. Am liebsten würde ich sie einfach abschrauben, beherzt über meine Schultern schmeißen und ohne sie weiterlaufen. Dabei ist dies gerade einmal der zweite richtige Wandertag. Erst am darauffolgenden Morgen, bei der wahrscheinlich wohltuendsten heißen Dusche meines Lebens, bekomme ich die Gelegenheit, einen gründlichen Blick auf meine Füße zu werfen. Sie sind angeschwollen und pulsieren. Jeweils unter dem großen Zeh tummelt sich eine ordentliche Blase, der rechte ist sogar blau angelaufen.


Dabei fing am Donnerstag alles so prächtig an. Ich habe nicht verschlafen, nicht meinen Zug verpasst und keine essenziellen Dinge wie Bahnticket oder Portemonnaie vergessen. Alle Transportmittel kommen sogar pünktlich und so treffe ich mich nachmittags am Freiburger Hauptbahnhof zum vereinbarten Zeitpunkt mit einer Freundin, die im Vorfeld den Plan zu diesem Wandertrip ausheckte. Zusammen fahren wir zu unserem ersten Zielort der insgesamt fünftägigen Schwarzwaldtour: Ewattingen in der Gemeinde Wutach. Die erste Nacht ist uns mangels eines vorhandenen Campingplatzes noch der Luxus vergönnt, in einer Pension zu übernachten. Von der nicht allzu weit entfernten Wutachmühle sollte am folgenden Morgen unsere Wanderung beginnen.

Die Wutachschlucht wird als der Grand Canyon des Schwarzwaldes angepriesen. Da ich noch nie am Grand Canyon war, kann ich diese Behauptung nicht bestätigen. Doch nichtsdestotrotz sind die dreizehn Kilometer, die wir von der Wutach- bis zur Schattenmühle stiefeln, wunderschön bis beeindruckend. Unsere begangene Strecke ist dabei nur ein Bruchteil des gesamten Weges, der rechts und links an dem Fluss Wutach durch ein grünes Naturschutzgebiet vorbeiführt.

Laut meiner Begleitung wird dieser Weg als mittelschwer eingestuft. Nicht mehr lockerflockig, aber noch keine unüberwindbare Herausforderung. Und in der Tat gibt es den einen oder anderen Anstieg als auch einige Kletterpartien, die besonders durch den schweren Rucksack zum Balanceakt werden. Zum Glück haben wir uns bereits am Morgen unsere Regenjacken übergestülpt und die Wanderrucksäcke mit einem Regenschutz versehen. Denn mit dem Wetter sollten wir während unseres Trips ziemliches Pech haben, sodass wir nasse Sachen wohl nie wieder trocken bekommen hätten. So beglückt uns auch der Freitag mit Niesel- bis Regenschauern.
 

Trotz der schönen Strecke mit zwitschernden Vögeln und dem stetigen Plätschern des Flusses kann ich mich nur zeitweise auf die Natur um mich herum konzentrieren. Oft bin ich mit meinen Gedanken noch zu Hause, zähle für mich auf, was ich noch zu tun habe - wenn ich erst wieder zurück bin - was noch zu planen ist, was noch zu lernen, wem noch zu schreiben, was noch nachzuarbeiten und dann alles wieder von vorn. Häufig unterhalten wir uns auch, bringen uns auf den neuesten Stand, da wir jeweils am anderen Ende Deutschlands wohnen und uns daher nur sehr selten zu Gesicht bekommen. Ab und zu singen wir Lieder, um uns von der Anstrengung und der schmerzenden Schwere der Rucksäcke abzulenken. Go tell in on the mountain, over the hills and everywhere...Ade mein Lieb, ich muss jetzt gehen...Ich schau' umher, was das nächste Ufer bringt...Von Geburt an beginnt das Erlebnis, wenn wir uns zur Sonne drehen...

Oft habe ich gelesen, dass Menschen Wandern gerade deshalb schön finden, weil sie sich dabei geistig entspannen und abschalten können. Doch mein Kopf scheint in dem Punkt gegen mich zu arbeiten. Gedankenfetzen rattern und kreisen wie im niemals endenden Karussell umher. Jukeboxartig spuckt mein Gehirn neue Lieder aus. Meine innere Grüblerin lässt sich wohl nicht so einfach abstellen. Eines bringt dieser Tag trotzdem: Spaß! Klar, tun am Ende des Tages die Füße weh und ich bin komplett ausgelaugt, doch die Herausforderung gemeistert zu haben, ist ein wunderbares Gefühl.


Zur Belohnung lassen wir uns, wie könnte man das im Schwarzwald auch auslassen, ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte schmecken, bevor uns Bus und Bahn zu unserem nächsten Reiseziel bringen: Schluchsee.

Mit der kommenden Nacht beginnt für uns schließlich das Zeltabenteuer. Vom Bahnhof aus laufen wir unter grauem, wolkenverhangenem Himmel zum Campingplatz. Verrückt müssen wir sein, denke ich, bei diesen Temperaturen wirklich im Zelt zu schlafen. Auch die Dame bei der Anmeldung rät uns, wenn es zu kalt wird, mit den Schlafsäcken in den Aufenthaltsraum umzuziehen. Für die Nacht sind Minustemperaturen angekündigt. Auf der großen Wiese steht tatsächlich nur noch ein weiteres Zelt, der restliche Campingplatz ist ausschließlich mit Wohnmobilen gefüllt. Als wir gerade anfangen, unser Zelt aufzubauen, beginnt es zu schneien.

Hier geht es zum zweiten Teil meines Berichts.

Kommentare:

  1. Hallo Frau Kafka,

    schöner Wanderbericht, gerade weil er auch vom Negativen (Blasen an den Füßen; schwerer Rucksack; Gedanken, die abschweifen, obwohl um einen herum die Natur brilliert) handelt. Bin gespannt wie es weiter geht, ob ihr im Zelt eingeschneit wurdet. Ich war zur gleichen Zeit in Franken unterwegs, habe mir aber täglich den Luxus einer Pension gegönnt ;-)

    Einfach bewusste Grüße

    Christof

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  2. Tolle Sache, wir erlebten neulich eine Sturmnacht im Zelt im Südschwarzwald auf 1300 Metern. Wir wünschen euch viel Spaß unterwegs!

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