Dienstag, 1. April 2014

Chromosom XX ungelöst

Soeben beendete ich das zuletzt veröffentlichte Buch von Christoph Koch, das da den Titel "Chromosom XY ungelöst" trägt. Darin probiert der Journalist und Autor zu ergründen, was eigentlich Männlichkeit ausmacht und wagt sich an einige typisch männliche Aktivitäten wie ein Fußball-Fan sein, in den Boxring steigen, nach Meeresforellen angeln, Motoren genauer unter die Lupe nehmen oder sich mit Extremsportarten auseinandersetzen. Genau wie seine Werke davor war das Buch wieder äußerst unterhaltsam und eine gute Mischung aus niedergeschriebenen Erfahrungen im Selbstversuch und recherchierten Faktenhäppchen. Anders als Kochs bisherige Werke, konnte ich für mich, letztendlich kein Mann, nicht ganz so viel mitnehmen.

Also habe kurzerhand darüber nachgedacht, quasi einen Gegenversuch zu starten. Zu ergründen, was besonders fraulich und typisch weiblich ist. Doch angesichts der Aktivitäten und Eigenschaften, die ausschließlich oder zumindest vorrangig dem weiblichen Geschlecht nachgesagt werden, vergeht mir darauf ein bisschen die Lust. Im Folgenden meine ersten Assoziationen (kursiv markiert sind dabei die Dinge, die bei mir persönlich zutreffen).

  • Gern Kochen und Backen
  • Sportarten wie Yoga oder Pilates treiben
  • Sich für Kosmetikprodukte und Modetrends interessieren
  • Eine große Sammlung von Kosmetikprodukten/Klamotten/Schuhen/Handtaschen besitzen
  • Häufig shoppen gehen und der Meinung sein, Shopping sei ein ernstzunehmendes Hobby
  • Serien wie "Sex and the City", "Gossip Girl" oder "Pretty Little Liars" schauen
  • Regelmäßig Finger- und Fußnägel lackieren und sich sogar an Muster und Designs versuchen
  • Gern zum Friseur gehen
  • Sich mit Vorliebe romantische Liebeskomödien ansehen
  • Häkeln, stricken und/oder nähen können
  • Auch anderweitig gern basteln und Do It Yourself-Anleitungen befolgen (bevorzugt für die eigene Inneneinrichtung)
  • Mehr (Duft-)Kerzen haben, als man tatsächlich braucht
  • Sich für die Farben Rosa, Pink und Lila begeistern
  • Kitsch super finden
  • Romantisch veranlagt sein
  • Lieber in den Wellness-Urlaub fahren, als neue Orte zu erkunden
  • Pferde mögen und selbst reiten (können)
  • Kinderlieb sein und sogar selbst welche bekommen wollen/haben
  • Tierlieb sein
  • Chicklit-Romane lesen
  • Sich mit der eigenen Ernährung und der Gesundheit und Wohlbefinden des eigenen Körpers auseinandersetzen
  • Sich die Haare tönen oder färben
  • Schuhe mit Absatz tragen
  • Oft über Oberflächlichkeiten nachdenken
  • Über das Aussehen anderer Menschen urteilen und lästern
  • Sich für das Privatleben von Stars interessieren
  • Cocktails trinken
  • Röcke und Kleider anziehen
  • Besonders gefühlvoll sein und seine Emotionen bei jeder sich bietenden Gelegenheit herauslassen
  • Überhaupt viel reden
  • Gern Sprachen lernen
  • Feministin sein

Vielleicht bin ich einfach nicht die typische Frau, aber das meiste davon juckt mich überhaupt nicht. Ich bin dann doch eher an Sachen interessiert, die mehr Abenteuer und Erfahrungen versprechen. Da ahme ich doch lieber Christoph Koch nach und besuche die Highland Games in Schottland, als anzufangen, in High Heels durch die Gegend zu stöckeln. Auch würde ich ein Rangertraining in Südafrika allemal einem Wellness-Urlaub vorziehen. Daher begrabe ich den Gedanken vorerst wieder, ein Selbstexperiment zu starten, bei dem ich mich auf die Suche nach meiner inneren Weiblichkeit mache und bleibe lieber ein verschrobenes Wesen, das irgendwo zwischen den Klischees wabert. Außer, ja, außer einer von euch hat noch spannendere, weniger vorurteilgeladene Vorschläge und Ideen zu dem Thema!

Kommentare:

  1. Möglicherweise könntest Du Bollywood der Liste hinzufügen :)
    Nicht zu vergessen wäre das quietschige Kreischen, wenn sich Freundinnen begegnen und das Geknutsche zum Begrüßen xD

    Auf mich trifft aber auch eher wenig zu, was typisch Frau entspricht... Wobei ich aber gerne zum Friseur gehe ^^ dazu muss ich aber sagen, dass meine Friseurin auch eine Freundin von mir ist :D

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    1. Ich kenne auch kaum Menschen (vor allem persönlich), die typisch- ja, man mag bei manchem schon was "tussig" sagen - sind. Aber was richtig spannendes, trotzdem typisch weibliches mag mir einfach nicht einfallen. Selbst Bollywood-Filme nicht. :P

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  2. Oh yes! Ich mag lila. Ok. Aber typisch fraulich scheine ich mit dieser Präferenz auch nicht zu sein, wenn sie fast das Einzige ist.
    Ich bin gerade auf der Suche nach dem typischen Muttchen. Habe mir das heute anhören müssen. Wenn die Haare so auf Schulterhöhe sind (und frau vermutlich Kinder hat) ist sie ein Muttchen. Aber mir sagt das so irgendwie gar nichts. Und, ist das jetzt gut oder schlecht, wenn sie die Haare so lang hat?

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    1. Muttchen? Ich dachte, das sagt man als nicht unbedingt schlechte, eher liebevollen Anrede immer so zu älteren, kleineren Frauen. Muttchen eben. Mit der Haarlänge habe auch noch nie gehört. :)

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  3. Wirklich interessant scheint mir das Buch von Christian Seidel "Die Frau in mir", das sich ein bisschen ausführlicher mit der Genderthematik beschäftigt. Leider habe ich es noch nicht gelesen (leider haben das nicht alle Bibliotheken...), aber der Bericht auf arte dazu war wirklich interessant. Das versucht Seidel ein Jahr lang als Frau zu leben, mit allem, was dazu gehört.

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    1. Ach so wieder, einen Buchtipp geben, aber noch nicht selbst gelesen haben, wa? Erstmal abchecken, ob die anderen das mögen, bevor man seine Zeit dafür opfert? So nicht. :P

      Nein, nein, ich habe es mal auf die Liste gepackt. Auch wenn ich nicht weiß, ob darin entsprechende Anregungen sind, die man als Frau mal ausprobieren kann, ohne das alles nur auf die Schiene Aussehen, Gefühlsduselei oder Familieversorgen geht. ;)

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  4. Hey Karo,

    Also, dass ich ja mal ein toller Bericht. Bin ich typisch Frau? Kein Ahnung. Ich mache auch lieber Abenteuer-Urlaub und kochen kann ich auch nicht. Aber ich liebe Backen und Lila auch, obwohl ich Blau noch lieber habe. Ansonsten: Zum Friseur gehe ich schon, aber es ist mir meistens egal, was dabei herauskommt. Gefärbt oder getönt wird aber schon mal. Die Fingernägel sind meistens nicht lackiert (aber nur, weil das immer so super schnell wieder abgeht und ewig dauert, bis es trocken ist), wenn dann kann es aber schon sein, dass die ein Muster in Form von Nagelklebern bekommen. Stricken, häckeln und basteln mache ich auch gerne.

    So das war bestimmt das wichtigeste, denke ich.

    Lg Mel

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    1. Ich glaube, es gibt auch nur gaaanz wenig Frauen, bei denen alles von der Liste zutrifft. So stereotyp können wir ja gar nicht sein. ;)

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  5. Aber Highheels zu tragen kann auch ne Erfahrung sein. Mit Kosmetik kann man sich viel befassen, es geht dabei nicht nur darum, sich für Männer hübsch anzumalen, sondern sich mit sich, seiner Wirkung auf andere, seinen Makeln usw. zu beschäftigen. Und der Werbung. Und den Einfuhrgesetzen anderer Länder. Jeder soll machen, was ihn glückich macht. Ob Mann, Frau oder Stein. Wir bestehen ja nich den ganzen Tag aus Geschlechterkischees.

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    1. Unterschreibe ich so. Und natürlich kann das spannend sein und es ist ja auch vollkommen in Ordnung, wenn andere in diesen Feldern absolut aufgehen können. Für mich ist es jedoch eher nichts.

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  6. Achso und weil ich es kurz vor diesem Post hier gelesen habe und es passt: http://jezebel.com/things-i-learned-from-womenagainstfeminism-1609067794?utm_campaign=socialflow_jezebel_facebook&utm_source=jezebel_facebook&utm_medium=socialflow

    Frauen, die nicht von sich behaupten Feministinnen zu sein, wissen einfach nicht was eine Feministin ist.

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    1. Vielen Dank für den Link! Man, was manche Frauen da von sich geben, ist echt zum Heulen. Zum Glück denken nicht alle so!

      Dein letzter Satz bringt es auf den Punkt. :)

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