Sonntag, 23. März 2014

Sich selbst Gitarrespielen beibringen: Meine Tipps für Anfänger

Anmerkung vorweg: Wenn man ein professioneller Gitarrist werden möchte und vielleicht sogar eine Karriere mit diesem Instrument anstrebt, sollte man sich einen Gitarrenlehrer oder geübten Musiker suchen, der einem von Anfang die Techniken richtig beibringt und sogar Tricks zeigen kann. Sind Fehler, beispielsweise in der Haltung, nämlich erst einmal angeeignet, wird es schwer, sie sich wieder abzutrainieren. Außerdem gelangt man auf eigener Faust immer früher oder später an einen Punkt, an dem man ohne Hilfe von einem gekonnten Spieler nicht mehr weiterkommt und damit feststeckt. 

Sich selbst ohne Hilfe das Gitarrespielen beizubringen, ist jedoch durchaus angebracht, wenn man zunächst austesten möchte, ob das überhaupt etwas für einen ist oder wenn man das nur nebenbei als Hobbygeklimper betreiben möchte.


Bücher

Wie wohl viele andere Menschen habe ich mit "Peter Bursch's Gitarrenbuch" mit dem Gitarrenspiel angefangen. In diesem Buch beginnt man ganz von vorn und Schritt für Schritt. Man benötigt also absolut keine Vorkenntnisse oder Wissen zur Musiktheorie. Worauf sollte man beim Gitarrenkauf achten, wie ist eine Gitarre überhaupt aufgebaut, wie wird sie gehalten und wie stimme ich sie richtig? Nach dieser kurzen Einführung geht es auch schon los mit den ersten Akkorden, denn für einen lockeren Einstieg wird hier komplett auf das Spielen nach Noten verzichtet.

Das Schöne: schon nach den ersten drei Akkorden wird das erste Lied gespielt und auch sonst kommen die Liedbeispiele in kurzen Abständen, sodass man schnell Erfolgserlebnisse hat und motiviert ist weiterzumachen. Üben kann man Griffe und gezeigte Anspieltechniken außerdem mit der beigelegten CD. Zwischendurch gibt es immer wieder Seiten, die sich intensiver mit der Musiktheorie beschäftigen. Man hat also die Wahl, sich ein bisschen Hintergrundwissen anzueignen oder auch alles einfach hinzunehmen, wenn es einem eher um das Praktische geht.

Die Lieder sind zumeist Klassiker und reichen von "Sag' mir, wo die Blumen sind" über "Knockin' On Heaven's Door" bis hin zu "Streets of London". Mit diesem Buch kann man für den Anfang absolut nichts falsch machen und ist eine eindeutige Empfehlung meinerseits!

Wer sich danach noch nicht sicher genug fühlt, alleine weiterzumachen, oder wer aus einem anderen Grund noch nicht genug hat, kann sich im Anschluss direkt das "Gitarrenbuch 2" schnappen. Hier wird der Schwierigkeitsgrad angehoben und weitere Anschlag- und Zupftechniken sowie Fingerübungen und Liedbeispiele vorgestellt. Wer damit durch ist, dürfte schon ein ziemlich passabler Spieler sein, doch bis dahin dauert es natürlich Zeit, Arbeit und vor allem Schweiß.


Wer mit der Liedauswahl des eigenen Lehrbuchs nicht viel anfangen kann, schaut am besten nach, ob nicht zufällig einer der eigenen Lieblingskünstler ein Liederbuch herausgebracht hat. So bei mir geschehen mit dem Wir Sind Helden-Liederbuch. Neben Gitarrenakkorden und Liedertexten kommen dabei nämlich im besten Fall noch Noten, Tabulaturen und Schlagzeugnotationen dazu - und das hundertprozentig korrekt niedergeschrieben. Diese sind besonders gut, wenn man auch etwas mit anderen Leuten und weiteren Instrumenten zusammenspielen möchte und dafür geeignetes Material braucht. Dazu muss man nur selbst recherchieren, von welchen Bands es Songbooks gibt. Es existieren auf jeden Fall welche von Musikern wie Die Ärzte, Simon & Garfunkel, Johnny Cash und Cat Stevens. Insgesamt geht es schließlich darum, Lieder zu spielen, die man mag und sich ein Repertoire aufzubauen, das den eigenen Musikgeschmack widerspiegelt. Ansonsten kann die Spielfreude schnell flöten gehen.


Online

Auch im Internet lässt sich einiges an Material für das Gitarrespielen herauskramen. Der Vorteil ist dabei, das man viel mehr Auswahl hat, der einem nach nur einem Klick und oftmals sogar kostenlos zur Verfügung steht. Der Nachteil bleibt, dass jeder alles sagen kann und man gut suchen und selektieren muss, um Brauchbares zu finden.


Auf Youtube gibt es den empfehlenswerten Kanal "Gitarrenlehrer" von Georg Norberg, der, wer hätte es für möglich gehalten, Gitarrenlehrer ist. Wenn man sich die Videos anschaut, wird man feststellen, dass sich darunter ein großes Allerlei aus den verschiedensten Themenbereichen des Gitarrenspiels tummelt. Natürlich kann man sich dort durchklicken und schauen, was einen gerade interessiert und was man gerne lernen möchte. Wer es lieber geordneter angeht, sollte sich bei einem seiner Online-Kurse anmelden.

Beim kostenlos angebotenen Einsteigerkurs bekommt man in regelmäßigen Abständen Lektionen an seine E-Mail-Adresse geschickt, die von Grund auf alles erklären, was man als Anfänger wissen muss. Hier ist der kleine Nachteil, dass man nicht weitermachen kann, wie man lustig ist, sondern natürlich erst immer auf die nächste Lektion warten muss. Doch einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Im folgenden Video erzählt Georg Norberg, was man von dem Kurs erwarten kann.


Als ich mich damals probehalber in den Einsteigerkurs eintrug, war ich schon zu fortgeschritten dafür und habe den nicht mehr allzu sorgfältig mitgemacht. Doch habe ich es diesem Herren zu verdanken, dass ich an den Barré-Griffen nicht komplett verzweifelt bin und endlich die Technik gefunden hatte, mit der ich sie seither spiele. Das war jedoch abseits der Kurses, deshalb lohnt es sich durchaus, auch so im Kanal zu stöbern.


Ein weiterer deutscher Kanal auf Youtube wird von Paul Noack und Dennis Fronczek betrieben und nennt sich "GitarreLernenUSG". Auch hier findet man unter den Videos einen Anfängerkurs. Zudem noch einiges an Gimmicks abseits vom normalen Standardangebot. Beispielsweise: wie kann ich mit meiner Gitarre einen Banjo-Sound produzieren, warum sollte ich mir eine Repertoire-Liste anlegen und wo finde ich im Internet ein anständiges Metronom? Es ist einzig und allein schade, dass der Kanal seit langem scheinbar brachliegt und kein neues Material mehr hochgeladen wird.

Ansonsten bietet es sich an, auch bei Youtube ordentlich Ausschau zu halten. Man wird noch auf hunderte, meist englischsprachige Kanäle stoßen, die einem Tipps, Tricks und Anleitungen zu den verschiedensten Sachen zeigen. Nimm dabei so viel mit, wie du kannst. Es wird dir sicherlich nicht schaden.


Um Songakkorde herauszusuchen, benutze ich ansonsten mehr als regelmäßig die Seite Ultimate Guitar. Ich finde es meistens angenehmer, die Lieder schriftlich zu lernen, als mit einem Video. Denn bei letzterem schreibe ich mir Akkorde und gegebenfalls Anschlagtechnik heraus und dann muss ich jedes Mal, wenn ich den Song wieder spielen möchte, den Liedtext googlen und den besagten Zettel wiederfinden, falls ich ihn denn wiederfinde und das ist mir zu umständlich. So öffne ich einfach die Seite aus meinen Lesezeichen heraus und kann drauflosspielen.


Sonstiges

Mein wichtigster Tipp, den du sicher auch das eine oder andere Mal in Lektionen hören wirst, ist: lege dir eine Repertoire-Liste an. Wie oft wurde mir schon gesagt: "Na, spiel' doch mal was vor!" und mir fiel absolut nichts ein. Das kam natürlich daher, dass ich Lieder meistens beim Üben nur ablas und somit nicht bewusst auswendig lernte. Seit ein paar Wochen habe ich jedoch endlich selbst eine solche Liste angelegt und lerne Lieder wie blöde, sodass mir diese Schmach nicht mehr passieren kann.

Und so geht's: nimm dir einen stinknormalen Zettel, unterteile ihn in drei Spalten, in die du hineinschreibst "Kann ich schon", "Lerne ich gerade" und "Möchte ich noch lernen" (oder so ähnlich). Schreibe in die entsprechenden Spalten, was du bereits kannst, gerade lernst und noch lernen möchtest. Aktualisiere diese Liste regelmäßig und ständig. That's as easy as it gets.
Somit behältst du einwandfrei den Überblick über dein Repertoire, weißt genau, wie dein Stand momentan ist, welche Lieder du noch üben musst und was du noch erreichen möchtest.
 
 
Ansonsten kann ich jedem nur mit auf den Weg geben, dass es viel Selbstdisziplin, Ausdauer und Geduld braucht, wenn man sich selbst das Spielen auf diesem wundervollen Instrument beibringt. Da heißt es: üben, üben und verdammt nochmal üben! Doch mit dem entsprechenden Willen und Leidenschaft sollte es zu schaffen sein, über kurz oder lang ein immer besserer Gitarrist zu werden.
Denn es lohnt sich: man setzt sich mit selbst auseinander, lädt sich tatsächlich tolle Skills drauf, hat die Möglichkeit, seine Gefühle beim Spielen herauslassen, kann vor anderen Leuten angeben (wenn man möchte), mit anderen Menschen musizieren oder ganz im Stillen eigene Melodien und Lieder basteln.
Selbst bei Konzerten erwische ich mich, seit ich selbst Gitarre spiele, dabei, wie ich oft nur noch dem Gitarristen auf die Hände starre. Und man bemerkt, dass die ganz berühmten Lieder oft leichter sind, als man gedacht hätte. Und dass gleichzeitig eine Menge Lieder trotzdem noch ziemlich knifflig sein können. Doch genau diese zu erobern, macht den meisten Reiz aus.

Und damit wünsche ich viel Erfolg und Spaß beim Gitarrespielen!

Kommentare:

  1. Hammer Anleitung! sehr viele nützlich Tipps!

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  2. Coole Tipps, finde ich! Gitarre selbst lernen mit Youtube ist einfach, schnell und kostenlos. Zwar gibt es nicht so viel Video-Tutorials auf Deutsch, leder. Vielen Dank für den Artikel.

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