Dienstag, 18. März 2014

Mein Tag auf der Leipziger Buchmesse 2014

Wie knapp zweihunderttausend andere Menschen zog es mich ebenfalls während der diesjährigen Leipziger Buchmesse in die heiligen Hallen des Messegeländes. Dabei fühlte es sich an wie mein erster Besuch. Obwohl ich genaugenommen und ganz eigentlich zuvor schon auf der Leipziger Buchmesse war. *Übergang zum Flashback*

Das erste Mal im Alter von vierzehn Jahren. Mit Freundinnen und Freundinnen von Freundinnen war ich für einen Tag in einer Cosplay-Gruppe in (nicht von mir) selbstgenähten Sailor Moon-Kostümen unterwegs. Ich bekam die Rolle der Sailor Neptun ab und hatte grüne Haare - aber das ist eine andere Geschichte. Der Punkt ist, dass es einfach nicht mein Ding war. Ich kannte und kenne mich bis heute nicht sonderlich mit Manga-Comics und Anime-Serien aus und bin auch nicht der Typ, der den ganzen Tag für Fotos gerade stehen will.
Erneut fuhr ich schließlich drei Jahre später wieder für die Buchmesse nach Leipzig. Mit meiner Begleitung war ich ziemlich angetan von dem Gedanken, kostenlos Sachen abstauben zu können und so rannten wir den ganzen Tag von einem Stand zum nächsten, um uns allerlei Flyer, Magazine, Gratisbücher, Lesezeichen und Leseproben in die vollen Tüten zu stopfen. Von Lesungen oder Neuheiten im Bücheruniversum habe ich nichts mitbekommen und später warf ich den ganzen eingesammelten Kram in die Mülltonne, da ich ihn mir sowieso nie ansehen würde.

Versteht mich nicht falsch, es waren beides schöne, spaßige Tage, doch aus der heutigen Perspektive betrachtet keine Erfahrung auf einer Buchmesse. Dieses Jahr sollte es also anders ablaufen bei meinem ersten "richtigen" Besuch auf der Leipziger Buchmesse. *Flashback Ende*


Wir, das sind meine Mutter und ich, der ich den Besuch im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt habe, wagten uns am Samstag, dem sicherlich besucherstärksten Tag, in die Höhle des Löwen. Über die ausufernden Menschenmassen, das endlose Gedränge und elende Geschiebe brauche ich keine weiteren Worte verlieren, denn das war schließlich vorhersehbar. Ich hatte schon im Voraus das gesamte Programm durchforstet und Punkte herausgesucht, die uns interessieren könnten, von denen wir uns einen kleinen Anteil herauspickten - und aus Zeitgründen dann einen sogar noch kleineren Anteil tatsächlich besuchen sollten.


Richtig los ging es für mich mit einem Termin, den ich selbst bei meiner Planung komplett übersehen hatte. Wäre ich nicht vor ein paar Wochen noch zu Besuch in der alten Heimat gewesen und hätte mit Muttern die Filme "3 Zimmer/Küche/Bad" und "Renn, wenn du kannst" gesehen und ihr besonders von diesem einem Schauspieler ausufernd erzählt, den ich so gut leiden kann, dann hätte sie mich vielleicht nie darauf hingewiesen, dass genau dieser Schauspieler gleich morgens auf dem blauen Sofa Platz nehmen würde. Hätte, hätte, Fahrradkette, es geschah jedoch alles und so war mein Höhepunkt des Tage gleich morgens um elf Uhr dank Robert Fucking Gwisdek.

Denn der feine Herr hat tatsächlich ein Buch geschrieben, das da den Namen "Der unsichtbare Apfel" trägt. Das halbstündige Gespräch darüber, aber auch über seine anderen Projekte und sonstigen Gedanken, war äußerst spannend und hat mir gleich Stoff zum Nachdenken mit an die Hand gegeben. Wer möchte, kann diesem Link folgen und sich die Aufzeichnung davon anschauen. Gwisdek ist definitiv ein sehr kluger, inspirierender Mensch, von dem man hoffentlich noch viel sehen und hören wird. Zudem bin ich jetzt verdammt gespannt auf seinen Roman. Er hat sich dabei so viele Gedanken gemacht und macht sie sich auch generell über unterschiedlichste Sachen, denen ich noch nie besondere Beachtung schenkte - von Formen wie Kreis und Dreieck über sprechende Tiere bishin zu Zahlenrätsel und allerlei surreale Situationen. Ein bisschen Angst habe ich schon, dass ich das Buch nicht verstehe, doch ob dem so ist, werde ich wohl nur herausfinden können, wenn ich es lese.


Der nächste Tagesordnungspunkt war das Gespräch mit Navid Kermani im ARD-TV-Forum, der seinen neuesten Roman "Große Liebe" vorstellte. Zugegebenermaßen bin ich dort eigentlich nur wegen des Moderators Denis Scheck hingestiefelt, den ich aufgrund der Sendung "Druckfrisch" live sehen wollte. Doch auch Autor und Buch entpuppten sich als sehr interessant. Letzteres wandert nun nicht direkt auf Platz 1 meiner Wunschliste, doch sollte ich in der Stadtbibliothek darüber stolpern, werde ich es mitnehmen.

Das waren dabei auch schon die beiden Programmpunkte, die tatsächlich vollständig mitnahm. Zwischendurch stoppten wir noch beim Poetry Slam der HTWK Leipzig, doch so richtig begeistert haben mich die Teilnehmer nicht, weshalb wir bald das Weite suchten und uns lieber dem Abklappern der Ausstellerstände widmeten, meinen Lieblingsverlagen - Diogenes, Penguin und der Verlagsgruppe Random House - natürlich besonderer Achtung schenkend.

Um der guten, alten Zeiten willen stattete ich ebenfalls Halle 1 aka der Manga-Comic-Convention einen Besuch ab. Der Geruch nach Schweiß kroch einem schon zwanzig Meter vor dem Eingang in die Nase und darin hat sich in den letzten Jahren ganz schön was verändert. Das auffälligste war, dass sich die Convention sich nun ganz allein in einer Halle ausbreiten durfte. Damals musste sie sich diese noch mit anderen Verlagen teilen, und überhaupt war an diesem Tag alles viel weitläufiger und das Angebot reicher. Immernoch kenne ich mich in dem Bereich mehr schlecht als recht aus, sodass ich nur bei den wenigsten Kostümen wusste, was sie darstellen sollten. Es ist einfach nicht meine Welt und ich fühlte mich ein wenig fehl am Platz. (Außerdem kann ich vermummte/maskierte Gesichter nicht leiden, von denen es dort jedoch wimmelte. Gruselig.)


Bevor sich der Tag auf der Messe langsam dem Ende näherte, verkaufte ich noch schnell meine Seele an den Teufel. Beziehungsweise wurde ich Mitglied bei der Büchergilde. Eigentlich nicht verwerflich, denn das Einstiegsangebot, sich drei Bücher für fünf Euro aussuchen zu dürfen, war verlockend. Zudem finde ich die Ausgaben der Büchergilde richtig schön aufgemacht und ich werde locker fündig, wenn mir nun für mindestens ein Jahr (danach kann man sich wieder abmelden) alle drei Monate einen Artikel, sei es Buch, DVD oder CD, aussuchen muss, der in den meisten Fällen auch noch billiger ist, als die normale Ausgabe. Doch mag ich insgesamt solche Verpflichtungen nicht und weiß in dem einen Moment nicht, was mich da geritten hat, bevor ich im nächsten denke, die Entscheidung war Gold wert. So werde ich einfach sehen, was das Jahr als Büchergildenmitglied bringt und dann entscheiden, ob es sich weiterhin lohnt.


Komme ich zu guter Letzt zu den Büchern, die ich mir an dem Tag kaufte. Zum einen natürlich das bereits erwähnte Buch "Der unsichtbare Apfel" von Robert Gwisdek, zum anderen das neueste Buch von Christoph Koch "Chromosom XY ungelöst", indem er herausfinden möchte, was einen richtigen Mann ausmacht. Nachdem ich seine anderen Bücher schon gelesen und geliebt habe, war es an der Zeit, mir auch dieses zu Gemüte zu führen. Stephen Emmotts "10 Billion" steht schon länger auf meiner Wunschliste und stach mir (nicht zuletzt wegen der grellen Farbe) bei Penguin Books einfach ins Auge.

Bei dem Angebot der Büchergilde, sich drei Bücher aussuchen zu dürfen, entschied ich mich für den Graphic Novel "Persepolis" von Marjane Satrapi, welchen ich schon gelesen und geliebt habe und bei dem ich weiß, dass ich es nie wieder so günstig bekommen werde, "F" von Daniel Kehlmann, von dem ich bereits "Die Vermessung der Welt" las, sowie "Alles, was ist" von James Salter, das zwar meine Mutter bekommen wird, ich aber trotzdem gerne lesen würde.


Insgesamt war es ein erkenntnisreicher, wundervoller Tag, bei dem ich mich eigentlich nur ein bisschen ärgere, nicht noch mehr gesehen und geschafft zu haben. Sich durch die Menschenmassen zu drängeln, dauert nunmal seine Zeit. Ich bin mir aber sicher, nächstes Jahr wieder - und überhaupt mindestens so lange ich in Leipzig lebe - auf die Leipziger Buchmesse zu gehen. Vielleicht muss ich es jedoch nur anders angehen und mich bereits Donnerstag oder Freitag durch die Ausstellerstände wühlen, bevor ich am Samstag höchstens noch einige Programmpunkte wie Lesungen und Autorengespräche besuche.

Kommentare:

  1. Ich habe mir von diesem Jahr komischerweise mehr erhofft, denn letztendlich war ich nicht so begeistert. Die 2-3€ teurere Karte hat sich nicht in der Qualität der Messe bemerkbar gemacht. Dass 2,50€ teure Programm hat mich davon abgehalten, es mir zu bestellen und in Ruhe mal Pläne zu machen... und ja, ich hatte gehofft, dass man mehr bekommt. Es ist zwar schon toll seine Lieblingsverlage auf einen Haufen zu sehen, aber eigentlich kann man auch in den Buchladen gehen und hat kaum Vorteile. :/

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  2. ach, ich würd da ja auch so gerne mal hin. beneide dich!

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  3. Klingt nach einem aufregenden Tag :) Fürs nächste Mal kann ich dir die Litpop empfehlen - ist zwar auch reichlich voll, aber dafür hat man viele schöne Lesungen auf einen Schlag.

    Minimalistische Grüße von Leipzig nach Leipzig,
    Anna

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    1. Ach cool, danke für den Hinweis. Da waren dieses Jahr ja wirklich ein paar coole Typen mit dabei, die ich da verpasst habe. Schade, schade. Na, dann eben nächstes Jahr! ;)

      Liebe Grüße nach Leipzig (momentan aus Berlin)!

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