Dienstag, 4. März 2014

Lesemonate Januar & Februar

Bei den Büchern dieser beiden Monate handelt es sich ausschließlich um Geschichten und Schicksalen von Frauen über Frauen. Eigentlich kam es eher ungeplant dazu, denn erst ab dem zweiten Buch im Februar fiel mir dieser Umstand auf. Und weil ich schon einmal dabei war, habe ich mir vorgenommen, ein bisschen damit weiterzumachen. Die kleine Feministin in mir hatte gesprochen, denn insgesamt neige ich dazu, vermehrt Bücher von männlichen Autoren über männliche Protagonisten zu lesen und zu mögen. Ich habe zwar insgesamt nicht so viel geschafft wie erhofft, doch dafür gehören dafür die ersten zwei Bücher im Monat März ebenfalls noch dazu. Die bespreche ich aber erst im nächsten Lesemonat.


Januar

"The Prime of Miss Jean Brodie" von Muriel Spark
Roman; 128 Seiten; Penguin; 2000; Englische Originalausgabe

Das Buch erzählt von der unkonventionellen Lehrerin Jean Brodie, die an der altmodischen, strengen Marcia Blane Schule in Edinburgh, Schottland unterrichtet. Anstatt den gewöhnlichen Stoff zu behandeln, erzählt sie den Mädchen von ihren Liebschaften, Reisen und politischen Ansichten. Einige der Schülerinnen nimmt sie in einen besonderen Kreis, der Brodie-Clique, auf, die sie oft und gern um sich schart und denen sie sogar persönliche Geheimnisse offenbart. Die Rektorin der Schule hält nicht viel von Brodie und möchte ihr deshalb am liebsten kündigen. Doch da ihr ein Kündigungsgrund fehlt, versucht sie aus den Mädchen geeignete Informationen herauszuquetschen, was ihr eines Tages auch gelingen soll.

Durch die vielen Zeitsprünge gestaltet sich das Lesen der Geschichte an manchen Stellen ein wenig kompliziert. Es ist insgesamt gut erzählt, doch zeitweilen ein wenig konfus und unübersichtlich, sodass ich glaube, das Buch trotz der Analyse in der Uni noch einmal lesen zu müssen, um alles in seiner Gesamtheit aufnehmen und seinem richtigen Platz zuordnen zu können. Ansonsten konnte ich mich mit keinem der Charakter wirklich identifizieren, deshalb hat mich die Geschichte leider nicht berührt und ist ein wenig an mir vorbei gegangen.

Gelesene Bücher: 1
Gelesene Seiten: 128
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 4



Februar

"Persepolis Band 2 - Jugendjahre" von Marjane Satrapi
Autobiographie; Graphic Novel; 191 Seiten; Ueberreuter; 2006; "Persepolis"

Über den ersten Band schrieb ich bereits im Lesemonat November. Direkt daran anschließend erzählt Marjane Satrapi in diesem graphischen Roman von ihrer Jugendzeit. Da ihre Eltern die Situation im Iran für ihre Tochter für zu gefährlich halten, beschließen sie, sie nach Europa zu schicken. In Wien sieht sich die Jugendliche mit einer neuen Kultur, einer neuen Sprache, neuen Leuten, der Liebe und vielen Problemen konfrontiert.

Der Fokus liegt hier eindeutig weniger auf den Verhältnissen im Iran, doch die Geschichte über diese starke Frau ist nichtsdestotrotz genauso spannend. Dazu kommen ein großartiger Zeichen- und Erzählstil. "Persepolis" ist definitiv eine ganz besondere Perle im Buchuniversum.

"Someday, Someday, Maybe" von Lauren Graham
Roman; Schauspielerei; 340 Seiten; Ballantine Books; 2013; Englische Originalausgabe

Als sie nach New York kam, hatte sich die leidenschaftliche Schauspielerin Franny Banks eine Dreijahresfrist gegeben, um in eben jenem Metier Fuß zu fassen. Falls sie es nicht schafft, wolle sie ihren Traum von der großen Schauspielerei aufgeben, ihn für immer begraben, ihren Ex-Freund heiraten und ein normales Leben führen. Zu Beginn des Buches bleibt ihr noch ein halbes Jahr übrig und mehr als einen kleinen Werbespot hat sie sich noch nichts geangelt. Die Zeit drängt. Ihr bleibt die Unterstützung ihrer Mitbewohner - ihrer besten Freundin Jane und dem Science-Fiction-Autor Dan - die die eine oder andere Katastrophe verhindern können.

"Someday, Someday, Maybe" wollte ich aus dem Grund schon lesen, weil ich Lauren Graham als Darstellerin aus einer meiner alten Lieblingsserien "Gilmore Girls" sehr mag. Hinter dem Titel erhoffte ich mir eine tiefgründige Geschichte über Selbstverwirklichung und Träume, wurde jedoch ein wenig enttäuscht. Es ist im Prinzip eine locker-leichte (Liebes-)Komödie. Die Protagonistin ist diese tollpatschige, junge Frau, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt, die sich aber gleichzeitig so charismatisch, witzig und spritzig gibt, dass sie einfach jeder lieben muss. Zwar ist das Buch mit zwischen den Kapiteln eingeschobenen Kalenderseiten (wobei sie nicht Kalender, sondern immer explizit "Filofax" sagt - was ist das eigentlich für eine Krankheit?) schön gestaltet, doch insgesamt zu oberflächlich und vorausschaubar. Einzig die Hintergrundinformationen zur Schauspielerei, wie das mit den Castings, den Aufträgen und dem Showbusiness funktioniert, machen es zumindest zu einem Buch, das man gelesen haben kann.

"Das schwere Los der Leichtigkeit" von Portia de Rossi
Biographie; Magersucht; 327 Seiten; mvg Verlag; 2011; "The Unbearable Lightness"

Bis auf 38 Kilogramm hungerte sich Portia de Rossi herunter, bis sie schließlich am Set einer Hollywood-Produktion zusammenbrach. Nach außen hin war sie schlank, schön und erfolgreich. Doch innerlich war sie fast tot. So beschreibt sie in "Das schwere  Los der Leichtigkeit" wie der Druck Hollywoods, dünn zu sein, in Kombination mit ihrer geheim gehaltenen Homosexualität dazu führte, dass sie sich in ihrer Haut nie wohlfühlte, sich selbst regelrecht verachtete und immer tiefer in die Magersucht hineinrutschte.

Es ist schockierend zu lesen, wie Portia de Rossi während ihrer Zeit als aufsteigende Schauspielerin aus dem Gedankenstrudel des Abnehmens nicht mehr herauskam. Ihr gesamter Alltag wurde danach ausgerichtet - wenig und möglichst kalorienfreies Essen zu  genau geplanten Zeiten, keine Sekunde stillstehen, denn sonst würde sie kein Fett verbrennen. Wenn sie in den Spiegel schaute, sah sie nicht die mageren Arme oder die herausstehenden Rippen, sondern nur das Fett an Bauch und Oberschenkeln, das sie um jeden Preis loswerden wollte. Bis es sie fast umbrachte.
Zwischendurch berichtet sie immer wieder von ihren ersten Aufträgen als Model, die sie noch in ihrer Heimat Australien bekommen hat und wie sich seitdem alles nur noch um ihr Gewicht drehen sollte und die ersten Essstörungen einsetzten. Das Buch ist dabei immer fesselnd, ehrlich, eindringlich und vor allem wichtig. Klare Empfehlung meinerseits!

Gelesene Bücher: 3
Gelesene Seiten: 858
Durchschnittlich gelesene Seiten am Tag: 31

Kommentare:

  1. Das Portia de Rossi-Buch klingt gut. Besonders der Originaltitel ist schön gewählt, natürlich in Anlehnung an "The unbearable lightness of being".

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  2. Wow, so ausführliche Buchbesprechungen. Da bin ich bei mir fauler ;-)

    Die beiden Persepolis-Bände kann ich auch sehr empfehlen. Man sollte vielleicht noch hinzufügen, dass es Comics sind.

    Viele Grüße

    Christof

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    1. Bei manchen Büchern brennt es mir einfach auf der Seele, etwas dazu zu sagen und wenn ich es schon bei denen mache, kann ich auch gleich zu allen etwas schreiben. ;)
      Ja, Persepolis ist super. Ich hatte es unter dem Titel als "Graphic Novel" vermerkt, siehst du?

      Danke für den Kommentar. Habe schon gesehen, dass dein Leserückblick auch bereits online ist. Werde ich nachher gleich hineinschauen. :D

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  3. Danke.
    Die Persepolis-Comics scheinen mir sehr interessant. :)

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  4. Mich interessieren besonders die Graphoc Novels und da du das Buch von Portia de Rossi so lobst, werde ich vielleicht auch mal einen Blick reinwerfen. Das Thema spricht mich ehrlich gesagt nur so Mittel an, da mir meist die Umsetzung nicht gefällt. Ich bin gespannt...
    Generell find ich deine Buchbesprechungen immer toll, da ich so auch immer mal wieder nen Hinweis zu interessanten Büchern finde, die mir potenziell gefallen könnte. Danke dafür!
    Übrigens mag ich auch gerne deine Reihe bezüglich deiner 101 Dinge. Da sind auch immer wieder kleine Denkanstöße für mich bei :-)

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    1. Huch, schön, dass dir hier manches gefällt, was ich so fabriziere! <3

      Habe mich bisher auch noch nicht so mit dem Thema Essstörungen beschäftigt, fand das aber beeindruckend von de Rossi umgesetzt. Reinlesen kann man ja mal. ;)

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