Mittwoch, 1. Januar 2014

Trainspotting von Irvine Welsh

AUTOR l Irvine Welsh
TITEL l Trainspotting
GENRE l Roman, Drogen
VERLAG l Heyne Verlag (2013)
SEITEN l 398
AUSZUG l "Ich machte mich an meinen Schuß. Es dauerte ewig, bis ich ne gute Ader fand. Meine hocken nich so nah an der Oberfläche wie bei den meisten anderen. Als der Hit einsetzte, genoß ich ihn zutiefst. Ali hatte recht. Nimm deinen besten Orgasmus, nimm das Gefühl mal zwanzig und du bist noch immer meilenweit davon entfernt. Meine trockenen, knirschenden Knochen wurden vom zärtlichen Streicheln meiner wunderschönen Heldin Heroin weich und flüssig. Die Erde drehte sich, und das tut sie heute noch."

Zur LESEPROBE geht es hier entlang.

ANMERKUNG l Das Buch wurde mir im Rahmen der Internetseite "Blogg dein Buch" vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung für den Erhalt ist eine schriftliche Rezension auf meinem Blog.

INHALT l Mietskasernen, Arbeitslosigkeit, miese Pubs, viel Alkohol und jede Menge Drogen: Willkommen in Leith, einer schmuddeligen Vorstadthölle von Edinburgh! Und im Leben der jugendlichen Außenseiter Renton, Spud, Begbie, Sick Boy und Second Prize, deren Alltag aus Suff, Rausch, Entzug, Sex, Frust und Gewalt besteht. Selbst wer noch kein Junkie ist, wird bald einer sein.

REZENSION l In "Trainspotting" findet man keine fortlaufende Geschichte mit rotem Faden. Vielmehr gibt es darin Ausschnitte und Einblicke in den Alltag einer Gruppe junger Erwachsener aus Schottland, die sich zwischen Drogensucht, Sex und Gewalt bewegen. Arbeiten möchten sie nicht, somit beschaffen sie sich ihr Geld durch Klauen oder zwielichtige Geschäfte.

Im Mittelpunkt stehen dabei Renton, Sick Boy, Begbie, Spud und ihre Freunde, Dealer, Bekannte und sonstige Gestalten der Szene. Damit komme ich auch schon zu meinem Problem mit diesem Buch: zu viele Charaktere, mit zu vielen Namen und Spitznamen und Spitznamen für die Spitznamen. So wird der vorgestellte Renton auch Rents, Rent Boy und Mark genannt oder Begbie schmückt sich weiterhin mit den Namen Frank, Franco und Francis und so zieht sich das bei den Charakteren durch das gesamte Buch. Zudem werden die einzelnen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und es gibt zu den Charakteren keine einführenden Hintergrundgeschichten, was die Verwirrung komplett machte. Erst nach knapp der Hälfte konnte ich langsam alle Namen ihren Charakteren zuordnen. Beim Lesen ist also ratsam, einen Notizzettel oder eine Charakterübersicht bereitzuhalten, wenn man sich langes Knobeln und Raten ersparen möchte.

Was mir hingegen gut gefallen hat, ist, dass jeder Charakter einen persönlichen Stil beim Erzählen aufweist, was dem Leser ein besseres Gefühl für Persönlichkeit und Gedankengänge der Person gibt. Umgangssprachlich ist es dabei durchgehend, was jedoch nur zunächst gewöhnungsbedürftigt ist. Im Original stelle ich mir diese Besonderheit noch einen Tick spannender vor, wenn Welsh sogar mit verschiedenen Akzenten arbeitet. Grund genug, die englische Version irgendwann noch zu lesen.

Inhaltlich ist das Buch sehr schonunglos, widerwärtig und mitunter sogar ekelhaft. Der Konsum von Drogen wird in keiner Weise verherrlicht oder gar attraktiv gemacht. Im Gegenteil, mit den krassen Folgen für die Protagonisten schreckt es im besten Fall ab.
Sonst kann ich gar nicht so viel zum Inhalt sagen, da er durch die Sequenzen nur sehr schwer greifbar ist. Zwischenmenschliche Aufeinandertreffen in Pubs und auf Partys, Schwierigkeiten mit dem Gesetz, Sex, Krankheiten wie HIV, Gewalt und Tod spielt alles eine Rolle.

Mit den Charakteren konnte ich mich in dem Sinne nicht identifizieren, doch lösten sie und ihre Schicksalsschläge durchaus Gefühle wie Wut oder Mitleid bei mir aus. Besonders das Ende fand ich gelungen und sehr passend inszeniert.

Wie realistisch die Beschreibungen sind, kann ich natürlich nicht beurteilen, da ich mich nicht in der Szene aufhalte. Eine Daseinsberechtigung und gewisse Wichtigkeit hat das Buch aber allemal. Nicht umsonst wurde das meistgeklaute Buch pünktlich zum zwanzigsten Jubiläum gleichzeitig zu Schottlands Lieblingsbuch gewählt.

FAZIT l Eine heftige, aber doch interessante und gut geschriebene Kultlektüre für Leute, die ein bisschen was abkönnen, was die Heruntergekommenheit der Menschen angeht.

1 Kommentar:

  1. Ich bin so eher der zartbesaitete Typ, ich glaube fast mir wäre das Buch zu hart ^^;

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