Dienstag, 16. Juli 2013

WITH ONE GUITAR AND TWO DANCING FEET

Dass ich dieses Jahr bis zum Dienstag, dem 2. Juli, noch auf keinem Konzert war, ist eine Schmach. Dafür besuchte ich im Berliner Heimathafen Neukölln eine meiner absoluten Lieblingsbands Edward Sharpe & The Magnetic Zeros. Endlich wieder! Zum ersten Mal sah ich sie vor zwei Jahren und war damals schon hin und weg, wovon ich hier berichtete.

Auch dieses Konzert war wieder wundervoll, gerade weil es sich auch ein wenig anders gestaltete als das letzte. Aber rollen wir das Ganze doch von vorne auf. Im Heimathafen Neukölln war ich zuvor noch nicht, doch von den nicht allzu großen Raummaßen her war er angenehm. Einzig die Akustik empfand ich in den ersten Reihen als ungünstig. Ich kann selbstverständlich nicht sagen, inwieweit das andere Besucher störte, aber die Boxen sind an den Seiten so nach hinten angebracht, dass man zwar den Sänger vor sich sieht, der Gesang aber irgendwo hinter einem wahrzunehmen ist. Ich habe Gesagtes und Gesungenes in der zweiten Reihen zwar gut gehört, aber dadurch immer nur schwer verstanden.

Die Vorband, deren Namen ich trotz Recherche bis jetzt nicht herausgefunden habe, war ganz nett. In typischer Singer-Songwriter-Manier gaben sie die beiden Herren mit Akustik- und E-Gitarre. Sehr ruhig und zurückhaltend. Aber wozu bräuchte man auch einen Opening Act zum Anheizen, wenn einem bei Edward Sharpe & The Magnetic Zeros von der ersten Sekunde an der Schweiß steht? Eben. Und sobald die vielen Musiker der US-amerikanischen Band pünktlich um halb elf auf die Bühne hüpften, war die Euphorie im Saal trotz langer Wartezeiten förmlich greifbar.


Die Setlist war nicht dieselbe wie 2011, sodass ich glücklicherweise nicht das Gefühl hatte, das gleiche Konzert bereits erlebt zu haben. Obwohl die klassischen Stücke des ersten Albums wie "40 Day Dream", "Up From Below" und "Home" selbstverständlich mit von der Partie waren. Aber auch Lieder des zweiten Albums, "That's What's Up", "I Don't Wanna Pray" und "Man On Fire", sowie weitere unveröffentlichte Songs gab es auf die Ohren. Eine besondere Überraschung für mich war außerdem "Truth" vom Soloalbum des Sängers Alexander Ebert, das ich mir eigentlich auch schon beim letzten Konzert sehnlichst gewünscht hatte und dem ich nun in seiner ganzen Herrlichkeit lauschen durfte.


Musikalisch haben Edward Sharpe & The Magnetic Zeros ganz schön was auf dem Kasten, das kann man auf keinen Fall leugnen. Besonders interessant für mich ist es daher auch, den Musikern beim Spielen zuzuschauen. Manche sind ganz locker, manche schauen eher konzentriert. Gleichzeitig schaffen es aber alle, viel Spaß und Hingabe zum Musizieren zu zeigen. Das ist derartig ansteckend - selbst wenn einem eigentlich etwas auf der Seele liegt, kann man das für ein paar Stunden vergessen und trotzdem guter Laune sein.


Natürlich ließ Alex es sich nicht nehmen, wieder regelmäßig ins Publikum zu steigen. Ein kleines Tänzchen hier, ein paar Albernheiten dort. Wie man es von ihm auch nicht anders kennt und schätzt. Sogar Jade wagte sich einmal ins Getümmel. Ich kenne keine andere Musikgruppe, die sich so publikumsnah zeigt wie Edward Sharpe. Es gibt einfach so viel Interaktion, dass man sich wirklich erwünscht und willkommen fühlt.


Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass diesmal mehr Mitglieder der Gruppe zwischendurch im Mittelpunkt standen - ob sie ein Solo spielten, selbst eine Strophe oder gar ein ganzes Lied sangen. So lag die Aufmerksamkeit nicht die gesamte Zeit nur beim charismatischen Sänger. Natürlich ist es schwierig, alle irgendwie an die Reihe kommen zu lassen, weil über zehn Musiker auf der Bühne stehen, aber so waren sie als Band viel präsenter. Dass das nicht nur Statisten sind, sondern ebenfalls interessante Menschen mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Ansichten, ging vorher oft verloren. So sehr ich Alex und Jade auch in Aktion sehe, ich hoffe, das weitet die Gruppe in Zukunft noch weiter aus.

Auch das Publikum empfand ich als extrem entspannt, kein Pöbeln, kein Schubsen oder Keifen oder was ich nicht schon alles erlebt habe. Hier wurde einfach der Moment genossen, getanzt, gejohlt und mitgesungen.


Insgesamt war das wieder ein großartiges Konzert. Auch wenn mein erstes Edward Sharpe-Konzert eine etwas größere Bedeutung für mich hat. Trotzdem gab es keine Sekunde, in der stillhalten konnte oder wollte und keine Sekunde, in der ich mit irgendetwas unzufrieden war. Eigentlich kann ich nur jedem empfehlen, zu einem der Auftritte der Hippiegruppe zu gehen, denn zu solch einem Erlebnis kommt man wohl so schnell nicht wieder. Und ich freue mich schon riesig auf's nächste, jawohl!

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