Freitag, 22. März 2013

Wie schreibt man einen nervigen Blogartikel?

Dieser Blog soll keineswegs nur ein Ventil für meine Kreativität und meine so ausgesprochen charmante Persönlichkeit sein - oh nein. Ich möchte ebenfalls meine Weisheiten mit euch teilen und die Welt an meinem umfangreichen Wissen teilhaben lassen. Daher zeige ich heute, wie ihr es schafft, einen total unnützen und nervtötenden Beitrag zu schreiben. Das wird eine Überraschung für eure lieben Leser, die sich gewaschen hat. Los geht's!


Regel Nr. 1: Die Überschrift
Wählt eine Überschrift für euren Blogartikel. Achtet darauf, dass sie sehr reißerisch und dramatisch klingt und in möglichst großer Konkurrenz mit den Schlagzeilen eures Lieblingsschundblatts steht. Es ist auch vollkommen egal, ob die Überschrift überhaupt etwas mit den besprochenen Themen zu tun hat, solange viele Leute den Drang danach verspüren werden, euren Beitrag anzuklicken. Für einen zusätzlichen Schuss Professionalität fügt schon an dieser Stelle die ersten Smileys und/oder Emoticons ein.

Regel Nr. 2: Die Anrede
Begrüßt eure Leser. Um ihnen ein Gefühl von Vertrautheit zu geben, benutzt vielleicht süße Kosenamen in eurer Anrede. "Hallo Fans", "Hi Schnuckis" oder "What's up, ihr regenbogenscheißenden Glitzereinhörner" sind nur wenige Beispiele meinerseits. Eurer Fantasie sind selbstverständlich keine Grenzen gesetzt.

Regel Nr. 3: Ausreden
Vor diesem speziellen Beitrag solltet ihr einige Tage bis Wochen nichts auf eurem Blog veröffentlicht haben, damit ihr nun die Gelegenheit nutzen könnt, euch ausführlich genau dafür zu entschuldigen. Beschreibt ausufernd, welchen Dingen ihr euch statt des Schreibens gewidmet habt und geht bei den Ausreden unbedingt auf die Bereiche "Familie", "Freunde", "Arbeit/Schule" und "andere Hobbys" ein. Ein Muss ist außerdem die Verwendung des Begriffs "Real Life".

Regel Nr. 4: Selbstportraits
Nach diesem einleitenden Geplänkel wird es Zeit, die Aufmerksamkeit auf euer Aussehen zu lenken. Denn in letzter Zeit fühltet ihr euch ziemlich hässlich, bekamt unreine Haut, nahmt zu und hattet Probleme mit Schuppen. Jedes Wehwehchen ist willkommen und sollte zur Sprache gebracht werden. Fügt danach mindestens fünf, besser wären jedoch über zehn, ähnlich ausschauende Bilder von euch in Webcamqualität ein, auf denen ihr topgestylt seid und umwerfend ausseht. (Tipp: Man kann gut und gerne auch mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachhelfen, falls es nicht so schon gegeben ist.) Diese Strategie garantiert euch einige Komplimente in den Kommentaren.

Regel Nr. 5: Themenbrei
Die weitere Wahl eurer Themen ist euch selbst überlassen. Vom letzten Lebensmitteleinkauf über einen Barbesuch, nach dem ihr ganz schön einen im Tee hattet bis hin zu eurer Nachbarin, die voll die dumme Kuh ist - alles ist erlaubt. Haltet euch jedoch nicht zu lange bei einem Thema auf und wechselt mitunter sogar so schnell, dass der Otto Normalleser gar nicht mehr hinterherkommt und euch für besonders intellektuell hält.
Falls euch nicht genug Themen einfallen, philosophiert eben nur über eines. In dem Fall ist es erwünscht, die gleiche Aussage häufiger hintereinander mithilfe verschiedener Formulierungen an den Mann zu bringen. Kommt bloß nicht zu schnell auf den Punkt und lasst eure Leser mit endlosen Monologen ruhig ein wenig leiden.

Regel Nr. 6: Mit Gefühl
Ihr solltet der Welt da draußen zeigen, was für ein gefühlvoller und tiefgründiger Mensch ihr seid. Euch ist eigentlich nur euer Kugelschreiber im weißen Dreieckjutebeutel ausgelaufen? Egal, hauptsache das nötige Gefühlsblabla ist vorhanden. Macht daraus einen niederschmetternden Aufsatz, ohne jedoch genau auf das Geschehnis einzugehen, damit sich jeder Leser, der schon einmal traurig war, mit euch identifizieren kann. Um eure tragischen Gedanken noch zu unterstreichen, zitiert einen traurigen Popsong eurer Wahl - "you can take everything I have, you can break everything I am...".

Regel Nr. 7: Links
Nach Belieben könnt ihr gern gute Lieder, von euch gemochte Artikel oder Ähnliches verlinken. Wichtig ist jedoch, dass der Link nicht funktioniert und der Leser keine Chance hat, überhaupt mitzureden (und gegebenfalls bei euch noch einmal nachfragen muss). So behaltet ihr die Oberhand.

Regel Nr. 8: Smileys
Nicht nur in der Überschrift sind Smileys von Vorteil. Verteilt einfach im ganzen Text großzügig eure kleinen graphischen Freunde, damit jeder immer Bescheid weiß, bei welcher Gefühlslage ihr euch gerade befindet. Eine weitere Option ist jene, bei der man komplett unpassende Smileys an jeweilige Textstellen platziert. Das wird ein großer Spaß! :(

Regel Nr. 9: Fehlerquote garantiert
Diese Regel richtet sich wirklich schon an fortgeschrittene Nervensägen, denn hier ist Konzentration gefragt. Baut hierfür so viele Rechtschreib- und Grammatikfehler in euren Blogartikel ein, wie ihr könnt. Jeh meer, jeh bässa!

Regel Nr. 10: Ideensammlung
Ihr habt absolut keine Lust, euch selbst Ideen für kommende Beiträge einfallen zu lassen? Gar kein Problem! Unter dem Vorwand, natürlich nur darüber schreiben zu wollen, was auch auf Interesse stößt, fragt ihr einfach eure Leser nach Vorschlägen. Ebenfalls beliebt ist weiterhin das Angebot, dass eure Leser euch Fragen stellen "dürfen", die ihr in einer ganzen Reihe von Blogartikeln beantwortet. So ist immer für Nachschub auf eurem Blog gesorgt, ohne dass euer hübsches Köpfchen angestrengt werden musste.

Regel Nr. 11: Vernetzung
Zum Ende hin solltet ihr auf jeden Fall noch erwähnen, bei welchen einhundert anderen Internetportalen ihr weiterhin angemeldet und aktiv seid, auf denen man euch liken, folgen, abonnieren, lesen oder mit euch befreundet sein kann. Nur mit ordentlich Werbung bekommt man die Leute schließlich herum.

Regel Nr. 12: Übersetzung
Um internationale Fans zu gewinnen, lasst es euch nicht nehmen, euren gesamten Text erneut auf Englisch zusammenzufassen, damit den englischsprachigen Besuchern wenigstens ein grober Überblick gewährleistet wird. (Auch wenn es sich nicht lohnen würde, wegen der drei englischen Sätze in jedem Beitrag gleich einen Blog regelmäßig zu lesen und ihr deshalb nie wirklich ein weltweites Publikum bekommen werdet, doch lassen wir das einfach mal außen vor.) Auch hier gilt: Fehler sind erlaubt.

Regel Nr. 13: Verabschiedung
Die richtigen Abschlussworte für den mit Mühe verfassten Beitrag sind von großer Bedeutung. Verabschiedet euch mit möglichst schnulzigen Worten von euren süßen Mäusen, Schnuckiputzis oder Schnudelwietzen und schiebt noch ein dreifaches "Ich hab' euch lieb" hinterher.


Das war es an dieser Stelle schon mit den wichtigsten Regeln. Ich hoffe, ich konnte euch damit ein wenig weiterhelfen. Selbstverständlich kann man sich als Anfänger erst einzelne Punkte heraussuchen, um in die Kunst der nervigen Blogartikel einzusteigen. Jedoch wird man euch erst dann richtig erst nehmen können, wenn ihr euch wirklich an alles haltet. Ich wünsche viel Erfolg!

Kommentare:

  1. bwahahahah, dieser Artikel war so genial! Musste mehrfach leise lachen. Ja, lachen, kein "aus der Nase schnaub"! Ich könnte jetzt nochmal alles wiederholen, was ich toll fand, aber das wär auch sinnfrei.
    Generell dieses Blog/Vlog-Deutsch. YouTube: "Das hat gekostet 5€. (!!!!!)Und ich mein für 5€ kann man nichts sagen, ne?"
    Auch furchtbar: je/je, desto/umso (aber das auch im REAL LIFE)
    Liedzitate sind auch so standardisiert und nervig. Mit gutem Gewissen kann ich sagen, dass ich nicht nerve, jedenfalls nicht nach deinem Muster.
    Schön gemacht!

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    1. Freut mich, dass er dir gefallen hat. Und nein. Dein Blogeinträge nerven ganz und gar nicht! Keine Sorge. (^__~)

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  2. Gute Idee. Werde ich bei meinem nächsten wichtigen Blogeintrag beachten. Und es dann hier verlinken.

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    1. Sehr gut. Ich bin gespannt, wie du das umsetzt.

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  3. Klasse Idee! Wenn ich das nächste Mal nicht weiter komme mit meinem Eintrag, werde ich darauf zurück greifen!

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  4. Ihr regenbogenscheißenden Glitzereinhörner :D
    Der war gut xD

    Ich gehe jetzt in mich und überdenke meine Blogeinträge.

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  5. Whoops, schuldig im Sinne der Anklage. Zumindest was Titel und Songtexte angeht. xD
    Aber danke für den Post, ich werde bestimmt mal versuchen, das alles einzubauen. ;3

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  6. Ein später Kommentar, aber besser spät als nie. Mir ist da besonders ein Fashion/Lifestyle-Blog sofort in den Sinn gekommen und ich musste doch sehr grinsen!

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