Mittwoch, 19. September 2012

Gegen einsam von Daniela Meisel

AUTOR l Daniela Meisel
TITEL l Gegen einsam
GENRE l Roman, Gegenwartsliteratur
VERLAG l Picus Verlag (2012)
SEITEN l 216
AUSZUG l "Ich bin der durchschnittlichste Mensch, den ich kenne. Das war immer schon so. Als meine Mutter mich zur Welt brachte, lag sie dreizehn Stunden in den Wehen. Der mittlere Zeitwert für Erstgebärende, den man in von Hebammen verfassten Ratgebern nachlesen kann. Ich wog dreitausendvierhundertfünfzig Gramm und war einundfünfzig Zentimeter lang. Die durchschnittlichen Maße eines männlichen Neugeborenen meines Jahrgangs. [...]
Mein Lieblingsbuch ist 'Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien, mein Lieblingsfilm 'Der Pate' von Francis Ford Coppola und mein Lieblingslied ist 'Imagine' von John Lennon. Die Titel führen jeweils die Listen der meistgelesenen Bücher, meistgesehenen Filme und meistgehörten Songs der Welt an." 

Hier entlang zur Leseprobe.

ANMERKUNG l Das Buch, welches hier käuflich erworben werden kann, wurde mir im Rahmen der Internetseite "Blogg dein Buch" vom Picus Verlag zur Verfügung gestellt. Einzige Bedingung für den Erhalt ist eine schriftliche Rezension auf meinem Blog.

INHALT l Manuel ist der Inbegriff der Durchschnittlichkeit. Er ist durchschnittlich groß, durchschnittlich schwer und hat einen durchschnittlichen Beruf. Als er erfährt, dass ein Mitteleuropäer im Durchschnitt siebzehntausend Dinge besitzt, möchte er wenigstens ein Mal das Mittelmaß hinter sich lassen und macht es sich zum Ziel, vierunddreißigtausend Dinge zu besitzen. Unter Einsatz seines gesamten Geldes und sogar mit dem Einsparen lebenswichtiger Dinge wie Essen häuft er Stück für Stück willkürlichen Plunder an, um möglichst schnell möglichst viele Dinge zu besitzen. Das ist sein Versuch, sich gegen die Einsamkeit zu wehren.
Maja ist ebenfalls einsam. Ihre Arbeit in einer Anwaltskanzlei ist langweilig, ihre einzige Freundin ist eine taubstumme ältere Dame und in ihrer Freizeit gibt sie sich als Studentin aus, um WG-Zimmer zu besichtigen. Während Manuel Gegenstände sammelt, sammelt sie Begegnungen, um die Leere in ihrem Leben zu füllen. Es kommt, wie es kommen muss: ihre Wege kreuzen sich und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung.

REZENSION l Die Beschreibung hat mich überzeugt, sobald ich sie gelesen habe, da mir einfach die Idee der beiden Charaktere total gut gefällt. Ich lese gern von Außenseitern und davon, wie sie sich in der Gesellschaft einfinden, deshalb habe ich bei diesem Buch eine ganz besondere Perle erhofft, doch leider war ich im Endeffekt ein wenig enttäuscht. "Gegen einsam" ist ein sehr ruhiges Buch, womit ich im Normalfall auch überhaupt kein Problem habe, doch hier konnte ich mich einfach nicht wirklich in die Geschichte einfinden. Nachdem die Protagonisten vorgestellt wurden, plätschert die Handlung ziemlich vor sich hin. Ich habe mich beim Lesen zwar nicht gelangweilt, aber leider hatte ich auch nie im Entferntesten das dringende Bedürfnis, das Buch unbedingt weiterlesen zu müssen. Auf mich wirkt es, als ob Daniela Meisel die Vorstellung der ausgefallenen Charaktere bereits im Kopf hatte und dann irgendwie eine Geschichte um sie schuf, die gefälligst melancholisch und tiefgründig zu sein hat. Dabei hat sie es in meinen Augen nicht wirklich geschafft, eine berührende Atmosphäre aufzubauen und die Besonderheit der Protagonisten verliert sich im Laufe der Geschichte.
Der Schreibstil war einfach und direkt, uferte an manchen Stellen aber in überflüssige Beschreibungen aus, wie ich finde. Außerdem war ich ab und an schon von einigen österreichischen Begriffen irritiert, die ich so vorher noch nie gehört hatte. Bei Wörtern wie "Stiegenhaus", "Kassakraft" und "Türschnalle" musste ich schon erst einmal kurz darüber nachdenken, was hier gemeint war. Der Lesefluss war dahin. Doch will ich das keineswegs ankreiden, denn die Autorin stammt schließlich aus Österreich.
Ich muss sagen, was mir in dem Buch gut gefallen hat, war die Herangehensweise an das Thema der Einsamkeit. Ich hatte eine ganz andere erwartet und fand es daher gut gemacht. Denn Manuel und Maja sitzen nicht etwa den ganzen Tag mutterseelenallein herum, sondern begegnen in der Tat vielen Personen und erzählen auch von Menschen, denen sie in der Vergangenheit begegnet sind. Trotzdem fühlen sie sich einsam und anschlusslos. Nachdem sie einander kennengelernt haben, entwickelt sich zwischen den Charakteren auch keine Liebesgeschichte, wie man ob der Inhaltsangabe vermuten könnte, sondern eher eine freundschaftähnliche Verbindung, was ich sehr erfrischend fand. Insgesamt könnte man also sagen, dass ich die Ideen und Ansätze in "Gegen einsam" sehr gut fand, das alles jedoch im Gesamtpaket dann nicht gänzlich überzeugen konnte.

FAZIT l Ein nettes, ruhiges Buch für Zwischendurch, an das man nicht mit allzu hohen Erwartungen herangehen sollte. Ich vergebe drei von fünf Teekannen.

1 Kommentar:

  1. Ich mag es, unterschiedliche Meinungen zu Büchern zu lesen, auch wenn ich etwas anderer Meinung zu Gegen einsam war.. (: Hatte mich auch für das Buch entschieden.

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