Montag, 6. August 2012

Mein Organspendeausweis

Schon seit einiger Zeit habe ich darüber nachgedacht, mir einen Organspendeausweis zuzulegen. Denn immer wieder komme ich zu dem Schluss, dass ich dafür bin, meine Organe herzugeben, wenn ich sie sowieso nicht mehr gebrauchen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, wie furchtbar es sein muss, die Gewissheit zu haben, dass man selbst oder ein geliebter Mensch dringend ein Organ braucht, um nicht schon bald zu sterben. Doch viele Gegner verbreiten im Netz falsche Fakten, die auch mich zunächst verunsichert haben. Das Wichtigste ist es also, sich genau zu informieren, bevor man diese Entscheidung ganz bewusst trifft. Bevor es überhaupt zu solch einer Entnahme von Organen oder Geweben kommt, müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Aus diesem gibt es kein Zurück mehr und man wird nur noch künstlich am Leben erhalten, denn einem toten Körper darf nichts entnommen werden. Es wird verbreitet, dass es doch schon Personen gab, die angeblich nach dem festgestellten Hirntod wieder aufgewacht sind, doch muss in solchen Fällen ein Fehldiagnose stattgefunden haben. Solche Berichte schüren wahrscheinlich auch die meiste Angst bei den Leuten. Niemand, der vielleicht noch eine Überlebenschance hätte, möchte aufgegeben werden. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Ärzte unabhängig voneinander einen falschen Hirntod diagnostizieren so gut wie unmöglich. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sie wegen eines Satzes Organe ihren Beruf und Ruf riskieren würden, indem sie diesen absichtlich falsch angeben.
Angesichts der Tatsachen verstehe ich nicht, wie sich Leute gegen eine Organspende entscheiden können. Ein wenig Zeit zum Nachdenken braucht man wohl immer, aber wie kann man letztendlich nicht zu dem Entschluss kommen, im Fall der Fälle Organe zu spenden? Man kann mehreren Menschen die Möglichkeit schenken, weiterzuleben. Was will man denn mit seinen Organen, wenn man erstmal tot ist? Sollen sie etwa lieber verwesen oder verbrannt werden, anstatt anderen zu helfen? Es ist, meiner Meinung nach, sowieso ein Unding, dass man sich hier in Deutschland dazu bereit erklären muss, seine Organe zu spenden. Wie schon in anderen Ländern, müsste es umgedreht der Fall sein. Die Organe müssten immer bei Hirntoten entnommen werden dürfen, außer sie haben sich vorher ausdrücklich dagegen ausgesprochen. Vielleicht sollte man das sogar so einführen, dass nur die Menschen bei Krankheit Organe erwarten dürfen, die ihre selbst auch spenden würden. Wie auch immer, ich habe nun meinen Organspendeausweis ausgefüllt und war mir nie so sicher: "JA, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden."

Kommentare:

  1. Ich habe meinen inzwischen schon ein Jahr lang. Die Entscheidung fiel mir leicht!

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  2. Schön, dass das Thema mal in einem Blog angesprochen wird.

    Habe auch einen seit über zehn Jahren.

    Interessant in dem Zusammenhang ist, dass am 1. November 2012 die Novellierung des Transplantationsgesetzes in Kraft trat. Damit soll sichergestellt werden, dass jeder Bundesbürger mindestens alle zwei Jahre über die Organspende informiert wird. Eine Entscheidungspflicht ist damit aber nicht verbunden.

    Viele Grüße aus Franken,

    Christof

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