Sonntag, 1. Juli 2012

Liebes Tagebuch!

Wie oft habe ich nicht schon angefangen, ein Tagebuch zu führen. Ich hatte eines mit einem Pferd drauf, eines mit einem hübschen goldfarbenen Schloss und eines, das ich selbst von außen mit Bildchen beklebt habe. Trotzdem wurde bei keinem dieser Bücher je mehr als fünf Seiten gefüllt. Jedes Mal fing ich motiviert mit dem festen Vorsatz, diese Seiten regelmäßig bis auf das letzte Zipfelchen Platz zu füllen, meinen ersten Eintrag an und jedes Mal versagt ich schon nach den ersten drei Eintragungen. Was einem in dem Moment des Aufschreibens so wichtig erschienen war, klingt einige Tage später völlig banal. Wieso habe ich das überhaupt aufgeschrieben? Beschämt legte ich das Journal in die Ecke und beachtete es nicht weiter. Bis ich irgendwann wieder Lust und Muße hatte, zu schreiben. Da die alten Einträge immer noch schrecklich peinlich waren, wurden die Seiten entweder herausgerissen oder ein neues Tagebuch angefangen. Und genau das gleiche Spiel ging wieder von vorn los.

Bis heute habe ich nicht ein einziges Tagebuch gefüllt und, ehrlich gesagt, habe ich es auch aufgegeben. Dinge, die mich bloßstellen könnten, will ich lieber nicht in ein Buch schreiben, welches irgendwann gefunden werden kann. Diese Dinge behalte ich lieber für mich. Für alles andere habe ich mittlerweile meinen Blog und ein Notizbuch, in welchem erlebte Tage festgehalten werden. Abgeschaut habe ich mir das von meinem Vater, der mir Ende des letzten Jahres seine Hefter zeigte, in denen sich unzählige Blätter mit Notizen über besondere Ereignisse befinden. Das macht er schon seit Jahren - und wenn ich Jahre sage, meine ich eigentlich Jahrzehnte. Besonders schöne Abende mit Freunden, Konzerte und, ach schau: "17. Juni 1993 - Geburt Karoline". Die Idee fand ich sehr schön. Nur schreibt er es am Computer und druckt es aus, wo ich handschriftliche Einträge persönlicher finde. Weiterhin arbeite ich ebenfalls mit eingeklebten Fotos und Eintrittskarten, um Außeralltägliches festzuhalten. Auch gelesene Bücher notiere ich darin. Die Variante bevorzuge ich eindeutig dem Tagebuch. Es muss nicht in bestimmten Abständen etwas hinein geschrieben werden, sondern nur zu bestimmten Anlässen. Und in zehn Jahren habe ich hoffentlich eine ganze Bandbreite von diesen etwas anderen Tagebüchern, ohne dass ich mich für meine Naivität oder Gefühlsduselei in ausgeschriebenen Einträgen schämen müsste.

Wenn ich recht darüber nachenke, habe ich auch kaum Personen in meinem Umfeld, die noch Tagebuch schreiben. Entweder wurde dies wirklich durch Blogs, Facebook oder Twitter ersetzt und diese Personen gehören zu einer aussterbenden Spezies oder man redet bloß nicht mehr darüber.

Kommentare:

  1. Es stimmt schon, sehr wenige Menschen schreiben (heutzutage) Tagebuch.
    Ich bin aber schon seit 8 Jahren Tagebuchschreiberin. Es ist das beste, was man mit seinen Erinnerungen machen kann.

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    1. Wow, da hast du in den 8 Jahren wahrscheinlich einige Bücher vollbekommen. Liest du dir das auch manchmal noch durch, was du so geschrieben hast? Und wenn ja, geht dir das nicht auch so, dass du manches schrecklich unwichtig und banal findest, was du notiert hast? Bei mir ist das immer so. :)

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  2. Im Gegensatz zu Blogs sind Tagebücher was sehr privates. Zumindest tendieren sie in der ursprünglichen Form dahin. Vielleicht spricht man deshalb weniger darüber? Ich habe sowas auch ab und zu versucht. Besonders bei Reisen und ähnlichem. Aber ich war nie der Typ, der alles haarklein notieren kann. Denn wenn man es aufschreibt, ist der Moment eh bereits verflogen. Ich liebäugle allerdings schon seit Jahren mit einem teilautobiographischen Roman.

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