Sonntag, 8. Juli 2012

I AM A NATIVE OF THE NORTH POLE AND THAT CAN MESS UP ANY KID

Am Freitag war dann endlich das Berlinkonzert von The Tallest Man On Earth aka Kristian Matsson, zu dem ich mein Vater mitgeschleift habe. Die Musik des gebürtigen Schweden geht in Richtung Singer-Songwriter/Folk, was ich wirklich sehr gern höre und, wie zu erwarten, war das Konzert auch ziemlich toll. Natürlich kann man zu solchen eher ruhigen bis mittelschnellen Liedern nicht großartig mittanzen und die ausuferndsten Bewegungen beschränkten sich auf's Mitwippen, jedoch war es sowieso derart heiß im Lido, dass einem schon der Schweiß an jeglichen Körperteilen herunterlief. Nette Randinformation, ich weiß, aber wenn ich jemals einen Club aufmachen würde, wäre ein Klimaanlage oder zumindest ein bisschen Lüftung Pflicht, damit sich die Leute nicht bei über 40°C dichtgedrängt zu Tode schwitzen müssen. Kristian Matsson machte sogar Brian Molko mit dem auf-die-Gitarre-Schwitzen Konkurrenz, das will was heißen. Doch während des Auftritts war die Hitze recht leicht zu ertragen.


Obwohl der Name The Tallest Man On Earth etwas anderes schlussfolgern lässt, ist Matsson keine große Person, was wohl auch den Witz dieses Pseudonyms ausmacht. Trotzdem hat er sich musikalisch wirklich als ganz groß präsentiert. Wie er allein mit Gitarre und seiner Stimme eine so angenehme, intime Atmosphäre schaffen konnte, hat mich echt umgehauen. Außerdem liebe ich es total, Gitarristen beim Spielen auf die Finger schauen zu können (was leider nicht immer möglich war, da sich ein riesiger Typ genau vorn mittig aufgebaut hat und zeitweise die gesamte Sicht nahm) und mir zu wünschen, das auch irgendwann so gut zu beherrschen. "Dann musst du eben üben", werdet ihr nun sagen. Ich faules Ding wünsche mir aber nicht, es zu lernen, sondern es bereits zu können. Naja, wenigstens treiben mich solche Auftritte dann dazu, ungefähr für zwei Wochen regelmäßig Gitarre zu spielen, bevor sich das wieder im Sand verläuft.


Die meisten Lieder spielte er auf seinen verschiedenen Gitarren, doch ein paar wurden mit Klavierbegleitung zum besten gegeben. Die genaue Setlist kann ich nicht angeben, da ich viele Lieder nicht kannte. Schande über mein Haupt, ich hatte mir vorher das neueste Album noch nicht angehört. Ein paar ältere Songs waren aber ebenfalls dabei, erinnern kann ich mich auf jeden Fall noch an "King Of Spain", "I Won't Be Found", "A Lion's Heart", "Where Do My Bluebirds Fly" und "The Gardener". Insgesamt war es jedoch sowieso eher ein Staun-und-Bewunder- anstatt ein Mittanz-und-Gröhl-Konzert, deshalb war das Nichtkennen mancher Lieder nicht weiter schlimm.

Riesiger Typ ist riesig und damit meine ich nicht The Tallest Man On Earth, sondern den Burschen, dessen Hinterkopf man hier erahnen kann. 

Ich habe mich immer gefragt, ob Kristian Matsson wirklich ein so gefühlvoller, bodenständiger Mensch ist, wie es von den Liedern und Texten her den Anschein hat oder ob er in Wahrheit eigentlich ein Machotyp ist, der manches bloß gut in Worte zu kleiden vermag. Vom Auftritt her würde ich nun eher zu ersterem tendieren. Er war sehr zurückhaltend und ruhig und hat nicht viel mit dem Publikum gesprochen, als ob er dafür zu unsicher wäre. Beim Spielen und Singen wiederum ist er total aufgegangen und hat alles gegeben. Scheint ein ganz netter Kerl zu sein!

Meinem Vater hat es ebenfalls echt gut gefallen, auch wenn er nicht aufhören kann, die musikalische und stimmliche Ähnlichkeit zu Bob Dylan zu erwähnen und er sich noch ein Lied mit Banjo gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz ein gelungener Abend mit wunderschöner Musik. Da würde ich auf jeden Fall wieder zum Konzert gehen, sobald sich eine Gelegenheit ergibt. Die Zeit bis dahin überbrücke ich wohl, indem ich mir mal sein neuestes Album zu Gemüte führe.

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