Freitag, 15. Juni 2012

Werbung auf Blogs

Viele vertreten die Meinung, mit seinem Hobby Geld zu verdienen, ist völlig legitim. Für mich ist es genau an diesem Punkt jedoch kein reines Hobby mehr, sondern ein Geschäft. Wenn jemand Werbung schaltet, soll mich das im Normalfall nicht großartig jucken, da ich ein magisches Programm installiert habe, welches diese erfolgreich für mich ausblendet. Selbst wenn ich es trotzdem mitbekommen sollte, lehne ich diese Blogs nicht generell ab, aber ich bin skeptischer. Vielleicht empfinde ich es einfach nur persönlich als unsympathisch. Aber warum? Denn eigentlich unterscheidet es sich nicht viel von dem anderen Weg, sich zu bereichern, nämlich durch zur Verfügung gestellte Produkte wie Kosmetik, Bücher oder Lebensmittel. Obwohl es dabei viel mehr Grund gibt, skeptischer und misstrauischer zu sein, tendiere ich eher zu dieser Methode, was meinen eigenen Blog betrifft. Es wäre mir unangenehm, Geld für Beiträge zu bekommen, weil ich es nunmal als Hobby ansehe. Doch weiß man bei diesen eingeblendeten Werbebannern wenigstens, dass der Autor nicht zu dem Beworbenen steht. Bei Produktvorstellungen müsste man mehr Fragen stellen: "Schreibt derjenige die positiven Dinge nur, weil er dies und das geschenkt bekommen hat?" "Inwiefern hat er sich davon beeinflussen lassen, dass dies und das kostenlos für ihn war?" "Ist der angepriesene Artikel am Ende eigentlich sogar der größte Dreck?"

Ich selbst habe ein eher ruhiges Blogpostfach. Zwar erhalte ich schon ab und zu Anfragen, doch würde ich die meistens entweder als Spam oder als ominös einstufen. Ein Mal hat doch tatsächlich eine Firma gefragt, ob ich nicht einen vorgeschriebenen Artikel veröffentliche, dafür würden sie mich auf ihrer Seite verlinken. Es ging übrigens um Computerspiele. Nicht nur, dass ich selbstverständlich nur eigenes Schriftgut hier veröffentlichen möchte, auch das Thema "Computerspiele" wäre hier doch völlig aus dem Zusammenhang gegriffen. Also danke, aber NEIN DANKE!

Vor einigen Wochen bin ich dann plötzlich über die Seite "Blogg dein Buch" gestolpert. Eine Seite, die von verschiedenen Verlagen Bücher zur Verfügung stellt, für die man sich bewerben kann und wenn man Glück hat, bekommt man ein Exemplar zugeschickt. Im Gegenzug muss innerhalb von 30 Tagen eine Rezension verfasst werden. Im Prinzip die typische Produktvorstellung. Mit all der Skepsis und all den Fragen.
Und wieso habe ich mich dann trotzdem dazu entschieden, dort mitzumachen?
Erstens ist es für mich irgendwie die optimale Win-Win-Situation. Bewerber bekommen kostenlos Lesefutter und die Verlage und Bücher ein bisschen Werbung (ob nun positive oder negative). Zweitens wollte ich sowieso mehr Buchrezensionen schreiben und dachte, mit dieser Frist überwinde ich meine Faulheit, was diesen Bereich betrifft. Und drittens weiß ich ja von mir, dass ich keinen Schwachsinn schreibe und hier meine wirkliche, ehrliche Meinung kundtue. Tatsächlich wurde mir ein Buch zugeschickt, zu dem ich Anfang des Monats eine Rezension verfasst habe. Und wie wütend war ich, als dieses verflixte, verdammte Buch auch noch richtig gut war. Wie sollten mir die Leute denn glauben, dass ich nicht gekauft war, wenn ich es nicht in der Luft zerreißen würde? Und wie sollte ich gleichzeitig meine ehrliche Meinung sagen? Letztendlich habe ich mich für die ehrliche Meinung und nicht für das in-der-Luft-Zerreißen entschieden. Denn auch wenn ich dadurch gekauft oder bestochen wirke, wäre es gemein, das Buch herunterzumachen, in welches offensichtlich viel Mühe und Arbeit gesteckt wurde.

Seitdem hatte ich wieder Anfragen im Postfach. Die erste war eine der oft üblichen, ominösen "Kooperationsanfrage", die andere hingegen war von einem kleinen, noch eher unbekannten Verlag. Darüber habe ich mich tatsächlich gefreut, jedoch bin ich mir noch nicht sicher, ob ich dort zusagen werde. Schließlich habe ich nicht vor, einen Buchblog aus "One More Cup Of Tea" werden zu lassen und mit eigenen Büchern, die ich noch vorstellen möchte und weiteren Büchern von "Blogg dein Buch" (ich konnte mich erneut erfolgreich für eines bewerben) und noch weiteren Rezensionsexemplaren von zig Verlagen würde mir das ein wenig zu sehr in Richtung Bücher ausarten.

Worauf möchte ich in dem endlos langen Beitrag eigentlich hinaus? Im Endeffekt würde ich mich wohl immer für Produkte entscheiden, was Werbung auf Blogs angeht. Da weiß man wenigstens, für was gut oder schlecht geworben wird und es hat nicht diesen geschäftlichen Charakter. Andererseits solltet ihr, liebe Kinder, auch nicht immer naiv und blind alles glauben, was zu Produkten geschrieben wird. Holt euch immer mehrere Meinungen und lest mehrere Rezensionen durch, die zahlreich im Internet herumschwirren. Und glaubt nicht mal einer selbst so liebenswürdigen und reizenden Person wie mir!

"Wahh! Was? Stimmt nach dem letzten Satz überhaupt noch das, was sie davor geschrieben hatte?"

Wer weiß... *dramatischer Abgang*

Kommentare:

  1. Ich halte sehr viel von DIY-Ethik. Deshalb lese ich werbegeflasterte Blogs auch nicht. Und versteckte Werbeaktionen sind natürlich am fiesesten, wenn sie keinen Informationswert haben und einem die Zeit rauben.

    Klar kann man andererseits immer Material gebrauchen, aber aus alten Fanzinetagen weiß ich, wie es ist, wenn man erstmal mit mehreren Promoagenturen arbeitet. Die meisten Schreiberlinge (übrigens auch manch lokalem Käseblatts) schludern dann nur noch eine minimal umformulierte Version des Presseinfos runter und bangen darum, daß eines Tages Einladungen und die 10, 20, 30 oder noch mehr Neueingänge die Woche abreißen könnten. Der Leser hat informell nichts davon und der Autor brennt mit der Zeit aus, weil er für seinen Lebensunterhalt dennoch puckeln muß. Da lieber ehrliche und fokussierte Information in eigenen Worten und aus eigenem Antrieb.
    Journalist ist schon so was wie ein Fulltimejob, der dann auch bezahlt sein soll. Aber man braucht sich ja nicht einbilden etwas zwischen diesem und einem Amateur zu sein.

    AntwortenLöschen
  2. tja mit diesem post hast du wohl den nerv der bloggerzeit getroffen.
    ich veröffentliche reviews weil ich etwas getestets habe & die meinung teilen möchte.
    einmal habe ich bisher dabei auch den shop vorgestellt & dieser hat dann prozente für meine leser angeboten.
    da das aber auf meine initiative anfing, weil ich die artikel echt toll finde, war das schon ok.
    danke übrigens für deinen lieben foto kommentar :)

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...