Donnerstag, 24. Mai 2012

Gerade Kante

Beim Durchstöbern verschiedener Blogrolls bin ich vor ein paar Wochen auf einem Profil hängengeblieben, in dem sich die Person selbst als "Straight Edge" bezeichnete. Wie bitte? Was soll das denn sein? Also habe ich die Suchmaschine meines Vertrauens angeschmissen und bekam folgende Antwort auf meine Frage:

"Straight Edge bezeichnet eine Gegen- bzw. Jugendkultur aus dem Bereich des Hardcore Punk.  [...]  Zentral für den Straight-Edge-Gedanken sind der Verzicht auf Alkohol, Tabak und andere Drogen sowie auf häufig wechselnde Geschlechtspartner. Einige Straight Edger verzichten auch auf den Konsum von Coffein und/oder erweitern Straight Edge um Vegetarismus oder Veganismus."
(Quelle)

Abgesehen davon, dass ich mit Hardcore Punk nun nicht allzu viel am Hut habe, treffen doch die Aufführungen so ziemlich auf mich zu. Ich verzichte schon meine Leben lang auf Alkohol, Zigaretten oder sonstige Rauschmittel. Rauchen hat mich beispielsweise schon immer abgeschreckt. Ich habe noch nie an einer Zigarette gezogen und werde es wahrscheinlich auch nie tun. Ich sehe es einfach nicht ein, freiwillig zu stinken oder Geld dafür auszugeben, mir mein Leben eigenhändig (oder sollte ich sagen "eigenlungig"?) zu verkürzen. "Cool" ist die ganze Angelegenheit ebenfalls kein Stück, deshalb bekamen meine früheren Mitschüler immer zunächst ein paar Takte zu hören, wenn sie mir eine Zigarette angeboten haben.
Am Alkohol hingegen habe selbst ich schon genippt, doch schließlich schwor ich ihm ab, bevor ich nur auch ein Glas intus hatte. Erstens finde ich es widerlich (was nun Geschmackssache ist) und zweitens gefällt mir allgemein der Gedanke nicht, Substanzen zu mir zunehmen, die mich auf irgendeine Art und Weise verändern. Ich möchte möglichst absolute Kontrolle über meinen Körper haben, mich nicht in "andere Welten" versetzen lassen, für die nicht meine Fantasie, sondern irgendwelche Mittelchen verantwortlich sind und ich möchte meine Umgebung als die Person wahrnehmen, die ich bin, nicht als jemand, zu dem mich Alkohol oder Drogen machen würden.
Der nächste Punkt ist "Verzicht auf häufig wechselnde Geschlechtspartner" - darf ich mal lachen?
Weiterhin bin ich Vegetarier und konsumiere keinen Coffein (außer höchstens ein Glas Cola oder Eistee im Jahr, aber das ist quasi ein "Erweiterungspack" des Straight Edge-Daseins und wird wohl nicht so eng gesehen, schätze ich). Bin ich also ein Straight Edger? Die Geschichte der Bewegung werde ich noch ein wenig recherchieren, das finde ich zugegebenermaßen ziemlich interessant. Der Titel des Spiegelartikels ist schonmal sehr amüsant: "Straight-Edge-Szene: Die härtesten Weicheier der Welt". Also Leute, man lernt echt nie aus. Ich kann den Begriff "Straight Edge" wohl in die Beschreibung meiner Person mit aufnehmen! Ich hartes Weichei ich.

Habt ihr den Begriff bereits gekannt? Und würdet ihr euch als Angehörige dieser "Szene" bezeichnen?

Kommentare:

  1. Bei "Straight Edge" musste ich als allererstes mal an die CDU-Wahlplakate denken, auf denen "Klare Kante Zukunft" stand. Oder steht, ein paar hängen hier ja immer noch rum. Aber entweder hab ich die Definition nicht verstanden, oder... oder ich habe die Definition nicht verstanden. Was da unter Straight Edge zusammengefasst wird kriege ich jedenfalls beim Besten Willen nicht mit Hardcore Punk unter einen Hut.
    Um die Fragen am Ende zu beantworten: "Nein", und "ganz sicher nicht".

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    1. Um den Zusammenhang mit Hardcore Punk zu verstehen, ist es wahrscheinlich von Nöten, den Teil des Wikipedia-Artikels zu lesen, den ich hier unter "[...]" zusammgengefasst habe.

      "Im Wesentlichen geprägt wurde das Verständnis von Straight Edge durch Musiker und Musikerinnen der Hardcore-Punk-Szene in den frühen 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten, als eine junge Generation von Punks begann, den Drogenkonsum abzulehnen, der zu dieser Zeit integraler Bestandteil ihrer Szene war."

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  2. Insofern ich ja in der Hardcore-Szene unterwegs bin ist Begriff bereits seit ca. 5-6 Jahren bekannt, aber du glaubst gar nicht was sich manche Leute deshalb in den Haaren haben, weil einige Menschen das mit dem "leben und leben lassen" nicht verstehen. Im Prinzip bin ich auch "Straight Edge", aber ich mag dieses Denken in Kategorien nicht.

    Die ganze Sache ist eigentlich durch Zufall entstanden mit 'nem Song von Minor Threat, aber da kannste ja auch selber nachlesen mit dem "X", den musikalischen Einflüssen etc.

    Aber die Meinungen was nun Straight Edge ist oder nicht gehen sehr weit auseinander.
    "Verzicht auf häufig wechselnde Geschlechtspartner" ist z.B. nicht unbedingt Standard. Viele Musiker nennen sich Straight Edge und haben trotzdem ihre ganzen Groupies. Die ganze Vegetarier/Veganer-Sache hat eigentlich mit dem Ursprungsgedanken nichts zutun, sondern ist irgendwie in späteren Jahren dazu gekommen.

    Eigentlich geht es um ein drogenfreies Leben (Alkohol und Nikotin sind schließlich auch Drogen). Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich das Thema langsam leid bin, weil einige Menschen sich deshalb zerfleischen, weil sie nicht damit leben können, dass nicht alle Menschen die selbe Lebensweise bevorzugen. (Damit sind sowohl Straight Edger als auch Nicht-Straight Edger gemeint.)

    Aber ob man die Bewegung heute noch "Szene" nennen kann würde ich eh mal in Frage stellen. Allerdings steck ich auch nicht wirklich drin.

    Eigentlich fand ich das Thema mal voll interessant (da es mich ja unbewusst betrifft), aber wenn man ständig damit konfrontiert wird und drüber diskutieren muss, dann ist es anstrengend. Obwohl ich sagen muss, dass die ganz militanten Idioten ja wirklich in der Unterzahl sind, aber sie nerven trotzdem!

    Am besten einfach keine Menschen für ihre Art zu leben verurteilen, dann geht das schon alles klar :D

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  3. also ich kannte das, da ich früher oft in der szene unterwegs war un viele freunde hatte die sich auch als straight edge bezeichnet haben. ich selbst fand das als sehr bescheuert wieso man sich dafür einen namen ausdenken muss. zumal die leute die ih kannte sehr militant damit umgegangen sind. so haben sie jeden verurteilt der alkohol trank. also gernell finde ich es blöd sich selbst ein etikett auf zu kleben. oder anderen.

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  4. Ich stimme L* vor mir da total zu. Irgendwie braucht eine Idee nur einen neuen Namen zu haben, und schon ist es eine ganze Bewegung.
    Straight Edge klingt für mich schon argh spießig.. was nicht heisst, dass ich irgendwie punkig bin :'D Gott bewahre, ich glaube ich bin einfach der langweilige und dröge Mittelteil, ich trinke nicht übermäßig, rauche gar nicht und Drogen habe ich nicht mal von weitem gesehen. Ich glaube, ich nenne meinen Lebensstil jetzt auch irgendwie ganz doll, und mache daraus eine Bewegung.

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    1. Klar, so eine eigene Bewegung hätte doch was. Ist auch gar nicht umständlich, neben der Bezeichnung auch jedes Mal noch die Bedeutung dahinter zu erklären. (^__~)
      Wenn ich meinem Vater zum Beispiel erzählen würde, dass man meine Lebensweise auch als Straight Edge bezeichnen könnte, kann ich ihm auch gleich einfach sagen, wie ich zu Rauschmitteln stehe, anstatt diesen Begriff zu betonen. :D

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  5. Vielen Dank für die Aufklärung, nein, ich kannte den Begriff noch nicht.
    Härteste Weicheier finde ich eine tolle Bezeichnung, wenn es auch vielleicht den Aspekt Disziplin nicht berücksichtigt, der käme ja schon ins Spiel, wenn man sich denn bewußt dem Vertzicht verschreibt, von was auch immer.
    Bedenklich finde ich schon, daß es für jeden Ansammlung von Kriterien eine Schublade geben soll, das Sideboard wird dann sicher schnell unübersichtlich, obwohl ich Apothekerschränke liebe.
    Ich bin lieber einfach ich, schubladenungebunden :)

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  6. Keine Rauschmittel, keine häufig wechselnden Geschlechtspartner..es scheint mir, ich wäre ein Straight Edge.
    Man man, man kann ja auch ohne das ganze ein Nicht-Straight-Edge sein, nicht wahr?
    Alle sind schubladisieren und tun's trotzdem.

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  7. Wenn wir jetzt schon so viel über Schubladen reden - man muss auch einfach mal anerkennen, dass Komik von Klischees und Schubladen lebt. So ganz ohne Schubladen denken und Stereotypen wäre die Welt einfach ein bisschen ärmer.
    Es ist ja allgemein sehr angesagt, von sich selbst zu behaupten, man sei total gegen Schubladendenken, aber ich habe das Gefühl, man tut es ganz automatisch und weit mehr, als einem bewusst ist - und ist vielleicht sogar weit mehr "darauf angewiesen", als man sich selbst eingesetehen will.
    (Das ist übrigens nicht irgendwie als Provokation gedacht, ich wollte nur gerne mal diesen Spielball ins Feld kugeln und schauen, was ihr so dazu sagt; da ich schon häufiger über eben jenes Phänomen der Schubladen nachgedacht habe).

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  8. Das finde ich auch interessant oô
    Bisher kam ich immer auf eher negative Art und Weise mit Straight Edglern in Kontakt. Und so dachte ich auch, dass auf jeden Fall Veganismus dazu gehört. Scheinbar haben die wenigen, die ich aus dieser Szene kenne, alle die Eigenart, sich etwas darauf einzubilden, dass sie ja Straight Edge sind, alle anderen vollzupöbeln, die Fleisch essen und Alkohol trinken, aber selber häufig Partner wechseln...
    Ich weiß echt nicht, was ich von all dem halten soll. Der Grundgedanke scheint aber ja in Ordnung zu sein und wenn ich danach gehe, wäre ich auch Straight Edge.

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    1. Ich kannte den Begriff ja vorher auch nicht und bin ganz überrascht, dass Straight Edger allgemein nicht zu den angenehmen Mitmenschen gehören sollen. Mir selbst ist noch keiner begegnet.
      Den Grundgedanken finde ich auch gut. :)

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