Sonntag, 28. August 2011

WE WANT TO FEEL YA!

Hier kommt nun endlich ein Bericht über das beste Konzert meines Lebens bei "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros". Doch zunächst ein bisschen zur Vorgeschichte.
Ich bin quasi über die Band gestolpert und habe dieses Video, wo die Band bei NPR Music ein "Tiny Desk Concert" gegeben hat, direkt zu meinen Favoriten hinzugefügt. Je öfter ich es dann abspielte, umso mehr war ich der Musik und den Menschen dahinter zugetan. Besonders das Lied "Home" entwickelte sich schnell zu einem Lieblingslied, weil es einfach ein Gefühl von Unbeschwertheit und Freiheit und Glück mit sich bringt, dass es mich umhaute.


Ich hörte mir mehr und mehr Lieder bei Youtube an und irgendwann stand fest: "Ich brauche dieses Album!". Und so ergatterte ich meine eigene, in Form gepresste Scheibe von "Up From Below". Eine sehr weise Investition, kann ich nur sagen. Ich entdeckte jedes einzelne Lied früher oder später für mich und schwebte im siebten Hippiehimmel. Ich könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich vor Freude ausgerastet bin, als ich mitbekam, dass "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros" ein Konzert in Berlin veranstalten sollten. Bei mir! (Fast) gleich um die Ecke!
Ich hüpfte, ich sang, ich erzählte allen die frohe Kunde und bekam auch prompt vier Karten zum Geburtstag geschenkt. Strike!

Und irgendwann war es dann soweit. Dienstag, der 16. August, im Festsaal Kreuzberg machte ich eine Erfahrung, die ich so schnell nicht vergessen sollte.
Ich packte meine Begleiterinnen ein (unter anderem Apfelkernchen, die mir auch Karten geschenkt hatte und deshalb natürlich nicht fehlen durfte) und los ging's. Dort angekommen war ich schon mal positiv überrascht, weil der Festsaal Kreuzberg eine eher kleinere Räumlichkeit war, wie ich es mir erhofft hatte. Und noch besser war es natürlich, dass sich die meisten Leute bei unserer Ankunft noch vor dem Gebäude aufgehalten haben, um zu rauchen oder zu trinken, und ich dadurch doch tatsächlich die Möglichkeit hatte, in der ersten Reihe zu stehen. Direkt vor der Bühne, ganz vorne, zum ersten Mal überhaupt! Waah!
Damit ich an diesem Abend nicht erneut einen Schwächeanfall bekomme, habe ich Dienstag sorgfältig darauf geachtet, genügend zu essen und zu trinken und vor Ort habe ich mir Jacke und Strumphose ausgezogen, damit es nicht zu warm wird. Um auf Nummer sicher zu gehen. Und es hat funktioniert. Nicht eine Minute lang, war mir schummrig oder zu warm und mir ging es blendend. Schon mal ein Erfolg, aber das eigentlich nur am Rande.


Die Vorband hieß "My Jerusalem" und war zwar gut, hat mich aber nicht sonderlich vom Hocker gerissen. Aber zum warm werden und mitwippen reichte es allemal.


Amüsant war allerdings, dass der Posaunist direkt vor mir auf der Bühne stand und da diese relativ niedrig war, bekam ich mehrere Male fast den Zug ins Gesicht, was mich ab und an doch zurückzucken ließ. Haha. (^_^)

Als dann jedoch "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros" auf die Bühne kamen, war es, als würden alte Freunde auf die Bühne kommen. Irgendwie total vertraut. Und mein Herz schlug vielleicht ein ganz klitzekleines bisschen höher, weil ich mich eventuell minimal *hust* in den Frontmann Alexander Ebert verschaut habe. Nehmt ihr mir diese Untertreibung ab? Gut.
Ich habe nicht alle Mitglieder hinter den ganzen Instrumenten gesehen, aber es waren ungefähr zehn bis elf Leute, die sich da auf der Bühne versammelt hatten und als die Musik einsetzte, konnte ich nicht mehr an mich halten und ich sang, johlte, tanzte, hüpfte, quietschte, lachte und klatschte. Es war einfach so gut. Man merkte den Musikern an, dass sie ihre Musik leben und wie sie beim Spielen richtig aufgingen.


Etwas ganz Besonderes, was ich vorher noch nie so erlebt habe, war aber die Nähe zum Publikum. Besonders Alexander kam zwischenzeitlich einfach mal ins Publikum herunter und sang da weiter. Oder er beugte sich über die Leute oder plauderte mit ihnen, reichte ein Tamburin ins Publikum oder ließ einen Luftballon durch den Festsaal kreisen.


Hier stand er dann einmal vor mir (Ich bin die rechts mit dem Zopf) und auf einmal drehte er sich dann um und sang mich an. Hach...
Ähem!


Jedenfalls war es der Hammer. Es war weniger, als ob "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros" für, sondern eher als ob sie mit uns musizierten. Ich fühlte mich wieder so frei und unbeschwert. Pures Glück, als ob es nichts Schlechtes auf dieser Welt gäbe und alle meine Sorgen und der ganze Scheiß heutzutage waren einfach vergessen. Es gab nur das Hier und Jetzt. Jeder Ton, jedes Wort, jede Note waren perfekt. Ich war selig.


Ganz zum Schluss bat er dann alle, sich hinzusetzen und er ging dann in die Mitte des Publikums und ließ sich da nieder, um "Brother" zu singen. Der Song berührte mich schon immer, aber an dem Abend konnte ich mir das eine oder andere Tränchen nicht verkneifen. Überwältigend!

Leider habe ich nicht mehr Fotos. Jade, zum Beispiel, ist nirgends drauf. Aber ich habe alles im Kopf und es wird sich hoffentlich für immer einbrennen, wie sich ihre etwas verträumte Miene einmal aufhellte, als ich sie anlächelte, anstatt, wie die meisten, zu Alex zu starren und sie daraufhin zurücklächelte. Oder wie der Gitarrist vor mir überrascht geschaut hat, als ich bei einem Lied vielleicht ein kleines bisschen zu laut gesungen habe. Oder wie der andere Gitarrist verzweifelt versucht hat, den Herzchenluftballon über den Mikrofonständer zu stülpen, es aber nicht schaffte, und der Luftballon schließlich traurig zu Boden fiel, als er wieder in das Lied einsetzen musste und keine Hand mehr frei hatte. Oder als der Pianist gerufen hat "We'll be back.", bevor er von der Bühne ging. Oder wie Alex so geschwitzt hat, dass er sogar auf Apfelkernchens Brille tropfte, die das Ganze gar nicht lustig fand. Oder wie der Trompeter die erste Reihe abklatschte, bevor er auch hinter die Bühne musste. Das werde ich hoffentlich nie vergessen.

Am liebsten möchte ich zurück und das alles noch einmal erleben. Dafür würde ich auch wieder ein bisschen Taubheit und das Piepen im meinem Ohr die Tage danach in Kauf nehmen. Aber eins weiß ich. Sobald ich mitbekommen sollte, dass "Edward Sharpe & The Magnetic Zeros" wieder nach Berlin kommen, bin ich sofort mit dabei.

Jemand in unserer unmittelbaren Nähe filmte ein wenig und hat das Material, zu meinem Entzücken, sogar bei Youtube hochgeladen. Ich bette euch die beiden Videos hier noch ein und ihr solltet könnt sie euch ansehen, wenn ihr wollt.





Das Lied im ersten Video heißt "Carries On" und das im zweiten ist "Brother". Es ist echt schön, sich die Videos anzuschauen. Habe ich schon gesagt, dass ich am liebsten wieder zurück würde? 
Ach ja, mich könnt ihr zwar nicht sehen, aber im unteren Video können Neugierige den wohlgeformten, blonden Hinterkopf von Apfelkernchen bewundern. Meistens eher rechts im Bild zu sehen, wenn sie sich nicht gerade in den Unweiten des Festsaalbodens zurückzieht.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: "Wow!" und "Wer möchte mit mir eine Hippieband gründen?"

we want to feel ya!
we don't mean to kill ya!
we come back to heal ya - janglin soul!
EDWARD AND THE MAGNETIC ZEROS

Kommentare:

  1. Wunderbarer Post, Tassi!
    Als sie auf die Bühne kamen, waren mir die Gesichter alle unbekannt, da ja mein liebster Uralt-PC Youtube/ Flash Player boykottiert.

    Ich fand es genauso unglaublich wie du, dass uns Alexander so nah kam, ja sogar ins Publikum sprang und umhertanzte.
    Doch anders als du empfand ich das als nur bedingt angenehm. Denn er hatte mir ja schon die Brille vollgeschwitzt.Und ich konnte den Gedanken, er müsse wohl Drogen genommen haben, um sich SO zu verhalten, nicht verdrängen.
    Irgendwie hatte ich das Gefühl, ihn zu enttäuschen: ich stand in der ersten Reihe, kannte die Texte aber nur teilweise und war einfach kein Hardcore Fan.
    Ach ja, das schubsende Publikum war auch ein wenig nervig, besonders dieses rücksichtslos tanzende Päarchen (grrr!). Komisch - sonst drängle ich doch eifrig mit.

    Aber schön war es trotzdem. Ungewöhnlich im Sinne von außergewöhnlich.

    PC gewechselt, Video angesehen:
    Heiliger Stohsack - mein Hinterkopf ist auf Youtube!!! Und dann auch noch mit so einem 10-Sekunden-ohne-Bürste-zusammengewurschtelt-Zopf.
    Man bewundere auch: die Uhr, die Brille, die Stirn und zuletzt den aus einer Laune heraus glitzrig lackierten kleinen Finger.

    Das mit der Hippieband überlegen wir uns noch. Also ich würde ja die Bell ringen und mich ums Catering kümmern. Texten würde ich vielleicht auch. Wenn du mich lässt.

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  2. @Apfelkern: Siehste, das schubsende Pärchen hinter uns habe ich schon wieder vergessen. Empfand ich insgesamt wahrscheinlich nicht als zu störend.

    Das mit der Band klären wir noch. Um die Bell zu ringen, müssen wir erst einmal dein Taktgefühl testen. ;)

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  3. Uh, das Lied ist so gut! Die muss ich mir merken :)

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