Sonntag, 27. November 2016

Meine ersten Schritte gen Zero Waste und To Do-Liste

Menschen, die sich schon mal mit ihrem ökologischen Fußabdruck beschäftigt haben, dürften vielleicht auch von Zero Waste gehört haben. Einer Bewegung, bei der versucht wird, die eigene private Müllproduktion so gut wie möglich einzuschränken. Eigentlich ja, gar keinen Müll mehr zu fabrizieren, aber das zero halte ich für utopisch und kann mir auch vorstellen, dass das viele abschreckt. Ich finde es bei solchen Themen generell wichtiger, mehr Leute zu animieren, kleine Schritte zu machen. Es muss nicht immer alles oder gar nichts sein. Kleine Schritte können in diesem Fall so viel dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und die Umwelt weniger zu belasten. Die Anregung, in Bezug auf Zero Waste selbst aktiv zu werden, kam von der diesjährigen Minimal Kon. Dort hielt Olga Kroll vom Projekt Zero Waste Lifestyle einen sehr inspirierenden Vortrag mit vielen einfachen Beispielen, wie man weniger Müll verursachen kann. Das motivierte mich ungemein, einige Sachen zu überdenken und zu ändern. Selbst habe ich den Eindruck, dass viele Leute bei Zero Waste zunächst bei ihrer Lebensmittelbeschaffung anfangen. Da ich jedoch in einer WG wohne, habe ich darauf nicht immer Einfluss und wollte erst mit meinem eigenen Müll loslegen.



Stofftaschentücher
Ich muss zugeben, ich bin eine Schniefnase. Selbst wenn ich keinen Schnupfen habe, verbrauche ich täglich um die drei bis sechs Papiertaschentücher. Da es dagegen eine so simple Lösung gibt, war das mein erstes Vorhaben Richtung Zero Waste. Ich erzählte meinem Freund davon und prompt schenkte er mir Winnie Puuh-Stofftaschentücher. Interessanterweise kennt solche das von Hause aus gar nicht anders und hat sie schon immer verwendet. Anstatt die Tücher wegzuschmeißen, kommen sie nach Benutzung einfach in die Waschmaschine und sind somit wiederverwendbar. Natürlich kann man sich auch andere Motive und schlichte Varianten holen, aber als großer Disney-Freund sind diese perfekt für mich. Auch wenn man sich die Geschenkübergabe ein wenig wie den Gilmore Girls-Dialog vorstellen kann, in dem Lorelai und Rory Lollipop-Ringe von Max bekommen.

MAX: One for you and one for you.
RORY: What are these?
MAX: Those are rings. And the diamond is actually candy so you can eat it.
LORELAI: Max, that's very sweet, but we're not eight.
(Lorelai and Rory excitedly switch rings behind Max's back)
LORELAI: What do you got?
RORY: Grape. Yours?
LORELAI: Red
RORY: Trade you!
LORELAI: Yes!

Jedenfalls ist es schon eine kleine Überwindung, plötzlich in Stoff zu schnauben, aber ich habe mich relativ schnell daran gewöhnt. Nur unterwegs habe ich ab und zu mein Stofftaschentuch vergessen, sodass ich doch noch auf die Papiervariante zurückgreifen musst. Aber das kriege ich auch noch in den Griff. Sechs Tücher waren der Anfang und bald werde ich mir sicherlich noch mehr mit hübschen Motiven zulegen, um seltener waschen zu müssen. Diese halten bei mir ungefähr drei bis vier Wochen, weil sich auch pro "Durchgang" länger benutzbar sind als Papiertücher. Ich bin sehr froh über diesen Schritt und habe seitdem tatsächlich viel weniger Müll in meinem Papierkorb.


Ohrlöffel
Kommen wir zu einem etwas schwierigeren Thema für mich. Trotzdem ich weiß, dass man sie nicht für die Ohrreinigung verwenden soll, benutze ich gern Wattestäbchen. Vor einigen Jahren stieg ich bereits auf die Stäbchen mit Papierstiel um, damit ich nicht so viel Plastik mit meinem Konsum zu verbrauchen. Aber auch hier kann man den Abfall weiter einschränken. So bestellte ich mir einen Ohrlöffel. Ein gruselig aussehendes Ding aus Metall mit einer kleinen Schlaufe am Ende des Griffs. Medizinisch angeblich empfohlen, doch ich habe leider Schwierigkeiten, mein Ohr damit zu reinigen. Er ist mir zu unhandlich und holt nichts wirklich raus, auch wenn da was ist, wie mir ein Wattestäbchen später bestätigte. Sorry, falls TMI. Häufiger komme ich damit auch zu tief ins Ohr rein, was ziemlich weh tut. Zufrieden bin ich damit also überhaupt nicht. Leider keine Erfolgsstory. Vielleicht muss ich bloß besser üben, aber momentan kann ich mir leider nicht vorstellen, komplett auf Wattestäbchen zu verzichten.

Zu Verschenken-Kiste
Minimalismus sei dank bin ich immer mal wieder am Aussortieren. Doch vor allem mit dem eigentlichen Loswerden hat es in der Vergangenheit immer wieder gehapert. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, an dem ich keine Kiste mit Büchern, CDs oder Ähnlichem in meinem Zimmer zu stehen hatte. Ich war gegenüber Kisten, die man einfach mit einem fetten Schriftzug Zu verschenken versieht, immer skeptisch. Aber letztendlich probierte ich es aus und es hat einwandfrei geklappt. Innerhalb von drei Tagen war bis auf zwei Sachen alles weg. Das ist auf jeden Fall wiederholenswert. Obwohl auch Oxfam noch auf meiner Liste steht, was das Weggeben mancher Dinge angeht. Was für eine gekonnte Überleitung zu meinem nächsten Punkt.


To Do-Liste
Wie gesagt, waren dies erst die initialen Schritte. Es gibt noch Einiges, das ich mir für die Zukunft vorgenommen habe. Zu den Punkten wäre ich um Erfahrungswerte und Tipps übrigens unendlich dankbar.

  • Seit Jahren legt mir Apfelkernchen bereits eine Menstruationstasse ans Herz. Aus irgendeinem Grund war ich dafür lange nicht bereit. Hiermit steht die Anschaffung jedoch auf der Liste. Neben der Müllvermeidung haben Menstruationstassen auch verschiedene andere Vorteile. Ich kann die beiden Blogbeiträge zu dem Thema auf Apfelkerne und Blanc et Noir empfehlen.
  • Bleiben wir bei der Hygiene untenrum. Statt Einweg-Slipeinlagen möchte ich mich definitiv nach waschbaren Stoffalternativen umschauen. Vielleicht lassen die sich sogar selbst nähen, wäre wohl preiswerter und einen Schönheitswettbewerb müssen die ja auch nicht gewinnen. Sieht schließlich niemand.
  • Ich würde zwar behaupten, dass ich nicht so viel Duschgel und Shampoo verbrauche wie andere, trotzdem kommen die bei mir immer noch in Plastikflaschen daher. Stattdessen möchte ich es mit Haarseife versuchen. Ich hatte schon einmal eine Haarseife, war aber sowohl von Konsistenz als auch von Geruch absolut nicht überzeugt. Außerdem fühlten sich meine Haare danach furchtbar an. Da muss es doch Besseres da draußen geben, oder?


Dinge, die ich sowieso schon mache
Beim Grübeln über meinen Weg Richtung Zero Waste sind mir auch durchaus Dinge eingefallen, die ich schon seit Jahren "vorbildlich" mache. Vielleicht ist davon ja etwas für jemanden dabei, da es ebenfalls Punkte sind, die sich einfach umsetzen lassen.

  • Eigene Stoffbeutel zum Einkaufen mitbringen, statt jedes Mal eine neue Plastiktüte zu kaufen.
  • Selfmade-Notizzettel aus alten einseitig bedruckten Blättern oder leeren Restseiten aus Heften machen. Ehrlich, ich glaube, ich werde die Dinge nie wieder kaufen müssen.
  • Zum Trinken für unterwegs eine Glasflasche immer wieder auffüllen und benutzen. Ich sehe es überhaupt nicht ein, Wasser in Plastikflaschen zu kaufen. Leitungswasser in Deutschland hat sowieso eine einwandfreie Qualität, da ist die notwendige Getränkebeschaffung also fast kostenfrei.
  • Beim Essen für unterwegs eine Brotdose statt Alufolie verwenden.
  • Kleidung immer erst probieren zu nähen oder reparieren, bevor man sie ersetzt. Ich trage manche Stücke vielleicht lächerlich lang, muss mir jedoch auch nur einige wenige Male im Jahr etwas Neues zulegen.
  • Strohhalme weglassen. Einfach. So. Unnötig. Warum?
  • Waschlappen statt Wattepads verwenden. Ich benutze mein Gesichtwasser nicht allzu oft und so reicht eine Packung Wattepads um die zwei Jahre. Auch wenn es natürlich auch in diesem Bereich Stoffalternativen gibt.
  • Unterwegs keine Flyer oder kostenlose Heftchen annehmen, wenn sie sowieso nicht interessieren.


Mein Fazit soweit: Es ist definitiv interessant, sich mal wieder in eine neue Richtung auszuprobieren. Ich muss seltener den Müll herunterbringen und werde auch endlich andere Dinge müllfrei los. Es gibt noch viel zu tun, aber das wird schon Stück für Stück.

Habt ihr euch schon mal mit dem Thema Zero Waste beschäftigt? Kennt ihr vielleicht weitere und einfach umzusetzende Tipps?

Dienstag, 1. November 2016

Musiktipps der Woche #7: The darkness and the ghost, they dance so sweet and slow

Nach vier wundervollen Tagen beim Freund in Belgien bin ich wieder zurück in Leipzig. Schließlich lassen sich Uni und andere Verpflichtungen nicht allzu lange ignorieren. Kaum bin ich jedoch wieder da, hat mich eine fette Erkältung erwischt. Kann doch nicht wahr sein. Während viele Leute zu Halloween also unterwegs auf Partys waren, habe ich den Tag im Bett verbracht. Auf dass dieses Schniefen bald vorbei ist. Wenigstens konnten wir bereits am Wochenende ein paar Halloweensachen abhaken. Unmengen an Süßigkeiten essen, Halloween-Filme schauen (habe endlich mal Beetlejuice gesehen) und mein Halloween-Mixtape anhören. Immerhin etwas.



Citizen Of Glass von Agnes Obel
Die Dänin Agnes Obel hat ein neues Album herausgebracht. Zuvor kannte ich nur ihre Platte Philharmonics, die einige starke Lieder barg, mich insgesamt aber nicht komplett überzeugen konnte. Anders sieht das bei Citizen Of Glass aus. Auf diesem gesellen sich zu dem Piano nämlich auch Streicher und so ungewöhnliche Instrumente wie Glasharfe oder Trautonium, einem Vorläufer der heutigen Synthesizer. Das macht ihre Musik für mich viel runder, hat mehr Tiefe. Das Thema des Albums ist der gläserne Bürger, ein Ausdruck, der in der englischen Sprache als solcher gar nicht existiert. Der Verlust der Privatsphäre, Menschen, die ihr Leben zunehmend im Internet ausbreiten, darum geht es in dem Album. Gläsern - ja, so klingt die Lieder irgendwie. Aber auch bedrückend und warm und absolut schön!

Lieblingslieder: Red Virgin Soil // Stretch Your Eyes



Ticket To Ride von Cathy Berberian
Manchmal muss ich diesem Internet schon dankbar sein, weil es so viel Schätze versteckt hat. Vor ein paar Tagen habe ich nämlich diesen ausgegraben. Die US-amerikanische Sängerin covert einen Song der Beatles, im Stile klassischer Musik. Ich habe noch nie zuvor von Cathy Berberian gehört, was dem Fakt geschuldet sein könnte, dass sie leider bereits vor über dreißig Jahren verstarb. Ich finde die Version jedenfalls großartig. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich mich wirklich mehr mit klassischer Musik beschäftigen sollte. Natürlich geschah das früher in der Schule im Musikunterricht, doch konnte man sich dort selten die Musik aussuchen, die einem selbst gefiel. Da habe ich noch ein weites Feld vor mir, das zu erforschen gilt.



Christmas Party von She & Him
Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass diese Platte erscheinen soll. Dafür ein umso überraschteres Yay über das neue Weihnachtsalbum von She & Him. Ihr erstes A Very She & Him Christmas gehört definitiv zu meinen liebsten Album für die Weihnachtszeit. Es gibt leider Menschen in meinem Umfeld, die strikt dagegen sind, Weihnachtslieder vor Weihnachten zu hören oder zu singen. Das bringe Pech. Aber wenn mich sie doch fröhlich machen, warum nicht? Deshalb lasse ich mich nicht davon abbringen. Ha! Auch auf diesem Album befinden sich wieder Cover bekannter Klassiker. Ich mag dabei ihre Umsetzung, die statt eines großen Ensembles ein wenig ruhiger und schlichter ist. Auch singen Zooey Deschanel und M. Ward nicht allzu ausgefallen oder kompliziert, sodass man super mitsingen kann. Was mehr will man von einem Weihnachtsalbum? Leider gibt es noch kein Musikvideo zu einem der neuen Songs, deshalb nehme ich eines von vor fünf Jahren.

Lieblingslieder: Christmas Memories // Christmas Don't Be Late // The Coldest Night Of The Year

Sonntag, 23. Oktober 2016

Musiktipps der Woche #6: This Human Mess

Am vergangenen Dienstag durfte ich die Kultband The Cure live in Berlin erleben. Für meinen persönlichen Geschmack ist die Mercedes-Benz Arena viel zu groß. Auch wenn sich das bei diesem Kaliber natürlich nicht ändern lässt. Als meine Mutter damals jedoch die Tickets ergatterte, waren die für die Stehplätze bereits ausverkauft. Deshalb stand beim Erreichen unserer Sitze in den nicht einmal ganz hinteren Rängen die Frage auf: "Haste mal ein Fernglas?" Eigentlich ironisch gemeint, sah ich später tatsächlich einige Besucher mit Fernglas. Trotz dieses Umstands war das Konzert großartig. The Cure standen knapp drei Stunden auf der Bühne und spielten alle Lieder, die man sich nur wünschen kann. Natürlich auch Klassiker wie Lovesong, Close To Me oder Friday I'm In Love. Letzterer war es auch, der die Leute in den Rängen endgültig von ihren Sitzen holte und zum Tanzen brachte. Insgesamt eine entspannte Atmosphäre und ein Robert Smith, der nach all den Jahren trotzdem noch nicht die Schnauze voll hat von den Songs, sondern Freude daran zu haben scheint. Ich bin sehr froh, bei einem Konzert dieser lebenden Legende dabei gewesen zu sein. Daher natürlich auch ganz wichtig zu erwähnen für diese Musikwoche.



I Don't Love Anyone (But You're Not Just Anyone) von Peter Doherty
Neben dem Fakt, dass es in der Vergangenheit viele Skandale um den Briten gab, weiß ich eigentlich gar nicht viel über Peter Doherty. Oder Pete, wie ihn die meisten noch zu nennen scheinen. Auch von seinen Bands Babyshambles oder The Libertines habe ich bislang nicht viel mitbekommen. Trotzdem hörte ich in den neu veröffentlichten Song hinein und bin spontan ganz begeistert. Das ist ja richtig gut - und ein verdammter Ohrwurm. Nun kann ich sein Album Hamburg Demonstrations, das am 2. Dezember erscheinen soll, kaum erwarten. Bis dahin höre ich mir das Lied noch ein wenig in Dauerschleife an und schaue dieses schön gemachte Musikvideo.




Linda von Devendra Banhart
Eigentlich hatte es mit diesem Song keinen guten Start. Denn er erinnert mich extrem an einen anderen. Das ist kein guter Grund, sich ein Lied immer wieder anzuhören. Das Ding ist aber, dass ich immer noch nicht herausgefunden habe, woran mich Linda erinnert. Ihr dürft mir bei der Suche gern weiterhelfen. Jedenfalls habe ich ihn mittlerweile so oft gehört, dass ich ihn richtig gern mag. Ansonsten bin ich nicht so angetan von Devendra Banharts neuestem Album Ape In Pink Marble. Seine Extravaganz ist etwas, das ich sonst an ihm schätzte und die gibt es auf dieser LP irgendwie gar nicht mehr, leider. Das Album ist mir zu langsam und zu eintönig. Sehr schade, da Banhart zu meinen absoluten Lieblingskünstlern zählt. Aber da er sich sowieso gern ausprobiert, wird mich das nächste Projekt vielleicht wieder mehr ansprechen.




Come All Sufferers von Gabriel Bruce
Dieses Album ist eine kunterbunte Überraschungstüte mit vielen sehr grundverschiedenen Songs und Stilen und ich liebe es. An manchen Stellen erinnert Bruce dabei an Nick Cave, an anderen an Marilyn Manson, oft auch an gar nichts, was ja nicht schaden kann. Trotzdem ist Come All Sufferers nie nur ein schlechter Abklatsch, sondern ziemlich genial. Die tiefe Stimme des Künstlers ist wunderbar. Die Text sind manchmal provokant und kritisch, manchmal witzig und manchmal sehr einfühlsam. Sie gehen Hand in Hand mit den Stimmungen der Lieder, mit denen man zusammen durch alle möglichen Emotionen geht. Ich muss mir unbedingt noch Gabriel Bruces Album von 2013 anhören. Bin sehr froh über diese Neuentdeckung.

Lieblingslieder: Jesus Drag Queen // This Human Mess

Samstag, 15. Oktober 2016

Musiktipps der Woche #5: Fog and fears and a mouth full of hot tears

Die Uni hat bei mir vergangene Woche wieder begonnen. Jippieh, oder so. Nach langem Trubel bin ich auch endlich in allen Modulen, die ich wollte. Bloß dass die Uni beim Umzug von einem System ins nächste ein Modul von mir komplett verschludert hat, wie ich jetzt mitbekam. Zack, Bumm, einfach weg. Unfuckingbelievable. Bin gespannt, ob ich das noch geregelt bekomme oder noch einmal ein extra Modul belegen darf, während ich im Sommersemester an meiner Bachelor-Arbeit schreibe. Auch sonst hielt die Woche eine volle Ladung Chaos für mich bereit, deshalb wird es Zeit, dass wir uns schöneren Dingen widmen. Der Musik!



They Can't If You Don't Let Them von A Fine Frenzy
Kennt ihr das, wenn ihr ein Album eigentlich vor längerer Zeit angehört habt, dann eines Tages darauf zurückkommt und plötzlich ein Lied ganz neu für euch entdeckt, dem ihr vorher keine große Beachtung geschenkt habt? So ging es mir bereits vor einem Jahr mit diesem Song und jetzt habe ich ihn erneut für mich entdeckt. Ich liebe den Songtext, den Anstieg der Intensivität, den Wechsel der Stimmung innerhalb des Liedes und die Dringlichkeit, mit der Alison Sudol es singt. Es bereitet mir besonders Freude, ihn selbst auf Gitarre zu spielen. Klingt sicherlich nicht so gut wie das Original, aber darum geht es ja nicht. They Can't If You Don't Let Them ist für mich jedes Mal wieder eine Reise und ich hoffe, ihn eines Tages live erleben zu können.

Fog and fears and a mouth full of hot tears
Can drown that voice sent to guide you
And wicked tongues with their hooks and their ice blood
Can wake the demons inside you



Marked For Death von Emma Ruth Rundle
Das zweite Album der Künstlerin ist Ende September erschienen und hat die perfekte Herbstmusik für mich in petto. Langsamer, dunkler Ambient-Rock, der bedrückt und gleichzeitig tröstet. Atmosphärisches Gitarrenspiel gesellt sich zu Texten, die von Hoffnungslosigkeit und Sterblichkeit handeln. Nicht, dass man gleich niedergeschlagen von den Songs wird. Sie passen nur gut zu der momentan sehr grauen Jahreszeit. Marked For Death gibt eine gewisse Ruhe, die man im hektischen Alltag ab und zu ganz gut gebrauchen kann. Zumindest kann ich von dem Album gerade gar nicht genug kriegen.

Lieblingslieder: Marked For Death // Protection



I Forget Where We Were von Ben Howard
Wer momentan fröhliche Lieder in seinem Leben braucht, ist bei den Musiktipps dieser Woche scheinbar an der falschen Adresse. Auch Ben Howards I Forget Where We Were ist eher ruhig und melancholisch. Trotzdem hält es schöne Erinnerungen aus meinem Semester in England für mich bereit. Zum Beispiel die Rückfahrt nach einem Tagesausflug nach Nottingham, bei der ich neben diesem Typen saß, den ich sehr mochte. Er hatte mir zuvor einmal erzählt, dass er Metal höre. Als ich mich jedoch im Bus schließlich neben ihn setzte und fragte, ob ich seine Musik mit anhören kann, gab er mir einen Ohrstöpsel und es lief dieses Album. Draußen war es schon dunkel und die vorbeiziehenden Straßenlaternen und Leuchtreklamen waren die einzige Lichtquelle. Es ist nichts passiert, außer dass wir dasaßen, zusammen lauschten und es einfach schön und gut so war. Ben Howard kannte ich natürlich, bis dato jedoch nur das Debüt. So lernte ich diese Songs also dank des Kerls kennen, den ich mittlerweile Boyfriend nennen darf. Auch danach haben wir es oft zusammen angehört. Nun sind wir beide wieder aus dem Auslandssemester zurück, er in Belgien, ich in Deutschland, und immer wenn das Vermissen Überhand gewinnt, muss I Forget Where We Were her. Das liebe ich so an Musik - sie verbindet. Und sie schafft es, Erinnerungen und Gefühle für uns abzuspeichern und bei Bedarf wieder hervorzuholen.

Lieblingslieder: Small Things // Rivers In Your Mouth // In Dreams // End Of The Affair // All Is Now Harmed

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Musiktipps der Woche #4: I'm so sweet I could eat myselfie

Meine Musikquellen platzen zwar aus allen Nähten, trotzdem scheinen sie mir noch nicht genug gewesen zu sein. Neben Musikblogs und Online-Magazinen, höre ich mir meine Empfehlungen auf last.fm und Spotify an und frage zudem die Leute in meinem Umfeld regelmäßig, was sie denn so gerade hören. Was ist das bei euch übrigens im Moment? Ich bin immer auf der Suche nach neuen Künstlern und Liedern. Oder zumindest neu für mich, sie kann auch gern Jahrzehnte alt sein. Hinzu kommt nun meine neue Bibel: The Mojo Collection - eine Sammlung mit den beliebtesten Alben der Autoren seit den 1950er Jahren, chronologisch aufgelistet. Nach langem Zögern ob meines eigentlich immer noch anhaltenden Buchkaufverbots, habe ich es jetzt doch geholt. Denn es ist schließlich mehr ein Nachschlagewerk. Gute Ausrede! Ich habe auch schon angefangen, die ersten Alben anzuhören und kann es kaum erwarten, noch mehr Perlen zu finden. Die werde ich dann natürlich auch in den Musiktipps vorstellen.



Tim Fite
Den US-Amerikaner sah ich vor einigen Jahren bereits live als Auftakt eines Bonaparte-Konzerts. Tim Fite hat damals auch bei deren neuestem Album Hand angelegt, siehe Video. Mein erster Eindruck bei seinem Auftritt war nicht so positiv. Er kam mir vor wie ein Möchtegern-Rapper mit großem Hang zum Machogehabe. Aber die anfängliche Antipathie habe ich hinter mir gelassen, als ich checkte, dass viele seiner Aktionen parodieren und man sie deshalb mit einer Schippe Humor nehmen sollte. Nach dem Auftritt hatte ich in sein Album iBeenHACKED hineingehört, das Richtung HipHop geht. Mit Liedern wie Pussies nimmt er die typischen Klischees von Gangsterrappern auf den Arm. Irgendwann habe ich zu meiner großen Überraschung festgestellt, dass der Gute in den Jahren zuvor ganz andere Musik gemacht hat. Mit Folk fing Tim Fite nämlich an. Ich bin begeistert angesichts der Vielseitigkeit dieses Künstlers.
Lieblingslieder: Big Mistake // Rats And Rags // Heaven Is War



Squirrel Nut Zippers
Der Name ist zwar ungewöhnlich, die Musik kann sich aber richtig gut hören lassen. Irgendwas zwischen Klezmer, Gypsy-Jazz und Swing im Stil der 1930er Jahre ist es, was die Damen und Herren der Squirrel Nut Zippers produzieren. Die Band gibt es mit wechselnden Mitgliedern seit 23 Jahren und ich bin schockiert, dass sie in Deutschland nicht bekannter ist. Ich verstehe es ja, ich bin auch immer vorsichtig mit Jazz. Klassische Swingmusik geht noch gut ab. Sobald es dann in den sehr experimentellen und improvisieren Jazz geht, wo Melodien quasi verpönt sind, bin ich auch raus. Bei den Squirrel Nut Zippers gibt es die Melodien jedoch auf jeden Fall. Zu ihrer Musik kann man fabelhaft tanzen, mitsingen und gute Laune haben und deshalb empfehle ich eine große Dosis. Mein Wort zu diesem grauen, trostlosten Donnerstag.
Lieblingslieder: Hell // Ghost of Stephen Foster

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...